Dieser Artikel beschreibt die Gerichtsorganisation in Bayern vom Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze 1879, also seit Einführung einer im ganzen Deutschen Reich einheitlichen Organisation der Ordentlichen Gerichtsbarkeit, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945.

Vorgeschichte

Schon vor 1879 bestand im Königreich Bayern eine einheitliche Gerichtsorganisation mit Stadt- und LandgerichtenZur Unterscheidung von den nach dem Gerichtsverfassungsgesetz eingeführten Landgerichten werden diese auch als Landgerichte älterer Ordnung bezeichnet. als unterster und Bezirksgerichten als zweiter Instanz. Diesen übergeordnet waren die Appellationsgerichte und schließlich ein Oberappellationsgericht mit Sitz in München.Wilhelm Volkert: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. Beck, München, 1983, S. 116–124.

Organisation nach dem Gerichtsverfassungsgesetz

Mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes des Deutschen Reichs zum 1. Oktober 1879 wurde die dort vorgesehene Gerichtsstruktur auch in Bayern eingeführt. Die Bestimmungen dazu enthielt die Königlich Allerhöchste Verordnung, die Bestimmung der Gerichtssitze und die Bildung der Gerichtsbezirke betreffend vom 2. April 1879.Königlich Allerhöchste Verordnung, die Bestimmung der Gerichtssitze und die Bildung der Gerichtsbezirke betreffend vom 2. April 1879; in: Gesetz und Verordnungsblatt für das Königreich Bayern 1879, S. 355 f., Digitalisat. In München wurde ein oberstes Landesgericht errichtet, darunter Oberlandesgerichte, Landgerichte und Amtsgerichte.

Oberlandesgerichte

Gericht Ort Anmerkungen Oberlandesgericht Augsburg Augsburg zum 1. April 1932 aufgehoben§ 45 der Zweiten Verordnung zum Vollzuge des Staatshaushalts vom 30. Oktober 1931, GVBl S. 309, 317. Oberlandesgericht Bamberg Bamberg Oberlandesgericht München München Oberlandesgericht Nürnberg Nürnberg Oberlandesgericht Zweibrücken Zweibrücken für die Pfalz, 1946 zu Rheinland-Pfalz

Landgerichte

Die folgende Tabelle zeigt den Bestand der bayerischen Landgerichte mit dem Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze und ihre Zuordnung zu den Oberlandesgerichten.

Gericht Ort Oberlandesgericht Anmerkungen Landgericht Augsburg Augsburg Oberlandesgericht Augsburg ab 1. April 1932 zum Oberlandesgericht MünchenVerordnung zur Ausführung des § 45 Abs. II der Verordnung zum Vollzuge des Staatshaushalts vom 30. Oktober 1931. Vom 15. Februar 1932, GVBl S. 66. Landgericht Eichstätt Eichstätt Landgericht Kempten Kempten Landgericht Memmingen Memmingen Landgericht Neuburg an der Donau Neuburg an der Donau zum 1. April 1932 aufgehoben Landgericht Aschaffenburg Aschaffenburg Oberlandesgericht Bamberg Landgericht Bamberg Bamberg Landgericht Bayreuth Bayreuth Landgericht Hof Hof Landgericht Schweinfurt Schweinfurt Landgericht Würzburg Würzburg Landgericht Deggendorf Deggendorf Oberlandesgericht München Landgericht Landshut Landshut Landgericht München I München Landgericht München II München Landgericht Passau Passau Landgericht Straubing Straubing zum 1. April 1932 aufgehoben Landgericht Traunstein Traunstein Landgericht Amberg Amberg Oberlandesgericht Nürnberg Landgericht Ansbach Ansbach Landgericht Fürth Fürth zum 1. April 1932 aufgehoben Landgericht Nürnberg Nürnberg ab 1. April 1932 Landgericht Nürnberg-Fürth Landgericht Regensburg Regensburg Landgericht Weiden Weiden Landgericht Frankenthal Frankenthal Oberlandesgericht Zweibrücken Landgericht Kaiserslautern Kaiserslautern Landgericht Landau Landau in der Pfalz Landgericht Zweibrücken Zweibrücken

Zum 1. April 1921 wurde das Landgericht Coburg eingerichtet, Näheres dazu steht im Abschnitt Vereinigung Coburgs mit Bayern.

Ab dem 1. Oktober 1938 gehörte zum Bezirk des OLG Zweibrücken auch der Bezirk des – selbst nicht bayerischen – Landgerichts Saarbrücken.Verordnung über die Eingliederung des Landgerichtsbezirks Saarbrücken in den Oberlandesgerichtsbezirk Zweibrücken vom 21. Juli 1938, RGBl S. 912.

Amtsgerichte

Die folgende Tabelle zeigt den Bestand der bayerischen Amtsgerichte mit dem Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze und ihre Zuordnung zu den Landgerichten mit Hinweisen auf spätere Änderungen.