mini|hochkant|Fritz Kobold (1955)

Fritz Kobold (* 12. August 1905 in Zürich; † 20. April 1985 in Mammern; heimatberechtigt in Zürich und Bremgarten bei Bern) war ein Schweizer Ingenieur, Geodät, Topograf und ETH-Professor.Elisabeth Eggimann Gerber: "Kobold, Fritz", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version von 2005 (Artikel aus der HLS-Druckversion, bearbeitet am 23.10.2008). (Online, konsultiert am 28.03.2026). Er modernisierte die Ausbildungsgänge der Bau-, Vermessungs- und Kulturingenieure und baute das Institut für Geodäsie und Photogrammetrie IGP der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich zu einem führenden Forschungsplatz Europas aus. Er leitete die Arbeiten zur Realisierung eines einheitlichen, europäischen terrestrischen Bezugssystems.Conzett, R.: Zum Hinschied von Prof. Dr. h. c. Fritz Kobold. In: Schweizerische Zeitschrift für Vermessung, Photogrammetrie und Kulturtechnik. Band 83 (1985), Heft 8, S. 245-250 (mit Werkverzeichnis; archiviert in E-Periodica der ETH Zürich; PDF; 6,4 MB).

Leben Fritz Kobold, geboren 1905 in Zürich als Sohn von Johann Friedrich Kobold, Inhaber einer Buchdruckerei, und Marie geborene Lüdi, besuchte die Schulen der Stadt Zürich und von 1918 bis 1924 das Zürcher Gymnasium, welches er mit der Maturität abschloss. Die Freude an Landkarten und der Wunsch, eine Tätigkeit in der Natur – am liebsten in den Bergen – auszuüben, führten ihn zum Studium der Geodäsie, Kartografie und Topografie an der ETH Zürich. 1928 schloss er das Studium als Bauingenieur mit Diplom ab.

Er war von 1929 bis 1931 Assistent von Fritz Baeschlin am Geodätischen Institut der ETH Zürich. Von 1932 bis 1947 arbeitete er als Ingenieur und Geodät bei der Eidgenössischen Landestopographie L+T (heute Bundesamt für Landestopografie swisstopo) in Bern.

1943 heiratete er seine erste Ehefrau Elise Jrion von Winterthur, die einen Sohn in die Ehe brachteSchweiz. Bundesarchiv BAR, Personalakten, E27#1000/721#20660*, 1931–1949. und nach deren Tod 1970 seine zweite Ehefrau Yvonne Schwab von Thunstetten.

Von 1947 bis 1974 war Kobold Professor der Geodäsie und Topografie an der ETH Zürich. Er war Mitglied und von 1958 bis 1972 Präsident der Schweizerischen Geodätischen Kommission SGK sowie von 1967 bis 1979 Präsident der Subkommission RETRIG der Internationalen Assoziation für Geodäsie IAG. In der ersten Projektphase leitete er ab 1972 die Grundlagenvermessung für den Gotthard-Basistunnel und war als Experte an den Absteckungsarbeiten für den Gotthard-Strassentunnel beteiligt.

Für Kobold bedeutete der Militärdienst in der Schweizer Armee mehr als nur Pflichterfüllung. Von 1941 bis 1961 war er Generalstabsoffizier, Chef des militärischen Kartenwesens im Armeestab und ab 1953 Oberstleutnant im Generalstab. Zuletzt war er Stabschef einer Heereseinheit.Kobold, F.: Entstehung und Entwicklung des Institutes für Geodäsie und Photogrammetrie 1855–1974, IGP-ETHZ-Mitteilung Nr. 32, Institut für Geodäsie und Photogrammetrie ETHZ, Zürich, 1982.

Nach seiner Emeritierung 1974 befasste er sich bis kurz vor seinem Tod 1985 mit der Geschichte der Geodäsie, Landes- und Ingenieurvermessung und publizierte wissenschaftshistorische Beiträge in Fachzeitschriften. Schweiz. Bundesarchiv BAR, Kobold Fritz, Zürich, E3120B#1994/168#2535*, 1983.Kobold, F.: Aus der Geschichte der Ingenieurvermessung. In: Ingenieurvermessung 84. Beiträge zum IX. Internationalen Kurs für Ingenieurvermessung, Graz, 6.-13. Sept. 1984, Dümmler, Bonn 1984, Band 1, S. 13–35.Kobold, F.: Heinrich Wild 1877-1951. Vermessung, Photogrammetrie, Kulturtechnik Bd. 75(1977), Heft 11, S. 349-351. DOI: https://doi.org/10.5169/seals-228776Kobod, F.: Die Hebung der Alpen aus dem Vergleich des "Nivellement de Precision" der Schweiz. Geodätischen Kommission mit dem Landesnivellement der Eidg. Landestopographie. Vermessung, Photogrammetrie, Kulturtechnik Bd. 75(1977), Heft 4, S. 129-137. DOI: https://doi.org/10.5169/seals-228759 Werdegang Im Jahr 1928 erwarb Kobold das Diplom im Fach Bauingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Geodäsie an der ETH Zürich. Von 1929 bis 1931 arbeitete er als einziger Assistent von Prof. Fritz Baeschlin am Geodätischen Institut der ETH Zürich. Hier hatte er Gelegenheit, seine Kenntnisse auf den Gebieten der Geodäsie, Topografie und Kartografie zu vertiefen und erste Erfahrungen im Lehrbereich zu sammeln.

mini|Fritz Kobold, 1935 1932 erhielt Kobold eine Stelle als Ingenieur bei der Eidgenössischen Landestopographie L+T in Bern. Er kam zu einem Zeitpunkt an die L+T, als die Triangulation höherer Ordnung für die entstehende Landesvermessung LV03 bereits grösstenteils abgeschlossen war. Unter der Leitung von Chefingenieur Hans Zölly konnte er bei Ergänzungsarbeiten für die Triangulation 3. Ordnung im Berggebiet von Graubünden und im Tessin von der grossen Erfahrung der Triangulationsingenieure der L+T profitieren. In den ersten Jahren erledigte Kobold als junges Teammitglied zu grossen Teilen die mühseligen Signalisationsarbeiten im Berggebiet. Diese führte er jeweils mit einer Gruppe von lokal rekrutierten Messgehilfen aus.Schweiz. Bundesarchiv BAR, Korrespondenz, E27#1000/721#21182*, 1932–1934.

1935 wurde das Kartengesetz über die Erstellung neuer Landeskarten von den Eidgenössischen Räten verabschiedet.Zölly H.: Geschichte der Geodätischen Grundlagen für Karten und Vermessungen in der Schweiz, Eidg. Landestopographie, Wabern, 1948, S. 129, 148. In der Folge wurde Kobold hauptsächlich mit fotogrammetrischen Aufnahmen und Auswertungen beauftragt. Die inzwischen zur Reife entwickelten fotogrammetrischen Messmethoden kamen bei den topografischen Aufnahmen der neuen Landeskarte 1:50'000 im Alpenraum zum Einsatz. Die terrestrisch-fotogrammetrischen Aufnahmen wurden jeweils durch Luftbilder (Aerofotogrammetrie) ergänzt. Diese Arbeiten erforderten eine enge Zusammenarbeit zwischen Geodäten und Topografen. Die Triangulationsingenieure waren dabei für die Anlage der Basislinien und die trigonometrische Bestimmung von fotogrammetrischen Passpunkten zuständig. Kobold interessierte sich für die neuen vermessungstechnischen Methoden und konnte wertvolle Kenntnisse im Fachgebiet der Fotogrammetrie sammeln. Er befasste sich unter anderem auch mit technischen Innovationen auf diesem Gebiet, wie z. B. der Röntgen-Fotogrammetrie und später auch mit Infrarotaufnahmen.

Ab 1936 kam Kobold auch bei geodätischen Deformationsmessungen an Staumauern zum Einsatz. Diese Methode war von Ingenieur Werner Lang bei der L+T seit 1929 entwickelt und zur Reife gebracht worden. Dank der Pionierarbeit der Ingenieure der L+T im Zusammenhang mit dem Bau grosser Talsperren vor dem Zweiten Weltkrieg in der Schweiz hatte diese Methode der Ingenieurvermessung internationale Bedeutung erlangt. Auch diese Erfahrung sollte Kobold später bei der Lehrtätigkeit zugutekommen.

Neben Einsätzen beim Landesnivellement LN02 fand Kobold weitere interessante geodätische Aufgaben bei der damals aktuellen Regulierung der Landesgrenze Schweiz-Italien. Dabei ging es um die Umrechnung der Koordinaten der Grenzpunkte vom Schweizerischen ins Italienische Bezugssystem. Mit den damals bekannten Formeln und den verfügbaren Rechenmitteln war die Transformation der grossen Zahl von Grenzpunkten jedoch nicht zu bewältigen, sodass Kobold zunächst ein zweckmässiges Rechenverfahren entwickeln musste.

Während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 musste Kobold seine Arbeit bei der L+T unterbrechen. Er verbrachte den grössten Teil dieser Zeit im aktiven Militärdienst als Artillerie-Hauptmann und machte schliesslich in der Armee Karriere. 1941 wurde er zum Chef des militärischen Karten- und Vermessungswesen im Armeestab im Rang eines Majors im Generalstab und zum Verbindungsoffizier zur L+T ernannt.

thumb|Beschriftetes Infrarotpanorama der Rigi, 1945 Bereits 1938 unternahm die L+T erste Versuche auf dem Gebiet der Infrarotfotografie.Dokumentensammlung swisstopo 3101 Bildherstellung Panoramen + IR Fotos, Service topographique fédéral, Photographie infra-rouge, Rapport sur les essais faits par le Service topographique fédéral en été 1938, janvier 1939. Mithilfe von Fototheodoliten wurden erfolgreich terrestrische Infrarotaufnahmen gemacht. 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg begann die Schweizer Armee mit dem Aufbau eines drahtlosen UKW-Kommunikationsnetzes. Für diese Telekommunikation war Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger erforderlich. Die Sichtfreiheit konnte mithilfe von Höhenprofilen aus Kartendaten jedoch nicht zuverlässig ermittelt werden. Deshalb wurden terrestrische Infrarotaufnahmen hinzugezogen. Im Auftrag der Armee leitete Kobold von 1942 bis 1946 in Zusammenarbeit mit den Richtstrahlpionieren das Infrarotprogramm der L+T. Es entstanden Infrarotpanoramen von 16 Alpengipfeln darunter der Rigi und dem Brienzer Rothorn.

1946 wurde Kobold zum 2. Sektionschef und Adjunkt für Landesvermessung und Kartografie befördert. In dieser Funktion erhielt er Einblick in die verschiedenen Arbeitsgebiete des Amtes.

Lehre und Forschung 1947 wurde Kobold durch den Bundesrat als Nachfolger von Fritz Baeschlin zum ordentlichen Professor für Geodäsie und Topografie sowie zum Leiter des Geodätischen Instituts an der ETH Zürich gewählt. Das Institut, dessen Leitung Kobold vom Vorgänger übernommen hatte, verfügte zwar über eine umfangreiche «geodätische Sammlung» von Messgeräten. Neben Instrumenten mit historischer Bedeutung gab es auch eine Anzahl neuerer Geräte schweizerischen Ursprungs, sodass die Bedürfnisse des Lehrbetriebs gut abgedeckt waren. Der Personalbestand umfasste jedoch lediglich eine Professur für Geodäsie und eine für Fotogrammetrie sowie zwei Assistenten und einen Mechaniker.

In den ersten Jahren seiner Professur konzentrierte sich Kobold voll und ganz auf die Lehrtätigkeit, die Vorlesungen und Praktika für die Fachrichtungen Bau-, Vermessungs- und Kulturingenieurwesen umfasste. An grössere Forschungsprojekte war daneben kaum zu denken. Aufgrund seiner früheren Erfahrungen als Student und Assistent versuchte Kobold, die Theorie leichter verständlich darzustellen als sein Vorgänger. Die Ausbildungsgänge wurden der Zeit angepasst und der Unterricht um die Vermittlung neuer Kenntnisse über den Einsatz moderner Messmethoden erweitert.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde das Institut für Geodäsie unter der Leitung von Kobold personell ausgebaut und die Forschungstätigkeit intensiviert. Ein entscheidender Schritt erfolgte in den folgenden Jahren, als es Kobold gelang, die Behörden von der Bedeutung der geodätischen Forschung zu überzeugen und das Institut durch mehrere Professuren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Doktoranden personell zu erweitern. Damit gelang es Kobold, das Institut für Geodäsie und Photogrammetrie IGP, wie es ab 1961 offiziell hiessCarosio, A.: Das Institut für Geodäsie und Photogrammetrie der ETH Zürich von 1855 bis 2008, IGB Bericht Nr. 308, Institut für Geodäsie und Photogrammetrie ETHZ, Zürich, 2009, S. 3. , zu einem führenden Forschungsplatz im Bereich der Geodäsie in Europa auszubauen.

1951 trat Karl Schneider als Direktor der L+T zurück. Kobold galt als Wunschkandidat für die Wahl seiner Nachfolge durch den Bundesrat. Kobold bekundete Interesse an dieser Direktorenstelle im Eidgenössischen Militärdepartement EMD. Um ihn für die Stelle zu gewinnen, bot ihm die Bundesverwaltung neben annähernd adäquaten Anstellungsbedingungen auch die Möglichkeit an, seinen Titel als Professor und eine nebenamtliche Lehrtätigkeit an der ETH beizubehalten. Mit der Begründung, dass er die Lehre und Forschung einer vorwiegend administrativen Tätigkeit vorziehe, zog sich Kobold schliesslich als Kandidat zurück.Schweiz. Bundesarchiv BAR, Prof. Fritz Kobold, Wahl als Direktor der Landestopographie, E5001F#1000 / 1854#2535*.

Geodäsie und Landesvermessung