Als Weltwährung wird die Idee einer weltweit gültigen Währung verstanden, mit der manche Ökonomen das derzeitige Währungs- und Wechselkurssystem ersetzt sehen wollen.

Bereits während der Konferenz von Bretton-Woods 1944 spielte die Idee einer Weltwährung in den Hauptplänen zu einer Nachkriegswährungsordnung eine große Rolle. Der britische Plan, besonders Keynes’ Plan sah die Weltwährung Bancor vor. Auch der offizielle amerikanische Plan, besonders Whites Plan, enthielt die Idee einer Weltwährung namens „Unitas“. Allerdings verwarfen die amerikanischen Unterhändler die Idee, um dem US-Dollar die Vormachtstellung im internationalen Währungssystem zu sichern.Robert Mundell: (PDF; 71 kB) In: Journal of Policy Modeling, issue 27, 2005, S. 468, cbe.csueastbay.edu; abgerufen am 29. November 2010

Das derzeitige Währungssystem gilt als Auslöser der Fachdiskussion zu einer Weltwährung seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahre 1973. Es bildet den Rahmen für internationale Zahlungsströme, definiert die Regeln für Wechselkursregime und stützt sich auf Institutionen wie den IWF, die das System überwachen und sichern. In der Fachliteratur wird das derzeitige Währungssystem häufig auch als „non-system“ beschrieben, da durch wenige, verbindliche Regeln eine fast vollständige Freiheit bei der Wahl des Wechselkursregimes existiert. In Folge können teilweise starke Wechselkursschwankungen zwischen den nationalen Währungen auftreten. Damit verbunden sind weitreichende, auch negative Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Länder und Regionen. Nach Ansicht verschiedener Ökonomen ermöglicht dieses „non-system“ somit zu wenig Nachdruck auf den Abbau globaler Ungleichgewichte.Gudrun Leichtlein: Brauchen wir eine neue Weltwährung? (PDF) geldmuseum.de, 2010. Präsentation zum Museumsabend in Frankfurt am Main, 13. Januar, Folie 4; abgerufen am 29. November 2010Myron Frankman: Beyond the Tobin tax. In: Annals of the American Academy of Political and Social Science. Vol. 581, 2002, Globalization and Democracy, S. 64.

Zu den prominentesten Befürwortern einer Weltwährung gehören der ehemalige Vorsitzende der Federal Reserve, Paul Volcker und der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell. Aufgrund großer Bedenken vieler Ökonomen, wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman und Paul Krugman, vor allem jedoch aufgrund fehlender politischer Unterstützung erscheint die Einführung einer Weltwährung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten fast unmöglich.

Ansätze zu einer Weltwährung Goldstandard

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts existierte in aufstrebenden westlichen Nationen zunehmend der internationale Goldstandard, sodass man von ihm als erstem, international gültigem Währungssystem mit partieller Golddeckung des Papiergeldes sprechen kann.Heinz Handler: Vom Bancor zum Euro. Und weiter zum Intor? (PDF; 286 kB) WIFO Working Papers, 2008, S. 3, singleglobalcurrency.org; abgerufen am 29. November 2010 Allerdings entwickelten bereits während der Zeit des Goldstandards Ökonomen, wie Walter Bagehot, den Wunsch nach einer Verbesserung des Systems, um unbrauchbare Informationen und Transaktionskosten, die im internationalen Handel entstanden, zu sparen.

Nach dem amerikanischen Ökonomen und Harvard-Professor Richard N. Cooper treffen in wirtschaftlich ungünstigen Bedingungen Vorschläge zu einer Stärkung der Rolle von Gold im Währungssystem regelmäßig auf eine große Zuhörerschaft. Die Vorschläge zur Wiedereinrichtung der geldpolitischen Rolle von Gold weisen dabei eine große Bandbreite auf, von der Wiederetablierung des Goldes als Währungsreserve bis hin zur ausgewachsenen Restauration einer Goldwährung. Der Gedanke hinter dem Vorschlag des Goldes als erneute Währungsreserve ist, das Wachstum des Geldangebotes zu begrenzen. Nach der Auffassung von Cooper bieten diese Währungsreserven allerdings keine geldpolitische Disziplin in den betreffenden Volkswirtschaften. Als Beispiel führt er die Vereinigten Staaten an, die offiziell von 1900 bis zum Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 ihre Reserven mit Gold sicherten, wobei die meiste Zeit die Goldreserveanforderungen nicht bindend waren.Richard Cooper et al.:

Die Ziele der Befürworter einer wachsenden geldpolitischen Rolle des Goldes sind die Wiedereinsetzung und Aufrechterhaltung von Preisstabilität, da es ihrer Meinung nach durch Gold-Währungsreserven zu keinen inflationären Entwicklungen mehr kommen könnte. Nach Cooper sehen manche der Befürworter somit in der Wiederetablierung des Goldes einen praktikablen Weg feste Wechselkurse zwischen Währungen, insbesondere den Leitwährungen, wiederherzustellen. Allerdings blieben die Preise während des Goldstandards im 19. Jahrhundert nicht stabil, sondern variierten mit der Wachstumsrate des Goldvorkommens. Stieg das Goldvorkommen nicht stark genug, waren die Preise gezwungen zu fallen, so Cooper. Weiterhin war das Preisniveau nur insoweit stabil, als die Handelsbedingungen zwischen Gold und anderen Gütern stabil blieben. Schlussfolgernd aus seiner historischen Analyse sieht Richard N. Cooper den Goldstandard nicht als zukunftsweisenden Ansatz einer Weltwährung an.

Leitwährungen mit Potential zu einer Weltwährung mini|hochkant=1.7|Staaten mit Währungen, die an den Euro oder den US-Dollar gebunden sind:

Der US-Dollar ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs mit Abstand die international bedeutendste Währung. Er besitzt eine wichtige Rolle für das Funktionieren des derzeitigen Weltwährungssystems. Die zunehmende Bedeutung des Dollars als Leit- und Reservewährung und als Ansatz einer Weltwährung wird als Dollarisierung bezeichnet.Martha A. Starr: (PDF) Working Paper Series, Department of Economics, American University Washington D.C., 2004, S. 3 f.; abgerufen am 30. November 2010

Unter „Dollarisierung“ versteht man die Einführung und Nutzung des US-Dollars als Ersatz für die eigene nationale Währung. Nach Myron Frankman kann es zwar in diesem Prozess zu einem Aufschwung im betreffenden Land kommen, der zu stabilen wirtschaftlichen Beziehungen wie der Vermeidung von Währungskrisen und Inflation sowie engerer Integration führt. Allerdings sieht er es als ebenso wahrscheinlich an, dass Deflation, Arbeitslosigkeit und politische Spannungen folgen können.Myron Frankman: Beyond the Tobin tax, 2002. In: Annals of the American Academy of Political and Social Science, Vol. 581, Globalization and Democracy. S. 69. Besonders Entwicklungs- und Schwellenländer, die lange Zeit mit hoher Inflation und anhaltender makroökonomischer Unausgeglichenheit kämpften, wählten die Nutzung des Dollars als Ersatz oder als Buchungs- und Handelseinheit neben ihrer heimischen Währung. Mitte der 90er Jahre war die weltweite Nachfrage nach dem Dollar so stark, dass 2/3 der neuemissionierten Dollar exportiert wurden. Manche Länder „dollarisierten“ offiziell, etwa durch die Schaffung eines Wechselkursarrangements, wie Argentinien von 1992 bis 2001, oder durch Abschaffung der heimischen Währung und vollständigem Ersatz durch den Dollar wie in Ecuador und El Salvador. Darüber hinaus nehmen die meisten Länder deutlich vom Dollar Gebrauch, da sie ihn ebenfalls als nationale Währung in den traditionellen Geldfunktionen verwenden. Somit sind diese Länder als „partiell dollarisiert“ zu bezeichnen.

Der neuerdings zweitwichtigsten Leitwährung, dem Euro, werden von vielen Ökonomen ebenfalls deutliche Wachstumspotentiale zugeschrieben. So zeigen die vom IWF erhobenen Daten, dass der Euro als Gemeinschaftswährung deutlich mehr offizielle Investoren anzieht als die früheren, nationalen Währungen zusammengenommen. Die eindeutige Verbesserung von 7½ Prozentpunkten 1999, verglichen mit dem früheren Währungskorb aus 1998, verdeutlicht nach dem IWF zwei Aspekte. Erstens, die Entwicklung ist konsistent mit der Theorie, dass zu jeder Zeit mehr als nur eine wichtige Investitions- und Leitwährung existieren kann. Damit verbunden steigt auch die Bedeutung des Euro als internationale Reservewährung. Zweitens, bestätigt die Entwicklung die Vorhersagen zu deutlichen Diversifikationseffekten.Ewe-Ghee Lim: The Euro’s Challenge to the Dollar: Different Views from Economists and Evidence from COFER and Other Data, 2006. (PDF; 512 kB) IMF Working Paper, S. 24; abgerufen am 30. November 2010

Etwa 650 Millionen Menschen leben im Euroraum bzw. in Ländern, deren Währungen eng an den Euro gebunden sind. Dabei beinhaltet diese Zahl bereits die 157 Millionen Menschen in den CFA Franc-Ländern West- und Äquatorialafrikas, deren Währungen sehr eng an den Euro orientiert und durch das Französische Schatzamt besichert sind. Nach Martha A. Starr zeigte Europa sich selbst mit der Einführung des Euro, dass es tatsächlich beabsichtigt und fähig ist die Herausforderungen einer Währungsunion anzunehmen. Daran beteiligt sind nicht nur die relativ ähnlichen westeuropäischen Staaten, sondern auch die früher sozialistisch geprägten mittel- und osteuropäischen Länder. Dieses Projekt gilt nach herrschender Meinung als Vorbild für eine Währungsunion durch verschiedene Volkswirtschaften und als Beispiel eines breiter aufgestellten Währungssystems. John Williamson bringt in seinem, 2000 erschienenen Fachartikel The role of the IMF: A guide to the reports den Vorschlag einige Erfahrungen aus der Eurozone in die Reform des Weltwährungssystems aufzunehmen. Als beispielhaft findet er die fiskalischen Maastricht-Kriterien für Präqualifizierungskriterien von Staaten zu einer Weltwährung.Heinz Handler: Vom Bancor zum Euro. Und weiter zum Intor? (PDF; 286 kB) singleglobalcurrency.org, 2008. WIFO Working Papers, S. 33; abgerufen am 3. Dezember 2010 Auch The Economist äußerte sich in seinem Artikel One world, one money. 1998 sehr optimistisch über die Entwicklung des Euros. Sollte sich der Euro erfolgreich über einen längeren Zeitraum etablieren, wird der Gedanke einer Weltwährungsunion wesentlich interessanter erscheinen.One world, one money. (PDF) In: The Economist, 26. September 1998, singleglobalcurrency.org; abgerufen am 30. November 2010

Ansatz von Sonderziehungsrechten

Ausgehend von dem belgisch-US-amerikanischen Ökonomen Robert Triffin führte der IWF zum Ende des Bretton-Woods-Systems als neues Reserveaktivum das Sonderziehungsrecht, kurz SZR, 1969 ein. Somit entstand zum ersten Mal in der Währungsgeschichte ein Instrument, das auf der Grundlage internationaler Vereinbarungen Währungsreserven schuf. SZR selbst ist keine Währung, erfüllt aber die Eigenschaft einer Recheneinheit und besteht derzeit aus einem Währungskorb, der 44 % US-Dollar, 34 % Euro und jeweils 11 % Yen und Pfund Sterling umfasst.Friedrich L. Sell, Beate Sauer: Entwickelt sich ein neues Weltwährungssystem? In: Wirtschaftsdienst, 90. Jg., 2010, H. 2, S. 100–106. Bisher ist das SZR nur bedingt als Reservewährung akzeptiert, da es lediglich einen Anspruch auf Devisen darstellt. Somit macht es nur einen geringen Anteil in den Reserveportfolios der Zentralbanken aus. Unterstützt wird die aktuelle Situation durch die Zuteilungsmodalitäten. Dem IWF beigetretenen Ländern wird SZR aktuell nur bei dessen Neuausgabe zugeteilt. Weiterhin handeln nur Zentralbanken und staatliche Institutionen SZR, private Akteure sind derzeit ausgeschlossen.