mini|Stammwappen derer von Gellhorn Gellhorn ist der Name eines weitverzweigten schlesischen Uradelsgeschlechts. Ein Zweig erhielt 1656 den böhmischen Freiherren- und Grafenstand. Die Familie ist zu unterscheiden von dem schlesischen Adelsgeschlecht Gelbhorn.

Geschichte Möglicherweise ist das Geschlecht sächsischen oder thüringischen Ursprungs und soll 1241 in das Herzogtum Schlesien gezogen sein. Wie bereits der schlesische Historiker Johann Sinapius berichtete, leitet sich der Legende nach der Name Gellhorn vom „Schallen“ und „Gellen“ eines Jagdhorns ab, worauf auch das Wappen Bezug nimmt. Älterer Literatur zufolge soll Atze ein Beiname der Gellhorn gewesen sein.Beiname Atze. 1348 stifteten Pätzold von Betschow (auch Betsch bzw. Beczaw) auf Ruppersdorf bei Jauer mit den Brüdern Christian und Heinrich, genannt „Atze“, auf Stoschendorf bei Reichenbach die Kirche zu Leutmannsdorf.

Das Geschlecht erscheint erstmals mit Nickel Gelhorn († 1341), mit dem auch die gesicherte Stammreihe beginnt.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band IV, Band 67 der Gesamtreihe, 1978, S. 68. George von Gellhorn war 1449 Herr auf Stoschendorf. Nicol von Gellhorn, genannt „Königshayn“, lebte 1457 am Hofe der Liegnitzer Herzogin Hedwig († 1471), der Ehefrau des Herzogs Johann I. von Liegnitz und Lüben. 1470 war George von Gellhorn Landeshauptmann des Herzogtums Ohlau und Nimptsch. Im 16. und 17. Jahrhundert erwarb die Familie mehrere Güter. Die bekanntesten Familienzweige waren die Häuser Rogau im Fürstentum Schweidnitz und Schwentnig im Weichbild Nimptsch des Fürstentums Brieg. Ende des 16. Jahrhunderts war Leonhard von Gellhorn Besitzer von Schwentnig und Prschiedrowitz, darauf folgte sein Sohn gleichen Namens. Nach einem Brudermord in der Familie wurden die Güter Schwentnig und Prschiedrowitz von den Brieger Herzögen eingezogen.

Dem Rogauer Zweig entstammte Friedrich von Gellhorn († 1636), Herr auf Rogau, Weigelsdorf, Peterswaldau, Merzdorf, Peiskersdorf und der Burg zu Schweidnitz, königlicher Kammerrat zu Schlesien, Ober-Rechtsbeisitzer und Landesältester von Schweidnitz und Jauer. Seiner ersten Ehe mit Maria von Reibnitz entstammte Ernst von Gellhorn († 1679), Herr auf Peterswaldau, k. k. Kämmerer, dem 1656 Kaiser Ferdinand III. den böhmischen Freiherren- und Grafenstand verlieh. Letzterer vermählte sich mit Augusta Sybilla Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg (* 1649; † 1672) (Mutter: Dorothea Marie Heshus). Aus der Ehe stammte der Sohn Ernst Julius Graf von Gellhorn, Freiherr von Peterswaldau, Herr der Herrschaft Blansko, k. k. Kämmerer und königlicher Amtsrat in Schlesien. Dessen Schwester Augusta war die Witwe des 1699 verstorbenen königlichen Oberamtskanzlers Graf von Schlegenberg.

Der gräfliche Zweig ist bereits im 18. Jahrhundert in Böhmen erloschen. Ein Mitglied des Költschener Zweiges war der Hofjunker Hans von Gellhorn-Költschen († 1651) der 1632 den Weiler Rosgaard im Herzogtum Schleswig in Besitz hatte. Dieser stiftete 1643 der Michaeliskirche in Rüllschau eine Empore. Er wurde in der Munkbraruper Kirche begraben. Der Adelssitz wurde in der Folgezeit vom dänischen König weiter verpachtet.

Wappen Stammwappen: In Blau ein schwarzes Jagdhorn mit goldenen Beschlägen und Band. Auf dem Helm mit rechts schwarz-goldenen, links blau-goldenen Helmdecken das Jagdhorn vor drei (schwarz-gold-blau) Straußenfedern. Gräfliches Wappen (1651): Schild geviert, vor dem Spalt steht eine gekrönte Säule, an der das Stammwappen als Herzschild hängt. 1 und 4: in Blau ein felsiges Gebirge mit einem vorbeifließenden Strom 2 und 3: In Gold ein schwarzes Kreuz. Drei Helme.

Besitzungen (Auswahl) Stoschendorf (1449–?) Strachau bei Nimptsch (1478–?, 1602–?) Alt-Grottkau (16. und 17. Jahrhundert) Bankwitz (16. Jahrhundert–?) Kunzendorf (1548–1833) Rogau-Rosenau (1555–1852) Wölfelsdorf in der Grafschaft Glatz (1568–?)Der Adel des Glatzer Landes Grunau (1594–1619) Kammerau (1594–1618) Ober-Bögendorf (1595–?) Schwentnig (Ende des 16. Jahrhunderts) Petersdorf (17. Jahrhundert) Ober-Gräditz (1607–1614) Peterswaldau (1617–?) Schlause im Herzogtum Münsterberg (1622–?) Peiskersdorf (1654–?) Kittelau (?–1662) Steinkunzendorf (1654–?) Blansko (1694–1766) Olbendorf (1752–1778) Mittel-Arnsdorf (18. Jahrhundert) Neudorf/Eule (18. Jahrhundert) Jakobsdorf (18. Jahrhundert) Schöbekirch (1830er Jahre)

Genealogie (Auswahl) mini|hochkant|Ernst Julius Leopold Graf von Gellhorn 1667–1702 mini|hochkant|Gedenktafel für den Hofjunker Hans von Gellhorn-Költschen in der Michaeliskirche in Rüllschau

Sonstige Angehörige August von Gellhorn, königlich preußischer Landrat des Frankensteinischen Kreises, Herr auf Kobelau August Rudolph von Gellhorn, Herr auf Peterwitz im Kreis Strehlen Benno von Gellhorn, königlich preußischer geheimer Finanzrat, Herr auf Tschinschwitz im Kreis Striegau Eduard von Gellhorn, königlich preußischer Landrat des Schweidnitzer Kreises, Herr auf Jakobsdorf und Grunau Friedrich Wilhelm von Gellhorn, Herr auf Wehowitz im Kreis Leobschütz und Anteil Klein-Hoschütz im Kreis Ratibor Hans Ernst Carl von Gellhorn, Herr auf Nieder-Kunzendorf im Kreis Schweidnitz Ubaldo von Gellhorn, königlich preußischer Landrat des Schweidnitzer Kreises, Premier-Leutnant a. D., Herr auf Mittel-Arnsdorf, Grunau und Jakobsdorf im Kreis Schweidnitz

Literatur Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Dritter Band, Verlag von Friedrich Voigt, Leipzig 1861, S. 476–477 Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 146, 443, 474 und 549-

Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band IV, Band 67 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1978, , S. 68

Einzelnachweise

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