mini|hochkant=1.25|Rennwagen 2022 British Grand Prix Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2022 war die 73. Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie umfasste gemäß ursprünglicher Planung 23 Große Preise und 3 Sprintrennen. Jedoch wurde der Große Preis von Russland wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine letztlich ersatzlos abgesagt. Die Saison eröffnete mit dem Großen Preis von Bahrain am 20. März und schloss mit dem Großen Preis von Abu Dhabi am 20. November.
Für die Saison wurden bedeutende Änderungen im technischen Reglement vorgenommen, welche bereits zur Saison 2021 eingeführt werden sollten, aber als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie um ein Jahr verschoben wurden. Max Verstappen konnte erfolgreich seinen WM-Titel aus dem Vorjahr verteidigen,Marco Schyns: Formel 1 – Diese Saison war eine Verstappen-Show. In: sportschau.de, 9. Oktober 2022 (abgerufen am 9. Oktober 2022). parallel gewann Red Bull Racing zum ersten Mal seit 2013 die Konstrukteursmeisterschaft.
Sebastian Vettel, vierfacher Weltmeister, bestritt seine letzte Saison. Der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton erlebte eine schwierige Saison mit Mercedes und konnte sich während der Saison weder eine Pole-Position noch einen Grand-Prix-Sieg sichern, das erste Mal in seiner Formel-1-Karriere seit seinem Beginn im Jahr 2007.
Änderungen 2022 Strecken 2022 fand der erste Große Preis von Miami statt, der auf dem neu errichteten Miami International Autodrome auf dem Gelände des Hard Rock Stadium in Miami Gardens, Florida, ausgetragen wurde. Der Große Preis von China entfiel erneut, dafür fand bereits im dritten Jahr in Folge der Große Preis der Emilia-Romagna auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola statt. Ebenfalls kehrten der Großen Preise von Australien, Kanada, Singapur und Japan nach zweijähriger Abwesenheit, bedingt durch die COVID-19-Pandemie, in den Rennkalender zurück.
Der 2021 erstmals ausgetragene Große Preis von Katar wurde aufgrund der im selben Jahr in Katar stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft nicht in den Rennkalender mit aufgenommen. Der Große Preis von Portugal und der Große Preis der Türkei, die im Vorjahr ausgetragen wurden, entfielen ebenfalls.
Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine Aufgrund des russischen Überfalls auf die Ukraine gab die Formel 1 am 25. Februar bekannt, dass es unter den derzeitigen Umständen unmöglich sei, den Großen Preis von Russland abzuhalten. Bereits einen Tag vorher hatte Sebastian Vettel mitgeteilt, dass er den Großen Preis von Russland boykottieren werde, sollte dieser stattfinden. Kurze Zeit später strich die FIA das Rennen auch aus dem offiziellen Rennkalender und kündigte den Vertrag mit dem Ausrichter des Rennens, somit wird auch in Zukunft kein Großer Preis von Russland stattfinden. Außerdem wurde am 18. Mai veröffentlicht, dass man den russischen Grand Prix trotz des frei gewordenen Platzes für einen möglichen Grand Prix nicht ersetzen werde. Fahrer mit russischer Nationalität dürfen jedoch weiterhin unter neutraler Flagge der FIA fahren. Der britische Automobilverband sprach dagegen am 2. März ein Startverbot für russische Fahrer aus, es durfte damit kein Rennfahrer mit russischer Lizenz am Großen Preis von Großbritannien teilnehmen. Der Rennstall Haas kündigte seine Zusammenarbeit mit dem russischen Hauptsponsor und trennte sich von seinem russischen Fahrer Nikita Masepin, dessen Vater Dmitri Masepin direkte Verbindungen zu Wladimir Putin hat und in Folge des Ukrainekrieges auf mehrere Sanktionslisten aufgenommen wurde. Auch gegen Nikita Masepin selbst wurden Sanktionen erlassen.
Wirtschaftliches Reglement Nachdem im Jahr 2021 eine Budgetobergrenze ins Regelwerk aufgenommen worden war, um für mehr Chancengleichheit zu sorgen, wurde aufgrund der Inflation beschlossen, die Budgetobergrenze von umgerechnet rund 141 Millionen Euro um 3,1 Prozent anzuheben. Der Entschluss folgte einer Mehrheitsentscheidung infolge einer Abstimmung unter den 10 Formel-1-Teams, die sich für die Anhebung aussprachen.
Technisches Reglement alternativtext=Offizieller Prototyp der Rennserie eines Formel-1-Rennwagens nach Regeln der Saison 2022 beim Großen Preis von Großbritannien 2021|mini|Offizieller Prototyp der Rennserie eines Formel-1-Rennwagens nach Regeln der Saison 2022 beim Großen Preis von Großbritannien 2021Für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2022 wurde das technische Reglement umfangreich überarbeitet. Diese Änderungen waren für die Saison 2021 geplant, wobei die Teams ihre Autos während des Jahres 2020 entwickeln sollten. Die Einführung des neuen Reglements wurde jedoch als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie um ein Jahr verschoben. Nachdem die Verzögerung bekanntgegeben worden war, wurde den Teams die Entwicklung ihrer Autos für 2022 im Kalenderjahr 2020 untersagt.
Die Fahrer wurden bei der Ausarbeitung des neuen technischen Reglements mit einbezogen. Die FIA schuf eine spezielle Arbeitsgruppe, ein Komitee von Ingenieuren, die die Aufgabe hatten, Schlupflöcher im Reglement zu identifizieren und zu schließen. Die Beseitigung von Schlupflöchern soll verhindern, dass ein Team aufgrund eines solchen Schlupfloches ein dominantes Auto entwickelt, und im Gegenzug einen engeren Wettbewerb ermöglichen.
Neben den aerodynamischen Änderungen werden seit der Meisterschaft 2022 Felgen mit einem Durchmesser von 18 Zoll anstelle von 13 Zoll verwendet. Der Reifenhersteller Pirelli gab allen Teams während des Jahres 2021 die Möglichkeit, Testfahrten mit Prototypen der neuen Räder durchzuführen.
Die Formel 1 plant, bis 2025 klimaneutral zu werden. Ab 2022 wurde deshalb der Kraftstoff auf E10 – Benzin mit zirka zehn Prozent Bioethanolanteil – umgestellt.
Sportliches Reglement Ab der Saison 2022 muss jedes Team an mindestens zwei Freitagstrainings einen „Young Driver“ einsetzen, der das Cockpit eines Stammfahrers für die Trainingssession übernimmt, wobei dieser je einen Stammfahrer mindestens einmal ersetzen muss. Damit soll den Nachwuchsfahrern der Einstieg in die Formel-1-Weltmeisterschaft erleichtert werden. Als „Young Driver“ gelten in diesem Zusammenhang Fahrer, die nicht mehr als zwei Rennen in der Formel 1 bestritten haben.
Die Qualifying-Regel, dass alle Fahrer, die für das 3. Qualifying qualifiziert waren, mit den Reifen im Rennen starten müssen, mit denen sie ihre schnellste Runde im 2. Qualifying gefahren sind, fällt weg. Ab sofort können nun alle Fahrer vor dem Rennen, unabhängig von ihrem Abschneiden im Qualifying, ihre gewünschte Reifenmischung der vorgegebenen Mischungen auswählen.
Wie im Vorjahr findet an drei Rennwochenenden ein Sprint (zuvor als Sprint-Qualifying bezeichnet) statt. Das Format selbst bleibt gegenüber der Vorsaison unverändert. Eine Anpassung fand bei der Punktevergabe statt; so erhalten nun die acht bestplatzierten Fahrer des Sprints Punkte nach dem Schema 8–7–6–5–4–3–2–1. Zudem gilt als offizieller Pole-Setter nun derjenige Fahrer, der im Qualifying die Bestzeit erzielt, während der Sieger des Sprints im Grand Prix vom ersten Platz startet.
Als Reaktion auf die umstrittenen Entscheidungen der Rennleitung beim Großen Preis von Belgien 2021 wurde die Punktevergabe im Falle eines Rennabbruchs überarbeitet. Es werden nur noch dann Punkte für die Weltmeisterschaft vergeben, wenn mindestens zwei Runden unter Rennbedingungen (d. h. ohne reales oder virtuelles Safety-Car) absolviert wurden. Die Punkte werden dabei wie folgt vergeben:
Sind mindestens zwei Runden, aber weniger als 25 Prozent der geplanten Renndistanz absolviert, erhalten die fünf bestplatzierten Fahrer Punkte nach dem Schema 6–4–3–2–1. Sind mindestens 25, aber weniger als 50 Prozent der geplanten Renndistanz absolviert, erhalten die neun bestplatzierten Fahrer Punkte nach dem Schema 13–10–8–6–5–4–3–2–1. Sind mindestens 50, aber weniger als 75 Prozent der geplanten Renndistanz absolviert, erhalten die zehn bestplatzierten Fahrer Punkte nach dem Schema 19–14–12–10–8–6–4–3–2–1. Sind mindestens 75 Prozent der geplanten Renndistanz absolviert, werden Punkte nach dem regulären Schema vergeben (25–18–15–12–10–8–6–4–2–1 für die ersten Zehn).
Teams Das Panthera Team Asia kündigte seine Absicht an, ab 2022 an der Formel-1-Weltmeisterschaft teilzunehmen, war aber gezwungen, seine Pläne wegen der COVID-19-Pandemie zu verschieben. Das Ausbleiben von Nachrichten über das Team hat jedoch seine mögliche Teilnahme im Jahr 2022 in Frage gestellt.
Ex-Formel-1-Pilot Michael Andretti hatte Anfang Oktober 2021 Interesse an einem Einstieg in die Formel 1 mit einem eigenen Team zur Saison 2022 bekundet. Dafür verhandelte man eine Übernahme von Sauber. Ende Oktober 2021 lehnte Sauber-Eigentümer Finn Rausing das Übernahmeangebot wegen Meinungsverschiedenheiten mit Andretti über die Führung des Unternehmens ab.
Motorenhersteller Honda hatte 2020 angekündigt, zum Ende der Formel-1-Weltmeisterschaft 2021 sein Engagement in der Rennserie zu beenden und keine Motoren mehr zu produzieren und zu liefern. Das Unternehmen hatte die Scuderia AlphaTauri (bis 2019 Scuderia Toro Rosso) seit 2018 und Red Bull Racing seit 2019 mit Aggregaten versorgt. Red Bull Racing fehlte in der Folge laut eigener Aussage die Kapazität, selbst einen neuen Motor zu entwickeln. Darüber hinaus waren Red Bull Racing und die Scuderia AlphaTauri nicht bereit, erneut Kundenteam von Renault zu werden. Daher beschloss die FIA, vom Beginn der Rennsaison 2022 an bis einschließlich der Formel-1-Weltmeisterschaft 2025 ein Entwicklungsstopp der Motoren zu verhängen. Die Red-Bull-Teams setzten in diesen Jahren weiterhin von Honda gefertigte Motoren ein, wobei die britischen Angestellten Hondas im Motorbereich in die neue Abteilung Red Bull Powertrains wechseln sollten.
Fahrer Kimi Räikkönen beendete seine Karriere in der Formel-1-Weltmeisterschaft nach der Saison 2021. Sein Nachfolger bei Alfa Romeo Racing wird Valtteri Bottas, der Mercedes nach fünf Saisons verlässt. Dessen Platz bei Mercedes nimmt wiederum George Russell ein, der Williams nach drei Saisons verlässt und einen mehrjährigen Vertrag erhält. Williams bestätigte, mit Alexander Albon, der nach einjähriger Abwesenheit und einer DTM-Saison in die Formel 1 zurückkehrt und George Russell nachfolgt, und Nicholas Latifi anzutreten.
Zhou Guanyu steigt neu in die Formel-1-Weltmeisterschaft ein und wird Bottas' Teamkollege bei Alfa Romeo. Er wird Nachfolger von Antonio Giovinazzi, der seit 2019 für das Team fuhr und zur Saison 2021/22 in die FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft zum Team Dragon/Penske Autosport wechselt. Giovinazzi wird zudem neben Mick Schumacher Test- und Ersatzfahrer bei der Scuderia Ferrari.
Am 5. März 2022 gab Haas bekannt, dass der Vertrag mit Nikita Masepin wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine aufgelöst wurde. Auch der Vertrag mit Titelsponsor Uralkali wurde beendet. Als Ersatz wurde Kevin Magnussen verpflichtet, der bereits von 2017 bis 2020 für das Team gefahren war und nach einem Jahr in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship in die Formel-1-Weltmeisterschaft zurückkehrt.
Im Vorfeld des Großen Preises von Bahrain wurde Sebastian Vettel positiv auf COVID-19 getestet, er wurde für dieses Rennwochenende sowie den Großen Preis von Saudi-Arabien von Ersatzfahrer Nico Hülkenberg vertreten, der damit sein erstes Rennen seit dem Großen Preis der Eifel 2020 bestritt.
Vor dem dritten freien Training beim Großen Preis von Italien wurde Alexander Albon wegen einer Appendizitis medizinisch behandelt und konnte deshalb am restlichen Rennwochenende nicht teilnehmen. Er wurde von Nyck de Vries vertreten, welcher damit sein Grand Prix-Debüt gab. Bei seinem Debüt erreichte de Vries den neunten Platz und erzielte damit seine ersten zwei Punkte.
Rennleitung