Der Israel-Gaza-Konflikt 2021, auch Operation Guardian of the Walls genannt, begann am 10. Mai 2021 und endete mit einer Waffenruhe am 21. Mai 2021. Er war eine der schwersten militärischen Auseinandersetzungen im israelisch-palästinensischen Konflikt seit der israelischen Militäroperation Protective Edge im Jahr 2014. Bei dem Konflikt im Jahr 2021 wurden mindestens 248 Palästinenser (darunter 66 Kinder) und 13 Israelis getötet, mehrere tausend Menschen verletzt und mehrere zehntausend Palästinenser zur Flucht gezwungen.

Ursachen Als Ursache für die Eskalation wird von den meisten Beobachtern ein Zusammentreffen verschiedener Ereignisse und Situationen genannt:

Erneute Absage von Wahlen in Palästina Am 29. April 2021 ordnete der zuletzt im Jahre 2005 für eine vierjährige Amtszeit gewählte palästinensische Präsident Mahmud Abbas an, die für den 22. Mai angesetzten Wahlen zum Palästinensischen Legislativrat erneut zu verschieben. Diese Entscheidung sorgte bei der mit Abbas’ Fatah-Partei zerstrittenen Hamas, die den Gazastreifen beherrscht, für großen Unmut. Nach Ansicht politischer Beobachter trug die Absage der Wahl zur anschließenden Eskalation der Gewalt bei, da sie der Hamas, und deren Schutzmacht Iran, die Möglichkeit zum Ausbau ihres Einflusses auf politischem Weg versperrt habe.

Koalitionsverhandlungen in Israel Am 5. Mai 2021 scheiterte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu unterdessen zum vierten Mal seit 2019 mit dem Versuch, eine Regierung zu bilden. Daraufhin bahnte sich eine Koalition mehrerer Oppositionsparteien an, unter erstmaliger Beteiligung einer arabischen Partei. Auch dies führte bei der Hamas zu Unmut, da eine Annäherung von jüdischen und arabischen Israelis ihrem Hardliner-Kurs zuwiderläuft.

Konflikt um Scheich Dscharrah Im arabischen Jerusalemer Stadtviertel Scheich Dscharrah kam es seit Anfang Mai zu schweren Auseinandersetzungen. Scheich Dscharrah war vor dem israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 Teil einer Gegend, in der vornehmlich Juden lebten. Laut israelischem Recht können Juden Grundstücke im Land zurückerhalten, die sie im Krieg von 1948 verloren haben, wenn sie beweisen können, dass sie ihr Grundstück wegen Vertreibung oder Lebensgefahr durch Kampfhandlungen verlassen hatten. Mehrere arabische Familien standen aufgrund dessen vor einer Zwangsräumung, nachdem die nationalistische jüdische Siedlerorganisation Nachalat Schimon und die ultranationalistische Partei Otzma Jehudit Ansprüche auf ihre Grundstücke angemeldet hatten.

Infolge des Sechstagekriegs 1967 besetzte Israel das Viertel und ganz Ostjerusalem völkerrechtswidrig. Seitdem verwaltet Israel Scheich Dscharrah politisch und schützt auch die Religionsausübung von Juden, Christen und Muslimen dort. In den 1960er-Jahren wurde das Viertel ein beliebter Ort für Konsulate und internationale Organisationen, unter anderem das britische und das türkische Konsulat in der Nashashibi Street und die Konsulate Belgiens, Schwedens und Spaniens, die, zusammen mit der UN-Mission, in der Saint George Street liegen. Auch die deutsche Friedrich-Naumann-Stiftung hat hier ihr Jerusalemer Büro. Ebenso wohnen hier noch relativ viele alteingesessene arabisch-palästinensische Familien, von denen nicht wenige sich im Zentrum aktueller israelisch-palästinensischer Eigentumsstreitigkeiten befinden.

Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg Unter anderem aufgrund der Schließung des Damaskustors kam es auf dem Tempelberg am 7. Mai zu Zusammenstößen zwischen der arabischstämmigen Bevölkerung und der Polizei, nachdem einige Teilnehmer des Freitagsgebets in der Al-Aqsa-Moschee Sicherheitskräfte angegriffen hatten. In der Nacht auf Samstag stürmten Polizisten die Moschee und setzten Rauchgranaten ein, die sowohl im Gebetsraum als auch in der Erste-Hilfe-Station auf dem Gelände detonierten. Die gewaltsamen Ausschreitungen eskalierten am 10. Mai 2021, als mehr als 300 Menschen verletzt wurden.

An diesem Tag feierte Israel auch den Jerusalemtag zur Erinnerung an die Wiedervereinigung Jerusalems während des Sechstagekriegs. Berichten zufolge provozierten dabei auch israelische Rechtsextremisten aus der Gruppe Lehava, indem sie Araber in der Altstadt angriffen und „Tod den Arabern“ sangen.

Die Hamas sah in den beiden zuvor genannten (emotional aufgeladenen) Auseinandersetzungen eine Gelegenheit, sich als Schutzmacht der Araber in Jerusalem darzustellen.

Auch nach dem Beginn der Waffenruhe kam es am gleichen Tag auf dem Tempelberg zu erneuten Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. 15 Menschen wurden durch Gummigeschosse der Polizei verletzt, als sie sie mit Steinen und Brandsätzen bewarfen. Mehrere Menschen wurden festgenommen. In den Tagen darauf wurden 33 Palästinenser festgenommen, die bei Ausschreitungen in Ost-Jerusalem teilgenommen hatten.

Angriffe und Waffenruhe mini|Israelischer Luftangriff auf Hochhaus in Gaza (Video) Die Hamas setzte Israel ein Ultimatum, den am 7. Mai 2021 begonnenen Polizeieinsatz zu beenden und alle Polizisten vom Tempelberg und aus dem Stadtviertel Scheich Dscharrah abzuziehen. Das Ultimatum setzte sie auf den 10. Mai 2021, 18 Uhr. Wenige Minuten nach Verstreichen des Ultimatums begann ein Beschuss Israels durch die Hamas und den Islamischen Dschihad, die bis zum 14. Mai nach Angaben des israelischen Militärs mindestens 1800 Raketen abfeuerten. Das israelische Abfangsystem Iron Dome konnte etwa 90 Prozent der Raketen abfangen. Dennoch gab es in Israel (Stand: 15. Mai) acht Tote, darunter ein Soldat und ein Kind. Bei den anschließenden Vergeltungsangriffen starben 119 Palästinenser, darunter 31 Kinder. Nach Angaben der israelischen Regierung ist ein Grund dafür auch, dass die Hamas ihre Raketenstellungen bevorzugt in Wohngebieten oder sogar neben Krankenhäusern positioniert, um die Zivilbevölkerung als Schutzschild zu missbrauchen.

mini|hochkant|Foto eines israelischen Luftangriffs im Gazastreifen im Mai 2021

Am 11. Mai zerstörte Israel durch Luftangriffe das Hanadi-Hochhaus, ein 13-stöckiges Gebäude in Gaza, in dem sich unter anderem Büros der Hamas befanden. Die Anwohner waren nach Augenzeugenberichten von der israelischen Armee zuvor gewarnt worden. Als Reaktion feuerte die Hamas noch an demselben Tag nach eigenen Angaben 130 Raketen auf den Großraum Tel Aviv. Nach israelischen Medienberichten kam dabei eine Frau in der Stadt Rischon LeZion ums Leben, und mindestens sechs Personen wurden verletzt, als in Cholon ein Bus getroffen wurde. Der Flugverkehr auf dem Flughafen Tel Aviv wurde ausgesetzt und ankommende Flüge nach Zypern umgeleitet.

Am 12. Mai 2021 sollen die israelischen Luftstreitkräfte alle Polizeigebäude im Gazastreifen durch Luftangriffe zerstört haben. Israels Armee teilte mit, Häuser wichtiger Hamas-Vertreter beschossen zu haben.

Ab dem 13. Mai 2021 gab es widersprüchliche Angaben zu einer bevorstehenden Bodenoffensive der israelischen Armee. Wenige Stunden später bombardierte am 14. Mai 2021 die israelische Luftwaffe mit 500 Tonnen Sprengstoff das Tunnelsystem der Hamas im Gazastreifen; unterstützend feuerten Panzer von israelischem Territorium auf Ziele im Gazastreifen. Nachdem mehrere Nachrichtenagenturen fälschlicherweise über einen Einmarsch berichtet hatten, gab das Militär bekannt, keine Bodenoffensive zu starten.

Beobachter rechneten damit, dass insbesondere an den Feiertagen zum Ende des Fastenmonats Ramadan sowie zum 73. Jahrestag der Nakba („Katastrophe“) am 15. Mai 2021 sich die Lage weiter angespannt darstellen werde. An jenem Tag flog die israelische Luftwaffe einen Angriff auf ein Flüchtlingslager in der Stadt Gaza. Wenig später zerstörte ein weiterer Luftangriff abermals gezielt nach Vorankündigung ein Hochhaus in der Stadt. Diesmal handelte es sich um das Al-Jalaa-Hochhaus, in dem die Büros der Nachrichtenagentur Associated Press und des katarischen Fernsehsenders Al Jazeera untergebracht waren. Nach israelischen Angaben befanden sich in dem Bau auch „militärische Ressourcen“ des Hamas-Militärgeheimdienstes. Der Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen Deutschland, Christian Mihr, bezeichnete es als Kriegsverbrechen, Medienbüros als Kriegsziele zu erklären, selbst wenn sie von der Hamas oder irgendeiner anderen Kriegspartei als Schutzschild für geheimdienstliche Büros missbraucht werden würden. Der Journalistenverband Foreign Press Association (FPA) in Israel kritisierte, dass die israelischen Behörden keine Beweise dafür vorgelegt hätten, dass das Gebäude tatsächlich von der Hamas genutzt werde. Der Verband bat um ein Treffen mit israelischen Beamten. Ebenfalls wurde am Samstag das Haus von Khalil al-Haya, dem Vize-Chef des Hamas-Politbüros, bombardiert. Es ist unklar, ob er sich zu dieser Zeit im Haus aufhielt.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden innerhalb einer Woche, vom Beginn der Kampfhandlungen am 10. Mai 2021 bis einschließlich 17. Mai 2021, rund 3150 Raketen auf Israel gestartet. Rund 450 der abgefeuerten Raketen seien noch im Gazastreifen selbst niedergegangen. Die Erfolgsquote des israelischen Raketenabfangsystems Iron Dome wurde mit 90 Prozent angegeben.Israel: Schon 3150 Raketen aus Gaza abgefeuert www.dw.com, 17. Mai 2021 Auch aus dem Libanon und Syrien seien ein paar wenige Raketen gestartet worden, wobei diese nur teils das Staatsgebiet Israels erreicht hätten und insgesamt zu keinem Personen- und Sachschaden führten. Als Reaktion auf die Raketen aus dem Libanon, griff ein israelisches Militärflugzeug ein Fahrzeug der Hisbollah an. Das israelische Militär antwortete außerdem mit Artilleriefeuer auf den Raketenbeschuss aus dem Libanon. Auch wurden in der Nacht auf Sonntag, den 16. Mai Ortschaften wie Tel Aviv sowie das südliche Beʾer Scheva massiv von der Hamas beschossen. Die israelische Armee bombardierte auch am Sonntag, dem 16. Mai, das Haus eines hochrangigen Hamas-Chefs, Yahya Sinwar. Darüber hinaus wurden bei einem Autoanschlag in Jerusalem im Stadtviertel Seikh Jarra 6 israelische Polizisten verletzt, als ein Auto eine Straßensperre rammte, und der Palästinenser anschließend erschossen wurde. mini|278x278px|Israelisches Artilleriefeuer am 19. Mai 2021 In der Nacht auf den 17. Mai 2021 flog die israelische Luftwaffe mit 54 Kampfflugzeugen weitere Angriffe auf den Gaza-Streifen, mit dem Ziel, 15 Kilometer des Tunnelsystems der Hamas, das teils unter der Stadt Gaza liegt, zu zerstören. Am selben Tag vermeldete die israelische Armee, im Mai 2021 etwa hundert Kilometer des Tunnelsystems zerstört und einen der ranghöchsten Kommandeure des Islamischen Dschihads getötet zu haben.

Am 20. Mai einigten sich beide Seiten auf eine Waffenruhe ab dem 21. Mai nach elf Tagen Konflikt. Beide kamen überein, dass Ägypten die Waffenruhe überwachen soll.

Insgesamt wurden nach Angaben des israelischen Militärs während des elftägigen Konflikts mehr als 4.360 Raketen auf palästinensischer Seite abgefeuert. 680 waren im Gazastreifen selbst eingeschlagen.Wiederaufbau in Gaza, Drohung aus Israel. www.tagesschau.de, 23. Mai 2021. Während des gesamten Gaza-Kriegs 2014 waren 4481 Raketen auf Israel abgeschossen worden, allerdings innerhalb eines Zeitraums von 51 Tagen.

Raketeneinsatz