mini|300px|3D-Ansicht Kirchberg Alte Burg mini|300px|Rekonstruktionszeichnung Alte Burg Kirchberg mit Geländemodell KI generiert mini|300px|3D Video 360° Kirchberg Alte Burg mini|300px|Rekonstruktionszeichnung Alte Kirche Geographische Lage: 51°23'22.0' N 10°43'07.8' O mini|300px|3D-Ansicht Kirchberg Alte Kirche mini|300px|3D Video 360° Kirchberg Alte Kirche Die Burgruine Kirchberg an der Hainleite ist eine Burgstelle bei Wernrode im Norden von Thüringen.
Lage Zwischen den Bergen der Hainleite in Thüringen, der Wettenburg (463,2 m ü. NHN) im Süden, seinem Nordausläufer Rauchenberg (415,8 m) unmittelbar südwestlich des Dorfes Wernrode und dem Teilberg (442,7 m) im Norden, liegt die Ruine „Die Alte Burg“. Diese ist umschlossen vom Ungeheuren Tal und dem Kirchtal in der Gemarkung Straußberg.
Geschichte Nach seinem Italienzug reiste Kaiser Otto III. am 17. Juli 997 durch Mühlhausen über den Harz und kam am 30. August 997 im Kloster Leitzkau bei Magdeburg an. Der direkte Weg führte ihn über die Alte Heerstraße von Mühlhausen durch das Ungeheure Tal. Auf dem Kirchberg traf Kaiser Otto III. mit dem Erzbischof von Mainz und dem Propst des Stift St. Viktor vor Mainz Burchard von Worms zusammen. (Imperator de Italia regressus, Saxoniam ingreditur, & in locum, qui dicitur Kirchberg, pervenit; illuc Episcopus Moguntinus & cum eo venerandus Burcardus ad Imperatorem venit &c. Post aliquot dies autem licentia ab Imperatore accepta cum Archiepiscopo in locum NB. Heiligenstadt pervenit, ibique sacerdotalis officii infulam accepit.)
Die Grafen von Kirchberg lebten auf der Burg zwischen 1155 und 1268.
Graf Dietrich I. (II.) von Honstein († 1249) erwarb 1236 durch Kauf von Christian I. von Kirchberg die Hälfte der beiden Burgen Kirchberg und Ehrich.Karl Meyer: Die Burg Hohnstein. Nach urkundlichen Quellen Band 2: Geschichte der Burgen und Schlösser des Harzes. B. Franke, Leipzig 1897. S. 11–18 (Google Books)
Am 15. März 1247 übergab Graf Dietrich I. von Honstein die Burgen Kirchberg und Großenehrich an seine Tochter Sophie (* 1233–1259) bei der Hochzeit im Lateranpalast in Rom mit Heinrich III. von Schwarzburg (* 1219–1259), Sohn von Heinrich II. Graf von Schwarzburg (–1236) und der Irmgard von Weimar-Orlamünde (–nach 1222).
Nach dem Tod von Heinrich III. von Schwarzburg im Jahr 1259 erhielt Heinrich II. von Honstein (* 1225–† 1284) die Hälfte der Burgen Kirchberg und Ehrich samt den zugehörigen Gütern von seiner verwitweten Schwester Sophie für 600 Mark Silber.
1268 erwarb Heinrich II. von Honstein die zweite Hälfte der Grafschaft Kirchberg mit der Burg von Heinrich IV. Graf von Kirchberg.
1287 waren die Gebrüder von Rüxleben als „castellani“ nachweisbar.
1312 teilen sich die Söhne von Graf Heinrich III. († 1305) von Honstein, Dietrich IV. von Honstein († 11. April 1317) Graf von Sondershausen-Straußberg-Greußen und Heinrich V. von Honstein († 1356) Graf von Sondershausen das Erbe mit allen Besitzungen. Unter Anderen besaßen sie das „Haus“ Spatenberg, die Burgen Kirchberg, Großenehrich und Straußberg, Schloss Sondershausen und Stadt Sondershausen, sowie die Orte Greußen, Clingen und alles was sich südlich der Wipper befand.
Heinrich von Rüxleben war am 11. Juli 1347 Bewohner der Burg.
Im Jahr 1356, mit dem Tod von Heinrich V. von Honstein, erlosch die Linie Hohnstein-Sondershausen im Mannesstamm. Die Herrschaft Kirchberg erbten die Grafen von Schwarzburg, die diese aber Ende des 14. Jahrhunderts aufgaben.
1448 wurde im Subsidienregister von 1506 unter dem Sedes Jechaburg noch „Kerchperg“ aufgeführt.
Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Burg Kirchberg und die Alte Kirche völlig zerstört.
Burgruine Kirchberg Alte Burg Die Spornburg Kirchberg Alte Burg mit einer Fläche von ca. 10.000 m² misst auf dem nach Nordosten steil auslaufenden Bergrücken eine Gesamtlänge von ca. 230 m.
Zur gefährdeten Landseite hin schützte die Burg ein 3,50 m hoher und 105 m langer, gebogener Wall mit vorgelagertem Vorgraben. Der Zugang erfolgte an der linken Wallseite durch ein Holztor. Das Areal der Vorburg mit einzelnen Fachwerkhütten maß 70 m in der Länge und 90 m in der Breite. Im Inneren der Vorburg befand sich ein kurzer, möglicherweise nicht fertiggestellter Wall mit Vorgraben. Die Vorburg war durch einen 7,50 m breiten, direkt in den Felsen geschlagenen Halsgraben von der Kernburg I getrennt. Eine Holzbrücke führte über einen Graben zu einem steinernen Eingangstor, hinter dem ein hoher Verteidigungsturm mit ca. 7,50 m Durchmesser stand. Die Gebäude des 50 × 70 m langgestreckt rechteckigen Kernburgplateaus wurden direkt bis an die steil abfallenden Felsabgründe gebaut. Eine kleine Holzbrücke führte in die Kernburg II, deren Bauten ebenfalls direkt an den Felsabgrund grenzten. Dahinter lag ein weiterer kleiner Graben sowie eine eingezäunte Holzhütte.
Heute ist nur der Rumpf des runden Bergfrieds inmitten seines „Schüttkegels“ zu sehen.
Ruine Kirchberg Alte Kirche Auf einer 370 m ü. NN liegenden, nach Nordosten zum Kirchtal abfallenden Hochfläche, 500 Meter südlich der Burgruine „Alte Burg“ befindet sich eine zweite Ruine, genannt Kirchberg „Alte Kirche“. Im Zentrum der Anlage befand sich ein ovaler Burgplatz von 38 × 50 m Durchmesser mit gerader Nordseite. Diese war nach Norden hin durch einen Steilhang mit künstlicher Terrasse geschützt. Erhalten ist ein Stück sorgfältig gefügter Ringmauer am Eingang, nebst weiteren Mauerteilen. Vereinzelt sind Dachziegel-Fragmente vorhanden. Jenseits des südlichen Halsgrabens und der kleinen Vorburg liegt das wüste Dorf Kirchberg mit den undeutlichen Grundmauern einer romanischen Kapelle. Im südlichen Vorfeld bemerkt man Bodenerhebungen und Senken, Spuren des ehemaligen Dorfes.
Werner Schroeter, Lehrer des Dorfes Wernrode, beschrieb in seiner Chronik von Wernrode den Fund eines Massengrabes auf dem Gelände der „Wüsten Kirche“ im Sommer 1950. Nach wenigen Minuten Anstieg öffnete sich die Enge des Weges zu einem breiten Waldplatz, auf dem zwei uralte Linden standen, gewaltig in ihrem Umfang, die wie ein Eingangsportal den Weg freigaben, zu der schon längst verfallenen Kirche. Hier wurde an einer Ziegelmauer ein Massengrab freigelegt. Große rechteckig behauene Steine schlossen die Grabstelle ab. Knochen lagen wahllos umher. Man hatte bereits an dieser Stelle gegraben. Die Schicht, unter der sich das Massengrab befand, wurde auf 1,20 bis 1,30 m geschätzt. Unter den Skelettknochen und Extremitäten waren viele Unter- und Oberkiefer von Erwachsenen und Kindern am Fundort. Die Schädelreste waren nach Osten gerichtet. Ein Schädel wies eine Kopfwunde am Stirnknochen auf, welche anscheinend von einem Schwert oder einem Lanzenstich herrührte. Schicht auf Schicht lagen ungefähr 15 bis 20 Skelette übereinander, die aus hygienischen Gründen mit Chlorkalk bestreut worden. Die Funde wurden auf das 17. Jahrhundert geschätzt, also wahrscheinlich ein Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg.
Sage vom Schatz der Olen Burg Die Sage erzählt, dass auf der Olen Burg ein Schatz vergraben liege und dass um Mitternachtsstunde ein Geist mit einem Lichte in der Hand umgehe. Alle, die diesen Schatz heben wollten, seien spurlos versunken.
Literatur Paul Zschiesche: Die vorgeschichtlichen Burgen und Wälle auf der Hainleite: In: Vorgeschichtliche Alterthümer der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Hrsg. Historische Commission der Provinz Sachsen Abth. 1, H. 11, Die vorgeschichtlichen Burgen und Wälle in Thüringen (2), Otto Hendel Verlag Halle a.d.S. 1892, S. 8 Bernd Sternal, Wolfgang Braun: Burgen und Schlösser der Harzregion. Band 5, Verlag: Books on Demand, 2015, ISBN 978-3-7347-3773-2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 273 und 279 Werner Schroeter und Eva Schroeter: Chronik von Wernrode (niedergeschrieben 1955–1969, fortgesetzt 1995, unveröffentlicht) Hans Eberhardt: Die Hainleiteburgen als historisches Problem. Band 6, 1962–63, S. 523–554
Weblinks Ausführliche Beschreibung der Burganlage
Die Sage vom Schatz der Olen Burg an der Hainleite
Einzelnachweise
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