miniatur|Rochsches Haus vor 1895, nach dem Umbau des Erdgeschosses mini|Blick von Norden, Anfang der 1890er, im Hintergrund die Alte Hauptpost miniatur|Vor dem Umbau des Erdgeschosses; Diese Fotografie wurde als Teil der Denkschrift von Februar 1895 veröffentlicht und dürfte so dem Reichstag vorgelegen haben. miniatur|Rochsches Haus mit Nachbarbauten miniatur|Blick von Süden auf die Westseite des Breiten Wegs, im Hintergrund das Rochsche Haus miniatur|Ein Relief des Hauses Das Rochsche Haus, auch als Haus zu den drei Männern bezeichnet, war ein historisches Gebäude in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Es galt bereits im 19. Jahrhundert als erhaltenswertes Baudenkmal, wurde jedoch trotzdem 1895Uebersicht über die Amtsthätigkeit des Provinzial-Konservators in den drei Regierungsbezirken der Provinz in den Jahren 1893 — 1895 im II. Jahresbericht des Vereins zur Erhaltung der Denkmaeler der Provinz Sachsen für 1895, Quedlinburg 1896, Seite 32 für den Neubau der Hauptpost Magdeburg abgerissen.

Lage Das Gebäude befand sich in der Magdeburger Altstadt auf der Westseite des Breiten Wegs an der Adresse Breiter Weg 203. Unmittelbar nördlich grenzte die Deutsch-Reformierte Kirche an. Heute befindet sich an dieser Stelle der südliche Teil des Justizzentrums.

Architektur Das dreigeschossige Patrizierhaus war Ende des 16. Jahrhunderts in massiver Bauweise im Stil der Spätrenaissance errichtet worden. Es wird vermutet, dass mehrere ältere Hausstellen hierbei zusammengelegt worden waren, so dass die damit entstandene Breite der Straßenfront, die ursprünglich praktizierte Giebelständigkeit nicht mehr angewandt werden konnte. Trotzdem wurde der straßenseitige markante Giebel gesetzt. Er war erforderlich, um die im Dach angeordneten großen Lagerräume von der Straße aus mit Waren erreichen zu können.Denkschrift über den Kunstwerth des Hauses Breiteweg Nr. 203 zu Magdeburg, von der Provinzialkommission im Februar 1895 dem Reichstage mit dem Antrage überreicht, für die Erhaltung des Hauses einzutreten. im II. Jahresbericht des Vereins zur Erhaltung der Denkmäler der Provinz Sachsen für 1895, Quedlinburg 1896, Seite 47

Die Gestaltung des Erdgeschosses war in der Zeit des Bestehens des Hauses verändert worden. Die Fenster dürften unregelmäßig angeordnet gewesen sein. Im 19. Jahrhundert wurde ein Ladengeschäft für eine Zigarrenhandlung eingebaut, es entstanden zwei neue Eingangstüren. Die zuvor bestehende Verdachung der ganz rechts bestehenden Tordurchfahrt wurde hin zu einem etwas flacheren Bogen und neueren Verzierungen verändert. Die Fenster im Erdgeschoss wurden durch zwei große Rundbogenfenster als Schaufenster ersetzt. Die Erdgeschossfassade erhielt eine Putzquaderung. Auch die unterhalb der Fenster des ersten Obergeschoss befindlichen ursprünglichen Verzierungen wurden dabei entfernt, die gleichen Verzierungen unterhalb des zweiten Obergeschosses blieben jedoch erhalten.

Zwischen den Geschossen bestand als Abgrenzung ein horizontales Band. Parallel dazu verlief jeweils ein weiteres Band, das zugleich als Unterkante der Fensteröffnungen diente. Die Gebäudekanten waren mit Rustizierungen gefasst. miniatur|Erker des Rochschen Hauses miniatur|Nachgebildeter Erker, 2014 Auf der linken Seite befand sich vor den beiden oberen Geschossen ein zweiachsiger Kastenerker. Abgesehen vom Runderker am Magdeburger Rathausbau von 1652, war es das einzige Beispiel eines Erkers in Magdeburg. In Magdeburg waren Erker, anders als in anderen Städten unüblich. Tatsächlich ähnelten sich die Erker des Rochschen Hauses und des Rathauses. Aufgrund der Fensteranordnung wurde vermutet, dass der Erker schon in der Bauzeit des Hauses errichtet worden war. Eine mittige Anordnung des Erkers war nicht möglich, da er dann die Erreichbarkeit der Ladeluken behindert hätte. Die horizontale Gliederung der Fassade wurde auch am Erker fortgeführt. Getragen wurde der Erker ursprünglich von einer Konsole mit Karyatide. Mit dem Umbau des Erdgeschosses wurde unterhalb des Erkers eine Tür eingefügt und die Konsole so beseitigt. Der Erker wurde seit dem von die Tür flankierenden Hermen getragen. Es wurde eine Ähnlichkeit mit der als Vorstufe verstandenen Gestaltung des Hildesheimer Kaiserhauses angemerkt.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 14 Bemerkenswert waren die am Erker angebrachten Verzierungen. Unten befand sich ein grober Eierstab und eine kräftige Rustizierung.Oberlehrer Müller, Die Bauwerke der deutschen Renaissance in Magdeburg. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 8. Jahrgang, 1873, 4. Heft, Seite 369 Unter und über den Erkerfenstern waren figürlich oder dekorativ gearbeitete Basreliefs angebracht. Unten waren nackte spielende Kinder, in der Mitte Frucht- und Blumengewinde, im oberen Teil viereckige von Bändern umgebene Schilde dargestellt. Auf den Schilden, zum Teil von nackten Knaben gehalten, befanden sich Abbildungen von Waffen und Trophäen.Oberlehrer Müller, Die Bauwerke der deutschen Renaissance in Magdeburg. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 8. Jahrgang, 1873, 4. Heft, Seite 370 Bedeckt war der Erker von einem geschwungenen Dach, das sich über das Gesims hinaus erhob.

Besonders markant war der mittig angeordnete geschwungene Giebel. Er nahm etwa die Hälfte der Fassadenfront ein und war selbst dreigeschossig. Seine Spitze erreichte die Höhe des Firstes des steil ausgeführten Hausdachs. In seiner Mitte befanden sich drei übereinander angeordnete Ladeluken. Diese wurden so angeordnet, dass sich unter ihnen bis zum Boden nur Wandflächen, nicht jedoch möglicherweise Ladevorgänge behindernde Fenster befanden. Bei einem Umbau im 19. Jahrhundert wurde die untere Ladeluke zu einem Fenster umgebaut. Die Anordnung der Ladeluken und Fensteröffnungen des Giebels orientierte sich in keiner Weise an der Gestaltung der Geschosse des Hauses. Die Verwendung horizontaler Bänder entsprach jedoch dem Einsatz an der Hauptfassade. Verziert war der Giebel mit Rollwerk aus Schnecken und Raupen, die durch Klammern an die Gebäudemauern geheftet waren.

Auf der Rückseite des Gebäudes entstand in späterer Zeit ein Hofflügel.

Innenausstattung Der ursprüngliche Innenausbau des Hauses war aufgrund der Zerstörungen von 1631 nicht erhalten. Zu den oberen Stockwerken führte durch einen auf der Hofseite hervorspringenden Treppenturm eine breite Spindeltreppe. Die Wohnräume wurden Ende des 19. Jahrhunderts als ausreichend hoch, gut ausgestattet und behaglich beschrieben.Denkschrift über den Kunstwerth des Hauses Breiteweg Nr. 203 zu Magdeburg, von der Provinzialkommission im Februar 1895 dem Reichstage mit dem Antrage überreicht, für die Erhaltung des Hauses einzutreten. im II. Jahresbericht des Vereins zur Erhaltung der Denkmäler der Provinz Sachsen für 1895, Quedlinburg 1896, Seite 48 Die Fensternischen des obersten Stockwerkes erweiterten sich im Inneren in Stufen mit abgerundeten Ecken, während im mittleren Geschoss schlicht rechteckige Fensteröffnungen bestanden, die vermutlich durch Umbauten entstanden waren.Oberlehrer Müller, Die Bauwerke der deutschen Renaissance in Magdeburg. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 8. Jahrgang, 1873, 4. Heft, Seite 370

Geschichte Vorgängerbebauung Anfang des 16. Jahrhunderts gehörte das Anwesen der Familie von der Schulenburg, ihnen folgte die Familie von Alvensleben-Hundisburg. Erzbischof Sigismund bestätigte das Haus im Jahr 1560 als Leibgedinge an die Witwe des Magdeburger Hofmeisters Ludolf X. von Alvensleben.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2, Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 16. Das Gebäude gehörte innerhalb Magdeburgs zum Bereich der Stiftsfreiheit.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 91

Nutzung des Rochschen Hauses Das später Rochsche Haus genannte, repräsentativ gestaltete Gebäude entstand dann Ende des 16. Jahrhunderts. Bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 wurde das Gebäude stark beschädigt. Der Möllenvogt Berthold Struve führte das Haus als abgebrannt, wobei jedoch die Außenmauern wohl erhalten geblieben waren.

Unmittelbar vor der Zerstörung war Major Schafmann im Haus einquartiert. 1641 lebten einige arme Leute im Gebäude. Im Jahr 1642 wurde es noch lediglich als Stete bezeichnet, vermutlich kurz danach jedoch wieder aufgebaut. 1647 stand es dann allein dem Rittmeister Lüderwald zur Verfügung. Der erste Domschulrektor Johann Georg Lohmeier lebte 1676, der Landsyndikus Sylvester Becker aus Helmstedt 1685 im Haus. Von 1691 bis 1722 gehörte das Gebäude Sybille von Mandelslohe, geborene von Welchhausen, Witwe des Regierungsrats und Dechanten von Sankt Nikolai Gebhard Julius von Mandelslohe. Ihre Erbin wurde ihre Base Juliane von Welchhausen, die es jedoch bereits 1723 für 3400 Taler an Stilcke, Dechant des Nikolaistiftes, veräußerte. Stilcke verstarb 1758. Das Gebäude ging an seine Witwe, eine geborene Saalfeld, die jedoch 1760 ebenfalls verstarb. Gemäß einem Testament übertrugen die Kinder das Anwesen für 3000 Taler an den ältesten Sohn, Dechant Christian Hermann Stilcke.

Für 5400 Taler wurde das Anwesen dann 1784 an den Generalmajor Albrecht Ehrentreich von Rohr und seine Ehefrau Agnes Sophie, geborene von Alvensleben veräußert. Im Jahr 1817 wurde der Oberlandesgerichtsrat Friedrich Fahrenholz für das Haus genannt.Guido Skirlo, Der Breite Weg – ein verlorenes Stadtbild, Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt, 2005, Seite 392 1823 betrieben G. Elliesen und W. Roch im Haus eine Tabakfabrik, später war Roch alleiniger Eigentümer. Auf ihn geht der Name Rochsches Haus zurück. Bis 1886 waren seine Erben Eigentümer des Hauses.

In der Zeit um 1862 führte Roch einen Prozess mit der Deutsch-reformierten Gemeinde als Eigentümerin der nördlich angrenzenden Pauliner Kirche. Roch hatte zwischen die Strebepfeiler der Kirche hineingebaut. Er konnte den Prozess in dritter Instanz für sich entscheiden.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Zweiter Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 291 Auch installierte die Kirchengemeinde wohl 1879, auf seine Beschwerde hin, ein Schutz vor Schneeabstürzen vom Kirchendach.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Zweiter Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 549

Im Haus befand sich eine Geschäftsstelle der Zeitung General-Anzeiger. Am 28. Oktober 1889 kam es kurz nach 7 Uhr morgens in den Räumen des General-Anzeigers zu einer Gasexplosion, die einige Schäden verursachte. Auf der Südseite der angrenzenden Kirche wurden sämtliche Fenster zerstört.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Zweiter Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 570 f.

Abriss des Gebäudes