Als Rhabdoviren (griech.: rhabdos – Stab) bezeichnet man die Viren der Familie der Rhabdoviridae. Vertreter dieser Familie haben Wirbeltiere, Insekten oder Pflanzen als Wirt. All diese Viren sind behüllte Einzel(−)-Strang-RNA-Viren = ss(-)RNA, meist stäbchenförmig, zylindrischer Gestalt.

Merkmale mini|Querschnitt durch ein Virion der Familie Rhabdoviridae mini|Genomkarte der Familie Rhabdoviridae Die Virionen der Rhabdoviridae sind etwa 75 nm breit und 180 nm lang.SIB: Rhabdoviridae, auf: Expasy ViralZone. Die äußere Hülle von Rhabdoviren besteht aus Proteinen, die meist mit kleinen Härchen versehen sind. Die Härchen dienen dem Virus, um in die Zellen einzudringen, was vermutlich durch Endocytose geschieht.

Der Kern von Rhabdoviren besteht aus einem RNA-Einzelstrang negativer Polarität, d. h. er ist komplementär zur mRNA. Rhabdoviren sind umhüllt und haben helikale Nukleokapside, und ihre Genome sind linear, etwa 11–15 kb lang.

Rhabdoviren besitzen typischerweise Gene für fünf Proteine: ein großes Protein (L), Glykoprotein (G), Nukleoprotein (N), Phosphoprotein (P) und Matrixprotein (M). Die Sequenz dieser Protein-Gene vom 3'-Ende zum 5'-Ende im Genom ist N-P-M-G-L.

Systematik Zu den Rhabdoviren gehören u. a. die für den Menschen wichtigsten Gattungen der Vesiculoviren und der Lyssaviren.

Gemäß International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) setzt sich die Familie mit Stand 4. April 2024 wie folgt zusammen:ICTV: Taxonomy Browser.ICTV: Virus Metadata Resource (VMR).

Familie Rhabdoviridae

Gattung Vesiculovirus (Vesiculoviren) Zu den Vesiculoviren gehört das Vesicular-Stomatitis-Indiana-Virus (VSV, Spezies Vesiculovirus indiana), welches bei Tieren Stomatitis vesicularis (Mundschleimhautentzündung mit Bläschenbildung) auslöst und auch auf den Menschen übertragbar ist.

Gattung Lyssavirus (Lyssaviren) Die Lyssaviren umfassen das die Tollwut bei Tier und Mensch verursachende Rabiesvirus, das australische Fledermaus-Lyssavirus, das Duvenhage-Virus, zwei europäische Fledermaus-Lyssaviren, das Lagos-Fledermausvirus, sowie das Mokola-Virus. Die Viren haben üblicherweise entweder eine spiralenförmige oder kubische Symmetrie, dabei haben Lyssaviren eine spiralenförmige Symmetrie, d. h. ihre ansteckenden Partikel haben ungefähr zylindrische Gestalt. Dies ist eigentlich für Viren typisch, die Pflanzen befallen; Menschen befallende Viren haben im Allgemeinen eher Kubiksymmetrie und nehmen Gestalten an, die regelmäßigen Polyedern nahekommen.

Literatur Georg Fuchs: Allgemeine Mikrobiologie. Thieme Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 3-13-444608-1, Seite 117. Modrow et al.: Molekulare Virologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, 3. Auflage, ISBN 978-3-8274-1833-3, Seite 263

Einzelnachweise Disease Factsheets: Viral Hemorrhagic Septicemia Iowa State University, The Center for Food Security & Public Health. Last updated May 17, 2007. Abgerufen am 12. Juli 2007.

McAllister, Philip E.: Fish Disease Leaflet 83: Viral Hemorrhagic Septicemia of Fishes. United States Department of the Interior, U.S. Fish and Wildlife Service. 1990. Abgerufen am 12. Juli 2007.

Kategorie:Virusfamilie Kategorie:Pflanzenvirus