Georg Kötschau (* 4. Oktober 1889 in Magdeburg; † 24. Juli 1976 in Jena) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben und Werk Kötschau war der uneheliche Sohn einer Schneiderin, die mit ihm 1890 nach Jena zog. Seine Vorfahren waren wohl alteingesessene Freibauern in Hammerstedt und Kötschau. Kötschau besuchte die Volksschule und erlernte von 1904 bis 1908 bei Adolf Giltsch den Beruf des Lithografen. Für dessen Freund Ernst Heckel malte er Wandtafeln für Vorträge. Daneben besuchte er die Zeichenschule von Erich Kuithan. 1912 ging Kötschau zu Henry van de Velde in die Ornamentklasse an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar. Von 1913 bis zum Kriegsausbruch 1914 lernte er in Tirol, ab 1914 in Südtirol, bei Albin Egger-Lienz Aktzeichnen und das Zeichnen von Köpfen. Seinen Unterhalt verdiente er sich als Lithograf. Er blieb mit Egger-Lienz lebenslang in Verbindung. Wegen der körperlichen Folgen einer Kinderlähmung und mehrerer Unfälle musste er nicht am Krieg teilnehmen. Er arbeitete in dieser Zeit in Jena bei Carl Zeiss als technischer Zeichner. Daneben betätigte er sich mit zunehmendem Erfolg als Maler, vor allem als Porträtist, wobei er u. a. von Eugen Diederichs, Otto Schott und Heinrich Weinel unterstützt wurde. Er blieb aber lebenslang Autodidakt.
Kötschau engagierte sich eine Zeitlang charitativ-sozial bei den Guttemplern. Seit 1910 gehörte er zur Wandervogelbewegung. Er war Schriftleiter des Thüringer Gaublatts Springinsfeld und während des Ersten Weltkriegs von 1916 bis 1919 Gauleiter von Thüringen, Herausgeber der Bundeszeitung Wandervogel. Monatsschrift für deutsches Jugendwandern und 1917 mit Heinrich Emil Schomburg des Wandervogelbuches. Zudem war er volkskünstlerisch tätig. Ab 1919 beteiligte er sich am Jenaer Volkskunstkreis, 1924 wurde er Mitglied der Thüringer Musikantengilde. Für deren Programmzettel entwarf er u. a. Vignetten u. ä., und er war an der Herausgabe der Jenaer Liederblätter beteiligt.
Kötschau leitete künstlerische Arbeitsgemeinschaften an der Volkshochschule Jena und organisierte in den Dörfern Musikveranstaltungen. Während des Ersten Weltkrieges veröffentlichte er eine Rezension zu Walther Rathenaus Buch Von kommenden Dingen, die von den vorherrschenden antisemitischen Tendenzen abwich.Führerzeitung, 1917, Heft 10/11, S. 159. 1921 entwarf Kötschau Notgeldscheine für die Städte PösneckNotgeldschein der Stadt Jena über 1 Mark (1 Mk Erinnerungsschein ), auf museen.thueringen.de und Roda.Notgeld: Sagen-Motive Eine Dokumentation Doctor Faustus, auf goethezeitportal.de Er war Mitglied des Reichsverbands bildender Künstler DeutschlandsDresslers Kunsthandbuch. Verlag Karl Curtis, Berlin, 1930, S. 357.
1953 war er auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung in Dresden vertreten.
Er war verheiratet mit Erna, geb. Bohne (1916–1972). Sie hatten drei Söhne, die technische Kaufleute wurden.
Ehrungen Gedenktafel am Haus Burgauer Weg 17 in Jena
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Kötschaus Jena: Städtische Museen Jena Köln: Kölnisches Stadtmuseum
Werke (Auswahl) Malerei und Grafik Hände Ernst Haeckels (1919, Lithografie; u. a. im Bestand der Städtischen Museen Jena)Hände Ernst Haeckels, auf deutschefotothek.de, abgerufen am 18. Mai 2021. Porträt Hermann Pistor (Öl)Hermann Pistor aus Sonneberg, auf thueringen-lese.de, abgerufen am 18. Mai 2021. Mutter mit Kindern (um 1931, Öl)Thüringer Fähnlein - Monatshefte für die mitteldeutsche Heimat 1. und 2. Jahrgang, S. 783. Porträt des Gynäkologen Dr. Erich Bergmann (1947, Öl), auf busse-kunsthandel.de, abgerufen am 18. Mai 2021. Herrenporträt (1935, Öl)Lot 443: Kötschau, Georg Herrenportrait, auf invaluable.com, abgerufen am 18. Mai 2021. Der Helfer im Stall (Mischtechnik, 60 × 50 cm; auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung) Selbstbildnis (1951, Mischtechnik)Selbstbildnis, auf deutschefotothek.deDer Bildindex der Kunst & Architektur nennt das Bild als Exponat auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung. Der Katalog der Ausstellung verzeichnet das Bild jedoch nicht. Es ist zu vermuten, dass Kötschau es eingereicht hatte, es aber nicht berücksichtigt wurde. Bäuerin mit Pferd (1951, Mischtechnik)Bäuerin mit Pferd, auf deutschefotothek.de Porträt eines alten Mannes (vor 1953, Mischtechnik)Porträt eines alten Mannes, auf deutschefotothek.de Schortetal bei Ilmenau (1960, Öl, ca. 60 × 90 cm)
Buchillustrationen (Auswahl) Biblische Erzählungen. Heimatglockenverlag Schmiedehausen, 1920 Dornröschen, Spielmannverlag, Leipzig Rotkäppchen, Spielmannverlag, Leipzig
Schriftliche Publikationen Kötschaus Wandervogel und Faschismus. In: Aufbau, Berlin, 10/1947, S. 297/298 (mit Gerhard Sieper)
Einzelausstellungen (mutmaßlich unvollständig) 1925 Jena, Kunstverein Jena im Prinzessinnenschlösschen (mit Johannes Auerbach und August Macke) 1954 Jena, Stadtmuseum (Jubiläumsausstellung)
Literatur Friedrich Müller: Der Jenaer Maler Georg Kötschau. In: Das Thüringer Fähnlein. Monatshefte für die mitteldeutsche Heimat. 1932/1933, S. 840–841.
Weblinks Georg Kötschau bei deutschefotothek.de Georg Kötschau bei bildindex.de
Einzelnachweise
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