Das Zurich Film Festival (ZFF) findet seit 2005 jährlich ab Ende September in Zürich statt. 2018 hatte das Festival erstmals über 100'000 Besucher. Bei der 21. Ausgabe im Jahr 2025 zählte das Festival 135'000 Besucher und bestätigte seine Position als eines der grössten Filmfestivals im deutschsprachigen Raum.
Überblick In den zwei Wettbewerbskategorien «Spielfilm» und «Dokumentarfilm» sind jeweils erste, zweite und dritte Regiearbeiten zugelassen. Die Wettbewerbskategorie «Fokus», in der Filme aus dem deutschsprachigen Raum antraten, wurde 2023 zum letzten Mal durchgeführt. Die Gewinnerfilme werden von einer internationalen Jury mit dem Goldenen Auge ausgezeichnet. Sowohl Werke aus den Wettbewerbsreihen als auch solche von etablierten Filmemachern, die ausser Konkurrenz gezeigt werden, werden zumeist von den Filmschaffenden persönlich präsentiert. Jedes Jahr lädt das ZFF zudem bekannte Filmschaffende als Ehrengäste ein, die ebenfalls mit dem Goldenen Auge ausgezeichnet werden.
Neben dem Filmprogramm gehören zum Festival Rahmenprogramme wie die ZFF Academy oder der internationale Zurich Summit.
Das ZFF wird von der Zurich Film Festival AG und der Spoundation Motion Picture AG in Kooperation mit lokalen Institutionen und Sponsoren organisiert und arbeitet mit Verleihern und Produzenten aus dem In- und Ausland zusammen. Die Idee stammt von Karl Spoerri, der das Festival gemeinsam mit Nadja Schildknecht und Antoine Monot, Jr. gegründet hat. Spoerri (Künstlerischer und Strategischer Leiter) und Schildknecht (Geschäftsleitung) waren bis 2019 Co-Direktoren des Festivals. Im April 2019 wurde bekannt, dass Schildknecht und Spoerri sich 2020 aus dem operativen Geschäft des Zurich Film Festivals zurückziehen und ab 2020 als Verwaltungsräte der ZFF AG, die von 2016 bis 2025 mehrheitlich zur NZZ-Mediengruppe gehörte, tätig sein werden und in beratender Funktion wirken. Christian Jungen folgte Spoerri als künstlerischer Leiter des Zurich Film Festivals nach.Urs Bühler: Christian Jungen wird künstlerischer Leiter beim Zurich Film Festival. In: nzz.ch. 4. April 2019, abgerufen am 25. September 2020. Von Januar bis April 2020 war Christina Hanke Geschäftsführerin der Spoundation Motion Picture AG, mit Mai 2020 folgte ihr Elke Mayer nach. Im Oktober 2022 übernahm Jennifer Somm die Geschäftsführung der Spoundation Motion Picture AG, und im Januar 2024 wurde sie von Roger Crotti abgelöst. 2025 übernahm eine neue Eigentümergruppe um Festival CEO Christian Jungen das ZFF. Ihr gehören neben Festival Director Reta Guetg auch der Unternehmer und Moderator Max Loong, der langjährige ZFF-Präsident Felix E. Müller und der Finanzfachmann Marek Skreta an.
Sitz des ZFF ist seit 2023 das geschichtsträchtige Studio Bellerive in Zürich, das auch als Geburtsort des Schweizer Fernsehens gilt.
Im Sommer 2023 hat das ZFF von den SBB den Zuschlag erhalten, die Kinos des in Konkurs gegangenen Kulturhauses Kosmos zu betreiben. Die sechs Säle wurden im Herbst 2023 unter dem Namen Frame wiedereröffnet und mit dem 19. Zurich Film Festival eingeweiht. Das Programm wird ganz nach dem Profil des ZFF gestaltet, von intelligentem Mainstream bis zu Dokumentarfilmen wird also eine breite Palette an Filmen gezeigt. Frame heissen die Säle, weil die Filme mit Einleitungen durch ZFF-Programmer gerahmt (Rahmen, englisch «frame») werden.Zum ZFF: Aroma macht Kino Kosmos zu «Frame». In: markt-kom.com. 27. September 2023.
Geschichte Im Jahr 2004 holten Karl Spoerri und Tim Geser, das englische Digitalfilmfestival onedotzero_adventures in moving images nach Zürich. Vom 29. bis 31. Oktober 2004 fand das Festival in der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich statt. Aus dieser kleinen Veranstaltung entwickelte sich das Zurich Film Festival. Im Frühjahr 2005 gründeten Karl Spoerri, Nadja Schildknecht und Antoine Monot, Jr. die Spoundation Motion Picture GmbH, welche seither das Zurich Film Festival durchführt und von Karl Spoerri und Nadja Schildknecht geleitet wurde. Karl Spoerri fungierte als Künstlerischer Leiter des ZFF. Antoine Monot, Jr. war von der Gründung bis 2008 künstlerischer Leiter, bevor er diese Aufgabe an Karl Spoerri übergab und 2008 die deutschsprachige Reihe ins Leben rief und diese bis 2009 kuratierte.
Das 1. Zurich Film Festival (5. bis 9. Oktober 2005) wurde in den Kinos Plaza 1–6 im Zürcher Kreis 4 ausgetragen. Hauptfokus waren Erstaufführungen – in einer Wettbewerbsreihe wurden rund acht Erstlinge präsentiert. Weitere Filmreihen hiessen unter anderem «Debüt Classics» und «Züri Bellevue». Bereits im ersten Jahr besuchten 8'000 Interessierte das Festival. Die Reihe «onedotzero_ch» war bis 2011 jährlich Teil des ZFF. Schon als kleines Independent Filmfestival zeigten die Londoner Macher die ersten Arbeiten von Spike Jonze, Michel Gondry oder Chris Cunningham, bevor deren Namen einem breiten Publikum bekannt wurden.
2006 fand das 2. Zurich Film Festival (2. bis 6. Oktober 2006) in den Kinos Corso, Academy und Frosch statt. Neu war, dass die Goldenen Augen in drei Wettbewerbskategorien (Bester Nachwuchsspielfilm, Bester Nachwuchsdokumentarfilm sowie Debütspielfilm) vergeben wurden. Neue Programmreihe war unter anderem «Neue Welt Sicht», die bis heute besteht. Das 2. ZFF verzeichnete mehr als 18'000 Zuschauer und über 600 akkreditierte Branchenteilnehmer.
Einen grossen Sprung machte das junge Zurich Film Festival 2007, als es zum ersten Mal in der Länge von 11 Tagen durchgeführt wurde. Am 3. Zurich Film Festival (27. September bis 7. Oktober) wurden auf der Zürcher «Filmmeile» entlang des Limmatquais die Kinos Corso, Capitol, Frosch, Movie und Le Paris bespielt. Über 50 Welt-, Europa- oder Schweizer Premieren wurden an der Filmmeile entlang der Limmat präsentiert. Die Zuschauerzahl stieg innerhalb von drei Jahren auf 27'000. Ab diesem Jahr hatte das Zurich Film Festival ein Zentrum in der Stadt: ein grosses Zelt am Rathausplatz wurde Treffpunkt für Kinobegeisterte und Filmschaffende. Im Jahr 2007 wurde das Festival um ein Koproduktionsforum, das Zurich Coproduction Forum, erweitert.
Von 2008 bis 2012 konnte sich das Zurich Film Festival kontinuierlich weiterentwickeln und die Besucherzahl verdoppeln. Die beiden Kinos Corso und Le Paris wurden Hauptaustragungsorte der Filmvorführungen, 2011 kam neu das Kino Arena Sihlcity dazu.
Im Jahr 2009 wurde das Zurich Film Festival durch einen unglücklichen Vorfall überschattet. Ehrengast Roman Polański wurde bei seiner Einreise in die Schweiz verhaftet und für neun Monate unter Hausarrest gestellt. 2011 kehrte er ans Zurich Film Festival zurück, um seinen Ehrenpreis zwei Jahre verspätet abzuholen.
2011 erhielt das Zurich Film Festival von der Stadt Zürich zusätzlich Gastrecht auf dem Sechseläutenplatz, wo zum ersten Mal ein neues Zentrum errichtet werden konnte. Ebenso neu ist das Opernhaus Zürich als Austragungsort der glanzvollen Award Night etabliert worden. 2011 besuchten 51'000 Besucher das Zurich Film Festival. Zum ersten Mal bot das ZFF im Jahr 2011 Schulvorstellungen an. Im Jahr 2012 nahm das ZFF dann erstmals zwei Filme speziell für Kinder ab 6 Jahren und zwei Filme für Schüler der Primarstufe ins Programm auf.
Ab 2014 gab das ZFF vierteljährlich zusammen mit der NZZ am Sonntag das Filmmagazin Frame heraus, das im Dezember 2019 eingestellt wurde. Ab August 2016 beteiligte sich die NZZ-Mediengruppe an der Zurich Film Festival AG, der Veranstalterin des Zurich Film Festival, und an der Vermarktungsorganisation Spoundation Motion Picture AG. Per Juli 2025 veräusserte die NZZ-Mediengruppe das ZFF im Rahmen eines Management-Buy-outs, zehn Jahre nach der Übernahme.Festivalleitung übernimmt Zurich Film Festival. NZZ-Mediengruppe. 3. Juli 2025, abgerufen am 3. Juli 2025. Die NZZ verpflichtete sich dabei als Hauptpartnerin für die drei folgenden Jahre. Als unabhängiges und privat getragenes Festival würde es dem ZFF im Gegensatz zur NZZ als Eigentümerin auch möglich sein, Subventionen zu erhalten oder auch Spenden.Die NZZ trennt sich vom Zürich Film Festival, Tages-Anzeiger, 4. Juli 2025, S. 19
Mit rund 90'500 Besuchern im Jahr 2016 (Vorjahr: 85'000) konnte das ZFF seine Zuschauerzahl um rund 6,5 % steigern. Mit 172 Filmen (Vorjahr: 161), darunter 43 Erstlingswerken (Vorjahr 36) und 17 Weltpremieren (Vorjahr 14) sowie 607 Gästen aus aller Welt (Vorjahr: 503) steigerte das ZFF seine Reichweite.
2019 wurden die Spielstätten des Festivals um das Kosmos in der Zürcher Langstrasse ergänzt, 2021 kam das neue Kongresshaus mit 1665 Plätzen als Spielstätte dazu. Ausserdem wurde die Filmreihe «Sounds» eingeführt.
2022 verzeichnete das 18. Zurich Film Festival 137'000 Besucher.
2024 feierte das Zurich Film Festival sein 20-jähriges Jubiläum mit einem fokussierteren Programm, das 100 Filme umfasste. Beim Management-Buyout im Jahr 2025 strebten die neuen Eigentümer Kooperationen mit anderen internationalen Filmfestivals an. Im Juli 2025 wurde der Verkauf des ZFF von der bisherige Besitzerin, der NZZ an das Management bekannt. Doris Fiala übernahm als Nachfolgerin von Roger Crotti das Präsidium des Verwaltungsrats des Zurich Film Festivals.
Im Jahr 2025 fand die 21. Ausgabe des Festivals statt, bei der 115 Filme gezeigt wurden und 135'000 Besucher verzeichnet wurden. Erstmals in der Geschichte des ZFF ging das Goldene Auge im Dokumentarfilm-Wettbewerb an eine Schweizer Produktion: Moris Freiburghaus wurde für sein Regiedebüt «I love you, I leave you» ausgezeichnet. Der Film erhielt zudem den Publikumspreis. Das Goldene Auge im Spielfilm-Wettbewerb gewann die slowakische Regisseurin Tereza Nvotová für ihr Drama «Father». Der Kritikerpreis wurde an den Zürcher Regisseur Damien Hauser für «Memory of Princess Mumbi» vergeben. Als Ehrengast erhielt der irische Schauspieler Colin Farrell den Golden Icon Award.
Programmreihen und Sektionen Wettbewerb Wettbewerbskategorien
Im Wettbewerb werden ausschliesslich erste, zweite und dritte Regiearbeiten in drei Kategorien (jeweils 10–14 Filme) präsentiert:
Wettbewerb Fokus (Schweiz, Deutschland, Österreich) (bis 2023) Wettbewerb Spielfilm Wettbewerb Dokumentarfilm Siehe unten: Preisträgerinnen und Preisträger.
Filmselektionen ausser Konkurrenz Gala Premieren In der Sektion «Gala Premieren» werden jeden Abend in Anwesenheit von Regie und Cast spannend erwartete Filmpremieren etablierter Filmemacher gefeiert, wobei sowohl Spiel- als auch grössere Dokumentarfilmproduktionen gezeigt werden. Die Filme werden als Welt-, Europa-, deutschsprachige oder als Schweizer Premiere präsentiert.
Signatures In der Reihe «Signatures» (früher «Special Screenings» genannt) zeigt das Zurich Film Festival eine Auswahl einzigartiger Festivalhits und brandneuer Filme aus den Bereichen Spiel- und Dokumentarfilm – ob künstlerisch, experimentell oder aus dem Leben gegriffen.
Hashtag Die Reihe «Hashtag» widmet sich jedes Jahr einem Thema, das die Menschen weltweit bewegt oder bewegen wird. In der Reihe werden unterschiedliche Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und auf den Punkt bringen. Bis jetzt standen folgende Themen im Fokus: SaveDemocracy (2025) BigCityLife (2024) Masculinity (2023) MyReligion (2022) letSEXplore (2021) GetUpStandUp (2020) SpeakingTheTruth (2019) BigData (2018)
Neue Welt Sicht Die Reihe «Neue Welt Sicht» präsentiert jeweils das junge gegenwärtige Kino einer besonders interessanten Filmregion. Es werden aktuelle erste, zweite oder dritte Regiearbeiten (Spiel- oder Dokumentarfilme) des jeweiligen Gastlandes vorgeführt. Auch ein Kurzfilmblock, der in Zusammenarbeit mit den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur entsteht, gehört jeweils zu dieser Reihe. Jahr Gastland2023 Korea2022 Spanien2021 Tunesien2020 Frankreich2019 Kolumbien 2018 Italien 2017 Ungarn 2016 Mexiko 2015 Iran 2014 Indien 2013 Brasilien 2012 Schweden 2011 Türkei 2010 Australien 2009 Argentinien 2008 Israel 2007 Russland Border Lines