mini|Wappen der Grafen von Kirchberg an der Hainleite Die Grafen von Kirchberg waren im 12. bis 14. Jahrhundert ein deutsches Adelsgeschlecht im Norden des heutigen Thüringen. Sie lebten auf dem Kirchberg, einem Höhenzug in der Hainleite zwischen dem Kirchtal und dem Ungeheuren Tal. Ihre Stammburg ist als Ruine „Die Alte Burg“ erhalten. Diese liegt südwestlich von Wernrode und nordwestlich der Stadt Sondershausen im Kyffhäuserkreis.

Herkunft Die Grafen von Kirchberg gehören zur Nachkommenschaft sowohl der Karolinger als auch der Ottonen. Sie erscheinen seit der Mitte des 12. Jahrhunderts als Schirmvögte des Stifts Jechaburg am Frauenberg mit Erzbischof Heinrich I. von Mainz. In einer Urkunde des Erzbischofs Arnold von Mainz von 1155 stehen als Zeugen: Christianus comes de Rodenburch et frater comes Fridericus de Kevrenberche (Kiurberche). Friedrich I. von Kirchberg, ein Bruder des Adeligen Christian II. von Rothenburg, wurde zum Begründer der kleinen Grafschaft Kirchberg in der Hainleite. Fridericus de Kircberch erschien 1155 und 1178 als Zeuge in zwei Urkunden des Klosters Walkenried.Josef Dolle, Walter Baumann (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Walkenried. Band 1: Von den Anfängen bis 1300. Hannover 2002, ISBN 3-7752-6010-2, Nr. 13 und Nr. 20. Er wurde im Januar 1174 in der Bestätigungsurkunde von Erzbischof Christian von Mainz in Gegenwart Kaiser Friedrichs und Herzog Heinrichs (des Löwen) von Bayern und Sachsen als Zeuge erwähnt.Böhmer, J. F.: Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197. 2. Abt.: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190. 2. Lief.: 1158-1168. Wien [u. a.] 2001, Teil 2. Abgerufen am 10. Mai 2024. Die Grafen von Kirchberg besaßen ansehnliche Güter im Wippergau, im Helmegau, im Gau Engilin, im Westergau, im Watergau, im Altgau und im Nabelgau.Heinrich Friedrich Theodor Apfelstedt: Heimathskunde für die Bewohner des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen. Erstes Heft. (Geographie der Unterherrschaft.) Sondershausen, 1854, S. 27. Abgerufen am 4. Mai 2024.

Wappen Das Wappen der Grafen von Kirchberg ist ein weißer Schild mit einem oder mehreren Querbalken, ähnlich dem Wappen der Grafen von Beichlingen und dem der Edelherren von Querfurt. Der Halberstädter Domherr Herrmann von Kirchberg, Ur-Enkel von Friedrich I. Graf von Kirchberg, verwendete 1285 diese Wappen: Schild mit Querbalken, Helm mit drei fächerartig gesteckten Fahnen.

Geschichte mini|Friedrich II. Bischof von Halberstadt (1209–1236) Graf Friedrich I. verunglückte am 26. Juli 1184 beim sogenannten Erfurter Latrinensturz zusammen mit etwa 60 Menschen auf der Fürstenversammlung, welche König Heinrich VI. im oberen Stockwerk der Dompropstei des Marienstiftes zu Erfurt abhielt, beim Einsturz des Saales in die Kloake. Er hinterließ vier Söhne: Heinrich I., Gozmar I., Friedrich II.Rudolf Meier: Die Domkapitel zu Goslar und Halberstadt in ihrer persönlichen Zusammensetzung im Mittelalter mit Beiträgen über die Standesverhältnisse der bis zum Jahre 1200 nachweisbaren Hildesheimer Domherren. (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 5 = Studien zur Germania Sacra, Band 1.) Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1967, S. 288 (PDF). Abgerufen am 19. September 2021. und Christian I. Der Bruder seiner Frau, Gozmar III. von Ziegenhain, starb mit ihm.

Friedrich II. Burggraf von Kirchberg war 1209–1236 Bischof von Halberstadt.Bildnis des Friedrich II. von Kirchberg, Bischof von Halberstadt. Abgerufen am 9. August 2023.Helmut Beumann: Beiträge zum Urkundenwesen der Bischöfe von Halberstadt (965-1241). Mit 4 Tafeln. In: Archiv für Urkundenforschung. Band 16, 1939, S. 1–101, hier S. 5 und S. 85 (PDF). Abgerufen am 19. September 2021. Er weihte 1220 den romanischen Dom zu Halberstadt, nach Restaurierung der Einwölbung, und genehmigte 1224 die Errichtung des Halberstädter Dominikanerkonvents sowie den Bau der dazugehörigen Klosterkirche St. Katharinen; das Konventgebäude und die Klosterkirche wurden 1231 fertiggestellt.

Gozmar I. und seine Gemahlin Gräfin Sophie von Veltheim-Osterburg hatten 5 Söhne: Heinrich II., Rudolph, Werner, Friedrich III. und Siegfried. Burggraf Gozmar I. rüstete sich 1226 zum Fünften Kreuzzug Kaiser Friedrichs II.Reinhold Röhricht: Die Deutschen im Heiligen Lande. Verlag der Wagnerschen Universitäts Buchhandlung, Innsbruck 1894, S. 119 (PDF). Abgerufen am 10. September 2021. Walkenrieder UB, Nr. 154. unter Ludwig IV. von Thüringen und starb 1227 in Palästina.

Der älteste Sohn Heinrich II. erbte die väterlichen Besitzungen in Thüringen auf der Hainleite.Böhmer, J. F.: Regesta archiepiscoporum Maguntinensium. Regesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe von Bonifatius bis Heinrich II. 742–1288 (Vol. 1–2). Abgerufen am 10. Mai 2024. Mit seiner Frau, eine Edle von Kranichfeld, hatten er einen Sohn, Heinrich IV., und die drei Töchter Hedwig, Jutta und Elisabeth.

Christian I. Graf von Kirchberg und Mechthild Gräfin von Klettenberg hatten fünf Söhne (Volrad, Christian II., Heinrich III. Gosmar II. Dieterich) und drei Töchter (Lucard, Mechthild, Berchta).

Einer dieser Söhne, Christian II. Graf von Kirchberg, war 1246 Pfarrer der Blasius-Kirche in Mühlhausen und Deutschordens-Ritter.Hartmut Boockmann: Der Deutsche Orden in Mühlhausen. In: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt. Band 21 (1999), , S. 25. Als Ordenspriester taufte er 1251 den späteren litauischen König Mindowe. 1253 ernannte ihn der Erzbischof von Livland, Albert Suerbeer, zum ersten Bischof von Litauen. Am 3. September 1254, beauftragt durch Papst Innozenz IV., wurde er vom Naumburger Bischof nochmal vereidigt. Am 13. August 1258 verlieh Christian der Kirche St. Gertrudis am Kölner Neumarkt einen Ablass. Am 7. September 1259 weihte Christianus episcopus Letowiensis, in Gegenwart des münsterischen Elekten Wilhelm I. von Holte, den Hochaltar und den Altar St. Viti in der Mitte der Klosterkirche Bloemhof (Hortus Floridus) in Wittewierum in der heutigen niederländischen Provinz Groningen. Bis zum Tod von Wilhelm von Holte am 30. Dezember 1260 war er als Weihbischof in Münster tätig und der erste Weihbischof des Bistums Münster. Ab 1260 wurde er Mainzer Weihbischof in Erfurt. Am 15. April 1262 verlieh er aus der Kapelle St. Catharinae bei Frankfurt einen Ablass, dem Erzbischof Werner zustimmte. Im September 1268 beteiligte sich Christian an der Weihe des Zisterzienserklosters Himmelspforten (Porta coeli) bei Würzburg. Christian starb am 9. Februar 1271.

Das Ende der Grafen Kirchberg an der Hainleite Heinrich IV. war der letzte der Grafen von Kirchberg auf der Hainleite, da er keine männlichen Nachkommen hatte. Bevor er 1295 starb, stiftete er 1291 dem Kloster Ilfeld, mit Einwilligung seiner Schwester Jutta, alle seine Lehen und Eigentümer. Heinrich von Kirchberg könnte der politisch einflussreiche thüringische Jurist gewesen sein.

Stammbaum

Berühmte Persönlichkeiten als Nachkommen Die direkten Nachkommen von Friedrich I. Graf von Kirchberg, vom Familienstammbaum der Halberstädter Linie seiner Ur-Enkelin Gisela Gräfin von Kirchberg sitzen auf dem Königsthron im Vereinigten Königreich, in den Niederlanden, in Schweden, in Spanien, in Belgien, in Dänemark und in Norwegen.

Auf dem Kaiserthron saßen ihre Nachkommen im Deutschen Reich, im Kaisertum Österreich, im Russischen Zarenreich und im Kaiserreich Brasilien.

Sie saßen auf dem Königsthron im Königreich Preußen, im Königreich Bayern, im Königreich Württemberg, im Königreich Hannover, bis zum Ende der Monarchie 1973 im Königreich Griechenland, im Königreich Island und im Königreich Rumänien.

Ein direkter Nachkomme war Otto Fürst von Bismarck (1815–1898), einer der herausragendsten Staatsmänner des 19. Jahrhunderts, der oft als der „Eisenkanzler“ bezeichnet wird. Er war Ministerpräsident von Preußen (1862–1890), Gründer des Norddeutschen Bundes, erster Reichskanzler und Vorsitzender des Bundesrates (1871–1890). In seiner Amtszeit wurde die staatliche Schulaufsicht und der Zivilehe auf dem Standesamt durch den Standesbeamten (1875) sowie die Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884), Alters- und Invalidenversicherung (1889) eingeführt.

Liste der Monarchien in Europa

Literatur Karl Meyer: Die Grafen von Kirchberg (auf der Hainleite). In: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Alterthumskunde, Band 15 (1882), S. 228–245 (Stammtafel der Grafen von Kirchberg S. 245). Martin Tyroff, Heinrich Friedrich Avemann, Johann Gottfried von Meiern, Georg Friedrich von Kirchberg: Vollständige Beschreibung des uralten und weitberühmten Hochgräfl. Geschlechts der Herren Reichsgraf- und Burggrafen von Kirchberg in Thüringen, S. 97–144. Dieter Wojtecki: Studien zur Personengeschichte des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden, 1971 Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1–4: Die Diözese In: Germania Sacra Neue Folge 37,4, Verlag: Walter de Gruyter GmbH & Co. KG: Berlin / New York, 2004, S. 5–6, ISBN 978-3-11-018010-7. Max Perlbach: Preußische Regesten bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts. Königsberg 1874. S. 135 Josef Fleckenstein, Herrschaft und Stand. Untersuchungen zur Sozialgeschichte im 13. Jahrhundert, Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 51. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1977, S. 199, ISBN 3-525-35364-2.

Weblinks

Genealogia der Herren Grafen von Kirchberg, Stammhaus Sondershausen, S. 97–144 Die Grafen von Kirchberg, 1882, S. 228–245 Datenbank Stammbaum von Kirchberg Die Christianisierung Litauens, 2005, S. 8 PrUB 1.1.293, 1254 September, Bischof von Naumburg vereidigte Christian zum Bischof von Litauen The PEDIGREE of Friedrich I von KIRCHBERG, FabPed Genealogy Vers. 102 by James Dow Allen Die Grafen von Kirchberg an der Hainleite Die Sage vom Schatz der Olen Burg an der Hainleite

Einzelnachweise

Kategorie:Hainleite Kategorie:Nordthüringen Kategorie:Thüringer Adelsgeschlecht

Kategorie:Ersterwähnung 1155 Kategorie:Historisches Territorium (Thüringen) Kategorie:Geschichte (Kyffhäuserkreis) Kategorie:Geschichte (Landkreis Nordhausen)