Der Ivaí ist ein etwa 699 km langer Nebenfluss des Rio Paraná in der Mitte und im Nordwesten des Bundesstaats Paraná in Brasilien.

Name Ivaí Der Ursprung des Namens Ivaí liegt in der Tupi-Guarani-Sprache der indigenen Bevölkerung. In Tupí ist es die Aneinanderreihung von ybá = Frucht und y = Fluss. In Guaraní bedeutet es ebenso Fluss der Blume oder Fluss der schönen Frucht.

Geografie Flusslauf links|mini|Flusslandschaft von der PR-317-Brücke zwischen Maringá und Campo Mourao Der Ivaí ist mit etwa 699 km Länge (bzw. etwa 824 km mit dem etwa 125 km langen Quellfluss Rio dos Patos) der längste Fluss, der vollständig innerhalb von Paraná verläuft. Er entsteht im Munizip Prudentópolis in der Region Centro-Sul des Staates Paraná beim Zusammenfluss des Rio dos Patos mit dem Rio São João etwa 20 km nördlich der Stadt Prudentópolis auf der Zweiten Hochebene von Paraná (Planalto de Ponta Grossa) auf 499 m Meereshöhe.

Quellflüsse (125 km) Sein Quellfluss Rio dos Patos entspringt am Osthang der Serra da Esperança auf der Hochebene von Ponta Grossa südlich von Prudentópolis auf 945 m Höhe. Seine Länge bis zum Zusammenfluss mit dem São João beträgt 125 km. Bis hier beträgt sein Gefälle 3,53 ‰.

Oberlauf (300 km) Der Oberlauf erstreckt sich über etwa 300 km bis unterhalb der Mündung des Rio Alonso. Bis zum Pegel Ubá do Sul weist der Ivaí einen Höhenunterschied von 133 m auf einer Strecke von 272 km mit 0,49 ‰ Gefälle auf. Er beendet den Oberlauf mit dem Durchbruch durch die Serra da Esperança und tritt in den Terceiro Planalto Paranaense ein. Hier beträgt der Höhenunterschied auf einer Strecke von 30 km etwa 20 m mit 0,67 ‰ Gefälle.

Mittellauf (230 km) Vom Durchbruch durch die Serra Geral auf etwa 353 m Höhe erstreckt sich der Mittellauf über 240 km bis Mirador auf 248 m Höhe. Der Ivaí durchschneidet das Basaltgestein mit Ebenen und Tafelbergen, die immer runder werden. Die Stromschnellen, Untiefen und kleinen Wasserfälle sind noch bis in die Nähe von Ivatuba vorhanden. Von diesem Punkt bis Corredeira de Ferro ist die Strecke von kräftigen Stromschnellen wie der Ferro- und der Índio-Stromschnelle mit sanft fließenden Abschnitten dazwischen geprägt.

Unterlauf (170 km)

Im Unterlauf ab Mirador fällt der Ivaí nur noch von 248 m bis 234 m. Der Höhenunterschied in diesem Abschnitt beträgt 16 m und das Gefälle liegt bei ca. 0,009 ‰, sein Lauf ist praktisch frei von Stromschnellen. Die ersten Spuren der Ebene sind in kleinen Schwemmlandterrassen stromaufwärts von Stromschnellen zu beobachten. Flussabwärts bis zur Corredeira de Ferro verbreitert sich die Ebene ein wenig und erreicht eine Breite von 3 bis 5 km. Für weitere 75 km in Richtung Mündung verbreitert sich die Ebene auf eine Breite von 6 bis 10 km. Der Ivaí mündet bei Porto Camargo (Munizip Icaraíma) gegenüber der Ilha dos Bandeirantes in einen Nebenarm des Paraná. Das Munizip Icaraíma befindet sich am Südufer der Mündung des Ivaí, das Munizip Querência do Norte am Nordufer. Bemerkenswert ist die Farbe seines Wassers, das die meiste Zeit des Jahres braun oder rot ist. Beim Zusammenfluss mit dem Paraná bilden sich Wirbel ähnlich denen, die beim Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimões bei der Bildung des Amazonas, dem Encontro das Águas, auftreten.

Einzugsgebiet und Nebenflüsse

Das Einzugsgebiet umfasst 36.587 km². Das sind rund 18 % der Fläche des Staates Paraná.

Dem Ivaí fließen hunderte Gewässer zu. Größere Flüsse (50 – 216 km) von links sind flussabwärts Rio Belo, Rio Pitanga, Rio Borboleta, Ribeirão Pindauva, Rio da Bulha, Rio Corumbataí, Rio Arurão, Rio Mourão, Rio Claro, Rio Ligeiro, Rio dos Índios, Ribeirão Tapiracui, Rio das Antas und Córrego 215.

Rechte Nebenflüsse sind Rio Ubazinho, Rio Branco, Rio Alonso, Rio Bom, Ribeirão Cambará, Ribeirão Barbacena, Rio Keller, Ribeirão Marialva, Ribeirão Bandeirantes do Sul, Rio Andira, Rio da Esperançã, Ribeirão Anhumaí, Rio Surucuá, Ribeirão Paranavaí und Ribeirão Lica.

Munizipien im Einzugsgebiet Im Einzugsgebiet des Ivaí liegen 102 Munizipien. Darunter sind nur Maringá, Apucarana und Umuarama Großstädte. +MunizipFläche innerhalb Ivaí-Becken (km²)Gesamtfläche (km²)Anteil an Gesamtfläche (%)Einwohner innerhalb Ivaí-Becken (IBGE 2004)Alto Paraná14140835 %11.284Amaporã385385100 %5.018Apucarana19055534 %40.423Arapuã218218100 %3.719Ariranha do Ivaí238238100 %2.638Barbosa Ferraz532532100 %11.915Boa Ventura de São Roque59662196 %6.540Bom Sucesso321321100 %5.689Borrazópolis337337100 %8.413Califórnia4714233 %695Cambira12116474 %6.160Campo Mourão73576496 %81.554Cândido de Abreu1.5151.515100 %17.352Cianorte79280998 %61.097Cidade Gaúcha404404100 %10.074Corumbataí do Sul170170100 %4.076Cruzeiro do Oeste38478249 %16.499Cruzmaltina305305100 %3.587Douradina420420100 %5.946Doutor Camargo118118100 %5.692Engenheiro Beltrão469469100 %13.780Faxinal714714100 %15.040Fênix234234100 %4.408Floraí191191100 %5.175Floresta162162100 %5.427Godoy Moreira133133100 %3.088Grandes Rios305305100 %7.474Guairaçá18949438 %713Guamiranga19224379 %6.408Guaporema201201100 %2.220Guarapuava5553.12618 %4.827Icaraíma43269462 %7.857Indianópolis122122100 %4.132Irati36199536 %5.781Iretama568568100 %9.037Itambé244244100 %5.847Ivaí42461069 %9.564Ivaiporã435435100 %29.767Ivaté412412100 %6.863Ivatuba9595100 %2.944Jandaia do Sul17118891 %19.974Japurá167167100 %7.570Jardim Alegre411411100 %13.698Jussara208208100 %6.429Kaloré194194100 %4.262Lidianópolis153153100 %3.737Loanda42272059 %1.610Luiziana69290976 %5.859Lunardelli199199100 %4.713Mamborê8878311 %675Mandaguaçu7329325 %756Mandaguari9333628 %10.421Manoel Ribas571571100 %13.535Maria Helena484484100 %5.330Marialva35347574 %19.426Marilândia do Sul21738357 %7.692Maringá21248644 %187.372Marumbi210210100 %4.409Mato Rico4739712 %366Mauá da Serra2010918 %6.349Mirador222222100 %2.584Nova Aliança do Ivaí132132100 %1.406Nova Esperança22740257 %10.516Nova Olímpia136136100 %5.220Nova Tebas544544100 %5.315Novo Itacolomi161161100 %2.571Ortigueira7522.43231 %5.005Ourizona175175100 %3.214Paiçandu171171100 %35.159Paraíso do Norte205205100 %10.182Paranavaí4201.20235 %66.453Peabiru467467100 %13.141Pitanga1.5091.66691 %32.314Planaltina do Paraná356356100 %4.093Presidente Castelo Branco7415547 %4.044Prudentópolis2.3122.312100 %46.003Querência do Norte2721.00827 %8.571Quinta do Sol326326100 %5.841Reserva1.1631.63471 %10.245Rio Bom177177100 %3.212Rio Branco do Ivaí384384100 %3.498Roncador34674147 %2.763Rondon551551100 %8.465Rosário do Ivaí381381100 %5.262Santa Cruz de Monte Castelo40844392 %2.462Santa Isabel do Ivaí348348100 %8.884Santa Maria do Oeste208462 %248Santa Mônica260260100 %3.196São Carlos do Ivaí224224100 %6.382São João do Ivaí353353100 %11.417São Jorge do Ivaí317317100 %8.787São Manoel do Paraná9696100 %1.917São Pedro do Ivaí322322100 %9.545São Tomé217217100 %5.009Sarandi6010457 %37.292Tamboara195195100 %4.089Tapejara52859988 %2.409Tapira435435100 %5.130Terra Boa326326100 %14.841Tuneiras do Oeste13969820 %659Turvo85390894 %14.084Umuarama2661.22722 %6.909Gesamt36.21951.1881.221.243

Brücken und Fähren mini|Ivaí-Brücke an der PRC-272 zwischen Mauá da Serra und Ivaiporã bei Porto Ubá mini|Fähre zwischen Mirador und Guaporema Den Ivaí überqueren nur 9 Brücken vom Ursprung bis zur Mündung in den Paraná. Zusätzlich ermöglichen drei Fähren die Überfahrt. +Linkes UferRechtes UferStraßeManoel RibasCândido de AbreuPRC-487Porto UbáCruzmaltinaPRC-272 / PRC-466São João do IvaíSão Pedro do IvaíPR-457IvâilandiaFlorestaPR-317IvailândiaFlorestaPR-317 VarianteCianorteDoutor CamargoPR-323Ponte Rodoferroviária der Bahnlinie EF-369 Ourinhos - Porto MendesJapuráPorto São CarlosPR-498FähreRondonParaíso do NortePR-492GuaporemaMiradorPR-180FähreTapiraSanta MônicaPR-576HerculandiaSanta EsmeraldaPR-578Pontal do Tigre – IcaraímaPorto Novo – Querência do NortePR-682 / PR-218Fähre

Wirtschaftliche Nutzung Am Ivaí selbst gibt es keine Talsperren. Lediglich an seinem Quellfluss Rio dos Patos im Munizip Prudentópolis und an seinem linken Nebenfluss Rio Mourão im gleichnamigen Munizip sind kleinere Wasserkraftwerke installiert.

Sein Wasser wird in großem Umfang für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen verwendet. In seinem Einzugsgebiet werden bis zu 28.000 m³ pro Stunde vorwiegend für den Reisanbau entnommen, das ist ein Drittel der gesamten Bewässerungsmenge des Staates Paraná.

Geschichte

Vorkolumbianische Besiedlung Am Ivaí zeugen seit Mitte des 20. Jahrhunderts archäologische Funde von der frühen Besiedlung des Landes. An der nördlichen Grenze des Munizips Prudentópolis wurden an der Fundstelle Estirão Comprido seit 1954 Artefakte der Guaraní- und vorkeramischer Kulturen untersucht. Es handelte sich dabei unter anderem um das indigene Volk der Itararé-Taquara-Kultur mit Bauern und Töpfern, das eine raffinierte Technik für unterirdische Bauten besaß. Sie bewohnten Regionen mit Wäldern der Araukarienkiefer.

Am Unterlauf des Ivaí fand ein Landwirt 1958 beim Ausheben einer Vertiefung für den Bau einer Zuckerrohrmühle ganz in der Nähe des Hochufers im schwarzen Sandboden Skelette. Die archäologische Untersuchung des Sítio José Vieira im Munizip Guaporema zeigte, dass es sich um eine Begräbnisstätte aus der Guaraní-Kultur handelte. Sie stammt aus einer Trockenperiode vor dem 16. Jahrhundert, als nach Berichten europäischer Reisender schon Regenwald vorherrschte. Nach der seither erfolgten Radiokohlenstoffdatierung sind die Knochen etwa 3500 Jahre alt.

Spanische Herrschaft

Erste Europäer Im 16. Jahrhundert lebten im Viereck zwischen Paraná, Paranapanema, Tibají und Rio Iguaçu in der Mehrheit Tupi-Guarani-Völker.

Der erste Europäer, der die Region durchzog, war Aleixo Garcia, der 1524 mit seiner Bandeira auf seinem Raubzug nach Sucre den Paraná in der Gegend von Sete Quedas überquerte. 1541 durchquerte Álvaro Nunes Cabeza de Vaca auf dem Weg nach Asuncion die Region. Er überschritt den Iguaçu, dann den Tibaji, und nahm den Paraná symbolisch für den König von Spanien in Besitz.

1554 wurde am Ufer des Paraná die Stadt Ontiveros unweit der Mündung des Ivaí gegründet. Ontiveros diente der Versklavung vieler Indigener. 1557 wurde die Stadt stromabwärts in die Nähe der Piquirí-Mündung verlegt. Hier erhielt sie den Namen Ciudad Real del Guayrá. 1579 gründeten die Spanier Ivaí-aufwärts an der Mündung des Corumbataí auf dem Gebiet des heutigen Munizips Fênix (Paraná) die Stadt Vila Rica do Espírito Santo. Vila Rica wurde ebenfalls ein bedeutendes Zentrum der Versklavung Indigener. Die spanischen Orte auf dem Gebiet des Staates Paraná erhielten den Namen República do Guairá.

Die indigenen Bewohner wurden gezwungen, den Katechismus und ein Handwerk zu erlernen. Sie mussten Abgaben leisten oder Frondienste erbringen. Dieses System wurde Encomiendas genannt. Es wurde auch in Ciudad Real und in Vila Rica installiert. Die Indigenen wehrten sich stark. Wegen der Häufigkeit von Aufständen schlug der Gouverneur von Paraguay der spanischen Krone vor, die Befriedung und Bekehrung der Indianer den Jesuiten anzuvertrauen.

Jesuitenreduktionen Die Jesuiten hatten bis dahin die Indigenenmission als Wanderprediger vorgenommen. Dies wirkte nicht nachhaltig. In Guairá erprobten sie erstmals das neue System der Reduktionen. Hier wohnten die Indigenen in (Klein-)Familien in Häusern, ebenso lebten die Missionare dauerhaft in der Reduktion.

1610 gründeten die Jesuiten am linken Ufer des Paranapanema Nossa Senhora de Loreto und Santo Inácio Mini. In dieser Gegend lebten über 200 Guaranífamilien, die sie vor der Gründung der Reduktionen tauften. In den folgenden Jahren entstanden in Guairá insgesamt 13 Reduktionen, darunter am Ivaí und an seinem Nebenfluss Corumbataí die Reduktionen Sete Arcanjos (1627), San Pablo del Ivagy (1627) und Santo Tomé (1628). 1989 wurde das Sítio São José am Ivaí archäologisch erforscht. Es stellte sich als die Jesuitenmission San Pablo del Iniaí heraus.