mini|Nordansicht der in das Klostergebäude integrierten Kirche St. Bernhard ist die römisch-katholische Pfarrkirche in Wald, einer Gemeinde in Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Sie ist die ehemalige Klosterkirche des Klosters Wald. Die Kirche ist dem hl. Bernhard von Clairvaux geweiht.

Geschichte mini|Vorgängerkirche, um 1685 Die ehemalige Klosterkirche, die im 13. Jahrhundert als vermutlich dreischiffige gotische Kirche gebaut wurde, hatte zwar den Brand des Klosters 1680 überdauert, wurde aber wenig später für baufällig erklärt, so dass ein Neubau erforderlich war. Bereits in den 1680er Jahren begann man mit den Planungen, 1687 entstand ein erster Riss für den Neubau von einem ungenannten Baumeister.

Die heutige Kirche wurde 1696 bis 1698 von dem Vorarlberger Franz Beer I. (1659–1722), dem jüngeren Bruder des bereits an den Klostergebäuden tätigen Jodok Beer (1650–1688), mit dem schon kurz vor dessen Tod ein nicht datierter Bauverding für den Kirchenneubau geschlossen worden war, als einschiffige Barockkirche mit weit in das Schiff hineinreichender Nonnenempore errichtet. In dem genannten Bauverding war der Plan bereits fixiert worden, so dass Jodok Beer als geistiger Vater des Planes gilt, der ausführende Baumeister aber sein Bruder Franz Beer I. war. Der Rohbau war bis Oktober 1697 eingedeckt, bis 1698 waren Verputz und innerer Ausbau fertig. Die drei Altäre wurden 1701 geweiht, die Kirche insgesamt am 28. November 1709.

Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina ließ die Kirche 1751 bis 1766 im Stil des Rokoko ausschmücken. Die Stuckarbeiten sind Ausführungen von Johann Jakob Schwarzmann. Für die Malereien wurde am 19. Januar 1752 Johann Melchior Eggmann verpflichtet. Nach dessen überstürzter heimlicher Abreise vollendete Andreas Meinrad von Ow, Hofmaler in Sigmaringen, die Ausmalung. Bis zur Säkularisation stand die Kirche unter dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt, heute ist Bernhard von Clairvaux der Kirchenpatron des als Pfarrkirche genutzten Gebäudes.

Diese Pfarrkirche ist eines der bedeutendsten Gesamtkunstwerke der Region, weil hier eine reiche Ausstattung in originaler Anbringung zu finden ist, die in kurzer Zeit als geschlossenes Ganzes hergestellt wurde und deshalb gut aufeinander abgestimmt ist, weil die einzelnen Teile der Ausstattung eine hohe künstlerische Qualität besitzen und weil ihr Erhaltungszustand hervorragend ist. Die Kirche kann im Gegensatz zum angrenzenden Kloster besichtigt werden.

Grundriss und Aufbau mini|Blick zum Hochaltar Die Klosterkirche hat die Form eines langgestreckten Rechtecks mit eingezogenem, dreiseitig abgeschlossenem Chor. Das Langhaus hat sechs Achsen, in jeder auf der Nordseite ein schlankes Fenster mit eingesetztem Rundbogen. Auf der Südseite entsprechen diesen hochgelegene niedrige Fenster, von denen zwei nur auf den Putz gemalt sind, während die vier westlichen mit ihrem rundbogigen Oberteil über das Dach des Kreuzgangs hinausragen und die Gewölbekappen des Langhauses beleuchten.

Die Gewölbewiderlager sind außen und innen durch jeweils 30 Zentimeter vortretende Wandpfeiler verstärkt. Das im Scheitel 10,70 Meter hohe Langhaus ist durch eine massive, aus Backstein bestehende, fast halbkreisförmige Tonne mit kräftigen Stichkappen überwölbt, der Chor durch ein entsprechendes kuppelartiges Gewölbe.

Im Westen des Langhauses ist der Turm eingebaut, der in seinem unteren, rechteckigen Teil noch aus gotischer Zeit stammt, wie die aus dem Langhaus in den Turm führende Tür mit Spitzbogen ohne Profilierung beweist. Über dem Dachfirst erhebt sich der Turm als hölzerner achteckiger Dachreiter mit Zinkblech verkleideter Zwiebelhaube.

Das rundbogige Portal auf der Nordseite des Langhauses hat einen unterbrochenen Giebel auf vorgestellten ionischen Säulen. Auf dem Schlussstein steht die Jahreszahl 1698, zu beiden Seiten die Wappen der Zisterzienser und deren von Weckenstein, über dem Schlussstein eine von Engeln gehaltene Kartusche mit dem Wappen der auftraggebenden Äbtissin von Bodman.

Ein weiteres Wappen ist geschnitzt auf dem Mittelprofil der hölzernen Kirchentür angebracht. Es ist das Wappen der Walder Äbtissin Maria Dioskora Maura Freiin von Thurn und Valsassina, der Tochter von Gallus Anton von Thurn und Valsassina aus einer schweizerischen Adelsfamilie.

Altäre mini|Hauptaltar und Seitenaltare Hochaltar: Dieser Altar entstand 1751 und wurde 1765 von Johann Michael Schmadel aus Bregenz neu gefasst. Das 1702 von Franz Karl Stauder aus Solothurn gemalte Altarblatt mit einer Darstellung der Himmelfahrt Mariens (übliches Patrozinium bei Zisterziensern) stammt vom am 1. Mai 1701 geweihten Vorgängeraltar und wurde wiederverwendet. Beiderseits des Altars stehen die Statuen des hl. Benedikt von Nursia und des hl. Stephan Harding, Abt von Citeaux. Bemerkenswert ist die Einbettung eines romanischen Kruzifixes in der Glorie, in die Zeit von 1150 bis 1160 datiert. Seitenaltäre: Auch diese Altäre entstanden 1751 und erhielten 1765 neue Fassungen von Johann Michael Schmadel aus Bregenz. Das Altarblatt des südlichen Seitenaltars mit einer Darstellung der heiligen Sippe (Jesus, Maria, Josef, Johannes, Joachim, Anna, Zacharias und Elisabeth) ist 1767 von Franz Georg II. Herrmann gemalt worden, Hofmaler des Fürstabtes von Kempten. An diesem Altar befindet sich unter dem Altarblatt eine verglaste Nische mit den sterblichen Überresten des Katakombenheiligen Dioskorus in goldgesticktem Gewand, das 1761 angefertigt wurde. Links neben dem Altar steht eine Statue des Paulus. Das Altarblatt des nördlichen Seitenaltars malte 1702 Franz Karl Stauder aus Solothurn. Dargestellt ist der hl. Bernhard in seiner Kreuzmystik. Rechts neben dem Altar steht eine Statue des Petrus. In diesem Altar befindet sich unter dem Altarblatt ebenfalls eine verglaste Nische mit Reliquien, hier handelt es sich um die Gebeine des Katakombenheiligen Bonifatius. Beide Seitenaltäre tragen oben das Wappen von Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina. mini|Marienaltar Der Marienaltar steht an der südlichen Langhauswand und wurde angeblich 1735 errichtet. Auf der Vorderseite der Altarmensa befindet sich das Wappen des Salemer Abtes Konstantin Miller. Das Hauptbild dieses Altars stellt die Muttergottes auf der Mondsichel dar. Das Gemälde ist eine Kopie eines im Dom zu Speyer aufbewahrten Originals („Speyerer Madonna“). Das Gemälde trägt neben der Datierung den Namen und das Wappen des Johann Heinrich von Kageneck, Landkomtur der Deutschordensballei an der Etsch („Johann Heinrich Freyherr Von Kageneck T(eutsch) O(rdens) R(itter) / LandCommender der Balley an der Etsch / Anno 1735“). Er war ein Verwandter der in Wald lebenden Nonne Maria Genoveva von Kageneck, vermutlich stiftete er diese Kopie. Text im Bild am unteren Rand: „Bernardus AVE repetit Sanctissima SALVE / da Virgo SALVE cum repetemus AVE“. Emporenaltar auf der Rückseite der Orgel, um 1750, mit Skulpturen von Robert von Molesme und Stephan Harding aus Holz. Hintergrund ist die bemalte Rückwand der Orgel mit einem 1882 hier eingesetzten Herz-Jesu-Bild.

Weitere Ausstattung mini|Aichgasser-Orgel auf der Nonnenempore Das filigrane schmiedeeiserne Gitter der Nonnenempore stammt aus dem Jahr 1700. Auf dem oberen Rand sind als filigrane Arbeit drei Vollwappen angebracht, außen das Stifterwappen der von Weckenstein auf dem nördlichen Seitenteil (mit der Jahreszahl im Wappenschild) und das Wappen der Äbtissin Maria Jakobe von Bodman auf dem südlichen Seitenteil, und in der Mitte das Wappen des Salemer Abts Stephan I. Jung. Der oberschwäbische Orgelbauer Johann Georg Aichgasser fügte 1751 dem noch eine prächtige Orgel hinzu, die als einzige von ihm noch vollständig erhaltene gilt. 1800 wurde sie erweitert. Die Fassung wurde 1765 von Johann Michael Schmadel angefertigt. Die Aichgasserorgel mit ihren 1180 Pfeifen wurde 1926, 1956 und zuletzt 2008/09 renoviert. Die Orgel ist mit Türen am reich vergoldeten Prospekt versehen. Auf der Orgel befinden sich ein jubelnder Engelschor mit backenaufblasenden Engelstrompetern und einem zwei Kesselpauken schlagenden Engelsputto. Auf dem Mittelteil sind insgesamt drei holzgeschnitzte Vollwappen angebracht, in der Mitte das der Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina, links das Zisterzienserwappen und rechts das Wappen der von Weckenstein. Die Äbtissinnenloge an der Südwand, von der aus die Äbtissin den Gottesdienst abseits von der Nonnenempore verfolgen konnte, entstand 1754 zur gleichen Zeit wie die Kanzel an der nördlichen Langhauswand; der ausführende Künstler war Franz Schneider aus Augsburg. Auf der Brüstung sind drei Reliefs angebracht, welche die Himmelfahrt Mariens, Esther vor König Ahasveros und die Predigt Johannes des Täufers zum Thema haben. Hoch oben ist an dem Oratorium für die Äbtissin das Wappen der Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina angebracht. Am mittleren Langhauspfeiler der Südwand hängt ein Prager Kindlein, am geschnitzten und vergoldeten Rahmen ist unten das Wappen von Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina angebracht. Im Stuck des Gewölbebogens zwischen Langhaus und Chor ist das Wappen der Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina gemalt, begleitet von einem Inschriftenband mit dem Wortlaut: „MarIa DIosCora à ThVrn atqVe VaLLas/sIna AntIstIta pIa hVIVs EXornatrIX“. Sie war es, die die Kirche ausschmückte und deshalb hier „Exornatrix“ (Dekorateurin) betitelt wird. Diese Inschrift birgt ein Chronogramm, das die Jahreszahl 1753 ergibt. Etwas abgesetzt von diesem zentralen Wappen ist links das Wappen des Zisterzienserordens, rechts dasjenige der Gründerfamilie von Weckenstein gleichermaßen in Stuck-Kartuschen eingemalt. Am mittleren südlichen Langhauspfeiler hängt eine um 1380 geschnitzte, in späterer Zeit neu farbig gefasste Pietà. Auf dem Hochaltar steht eine um 1450 geschnitzte Mondsichelmadonna mit größtenteils originaler Farbfassung, vermutlich eine Arbeit des Ulmer Bildhauers Hans Multscher. Das Kirchengestühl ist aus der Zeit um 1750, Wangen teilweise mit Wappen der Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina. Das Chorgestühl wurde ausgebaut und befindet sich heute in Schloss Sigmaringen in der Trinkstube.

Gemälde mini|Langhausfresko Langhausdecke: Besuch Humbolinas bei ihrem Bruder, Bernhard von Clairvaux. Künstler: Andreas Meinrad von Ow. Chorgewölbe: Verehrung des Altarsakramentes durch die vier Erdteile. Künstler: Andreas Meinrad von Ow Im Nonnenchor: Geburt Christi als Vision des hl. Bernhard am Vorabend von Weihnachten. In den vier muschelförmigen Flächen außenherum die Zisterzienserinnen Franka, Juliana, Luitgard und Hedwig. Westwand: Um Maria, Josef und das Kind gruppiert die Heiligen Bernhard, Agatha, Barbara, Johann Nepomuk, Georg und Fidelis, in deren Schutz Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina das Kloster stellt. Künstler: Johann Melchior Eggmann. Unterseite der Nonnenempore: Bildzyklus aus dem Leben des hl. Josef mit fünf Fresken. Künstler: Andreas Meinrad von Ow.

Epitaphien Die fünf letzten Äbtissinnen von Kloster Wald sind in der Kirche bestattet worden, und ihnen wurden an den Seitenwänden von Chor und Langhaus Epitaphien gesetzt, beginnend mit der Bauherrin der barocken Kirche. Allen Steinplatten gemeinsam ist das Material, grauer Sandstein, teilweise zweifarbig angestrichen, manchmal mit Vergoldungen, und die geringe Größe im Vergleich zu erwarteten Standardmaßen. Die Größe zeigt auch, dass es sich hier nicht um Grabdeckplatten, sondern um Epitaphien handelt.