mini|Jüdischer Friedhof in Laufersweiler mit dem Naturdenkmal Eiche Der jüdische Friedhof Laufersweiler ist eine Begräbnisstätte der Juden in Laufersweiler, einer Ortsgemeinde im Rhein-Hunsrück-Kreis (Rheinland-Pfalz). Der jüdische Friedhof liegt am Nordwestrand der Gemeinde an der Straße Kelebann. Seit 1992 ist er als Kulturdenkmal eingetragen und geschützt.
Geschichte Der alte Teil des jüdischen Friedhofs wurde vermutlich bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts angelegt, ein erster schriftlicher Beleg ist für das Jahr 1904 vorhanden, in dem der Vorstand der Synagoge einen Antrag auf Erweiterung des bisherigen Friedhofsgeländes gestellt hatte. Die Erweiterung war nötig geworden, da eine Wiederbenutzung älterer Grabstätten in der jüdischen Glaubenslehre nicht zulässig ist. Dem Antrag zur Erweiterung wurde im Jahr 1905 zugestimmt und nach langen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern erwarb die Synagogengemeinde im Jahr 1911 ein an den alten Friedhof angrenzendes Grundstück. Für die Einrichtung des Friedhofs wurden 1000 Mark inklusive eines Zuschusses der Zivilgemeinde aufgebracht und im Jahr 1912 eine Begräbnisordnung festgelegt. Die letzten Beisetzungen fanden 1940 stattDoppelgrab von Amalie Joseph geb. Rosenthal (7.8.1864-23.8.1940) und August Joseph (20.5.1863-21.9.1940). Nach dem Gedenkbuch Saarbrücken starb Amalie – anders als auf dem Grabstein angegeben – erst am 23. August 1941..
Die Instandsetzung des Friedhofes nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste durch die Gemeinde Laufersweiler durchgeführt werden und sie wurde für die weitere Erhaltung von der Besatzungsmacht verpflichtet. Im Jahr 1962 wurden die bestehenden Grabsteine neu befestigt und die Friedhofsfläche wurde durch den damaligen Altbürgermeister Jakob Röhrig gepflegt. Um Bauland zu schaffen, wurden die Grabsteine im Jahr 1963 auf den neuen Friedhof umgelagert und aufgeschichtet, anschließend nebeneinander in einer Reihe aufgestellt und mit einer Hecke abgegrenzt. Für diese Grabsteine ist die Verbindung zur Grabstelle und den Verstorbenen nicht mehr hergestellt. Der ältere Teil wurde in den Folgejahren überbaut und kann nicht mehr rekonstruiert werden, da kein Grabverzeichnis besteht. Für beide Friedhofsteile sind heute noch 57 Grabsteine (Mazewot) erhalten geblieben, welche in zwei Reihen links und rechts des mittig verlaufenden Weges auf dem Friedhof angeordnet wurden.
Die Friedhofsfläche besteht aus einem rechteckigen Areal, umfasst 3,50 Ar und ist in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz als Denkmalzone aus geschichtlichen Gründen eingetragen.
Kriegsopfer Die jüdischen Einwohner von Laufersweiler, die während der NS-Zeit verschleppt und ermordet wurden. + "Opfer der NS-Herrschaft, vermisste und ermordete jüdische Bürger aus Laufersweiler" Name Geburtsdatum Anmerkung Fain, Hermann * 11. Dezember 1920 verschollen unbekannt Frank, Elisabeth * 29. März 1903 verschollen unbekannt Frank, Fanny, geb. Kahn * 24. Juni 1870 verschollen Auschwitz Frank, Isaac * 16. Mai 1865 ermordet † 24. August 1942 Theresienstadt Frank, Mayer * 2. November 1862 verschollen Auschwitz Hanau, Albert * 28. Februar 1885 ermordet im † August 1944 Theresienstadt Hanau, Hilda geb. Löser * 15. März 1892 tot erklärt Auschwitz Joseph, Gertrude geb. Hayum * 4. Februar 1893 tot erklärt Theresienstadt Joseph, Ruth * 29. Juni 1921 tot erklärt Auschwitz Löser, Magdalena geb. Levi * 18. Januar 1863 ermordet † 1. September 1942 Theresienstadt Marx, Joseph * 27. Juni 1911 verschollen unbekannt Mayer, Eva * 7. Januar 1929 tot erklärt Sobibor Mayer, Gerd * 29. September 1930 verschollen Theresienstadt Mayer, Kurt * 4. Dezember 1937 verschollen unbekannt Mayer, Paula geb. Franken * 1. April 1901 verschollen unbekannt Mayer, Rosa * 6. September 1895 verschollen unbekannt Mayer, Sally * 14. Februar 1939 verschollen unbekannt Scholem, Emma geb. Somborn * 2. April 1867 tot erklärt Minsk Scholem, Ludwig L. * 15. Oktober 1863 tot erklärt Minsk Seelig, Getrud geb. Hanau * 4. Mai 1922 tot erklärt unbekannt Strauß, Bernhard Josef * 30. Oktober 1913 ermordet † 28. April 1943 Auschwitz Tenzer, Klara geb. Rauner * 21. Juli 1894 tot erklärt unbekannt Tenzer, Moses A. * 27. Februar 1890 verschollen Polen Weiler, Zacharias * 4. Juni 1848 ermordet † 10. August 1942 Theresienstadt
Literatur Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Band 2: Großbock – Ochtendung. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-08078-9 (Online-Ausgabe). Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland (= Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland. Bd. 2). Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Synagogue Memorial Jerusalem. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7.
Weblinks
Jüdischer Friedhof Laufersweiler beim Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland Jüdischer Friedhof Laufersweiler bei Alemannia Judaica
Einzelnachweise
Laufersweiler Kategorie:Kulturdenkmal in Laufersweiler Laufersweiler Laufersweiler Kategorie:Denkmalzone (Rheinland-Pfalz)