alt=Elisabeth Gabriele in Bayern|mini|Elisabeth Gabriele in Bayern (1920) rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|Signatur Elisabeth Gabriele Valérie Marie Herzogin in Bayern (* 25. Juli 1876 in Possenhofen am Starnberger See; † 23. November 1965 in Brüssel, Belgien) war die Frau des belgischen Königs Albert I. und die Mutter des späteren belgischen Königs Leopold III. Sie trat auch als Patronin der Musik und Künste sowie durch ihre karitativen Tätigkeiten hervor. Als Elisabethville trug Lubumbashi bis 1966 ihren Namen. Auch der Concours Musical Reine Elisabeth ist nach ihr benannt.
Abstammung und Jugend mini|hochkant=1.4|links|Elisabeth Gabriele (links) mit ihren Schwestern Sophie Adelheid und Marie Gabrielle (ca. 1895) Die 1876 im Schloss Possenhofen geborene Elisabeth war eine Prinzessin aus der herzoglichen Nebenlinie Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen des Hauses Wittelsbach. Sie war die zweite Tochter von Carl Theodor Herzog in Bayern und seiner Frau, der Infantin Maria Josepha von Portugal. Benannt wurde sie nach ihrer Tante väterlicherseits, der österreichischen Kaiserin Elisabeth.
Die Prinzessin wuchs zusammen mit ihren Geschwistern sehr schlicht im Schloss Possenhofen unter dem Einfluss ihres hochintellektuellen und karitativ sehr engagierten Vaters auf, der sich als anerkannter Augenarzt einen Namen gemacht hatte. Herzog Carl Theodor gestand der Persönlichkeitsentfaltung seiner Kinder großen Raum zu und prägte ihnen Gespür für ihre Verantwortung für Arme und Schwache ein. Er pflegte ferner den künstlerischen Geschmack seiner Familie und förderte etwa die musikalischen Interessen seiner ihm besonders eng verbundenen Tochter Elisabeth, wobei sie insbesondere im Geigen- und Klavierspiel eine große Fertigkeit erlangte. Auch in der Bildhauerei sollte sie einiges Geschick beweisen. Neben Deutsch sprach sie auch Französisch und Englisch. Sie arbeitete im Spital ihres Vaters, studierte Krankenpflege und entwickelte religiöse Überzeugungen, die mit der Lehre der katholischen Kirche konform gingen.John Haag, Women in World History, Bd. 5, S. 151; Georges-H. Dumont, Nouvelle Biographie nationale de Belgique, Bd. 1, S. 78.
Heirat und frühe Ehejahre mini|Elisabeth Gabriele mit ihrem Ehemann Albert (1900) Ihren künftigen Gemahl, den um ein Jahr älteren Prinzen Albert von Belgien, lernte Elisabeth im Mai 1897 in Paris beim Begräbnis ihrer bei einer Brandkatastrophe ums Leben gekommenen Tante Sophie, Herzogin von Alençon, kennen. Albert, zweiter Sohn von Prinz Philipp, Graf von Flandern, und dessen Gemahlin Maria Luise von Hohenzollern-Sigmaringen, war präsumtiver Thronerbe Belgiens, das von seinem unbeliebten Onkel Leopold II. regiert wurde. In der Folge begegneten sich Elisabeth und Albert, die einander sehr sympathisch fanden, bei Alberts Schwester Henriette, Herzogin von Vendôme, wieder, ferner beim Herzog von Alençon sowie bei Elisabeths Tante Marie, der ehemaligen Kurzzeit-Königin beider Sizilien. Im September 1898 nahmen die beiden jungen Leute in Wien an der Beisetzung der ermordeten österreichischen Kaiserin Elisabeth teil. Ihre gegenseitige Zuneigung hatte sich vertieft. Das Paar konnte nach seiner Verlobung zu Neuilly-sur-Seine auch seine am 2. Oktober 1900 in der Münchener Frauenkirche erfolgte Liebeshochzeit durchsetzen.
Einige Tage nach ihrer Heirat wurden Elisabeth und Albert in Belgien begeistert empfangen und begaben sich anschließend auf ihre Hochzeitsreise nach Italien. Daraufhin wohnte die 24-jährige Prinzessin mit ihrem Gemahl zunächst im Palast ihrer Schwiegereltern in der Rue de la Régence in Brüssel. Zur Wahrung eines selbstbestimmten Privatlebens reiste sie mit Albert Anfang 1901 an die Côte d’Azur und hielt sich im folgenden Sommer längere Zeit in ihrer Heimat Possenhofen auf. Ende September 1901 zog sie in Brüssel in das eben fertiggestellte Hôtel d’Assche. mini|Elisabeth, Herzogin von Brabant mit ihrem neugeborenen Sohn Charles (1903) Aus der Ehe des Prinzenpaars, die als sehr liebevoll galt, gingen drei Kinder hervor:
Prinz Leopold (* 3. November 1901; † 25. September 1983), Herzog von Brabant, als Leopold III. von 1934 bis 1951 König der Belgier Prinz Karl (* 10. Oktober 1903; † 1. Juni 1983), Graf von Flandern, Prinz von Belgien Prinzessin Marie-José (* 4. August 1906; † 27. Januar 2001), Prinzessin von Belgien, ⚭ 1930 König Umberto II. von Italien
Elisabeth zeigte sich an den Sorgen bedürftiger und kranker Belgier interessiert, lernte die Verhältnisse in Brüsseler Spitälern und Waisenhäusern genau kennen und förderte insbesondere die Bekämpfung der Tuberkulose. Schon vor ihrem Herrschaftsantritt genoss sie mit ihrem Gatten, auch aufgrund ihres bescheidenen und harmonischen Familienlebens sowie ihres für die damalige Zeit sehr egalitären Verhaltens, große Popularität im Volk.
Auf dem Gebiet der Schönen Künste widmete Elisabeth insbesondere der Musik große Aufmerksamkeit. Sie spielte täglich stundenlang Geige, wobei sie Eugène Ysaÿe zum Lehrer hatte, und war eine eifrige Anhängerin Richard Wagners, wohnte aber bei ihren Besuchen im Monnaie-Theater auch Aufführungen von Opern von Georges Bizet, Claude Debussy und anderen französischen Komponisten bei. Mit dem belgischen Dichter Émile Verhaeren war sie seit einem Treffen am 4. Juni 1908 in Ostende befreundet. Sie ließ auch den belgischen Maler Eugène Laermans, als dieser zu erblinden drohte, bestmöglich medizinisch behandeln.John Haag, Women in World History, Bd. 5, S. 152; Georges-H. Dumont, Nouvelle Biographie nationale de Belgique, Bd. 1, S. 78f.
Belgische Königin Nachdem Leopold II. am 17. Dezember 1909 nach 44-jähriger Regierung verstorben war, leistete sechs Tage später sein Neffe Albert den Eid auf die belgische Verfassung und wurde als Albert I. zum neuen König ausgerufen. Seine Gattin Elisabeth wurde somit belgische Königin. Nach der Vereidigungszeremonie feierten zahlreiche Menschen das neue Herrscherpaar in Brüssel enthusiastisch. In der Folge führte es die Regierung mit einem besonderen Augenmerk auf soziale Verantwortung. Im November 1910 zog sich Elisabeth eine schwere Rippenfellentzündung zu, die erst im Februar 1911 auskuriert war.
Rolle im Ersten Weltkrieg mini|Königin Elisabeth als Krankenschwester im Ersten Weltkrieg Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste die Königin einen durch die militärische Auseinandersetzung ihres ehemaligen Vaterlandes und ihres nunmehrigen Volks bewirkten seelischen Konflikt durchleben. In der Folge handelte sie ganz im Interesse Belgiens und brach die Beziehungen zu ihrer Familie in Bayern ab. Mit ihren perfekten Deutschkenntnissen hatte sie ihrem Gemahl am 1. August 1914 bei der Abfassung eines persönlichen Briefes an Kaiser Wilhelm II. geholfen, in dem Albert, allerdings vergeblich, um Achtung der belgischen Neutralität gebeten hatte. Belgien widersetzte sich dann dem deutschen Einmarsch im August 1914. Elisabeth trug dazu bei, dass verwundete belgische Soldaten im zum Lazarett umfunktionierten Königspalast verarztet werden konnten. Erst bei der Ankunft deutscher Truppen vor Brüssel schloss sie sich den zurückweichenden belgischen Streitkräften an. Sie brachte ihre drei jungen Kinder in das sichere England, und zwar ins Hackwood House zum britischen Staatsmann Lord Curzon. In Antwerpen traf sie anschließend Winston Churchill.
Am 7. Oktober 1914 befahl der König den Rückzug seiner Armee. Es gelang den Belgiern, u. a. durch die Überflutung des Yser-Tals, ein kleines Stück ihres Territoriums gegenüber den Deutschen dauerhaft zu behaupten. In der auf diesem Gebiet an der Kanalküste gelegenen Gemeinde De Panne, unweit der Front, lebten Elisabeth und Albert ab dem Zeitpunkt ihrer Ankunft, dem 13. Oktober 1914, vier Jahre lang. Die Königin half bei der Lösung des dringenden Problems, die medizinische Versorgung der zahlreichen Verwundeten zu organisieren. In Zusammenarbeit mit dem Chirurgen Antoine Depage richtete sie im Dezember 1914 in De Panne ein Feldlazarett, das hôpital de l'Océan, ein, dessen Betrieb sie dem belgischen Roten Kreuz unterstellte und wo sie bisweilen – dem sich rasch bildenden Mythos der Reine-infirmière nach freilich unzählige Stunden lang – verletzte Soldaten betreute. mini|Truppenbesuch des Königspaares und seiner Kinder an der Westfront (1916) Elisabeth gründete auch das Sinfonieorchester der belgischen Armee und sorgte für die Ausstattung der Soldaten mit warmer Kleidung und Schuhwerk. Vielen Belgiern erschien sie als Seele des Widerstandes gegen die Fremdokkupation. Literaten und Musiker wie Eugène Ysaÿe, Émile Verhaeren, Pierre Loti und Camille Saint-Saëns besuchten sie in De Panne, ebenso der französische Staatspräsident Raymond Poincaré. Im Auftrag ihres Gatten übernahm sie heikle Missionen; und wenn sie sich öfters zu einem Treffen mit ihren Kindern in England aufhielt, erforschte sie Absichten der britischen Regierung für die weitere Kriegsführung. Albert nutzte ihre familiären Bande, etwa die Vermittlung von Hans Veit zu Toerring-Jettenbach, für die Aufnahme von heimlichen, aber letztlich vergeblichen Friedensverhandlungen mit Deutschland.
Im April 1918 übermittelte Elisabeth Lord Curzon den Entschluss ihres Gatten, der deutschen Großoffensive auf jeden Fall vor Ort zu trotzen, und erhielt von der britischen Führung die Versicherung, dass deren Streitkräfte die belgische Küste weiterhin verteidigen und sich nicht hinter die Somme zurückziehen würden. Im weiteren Jahresverlauf gewannen die Alliierten die Oberhand. Nach dem Abzug der Deutschen und dem Kriegsende hielt das Königspaar mit seinen Söhnen Leopold und Karl am 22. November 1918 seinen umjubelten Einzug in Brüssel, wobei die offenbar überwältigte Elisabeth auf einem großen weißen Pferd ritt. Da die Rückeroberung des Landes aber sehr blutig verlaufen war, bemühte sich Elisabeth nun u. a., die für den weiteren Betrieb der zahlreichen während des Kriegs im besetzten Belgien gegründeten Ambulanzen notwendigen finanziellen Mittel aufzutreiben. Auch hielt sie die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Roten Kreuz aufrecht.John Haag, Women in World History, Bd. 5, S. 152f.; Georges-H. Dumont, Nouvelle Biographie nationale de Belgique, Bd. 1, S. 79–81.
Leben in der Zwischenkriegszeit bis zum Tod Alberts mini|links|Portrait von Albert & Elisabeth 1924 auf der Vorderseite einer militärischen Medaille zur Ruhrbesetzung. mini|Königin Elisabeths Besuch im Kongo, damals belgische Kolonie (1928) Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs statteten viele Politiker Brüssel eine offizielle Visite ab. Umgekehrt begab sich Elisabeth nun zusammen mit Albert oder allein öfters auf Auslandsreisen. So machte das belgische Herrscherpaar gemeinsam mit seinem ältesten Sohn, dem Kronprinzen Leopold, vom 23. September bis 13. November 1919 einen Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten, traf Präsident Woodrow Wilson im Weißen Haus und bereiste das historische Isleta Pueblo in New Mexico. Gemäß einem auf dieser Tour kennengelernten Vorbild ließ Elisabeth im Park von Laeken ein Gartentheater anlegen.