mini|Blick auf den Eingang des Museums mini|Ansicht bei Nacht
Das Museum Bensheim wurde 1909 gegründet und gehört zu den ältesten Museen Südhessens. Es befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Lorscher Klosterhofes in Bensheim. Es verfügt über eine stadthistorische sowie archäologische Dauerausstellung auf drei Etagen mit 630 m². Die Sammlung des Museums verfügt über ca. 30.000 Objekte von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart. Ergänzt wird das Programm des Museums durch regelmäßige Sonderausstellungen, oftmals mit dem Fokus auf Kunst und Kunstgeschichte sowie Archäologie und Geschichte. Außerdem bietet das Museum Bensheim ein museumspädagogisches Programm für unterschiedliche Altersklassen an.
Geschichte Museumsverein und Gründung des Bergsträßer Heimatmuseums Im Jahr 1880 bat der Stadtrat der Stadt Bensheim Freiherrn Wambolt zu Umstadt um Räume in dessen Hof, mit dem Plan dort ein Gewerbe-, Landwirtschafts- und pädagogisches Museum unter der Leitung von Georg Knöpp mit einer engen Verbindung zur Volksbildungsbewegung einzurichten, welches jedoch nach drei Jahren wieder geschlossen wurde.
1908 wurde unter der Leitung von Karl Albert Henkelmann der Bensheimer Museumsverein gegründet, welcher Exponate für die Gründung eines Heimatmuseums sammelte. Zum ersten Vorstand gehörten u. a. Bürgermeister Ignaz Frenay (Vorsitzender), Seminarlehrer Philipp Buxbaum, Kaufmann Jean Desaga, August Feigel, Gymnasiallehrer Karl Albert Henkelmann, Schmiedemeister Leonhard Klein, Stadtsekretär Peter Krenkel, Heinrich Metzendorf, Kaufmann August Müller, Privatier Gustav Müller, Bankier Daniel Reiling sowie Seminaroberlehrer Werner an. Als eine der ersten Initiativen gründete der Museumsverein das Bergsträßer Heimatmuseum, welches am 5. Dezember 1909 unter der Leitung von Karl Henkelmann eröffnet wurde. Es befand sich in zwei Erdgeschossräumen der Alten Faktorei (dem ehemaligen Mädchenschulhaus in der Hauptstraße). Die Inneneinrichtung wurde unter anderem von Heinrich Metzendorf geplant, dessen Vorliebe für Heimatliches auch hier zum Tragen kam. Durch Spenden und dem Kauf neuer Stücke entwickelte sich eine große Sammlung, welche von historischen Büchern über Bodenfunde, Gemälde und Möbel bis hin zu Postkarten und Drucken reichte. So entstand ein zunächst weitgehend zufälliger Exponatsbestand mit lokalen Bezügen.
In den folgenden Jahren wuchs das Museum und dehnte sich auf weitere Räume im Obergeschoss des ehemaligen Schulgebäudes aus. Den wohl bedeutsamsten Zuwachs erfuhr es 1912 mit der Eröffnung des Odenwaldmuseums im Obergeschoss der Alten Faktorei. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Museum 1922 wiedereröffnet.
Joseph Stoll erweiterte 1928/1929 schließlich das Odenwaldmuseum um einen weiteren Raum. Mit der Übernahme der Sammlung des Gerbereibesitzers Gustav Müller wurde ein Wohn-/ Schlafzimmer angegliedert.
Pläne zur Verlegung der Polizei in die Alte Faktorei beendeten die erste Blütezeit des Museums: Im April 1933 erfolgte ein Umzug in die beengten Ausstellungsräume des Dalberger Hofs und 1935 wurde die Sammlung schließlich durch die Nationalsozialisten in ungesicherten Lagerräumen eingelagert. Dort kam es zu Diebstählen und Plünderungen, sodass rund 80 Prozent der damaligen Bestände des Bergsträßer Heimatmuseums verloren gegangen sind.
Der Wiederaufbau des Museums in der Nachkriegszeit mini|hochkant|Irmgard Most (ehemalige Museumsleiterin)
1948 begann Richard Matthes als ehrenamtlicher Museumsleiter in einem unzerstört gebliebenen Anbau des beschädigten Rathauses am Marktplatz mit dem Wiederaufbau des Museums. Er inventarisierte die noch vorhandenen Restbestände und bemühte sich um neue Sammlungszugänge in Gestalt von Bodenfunden und Überresten kriegsbeschädigter Gebäude, wie etwa der Kirche oder dem Mespelbrunner Hof. Am 29. April 1952 konnte das Museum als Kreismuseum des Landkreises Bergstraße eröffnet werden. In zwei Ausstellungsräumen wurden vor allem prähistorische und historische Bodenfunde aus eigenen Beständen sowie Leihgaben des Heppenheimer Heimatforschers Heinrich Gieß gezeigt. Allerdings wurde der Betrieb nur ein Jahr nach der Eröffnung wieder eingestellt, da das Gebäude abgerissen wurde.
1958 ergaben sich mit der Sanierung des bereits 1940 von der Stadt Bensheim erworbenen „Hauses Blüm“ südlich des einstigen Rathauses neue Perspektiven. Im Erdgeschoss gestaltete Richard Matthes vier Räume zu den Themen Vorgeschichte, Landwirtschaft und Stadtgeschichte, Odenwald und Biedermeier. Matthes legte dabei viel Wert auf museumspädagogische Ansätze und legte einen besonderen Schwerpunkt auf vor- und frühgeschichtliche Inhalte. Am 24. Juni 1960 wurde unter der noch heute gültigen Adresse „Marktplatz 13“ das städtische Museum Bensheim wieder eröffnet.
Das Museum wurde in den folgenden Jahren erweitert und umfasste schließlich sechs Räume: Den Flur mit Ackergeräten, zwei Räume zur Vorgeschichte, ein Odenwaldzimmer, einen Saal zur Stadtgeschichte und das Biedermeierzimmer. Im Jahr 1962 zog darüber hinaus die Arnauer Stube in das Dachgeschoss des Hauses. 1971 wurde Diether Blüm Leiter des Museums und sammelte fortan verstärkt Exponate mit Bensheimer Kontext. Er setzte sich unter anderem für Sicherstellungsaktionen in Abbruchhäusern ein, bei denen antiquarische Möbel, Gemälde und noch mehr Alltagsgegenstände für die Museumssammlungen geborgen werden konnten. Außerdem rief Blüm einen freiwilligen Helferkreis ins Leben, der als „Xylamonbrigade“ bekannt geworden war und das Bewusstsein für ein städtisches Museum in Bensheim geschärft hatte.
Neugründung des Museumsvereins Auf Initiative des Bensheimer Heimatforschers Wilhelm Weyrauch wurde 1974 der Museumsverein Bensheim e. V. neu gegründet. In Anerkennung jahrzehntelanger historischer Verdienste wurde Gründer Weyrauch zum Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt hatte er zehn Jahre inne. Zu den Aufgaben des Vorsitzenden gehörte es, sämtliche Vereinsangelegenheiten zu behandeln, das zweimal jährlich erscheinende Heft Mitteilungen Museumsverein BensheimVereinszeitschrift „Mitteilungen“. Mitteilungen Museumsverein Bensheim e.V. Nr. 90, 2. Halbjahr 2024; Bergsträßer Anzeiger vom 22.08.2024, Bergsträßer Anzeiger Online vom 14.08.2023, https://www.bergstraesser-anzeiger.de/orte/bensheim_artikel,-bensheim-museum-verein-geschichte-jubilaeum-_arid,2233670.html. zu bearbeiten, Referenten für Vorträge zu gewinnen und Exkursionen zu organisieren. Hierbei wurde er von seiner Ehefrau Ilse Weyrauch unterstützt. Über die Geschichte des Vereins schrieb Weyrauch zwei Aufsätze, welche die alte und neue Organisation betrafen.Wilhelm Weyrauch: Der Museumsverein in Bensheim vom Jahre 1908 und Zur Geschichte des Museumsvereins Bensheim e. V. Vgl. Das Leben von Wilhelm Weyrauch. In: Wilhelm Weyrauch: Das frühe Bensheim. S. 66. Das von Weyrauch entworfenen Logo für den Museumsverein Bensheim ist heute noch in Gebrauch. Satzungsgemäß fördert der Museumsverein die Erforschung der Geschichte der Stadt Bensheim und die Denkmalpflege durch Sammlungen, Veröffentlichungen, Vortragsveranstaltungen und Exkursionen. Das Museum Bensheim ist heute jedoch eine Einrichtung des Bensheimer Eigenbetriebs Stadtkultur und agiert personell, inhaltlich und monetär unabhängig vom heutigen Museumsverein.
Umbau und Neugestaltung der Ausstellungen Ein grundlegend gewandeltes Verständnis von den Aufgaben moderner Heimatmuseen führte auch in Bensheim zum Bruch mit den alten Sachverwaltern der Stadtgeschichte. Irmgard Most übernahm 1981 die Museumsleitung und rückte während des Umbaus neue Themen, wie Alltagsgeschichte der jüngeren Vergangenheit in den Fokus. Dieser Bezug verstärkte sich auch im weiteren Ausbau der Ausstellungsräume: Im Kellerraum wurden Acker- und Weinbaugeräte ebenso wie Werkstätten von Handwerkern ausgestellt. 1994 wurde eine Hauswirtschaftsabteilung im Dachgeschoss eingerichtet. Außerdem wurde durch chronologisch bühnenartige Stuben das Alltagsleben des Barocks gezeigt. Manfred Berg professionalisierte 1996 als Leiter des Museums die Museumsarbeit, indem er eine museumspädagogische Stelle einrichtete und ab 2003 einen weiteren Museumsausbau einleitete, der mit der Neugestaltung der stadtgeschichtlichen Abteilung einherging. Nach zweijährigem Aus- und Umbau konnte das Museum am 8. Mai 2005 neu eröffnet werden. Die Ausstellungsflächen konnten mit der Anbindung des Nachbargebäudes, in dem die Magazine untergebracht sind, erheblich erweitert werden. In dieser stadtgeschichtlichen Abteilung stehen Persönlichkeiten im Zentrum, die zeitgenössische Ereignisse miterlebt und Teilbereiche der Stadtgeschichte mitgeprägt haben. Seit September 2016 leitet Christoph Breitwieser das Museum. Unter seiner Leitung wurde 2019 das Forum im Erdgeschoss als Ausstellungsfläche für Sonderausstellungen geschaffen, die im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Internationalen Museumstages für das Land Hessen durch Staatsministerin Angela Dorn eröffnet wurden. Bisher wurden dort Künstler, wie Jochen Hein, Jan Tichy, Sven Kroner, Rosa Loy, Boris Kleint und Neo Rauch ausgestellt.
Außerdem eröffnete das Museum 2020 im Obergeschoss die neue archäologische Dauerausstellung „Aus dem Untergrund – Archäologische Entdeckungen“, die Objekte aus vorgeschichtlichen und historischen Epochen zeigt. Dabei werden die Eiszeit und prähistorische Epochen bis in die Zeit der Römer und Germanen sowie das Mittelalter thematisch behandelt. Sie wurde in Kooperation mit der Christoffel Blindenmission mit taktilem Leitsystem, Taststationen und Barille-Schrift ausgestattet, um auch Menschen mit Sehbehinderung einen Ausflug in die Ausstellung zu ermöglichen. Seit April 2021 gibt es auch einen Podcast des Museums. Unter dem Namen Stadtgeschichten widmet sich der Podcast auf Spotify und iTunes wöchentlich historischen Themen aus Bensheim und der Region.
mini|Archäologische Dauerausstellung
Museumsleiter Quellen: Karl Albert Henkelmann (1909–1935) Richard Matthes (1948–1971) Diether Blüm (1971–1981) Irmgard Most (1981–1996) Manfred Berg (1996–2016) Jan Christoph Breitwieser (seit 2016)
Sammlungen Das Museum Bensheim ist seit seiner Gründung im Jahr 1909 ein Mehrspartenhaus. So existieren bis heute unterschiedliche Sammlungen und Sammlungsschwerpunkte. Seit der Gründungszeit existieren die Bestände der Archäologie, der Stadtgeschichte und die Kunstsammlungen, welche stetig erweitert werden.
Kunst: Einrichtung des Kunstarchivs Bergstraße 2017 wurde das Kunstarchiv Bergstraße im Museum Bensheim errichtet, um qualitätsvolle Arbeiten Bergsträßer Künstler und Motive zu bewahren sowie Kunstsammlungen aus der Region übernehmen zu können. Grundstock ist die Kunstkollektion des Museums Bensheims und der Kunstsammlung des Kreises Bergstraße. Sie umfasst Werke verschiedener bedeutender Bergsträßer Künstler wie Leo Grewenig, Franz Frank, Bruno Müller-Linow oder Paul Kleinschmidt.
Leo Grewenig Das Kunstarchiv Bergstraße im Museum Bensheim konnte 2017 eine Stiftung von 24 Arbeiten Leo Grewenigs auf Papier durch die Erbengemeinschaft des Künstlers annehmen. Das Museum Bensheim besitzt insgesamt 40 Arbeiten des Malers und repräsentiert ihn ebenso prominent wie das Bauhaus-Museum Weimar, das Bauhaus-Museum Dessau und das Saarlandmuseum in Saarbrücken.
Franz Frank Aus dem Nachlass des mittelhessischen Malers Franz Frank, vertreten durch seine Töchter Brigitte Frank und Elisabeth Zindler, konnte das Museum Bensheim im Jahr 2018 eine Schenkung von insgesamt 380 Arbeiten aus dessen graphischem Werk für das Kunstarchiv entgegennehmen. Die Stiftung umfasst Radierungen, Lithographien und Holzschnitte aus seiner gesamten Schaffensphase. Neben dem Museum Marburg besitzt das Bergsträßer Kunstarchiv nun die größte Zusammenstellung von Grafiken des expressiven Realisten in Deutschland.
Paul Kleinschmidt