mini|Der Ausstellungsbereich des Straßenbahnmuseums Stuttgart am Eröffnungswochenende

Der 1987 gegründete Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen e. V. (SHB) dokumentiert mit historischen Fahrzeugen sowie Gegenständen aus Betrieb und Technik die Geschichte der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) (Stadtbahn und Straßenbahn Stuttgart) und ehemaliger benachbarter Netze wie der Filderbahn, der Städtischen Straßenbahn Feuerbach, der Straßenbahn Eßlingen am Neckar und der Überlandstraßenbahn Esslingen–Nellingen–Denkendorf. Hierzu betreibt der Verein als Eigentümer der Fahrzeuge und technischen Anlagen in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG in Bad Cannstatt das Straßenbahnmuseum Stuttgart (ehemals Straßenbahnwelt Stuttgart), in der Fernsehsendung Eisenbahnromantik des SWR, ARD Mediathek von dem aus auch ein historischer Fahrbetrieb mit Rundfahrten historischer Oldtimerlinien über den erhaltenen Teil des meterspurigen Stuttgarter Gleisnetzes stattfinden.

Ausstellungen beispielsweise über Gleis- und Oberleitungsbau und umfangreiche Dokumentationen präsentierten nahezu die gesamte Entwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs im Raum Stuttgart (mit Ausnahme der S-Bahn Stuttgart und nicht zur SSB gehörender Autobuslinien).

Straßenbahnmuseum Stuttgart

Überblick Das am 4. Juli 2009 unter dem Namen Straßenbahnwelt Stuttgart eröffnete Museum ist in einem historischen Straßenbahndepot untergebracht (siehe Gebäude). Die Umbenennung in Straßenbahnmuseum Stuttgart erfolgte anlässlich des Jubiläums „150 Jahre SSB“ im Sommer 2018.

Vorgänger war von 1995 bis 2007 das Straßenbahnmuseum Zuffenhausen in einer ehemaligen Wagenhalle an der Salzwiesenstraße in Zuffenhausen.

Etwa 140.000 Menschen besuchen das Museum jedes Jahr. Es werden allgemeine und themenspezifische Führungen für Gruppen ab zehn Personen angeboten. Der Ausstellungsbereich kann außerdem auch als Eventlocation gemietet werden.

Gebäude mini|Außenansicht des Straßenbahnmuseums, rechts die untere, links mit Tor die obere Halle Das Museumsgebäude befindet sich im Veielbrunnenweg 3 und ist in ein unter Denkmalschutz stehender historischer Straßenbahnbetriebshof, der 1929 gebaut wurde. Es besteht aus einer oberen und unteren Halle, wobei die untere Halle den öffentlichen Ausstellungsbereich des Museums darstellt (siehe Ausstellung) und in der oberen Halle, die nur im Zuge von Führungen zugänglich ist, werden die betriebsfähigen Fahrzeuge für den historischen Fahrbetrieb vorgehalten (siehe historischer Fahrbetrieb).

Bis zur Umstellung der Straßenbahnlinie 2 auf Stadtbahnbetrieb wurde der Betriebshof noch im Regelbetrieb genutzt. Später folgte der Umbau zum Museumsgebäude, mit dem die rückseitigen Gleisanlagen des Betriebshofes etwas verkleinert und die hintere Verlängerung der oberen Halle mitsamt der Rampe zur Depotschleife abgerissen wurde, wobei die Rampe später wiedererrichtet wurde. mini|Die rückseitige Rampenausfahrt zur Depotschleife mit der inzwischen abgerissenen Verlängerung der oberen Halle Neben dieser Rampe verfügt die obere Halle über eine zweigleisige Zufahrt mit Anschluss an die Depotschleife, die wieder zur Rampe führt und an das reguläre Stadtbahnnetz. Die untere Halle ist lediglich über ein Gleis an die Depotschleife angebunden. Das Museumsbistro „Meterspur“ sowie der Empfangsraum mit kleinem Museumsshop und Toiletten befinden sich im fünfstöckigen Verwaltungsteil des Gebäudes, an das die untere Halle rückseitig anschließt.

Ausstellung mini|Eines der interaktiven Elemente in der Ausstellung Den Kern der rund 2.500 Quadratmeter großen Ausstellung bilden 35 historische Straßenbahnfahrzeuge aus Stuttgart und Umgebung, ein historischer Zug der Zahnradbahn, sieben Omnibusse (aus Platzgründen zumeist im Omnibusbetriebshof Gaisburg untergebracht), zwei unterschiedliche Hälften der Stadtbahn-Prototypen sowie schienen- und straßenbündige Arbeitsfahrzeuge, die im öffentlichen Teil des Museums in der unteren Halle untergebracht sind. (Für genaueres siehe Exponate.) Ein Teil des Museumsbestandes, der sich noch in Aufarbeitung befindet oder aus Platzmangel ausgelagert ist, befindet sich in der oberen Halle und sind nur im Zuge von Führungen zugänglich. mini|Blick in den Ausstellungsbereich in der unteren Halle Der Ausstellungsbereich verfügt über unterschiedliche Themeninseln (u. a. Fahrgäste oder Fahrschule), Schautafeln, oder didaktisch besonders aufbereitete Schaustücke wie eine manuell bedienbare Signalwand oder eine begehbare Wartungsgrube unter einem GT4. Auf einer Modellstraßenbahnanlage werden außerdem in Eigenbau erstellte Modellfahrzeuge im Maßstab 1:22,5 vorgeführt, die teilweise durch einen originalen Kurbelfahrschalter gesteuert werden können.

Exponate Im Ausstellungsbereich des Museums sind folgende, nicht betriebsfähige Exponate zu begutachten:

Straßenbahn

Tw 2 und Bw 23 (als Café Alte Achse) der Straßenbahn Esslingen–Nellingen–Denkendorf (END), Baujahr 1926, mit Arbeits- und Güterwagen Tw 7 und Bw 22 der Esslinger Städtischen Straßenbahn (ESS) mit Güterbeiwagen Tw WN 26 und Bw 32 der Filderbahn-Gesellschaft, Baujahr 1912, mit Güterwagen 202 Tw SSF 15 der Städtischen Straßenbahn Feuerbach (SSF), Rekonstruktion aus Tw 259 (Reihe 200) der SSB Bw 20, 1992 rekonstruierter Sommerbeiwagen der „Neuen Stuttgarter Straßenbahn“ (NSS) Bw 1255, einziger erhaltener SSB-eigener Beiwagen aus der Vorkriegszeit, Baujahr 1929 Tw 912, Typ DoT4, (Um)baujahr 1965 Tw 999 (ex 929), zum Partywagen umgebauter DoT4, (Um)baujahr 1965 Tw 519, ältester erhaltener GT4, Baujahr 1959, darunterliegende Wartungsgrube begehbar Tw 722, Typ GT4 Tw 630, Typ GT4 Tw 804 und Bw 1511, Typen T2 und B2, Baujahr 1956 und 1954 Tw 859, Gartenschauwagen, Baujahr 1939 Tw 340 und Bw 950, aus der Reihe 300, Baujahr 1910 Lok 2023, Arbeitslok der SSB Gondel Nr. 6 der Sesselbahn Killesberg

Omnibusse

Mercedes-Benz O 6600 H, Baujahr 1955, Betriebsnummer 105 (unrestauriert und nicht einsatzbereit) Büssing BS 110V, Baujahr 1970 (ursprünglich bei den Stadtwerke Schweinfurt GmbH im Einsatz, wurde in END-Farbgebung restauriert)

Historischer Fahrbetrieb Einen hohen Stellenwert für das Straßenbahnmuseum nahm und nimmt der historische Fahrbetrieb ein, der in der Regel immer sonntags auf den Straßenbahn-Oldtimerlinien 21 und 23 und zu verschiedenen Anlässen auf den verbliebenen Strecken mit Dreischienengleis stattfindet. Die historischen Busse dienen als regelmäßiger Ersatz für die Straßenbahnen bei Sperrung sowie für weitere Einsätze. Außerdem können privat Sonderfahrten auf jenen Strecken gebucht werden. Regelmäßiger historischer Fahrbetrieb mit Museumstriebwagen findet seit 1989 statt. Dem Verein stehen Stand 2025 18 Fahrer (zwei Frauen, 16 Männer) zur Verfügung, die die Museumsfahrzeuge steuern dürfen.

Oldtimerlinien

Oldtimerlinie 21

mini|Gartenschauwagen 851 kurz nach dem Start am Museum als Oldtimerlinie 21 auf dem Weg in die Innenstadt Die Oldtimerlinie 21 (Tour „Innenstadtschleife“, Linienfarbe gelb) führt vom Straßenbahnmuseum in Bad Cannstatt durch die Neckarstraße über den Charlottenplatz zum Berliner Platz und über den Hauptbahnhof zurück nach Bad Cannstatt. Hier ist der Einsatz von Solo-, Zwei- und Dreiwagenzügen möglich.

Die Linie verkehrt in der Regel sonntags dreimal pro Richtung, gehalten wird an folgenden Haltestellen: Straßenbahnmuseum, Neckartor (seit 2023, vorher Staatsgalerie), Berliner Platz (Hohe Straße) und Hauptbahnhof. Eine Rundfahrt dauert rund 35 Minuten.

Aufgrund des Neubaus der Haltestelle Staatsgalerie und der damit verbundenen Unterbrechung der Innenstadtschleife war die Linie 21 zwischen Mai 2016 und dem 26. Dezember 2023 (da feierliche Wiederinbetriebnahme) eingestellt.

Oldtimerlinie 23

mini|DoT4 917 am Endpunkt der Oldtimerlinie 23 an der Ruhbank, im Hintergrund der Stuttgarter Fernsehturm Die Oldtimerlinie 23 (Tour „Panoramastrecke“, Linienfarbe dunkelrot) verkehrt ebenso vom Straßenbahnmuseum aus, zweigt am Leuzeknoten in Richtung Pragstraße ab und fährt über das Nordbahnhofviertel und die Innenstadt zur Ruhbank, folgt also ab dem Löwentor dem Verlauf der ehemaligen Linie 15. Da diese Strecke stellenweise bis zu 8,5 % Steigung aufweist, ist hier nur ein Einsatz von Solo- und Zweiwagenzügen möglich.

Die Linie verkehrt in der Regel sonntags dreimal pro Richtung, gehalten wird an folgenden Haltestellen: Straßenbahnmuseum, Mittnachtstraße, Budapester Platz (nur in Richtung Museum, seit 2017, vorher Pragfriedhof), Schlossplatz, Charlottenplatz, Eugensplatz, Bubenbad und Ruhbank. Eine einfache Fahrt dauert rund 40 Minuten.

Aufgrund von Bauarbeiten im Zuge des Baus des Rosensteintunnels war die Verbindungskurve am Leuzeknoten für vier Jahre unterbrochen, sodass die Linie 23 zwischen Juli 2013 und Dezember 2017 durch die Linie 23E mit Oldtimerbussen ersetzt wurde.

In der Weihnachtszeit wird an den Adventssonntagen auf der Strecke der Linie 23 der sogenannte „Glühwein-Express“ angeboten. Im weihnachtlich geschmückten Fahrzeug (meist DoT4 917 oder T2 802) werden Glühwein, Kinderpunsch und Lebkuchen gereicht.

Kleine Rundlinie

mini|Triebwagen 222 auf der kleinen Rundlinie um das Museum Weiterhin gibt es an den Sonntags-Öffnungstagen des Straßenbahnmuseums Rundfahrten („Depotrunde“) auf der sogenannten etwa 500 m langen „Museums-“ oder „Depotschleife“, einer eingleisigen reinen Straßenbahnstrecke zwischen Aus- und Einfahrt des Straßenbahnmuseums durch die Daimler- und Mercedesstraße. Hier ist ein freizügiger Einsatz von Solo-, Zwei- und Dreiwagenzügen sowie von Altbaufahrzeugen mit schmalen Radreifen oder/und Überbreite möglich.

Betriebsfähige Fahrzeuge

Straßenbahn Zurzeit sind folgende Triebwagen (Tw) und Beiwagen (Bw) für den Personenverkehr zugelassen und betriebsfähig:

Tw 222, Baujahr 1904 („Jubiläumswagen“, wird zu besonderen Anlässen mit einer Sondergenehmigung in Betrieb genommen) Tw 418, Baujahr 1925 (Reihe 400, mit Holzlängssitzen und Handbremse) Tw 851, Baujahr 1939 (Gartenschauwagen) Tw 276, Baujahr 1952 (Reihe 200 (Nachbau), letzte Fahrzeugserie mit Holzaufbau in Stuttgart) Tw 802, Baujahr 1954 (T2) Tw 2002 und 2003, Baujahr 1957 (Schleifwagen vom Typ T2, nicht für Personenverkehr) Tw 917, Baujahr 1965 (DoT4, aus zwei T2 zusammengebaut) Tw 401, Baujahr 1961 (GT4, mit Fahrschuleinrichtung; alle GT4, soweit nicht anders angegeben, führende Triebwagen im letzten, modernisierten Betriebszustand von 2007) Tw 450, Baujahr 1961 (GT4) Tw 471, Baujahr 1961 (GT4, nicht modernisiert, weitgehend originale Innenausstattung mit Kunstledersitzen) Tw 629, Baujahr 1963 (GT4) Tw 632, Baujahr 1963 (GT4) Bw 1369 und 1390, Baujahr 1950 (Bw 1369 wahlweise hinter Altbau-Zweiachstriebwagen oder hinter Typ T2 verwendbar) Bw 1241, Baujahr 1953 (ehemaliger Reutlinger Beiwagen 41, der annähernd der Stuttgarter Vorkriegsbaureihe 1200 entspricht, überwiegend eingesetzt hinter Tw 418, gelegentlich hinter Tw 276) Bw 1547 und 1605, Baujahr 1955/1956 (B2, eingesetzt hinter T2 und DoT4, letzterer auch als Mittelwagen verwendbar)

Omnibusse und Oberleitungsbusse Im Bestand Mercedes-Benz O 317, Baujahr 1961 (ursprünglich bei der Kraftverkehr Wupper-Sieg im Einsatz, daher Wupsi genannt, wurde in SSB-Farbgebung restauriert; 2021 beim Brand im Betriebshof Gaisburg beschädigt) Henschel HS 160 OSL, Baujahr 1962, Betriebsnummer 22 (SVE) (im Netz des Oberleitungsbus Esslingen am Neckar) Mercedes-Benz/Vetter O 317 G, Baujahr 1974, Betriebsnummer 7177 (bekam den Namen Gottlieb Schlenkerle; 2021 beim Brand im Betriebshof Gaisburg beschädigt) Mercedes-Benz O 305, Baujahr 1980, Betriebsnummer 5886 (bekam nach seiner Reklamebeschriftung den Namen Otto Wetzel und gehört seit Ende 2005 zum Bestand des Mercedes-Benz-Museums in Bad Cannstatt) Mercedes-Benz O 305 G, Baujahr 1984, Betriebsnummer 7453 (sogenannter Kunstbus mit dem Außengemälde Gentle Chaos von Lowell Boileau)