Die Bombenangriffe der Alliierten auf Rabaul fanden vom 12. Oktober bis zum 11. November 1943 während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg statt. Diese konzertierte Aktion land- und seegestützter Luftangriffe der amerikanischen, australischen und neuseeländischen Streitkräfte diente zur Deckung der Rückeroberung von Bougainville, die zeitgleich gestartet wurde.
Vorgeschichte Die Stadt Rabaul auf Neubritannien stand nach dem Ersten Weltkrieg unter australischer Verwaltung (Volkerrechtsmandat). Im Rahmen der Erweiterung ihrer Verteidigungslinie im Südwestpazifik und der Invasion von Südostasien hatte das Japanische Kaiserreich Rabaul am 23. Januar 1942 besetzt und in der Folge zu einem ihrer wichtigsten Stützpunkte ausgebaut. Fünf Flugplätze wurden in der Nähe gebaut und mit einer der dichtesten Konzentrationen an Flugabwehrgeschützen weltweit ausgerüstet. Dies waren die Flugplätze Keravat, Vunakanau, Lakunai, Rapopo und Tobera.
Nachdem sich die Front in den Salomonen immer weiter nördlich verschob und die Alliierten die Einnahme von Bougainville planten, stellte der japanische Stützpunkt in Rabaul eine große Bedrohung dieser Offensive dar. Zwar sah der Cartwheel-Plan eine weiträumige Umgehung von Rabaul vor, jedoch wurde für die Deckung der Landungen auf Bougainville eine Bombardierungsaktion zur Neutralisierung von Rabaul eingeplant.
Alliierte Planung Die Planung für eine Angriffsinitiative gegen Rabaul wurde im April 1943 fertiggestellt. Allerdings war nur die in Neuguinea stationierte Fifth Air Force im Stande mit ihren P-38 Rabaul zu erreichen. Ihren ersten Einsatz flogen sie schon im Oktober 1942 gegen den japanischen Stützpunkt und danach stand Rabaul immer wieder auf ihren Angriffsbefehlen. Doch nach acht Monaten, im Juni 1943, verschob sich der Einsatzfokus. So wurde dieser auf Kampfeinsätze bei der alliierten Einnahme von Woodlark und Kiriwina, Wewak, Lae und Finschhafen gelegt. Zudem mussten die Kampfhandlungen in den Salomonen voran getrieben werden. Die Russel-Inseln und New Georgia mit dem Munda-Flugfeld waren wichtige Ziele. Anschließend umfasste die Planung Bougainville, die nördlichste Salomonen-Insel.
Zur Einnahme von Bougainville, das 300 km südöstlich von Rabaul liegt, planten die Alliierten unter Admiral Halsey eine Landung am Kap Torokina in der Kaiserin-Augusta-Bucht unter dem Decknamen Operation Cherryblossom. Die Schiffe der 8. Flotte, alle in Rabaul stationiert, stellten eine direkte Bedrohung für die Landung dar. Dies waren die Schweren Kreuzer Myoko und Haguro der 5. Kreuzerdivision von Konteradmiral Sentarō Ōmori, die Leichten Kreuzer Sendai und Agano, die Zerstörer Shigure, Samidare, Shiratsuyu, Naganami, Hatsukaze und Wakatsuki sowie fünf Zerstörer-Transporter. Der Landungstag für Cherryblossom wurde auf den 1. November 1943 festgelegt.
Die Fifth Air Force unter dem Oberbefehl von General George Kenney im Südwestpazifik war ab dem Oktober 1943 gut aufgestellt, um den Kampf gegen Rabaul aufzunehmen. Fast alle Kampfflugzeuge waren auf vorgelagerten Basen verlegt worden. Port Moresby, noch ein Außenposten im Jahr 1942, war jetzt eine nahe gelegene Basis. Dobodura war die Hauptbasis für schwere Bomber, und Nadzab wurde als Hauptbasis für zukünftige Operationen vorbereitet. P-38 aus Neuguinea konnten in Kiriwina aufgetankt werden und die Bomber anschließend bis nach Rabaul eskortieren. Flugzeuge im Südwestpazifik hatten auf Rabaul seit Januar 1942 kleinere Angriffe geflogen, aber jetzt waren die Alliierten bereit diese japanische Bastion in großem Umfang anzugreifen. +Entfernungen von Rabaul zu den Hauptbasen, die es verteidigten, und zu den wichtigen Positionen der Alliierten, von denen aus es angegriffen wurde Kursiv ⇒ japanische BasisBasisEntfernung [km]BasisEntfernung [km]BasisEntfernung [km]Truk1280Dobodura628Kiriwina499Guadalcanal1046Lae (ab Sept.'43 Alliierte)620Kap Gloucester435Wewak950Admiraltätsinseln604Kap Torokina410Port Moresby780Woodlark555Buka Passage306Madang724Finschhafen (ab Okt.'43 Alliierte)547Kavieng233Munda Point708Kahili (Buin – Bougainville) (Mitte '43 neutralisiert)499
Die Japaner in Rabaul Als sich der Vormarsch der Alliierten Neubritannien näherte, war die Entwicklung der Basis in Rabaul praktisch abgeschlossen. Die Japaner hatten zwei Jahre Zeit gehabt, um die Basis auszubauen und zu erweitern, und Ende 1943 war dies ein Stützpunkt beträchtlicher Stärke. Darüber hinaus war Rabaul trotz seiner zunehmenden Verwundbarkeit eine Schlüsselposition in der japanischen Militärorganisation für dieses Gebiet, da es sowohl der Südostflotte mit der 3. und 8. Flotte als auch den südöstlichen Armeestreitkräften als Hauptquartier diente.Ende November betrug die Truppenstärke in Rabaul und dem Rest von Neubritannien ca. 97.900 Mann. Davon gehörten allein 76.300 der Südostarmee an und 21.570 der Flotte. Die japanische Luftwaffe, die im Wesentlichen aus der 11. Luftflotte der Marine unter Vizeadmiral Kusaka Jin’ichi bestand, hatte bis Juni 1943 173 Flugzeuge auf den Flugfeldern rund um Rabaul stationiert. Die meisten Flugzeuge der Armee waren nach Wewak verlegt worden, so dass nur zehn Aufklärungsflugzeuge bereit standen. mini|Japanische Jagdflugzeuge (Zero-Jäger) auf einem Flugfeld bei Rabaul Da die Japaner einen Angriff gegen Bougainville befürchteten, und durch den möglichen Verlust ihrer dortigen Luftwaffenstützpunkte eine Verstärkung der Bombenangriffe gegen Rabaul erwartet wurde, musste die japanische Luftwaffe dort dringend verstärkt werden. Anfang Oktober verfügte die 11. Luftflotte auf Neubritannien nur über rund 200 Flugzeuge. Daher starteten sie die Operation RO, die insgesamt weitere 173 Flugzeuge aus den Lagerbeständen von Admiral Koga Mine’ichis kombinierter Flotte anliefern sollte. Die Operation sollte eigentlich am 28. Oktober starten, aber zu diesem Zeitpunkt waren die Pläne der kombinierten Flotte nach einem fehlgeschlagenen Einsatz vom Truk-Atoll am 5. Oktober in zeitliche Verzögerung geraten. Die Flugzeuge wurden schließlich von der 3. Flotte unter Vizeadmiral Ozawa Jisaburō mit den Flugzeugträgern Zuikaku, Shōkaku und Zuihō der 1. Trägerivision sowie den Flugzeugträgern Jun’yō, Hiyō und Ryūhō der 3. Trägerdivision transportiert und am 1. November entladen. Darunter befanden sich 45 Aichi D3A Val-Sturzkampfbomber, 40 Nakajima B5N Kate-Torpedo- und Horizontalbomber, 82 Mitsubishi A6M Zero-Jäger und sechs Aufklärungsflugzeuge, wahrscheinlich vom Typ Yokosuka D4Y Judy.
Die in Rabaul stationierte 8. Flotte unter Vizeadmiral Samejima Tomoshige bestand aus zwei bis drei Schweren Kreuzern, zwei Leichten Kreuzern, acht Zerstörern, zwei oder drei Minensuchern und zehn Transportern. Ihre Hauptaufgabe als Basisflotte bestand in der Begleitung von Konvois und Patrouillenfahrten rund um Neubritannien und der umliegenden Gewässer. Für Kampfaktionen stand die Kombinierte Flotte (3. Flotte) zur Verfügung, deren Haupteinsatzgebiet allerdings derzeit in den Salomonen lag. Die Unterscheidung bei den Japanern zwischen administrativer und operativer Flotte und dem Hin und Her bei Schiffszuweisungen zwischen den Flotten machte es schwer den aktuellen Stand in Rabaul zu bestimmen. Gegen Ende 1943 lagen etwa zehn Kreuzer, 20 Zerstörer, zehn Unterseeboote und rund 200 kleinere Schiffe in Simpson Harbour. Zudem lagen weitere 240 größere und kleinere Transporter sowie rund 500 Lastkähne und kleinere Schiffe der Armee im Hafen.
Die Bombenangriffe auf Rabaul Rabaul war schon früh im Krieg Ziel amerikanischer Angriffe. Der erste fand am 21. Februar 1942 durch eine Task Force, bestehend aus dem Flugzeugträger Lexington, vier Schlachtschiffen und zehn Zerstörern statt. Dabei wurden zwölf japanische Flugzeuge abgeschossen. Nachdem der Überraschungseffekt vorbei war, zog sich die Flotte wieder zurück. Nur zwei Tage später wurde von Port Moresby aus der erste alliierte Bomberangriff der Fifth Army Air Force gegen Rabaul geflogen. Von da an wurden immer wieder Angriffe der Fifth und Thirteenth Air Force, sowie der U.S. Marines, der Royal Australian und der Royal New Zealand Air Forces geflogen und monatlich etwa 130 Tonnen Bomben auf das Gebiet in und um Rabaul abgeworfen.
Die Oktoberangriffe Die Aufklärung durch das 8. Foto-Geschwader am 1. Oktober zeigte einen Schweren und einen Leichten Kreuzer, zehn Zerstörer, fünf U-Boote und 26 Handelsschiffe in Simpson Harbour. Auf den Flugfeldern bei Rabaul befanden sich 87 mittelschwere Bomber, 37 leichte Bomber und 59 Jagdflugzeuge. Bis zum 11. Oktober war die Schätzung der Jäger auf 145 gestiegen. In der Zwischenzeit wurden Pläne für den ersten Angriff ausgearbeitet und die Wettervorhersagen deuteten auf den 12. Oktober als Zieldatum hin. Eigentlich war der Angriff für den 15. Oktober geplant, aber da der nordwestliche Monsun in Kürze einsetzen konnte, musste jedes gute Wetter ausgenutzt werden. Wetterflugzeuge, die kurz nach Mitternacht am 12. Oktober 1943 starteten, meldeten gutes Wetter auf der Strecke nach Rabaul und damit begann der bislang größte Luftangriff im Pazifik. Alle Besatzungen waren genauestens über die Anflugrouten, Flugabwehrpositionen und ihre individuellen Ziele informiert worden. mini|B-25 zur Wetteraufklärung mini|Parafrags an Fallschirmen auf dem Vunakanau Flugfeld 349 Flugzeuge waren am Angriff beteiligt; 87 schwere Bomber, 114 B-25Die B-25 waren modifizierte Maschinen, die dazu ausgelegt waren Tiefflugangriffe auf Schiffe und Flugfelder zu fliegen, um Ziele nicht nur von oben, sondern auch seitlich zu treffen, was bei Schiffen zu einem schnelleren möglichem Untergang führen konnte. Dieser Umbau wurde vom australischen Offizier Paul Irvin „Pappy“ Gunn entwickelt., 12 Beaufighter und 125 P-38 sowie einige Wetter- und Fotoaufklärungsflugzeuge. 29 B-25 und Beaufighter bombardierten die Flugfelder Vunakanau, Rapopo und Tobera mit ParafragsFallschirm-Splitterbombe während die schweren Bomber die Schiffe in und um Simpson Harbour angriffen. Die Japaner waren überrascht worden und kaum in der Lage Abfangjäger zu starten. Spätere japanische Berichte zeigen, dass diese und weitere Angriffe im Oktober „ein großes Hindernis für die Durchführung von Operationen“ für die Japaner darstellten.
Die Alliierten verloren vier Flugzeuge. In ihrer vorläufigen Schätzung listete die Fifth Air Force 100 am Boden zerstörte, 51 schwer beschädigte, 26 in der Luft abgeschossene feindliche Flugzeuge auf, sowie schwere Zerstörungen an den Flugplätzen und am Kai, drei große Handelsschiffe, drei Zerstörer, 43 kleine Handelsschiffe und 70 Hafenschiffe versenkt oder zerstört und andere Schiffe beschädigt. Die Schätzungen waren etwas übertrieben, wie Fotoaufklärungen später bestätigten und die vorläufige Schätzung nach unten korrigierten, insbesondere die zu Schiffsschäden, aber einige japanische Flugzeuge waren zerstört worden.
Am 13. Oktober startete ein Geschwader von RAAF Beaufort-Torpedobombern einen Folgeangriff am frühen Morgen auf die Schiffe in Simpson Harbour. Während des Angriffs der Australier war die Sicht schlecht, und das Wetter verschlechterte sich bald darauf zusehends. 70 schwere Bomber und 100 Jagdflugzeuge, die bereits unterwegs waren, mussten 240 Kilometer vor ihrem Ziel zurückkehren.
General George Kenney startete am 18. Oktober einen weiteren großen Angriff gegen Rabaul, aber als die Luftwaffe über der Salomonensee war, zog eine Schlechtwetterfront auf. 64 B-25 flogen trotzdem nach Rabaul. Kenney ließ diesem Angriff drei aufeinanderfolgende Tagesangriffe folgen, die am 23., 24. und 25. Oktober ausgeführt wurden, bevor das Wetter erneut umschlug und diesmal eine Verzögerung bis zum 29. Oktober auslöste, als B-24 und P-38 der 1. Air Task Force unter General Whitehead Vunakanau bombardierten. Sie berichteten von neun zerstörten Flugzeuge am Boden und 16 abgeschossenen in Luftkämpfen.