mini|Der Sommerleist von Westen, mit Murtentor und Christoffelturm, Franz Niklaus König zugeschriebene Gouache (um 1810) mini|Anonymer Entwurf für den Sommerleist (um 1790) Der Sommerleist war eine Berner Herrengesellschaft mit Sitz im gleichnamigen Gebäude an der Laupenstrasse in Bern.

Geschichte Der Sommerleist war ein konstituierter Leist (Freundeskreis), vergleichbar mit der Grande Société, dem Rauchleist oder dem Krähenbühlleist.Kehrli 2009, S. 51. Als Mitglieder sind bisher Johann Rudolf Steck, Albrecht Niklaus Zehender (1770–1849), der Bauherrenschreiber Friedrich Bernhard Bay (1755–1814), der Kriegsratsschreiber Albrecht Haller (1758–1823) und der Architekt Carl Ahasver von Sinner als Seckelmeister bekannt geworden. Zehender bezeichnet die Gesellschaft als «Wohlansehnlichen politischen Sommerleist beim Maulbeerbaum». Es handelt sich allesamt um Personen, die vor 1795 nicht im Kleinen oder Grossen Rat sassen. Vermutlich ist der Sommerleist aus der Grande Société heraus entstanden, denn diese plante um 1766 den Bau eines Sommerhauses, verwarf den Plan allerdings wieder.Kehrli 2009, S. 51. Für das Jahr 1775 ist belegt, dass die Grande Société das Monbijou-Gut für ihre Zusammenkünfte im Sommer mietete.Kehrli 2009, S. 52. In den Jahren 1797 bis 1799 liess der Sommerleist nach Plänen des Architekten Carl Ahasver von Sinner durch die Werkmeister Schnyder und Haller einen Landsitz bauen.Hofer 1959, S. 4. Das Versammlungshaus präsentierte sich gegen die Laupenstrasse mit einem Portikus aus sechs ionischen Säulen, die einen einfachen Giebel trugen. Die Gartenseite war geprägt durch einen Mittelrisalit mit Giebel und halbrund vorspringender Terrasse. Über das Hausinnere ist nicht mehr bekannt, als dass ein Saal den grössten Teil des Grundrisses ausmachte.

1816 traf sich die Allgemeine Schweizerische Gesellschaft für die Gesammten Naturwissenschaften, die spätere Schweizerische Naturforschende Gesellschaft, zu Sitzungen im Sommerleist.Eröffnungsrede der Jahresversammlung der Allgemeinen Schweizerischen Gesellschaft für die Gesammten Naturwissenschaften, 1816, S. 1. Im selben Jahr fand im Sommerleist das kantonale Musikfest der Musikalischen Gesellschaft statt.Häfelen 1857, S. 134. 1818 kaufte Franz Christoph Engel (1740–1820)Sohn des Samuel Engel (1702–1784)., Altlandvogt zu Oron, die Sommerleist-Besitzung.Bloesch 1918, S. 24. Für das Jahr 1857 ist ein Angehöriger der Familie Risold als Besitzer belegt.Häfelen 1857, S. 135. Der Photograph Carl Durheim kaufte 1863 den Sommerleist, um dort sein Atelier einzurichten.Schürpf 2001, S. 1. Gustav Baer übernahm 1873 Durheims Atelier.foto-ch.ch

1914 erwarb die Heilsarmee die Sommerleist-Besitzung. Der Sinner-Bau wurde 1918 abgerissen und durch das neue Hauptquartier der Heilsarmee ersetzt.Bloesch 1918, S. 25. Unter dem Namen Sommerleist AG firmierte ein Unternehmen, welches ab 1927 an der Maulbeerstrasse, in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Sommerleists, ein Schwimmbad mit türkischem Bad und Coiffeursalon betrieb. Das Hallenbad wurde 1939 durch die Architekten Rudolf von Sinner und Hans Beyeler erweitert und besteht als Hallenbad Hirschengraben im Besitz der Stadt Bern bis heute.

Quellen

Streubestände (Deskriptor (Orte): Laupenstrasse 5) in der Burgerbibliothek Bern

Literatur

Manuel Kehrli: Geselligkeit in Bern, die Leiste und die Gründung der Grande Société, in: Georg von Erlach et al.: Hôtel de Musique und Grande Société de Berne, Bern 2009, S. 41–57.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Bern Kategorie:Erbaut in den 1790er Jahren