Der 66. Eurovision Song Contest fand vom 10. bis zum 14. Mai 2022 im Pala Alpitour in der italienischen Stadt Turin statt, nachdem die italienische Band Måneskin mit dem Titel Zitti e buoni den Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam gewonnen hatte. Es war die dritte Austragung in Italien nach 1965 in Neapel und 1991 in Rom.

Den Wettbewerb gewann die Band Kalush Orchestra für die Ukraine mit dem Lied Stefania, das sie zusammen mit Iwan Klymenko geschrieben hatte. Nach Platz vier im Juryvoting erreichte die Band im Zuschauer-Televoting 439 Punkte und siegte mit insgesamt 631 Punkten. Es war nach 2004 und 2016 der dritte Sieg des Landes im Wettbewerb. Der Brite Sam Ryder belegte mit dem Lied Space Man nach Platz eins im Juryvoting schließlich Platz zwei. Den dritten Platz erreichte Chanel für Spanien mit dem Titel SloMo. Für beide Länder war es die beste Platzierung der letzten 20 Jahre. Österreich, vertreten durch das Duo LUM!X und Pia Maria, schied bereits im Halbfinale aus. Die Schweiz belegte mit dem Sänger Marius Bear im Finale Platz 17 mit 78 Punkten, die alle von der Jury stammten. Deutschland, vertreten durch den Sänger Malik Harris, landete auf dem letzten Platz mit 6 Punkten, die alle vom Televoting stammten. Es war der bereits achte letzte Platz für Deutschland beim Wettbewerb.

Austragungsort

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft Rai wurde mit der Austragung und somit der Suche nach einem Veranstaltungsort für den Eurovision Song Contest beauftragt. Anfang Juli 2021 veröffentlichte die Rai einen Anforderungskatalog für den Austragungsort: Ein internationaler Flughafen, der im Umkreis von 90 Minuten Fahrzeit erreichbar ist. Über 2000 verfügbare Hotelräume in der Nähe des Austragungsortes. Eine Infrastruktur des Austragungsortes, die für große Veranstaltungen geeignet ist und folgende Punkte erfüllt: Die Arena muss über ein geschlossenes Dach verfügen und einen guten Umfang bieten. Die Arena muss Platz für 8000 bis 10000 Zuschauer bieten, was 70 % der maximalen Platzanzahl bei Konzerten in der Arena entspricht. Dabei müssen die Bühne und die Produktion für den ESC mit einbezogen werden. Die Arena muss über eine Kapazität verfügen, die das Set und andere Voraussetzungen erfüllt, um eine Produktion auf hohen Niveau ermöglichen zu können. Dies beinhaltet auch einen guten Zugang für Transportgüter in die Arena. Die Arena muss über zusätzliche Kapazitäten verfügen, in denen das Pressezentrum, die Delegationsräume, Ankleidungsräume, Orte für die Interpreten und Mitarbeiter Platz finden. Die Arena muss sechs Wochen vor der Veranstaltung zur Verfügung stehen, zwei Wochen während der Veranstaltung und eine Woche nach der Veranstaltung zum Auf- und Abbau des Wettbewerbs. links|mini|Die gewählte Stadt war Turin im Norden Italiens. Bis zum 12. Juli konnten die Bewerbungsunterlagen bei der Rai eingereicht werden. Über den Sommer werde sich die Rai dann mit der EBU über einen geeigneten Austragungsort beraten und diesen dann auch aussuchen.

Kurz nach dem Sieg teilte die italienische Delegationsleiterin Simona Martorelli einen Aufruf an potenzielle Bewerberstädte ihre Kandidatur einzureichen. Siebzehn Städte bekundeten ihr Interesse an einer Austragung. Der Stadtrat für Stadtplanung und Landwirtschaft der Stadt Mailand, Pierfrancesco Maran, bekundete im Anschluss an den Sieg Italiens das Interesse der Stadt für die Austragung des Wettbewerbs. Ebenso Interesse an einer Austragung hatte die Stadt Bologna. Als UNESCO City of Music sei die Stadt laut Matteo Lepore, dem Stadtrat für Sport und Kultur, prädestiniert für eine Austragung. Man werde die Rai in den kommenden Wochen kontaktieren. Die Stadt Pesaro schlug die Vitrifrigo Arena als geeigneten Austragungsort vor. Die Bürgermeisterin der Stadt Turin, Chiara Appendino, teilte am 23. Mai 2021 mit, dass noch am selben Tag die Arbeiten für eine Kandidatur Turins beginnen würden. Bologna reichte am 12. Juli 2021 seine Kandidatur bei der Rai ein, sie wurde von Bürgermeister Virginio Merola und dem Präsidenten der Emilia-Romagna, Stefano Bonaccini, unterstützt.

Am 13. Juli 2021 gab die EBU bekannt, dass insgesamt 17 Städte eine Bewerbung eingereicht hätten. Vom 14. Juli 2021 bis zum 4. August 2021 konnten alle interessierten Austragungsorte weitere Details zu ihrer Bewerbung bei der italienischen Rundfunkanstalt Rai einreichen. Am 6. August wurde bekanntgegeben, dass die Anzahl potenzieller Gastgeberstädte auf 11 reduziert worden war. Am 24. August wurde die Anzahl wiederum von 11 auf 5 reduziert. Anfang September 2021 sollte dann über den endgültigen Austragungsort entschieden werden, später gab der Direktor von Rai 1 Stefano Coletta bekannt, dass die Auswahl des Austragungsortes hinter dem Zeitplan liege. Er betonte, dass sich ein professionelles Team um diese Angelegenheit gekümmert und den Austragungsort mit großer Transparenz und Genauigkeit ausgewählt habe.

Am 8. Oktober 2021 gaben die Rai und die EBU dann bekannt, dass der Eurovision Song Contest 2022 vom 10. Mai bis 14. Mai 2022 in der Stadt Turin stattfinden werde. Als Austragungsort werde das PalaOlimpico fungieren.

Stadt Austragungsort Maximale Kapazität(bei Konzerten) Bemerkungen Offizielle Bewerbungen Bologna Unipol Arena 3.500–20.000 (je nach Konfiguration) – BolognaFiere 10.000– Mailand Mediolanum Forum 12.700 Austragungsort der Volleyball-Weltmeisterschaft der Männer 2018 und der MTV Europe Music Awards 1998 und 2015. Darüber hinaus sollen bei den Olympischen Winterspielen 2026 die Wettbewerbe im Eiskunstlauf und Shorttrack in der Halle ausgetragen werden. Palazzo delle scintille 18.000 Teil des Mailänder Messegeländes, benötigt aber Renovierungen zur Ausrichtung. Pesaro Vitrifrigo Arena 13.000 – Rimini Fiera di Rimini 10.000 Der Austragungsort würde das gesamte Messegelände von Rimini nutzen. Austragungsort der Volleyball Nations League. Turin PalaOlimpico 15.567 Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2006 im Eishockey. Eingereichte Bewerbungen, die nicht weiter verfolgt wurden Acireale – – – Alessandria – – – Forlì Sporthalle der Universität Bologna am Standort Forlì 9.000 Gemeinsame Bewerbung mit den Orten Cesena und Bertinoro. Florenz Nelson Mandela Forum 8.200 Austragungsort der Volleyball-Weltmeisterschaft der Männer 2018. Genua – – – Jesolo PalaInvent 4.000 Die vorgeschlagene Veranstaltungshalle hätte eine zu geringe Kapazität gehabt und damit nicht mit dem Anforderungskatalog der Rai übereinstimmt. Trotzdem hatte die Stadt eine Bewerbung abgegeben. Matera – – – Palazzolo Acreide Palazzetto dello Sport 5.000 – Rom Palazzo dello Sport 11.200 Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1960 im Basketball. Sanremo Mercato dei Fiori 8.000 Austragungsort des Sanremo-Festival 1990. Triest – – – Viterbo – – – Angekündigte Bewerbungen, die am Ende aber doch nicht eingereicht wurden Bari Fiera del Levante – – PalaFlorio 6.000 – Stadio San Nicola 58.270 Das Stadio San Nicola hätte für eine Austragung ein temporäres Dach benötigt, um die Anforderung der EBU zu erfüllen. Neapel PalaBarbuto 5.500 – Mostra d’Oltremare – – Reggio nell’Emilia RCF Arena – Die RCF Arena hätte für eine Austragung ein temporäres Dach benötigt, um die Anforderung der EBU zu erfüllen. Verona Arena von Verona 22.000 Die Arena von Verona hätte für eine Austragung ein temporäres Dach benötigt, um die Anforderung der EBU zu erfüllen.

Format Bühne Das Bühnendesign wurde vom italienischen Studio Atelier Francesca Montinaro entworfen. Dieses war bereits für die Bühne beim Sanremo-Festival 2013 und Sanremo-Festival 2019 verantwortlich. Zum ersten Mal seit 2016 wurde die Song-Contest-Bühne nicht von Florian Wieder entworfen. Nach 2013, 2014 und 2016 war es das vierte Mal seit 2011, dass Wieder nicht für das Bühnendesign verantwortlich war.

Moderation Am 17. September 2021 bestätigte der Direktor von Rai 1 Stefano Coletta, dass die Rai in Verhandlungen mit dem Moderator Alessandro Cattelan stehe den Eurovision Song Contest 2022 zu moderieren. Cattelan äußerte bereits im Vorfeld sein Interesse den Wettbewerb zu moderieren.

Am 24. Januar 2022 berichteten zahlreiche italienische Medien, dass wahrscheinlich Laura Pausini, Alessandro Cattelan und Mika den ESC 2022 moderieren werden.

Die offizielle Bekanntgabe des Trios fand während des zweiten Abends des Sanremo-Festivals statt. Erstmals seit 2017 moderierte somit wieder ein Trio den Eurovision Song Contest. Ferner trat die Konstellation aus einer Moderatorin und zwei Moderatoren das erste Mal seit 2014 wieder auf und insgesamt erst zum zweiten Mal.

Live-on-Tape-Aufnahme Wie im Vorjahr musste jedes Land im Voraus einen Live-on-Tape-Auftritt aufnehmen, der hätte gezeigt werden können, falls Künstler nicht nach Turin hätten reisen können. Die ukrainische Delegation wurde allerdings aufgrund der Invasion der Ukraine durch Russland von dieser Pflicht befreit.

Postkarten Die Postkarten, die vor jedem Auftritt eingespielt wurden, zeigten verschiedene Orte in Italien. Aus jeder Region Italiens wurden zwei Orte vorgestellt. Die dargestellten Schauplätze variierten zwischen italienischen Städten, Bauwerken und Orten in der Natur, die von der Drohne „Leo“ angeflogen wurden. Die Künstlerinnen und Künstler hatten vor einem Greenscreen kurze Videos aufgenommen, die in den Einspielern auf Flächen an den gezeigten Orten projiziert wurden. +Orte der PostcardsTeilnehmerOrt Barumini Cascata delle Marmore Varenna Museo d’arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto Perugia Castel del Monte Procida Lingotto Sacra di San Michele Laghi di Fusine a Tarvisio Cavour (Piemont) Burano Selinunt Matera Cortina d’Ampezzo Manarola Mole Antonelliana Grinzane Cavour Meran Bergamo Abbazia San Galgano Urbino Monte Conero Ravenna Cala Luna (Dorgali, Golf von Orosei) Lago di Scanno (L’Aquila) Schloss Miramare Scala dei Turchi Genua Le Castella Rom Rimini Termoli Rocca Calascio Civita di Bagnoregio Alagna Valsesia Caserta Florenz Orta San Giulio Matterhorn

Teilnehmer Länder mini|hochkant=1.3|Länder, die im Jahr 2022 Die teilnehmenden Länder hatten bis zum 15. September 2021 Zeit, die benötigten Papiere bei der EBU einzureichen. Bis zum 10. Oktober 2021 hatte dann die jeweilige Fernsehanstalt, die das Teilnehmerland repräsentiert, noch Zeit ihre Teilnahme zurückzuziehen. Hätte sich ein Land nach dem 10. Oktober 2021 vom Wettbewerb zurückgezogen, drohte dem Sender eine Geldstrafe.

Insgesamt 41 Länder sollten 2022 am Eurovision Song Contest teilnehmen, so viele wie zuletzt 2020 am abgesagten Eurovision Song Contest teilnehmen hätten sollen. Zuvor nahmen ansonsten nur 2019 ebenso viele Länder teil. Die Bekanntgabe der 41 Länder erfolgte am 20. Oktober 2021 durch die EBU über ein YouTube-Video.

Montenegro kehrte nach zweijähriger Abstinenz zum Wettbewerb zurück. Noch vor der Absage des Eurovision Song Contest 2020 hatte die montenegrinische Rundfunkanstalt Radio Televizija Crne Gore (RTCG) bekanntgegeben, dass der Staat sich 2020 vom Wettbewerb zurückziehen würde. Als Gründe wurden damals das moderate Abschneiden im Wettbewerb sowie finanzielle Gründe angegeben. Auch 2021 verzichtete der Balkanstaat auf eine Rückkehr. Auch Armenien nahm nach einer einjährigen Pause, bedingt durch den Krieg um Bergkarabach 2020, wieder am Wettbewerb teil.

Durch den Ausschluss Russlands vom Eurovision Song Contest 2022 sank die Teilnehmerzahl auf 40. So viele Länder nahmen zuletzt und bisher einmalig 2015 teil. Trotzdem bleibt es damit dabei, dass zum ersten Mal seit 2018 die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.

Wiederkehrende Interpreten

Staat Interpret Vorherige(s) Teilnahmejahr(e) Stojan Jankulow (als Mitglied von Intelligent Music Project) 2007 & 2013 (zusammen mit Eliza Todorowa) Ihan Haydar (als Mitglied von Reddi) Begleitung: 2012 Mahmood (zusammen mit Blanco) 2019 Zdob și Zdub (zusammen mit Frații Advahov) 2005, 2011 Ihor Didentschuk (als Mitglied vom Kalush Orchestra) 2021 (als Mitglied von Go A)

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