Die Schweizer Münzgeschichte umfasst die Entwicklung und den Gebrauch von Münzen in der Geschichte der Schweiz. Sie ist ein Teilgebiet der Schweizer Geldgeschichte. Die Geschichte des Schweizer Frankens seit 1850 ist auch ein Teilgebiet der Schweizer Münzgeschichte.
Antike und frühmittelalterliche Münzen aus dem Gebiet der Schweiz Keltische Münzen Keltische Gold- und Silbermünzen fanden seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundert Verwendung, wobei sie zunächst eher Tausch- als Geldfunktion innegehabt haben dürften. Dazu gehörten Imitationen von Goldstateren nach dem Vorbild Philipps II. von Makedonien und ostgallische Statere aus Gold oder Elektron mit schüsselförmigen Schrötlingen, die auf dem Avers einen stilisierten Lockenkopf und auf dem Revers eine stilisierte Biga oder ein einzelnes galoppierendes Pferd zeigen. Spätere Statere aus dem Stammesgebiet der Sequani zeigen unter der Biga auch ein vierspeichiges Rad und weitere unvollständige Räder am Rand der Münze als Beizeichen. Bei weiteren Goldstateren und ihren Teilwerten geht man auf Grund von Fundortkonzentrationen in bestimmten Kantonen davon aus, dass sie rein helvetische Münzen sind, so zum Beispiel bei denen des «Freiburger Typus» und des «Horgener-Unterentfelder Typus».
Häufiger wurden Drachmen und Oboli aus Silber geprägt, die zumeist Köpfe auf den Aversen und steinbockähnliche Tiere oder Pferde auf den Reversen zeigen. Auch schriftlose oder mit wenigen Buchstaben versehene «Büschelquinare» aus der Nordschweiz finden sich häufig.
Bronzemünzen wurden wahrscheinlich in dieser Zeit nicht auf Schweizer Boden hergestellt, fanden gelegentlich aber dennoch durch Tausch ihren Weg in die Schweiz. Stattdessen wurden sogenannte Potinmünzen aus einer Legierung von Kupfer, Zinn und Blei gegossen. Sie zeigen stark stilisierte Köpfe auf der einen und ebenso stark stilisierte Tiere auf der anderen Seite.
Die früher an bestimmte keltische Stämme vorgenommene Zuschreibung von Münztypen wird heute von der Forschung zurückhaltender gesehen.
Römische Münzen Seit der Romanisierung der heutigen Schweiz in der Regierungszeit des Kaisers Augustus wurde das römische Geldsystem vorherrschend.
Auf dem Gebiet der heutigen Schweiz wurden, möglicherweise mit einer Ausnahme im Legionslager von Vindonissa, in dem 2004 ein Prägestempel gefunden wurde, keine regulären römischen Münzen geprägt. Die Versorgung mit römischem Geld wurde zunächst durch die Münzstätten Lugdunum (Lyon) und Rom und seit dem 3. Jahrhundert auch durch weitere Münzstätten gewährleistet. Auch die Münzen, deren Rückseitenmotive oder Beschriftung auf die römische Provinz Raetia Bezug nehmen, sind nicht auf Schweizer Boden geprägt worden. Bislang sind drei Münzstätten, darunter aus Augusta Raurica, aus römischer Zeit auf Schweizer Boden nachgewiesen, in denen irreguläre Münzen, vor allem subaerate Denare, geprägt wurden.
Burgundische und merowingische Münzen Die Monetarisierung im Frühmittelalter war sehr gering, weshalb nur wenige Münzen aus dieser Zeit erhalten sind.
Die Westschweiz gehörte zunächst zum Burgunderreich und seit dem 6. Jahrhundert, bis in das Jahr 639, zum Merowingerreich. Unter den burgundischen Königen wurden auch in Genf Münzen geprägt, weil Genf, neben Lyon, die zweite burgundische Residenz ihrer Könige war. Die Merowinger prägten hauptsächlich Drittelsolidi (also ein Drittel eines Solidus) oder Trienten. Von diesen Münzen sind bis heute kaum 200 Exemplare überliefert.
Münzen der Schweiz vom Hochmittelalter bis 1798 mini|Die Schweiz während der Restauration 1814–1847 Im Hochmittelalter wurden in manchen Städten und Abteien kaiserliche, königliche, herzögliche und geistliche Münzen geprägt. Dabei wichen die Münzstände zunehmend vom ursprünglichen karolingischen Standard ab, so dass sie im Wert nicht mehr gleichzusetzen waren. Es begann die Zeit des regionalen Pfennigs. Es handelte sich um Brakteaten, Pfennige aus dünnem Silberblech, die einseitig geschlagen wurden. Ihre typische Erscheinungsform war vierzipfelig, da sie aus quadratischen Schrötlingsblechen geschlagen wurden und der runde Wulst um das Münzbild das Blech so verzog, dass die Ecken als kleine Zipfel erschienen.Colombi, Bütler, Perret: Die Münzenausstellung im Historischen Museum Luzern. 2004, S. 69. Solche Münzen wurden nicht nur bei den Eidgenossen, sondern auch sonst im alemannischen Raum (ausser der Schweiz auch im Elsass und im Schwarzwald) geprägt. Um den Handel zu vereinfachen, wurde zwischen Zürich und Basel im Jahr 1377 der Rappenmünzbund geschlossen, um wieder eine Gleichsetzbarkeit herzustellen. Bis in das 18. Jahrhundert hinein glichen die Schweizer Münzverhältnisse im Grossen und Ganzen den deutschen. Dass sich Unterschiede mit der Zeit vertieften, wird auch darauf zurückgeführt, dass die Eidgenossen nicht mehr zu den Probiertagen eingeladen wurden, wodurch sie über die neuen Münzverordnungen im Reich nicht hinreichend orientiert waren und ihre Münzen als minderwertig verrufen wurden.Colombi, Bütler, Perret: Die Münzenausstellung im Historischen Museum Luzern. 2004, S. 157.
Der Taler war die Hauptmünze, die Kleinmünzensysteme aber regional sehr verschieden.Bernd Kluge: Münzen – Eine Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. München 2016, S. 68. Nach einer kurzen Zeit der Zentralisierung des Münzwesens während der Helvetischen Republik (siehe unten) erhielten die Kantone, nicht aber andere frühere Münzstände, das Prägerecht bis zur erneuten Zentralisierung ab dem Jahr 1848 zurück.
Aargau In den Städten Laufenburg und Zofingen wurden bereits seit dem Spätmittelalter gelegentlich Silbermünzen geprägt. Das Münzrecht lag zunächst nicht bei der Stadt, sondern bei der Laufenburger Linie der Habsburger, die das Münzrecht aber mehrfach an die Stadt verpfändeten, bis es nach dem Aussterben der Laufenburger Linie 1408 endgültig an die Stadt überging. 1623 endete die Laufenburger Münzgeschichte. Die Goldmünzen der Abtei Muri waren dagegen reine Repräsentationsgepräge ohne Umlauffunktion. Im Jahr 1803 trat der Kanton Aargau der Eidgenossenschaft bei und begann wenige Jahre später mit der regelmässigen Ausprägung von Silber- und Billonmünzen (Batzen und Halbbatzen, 10- und 20-Batzen-Stücke). Nur im Jahr 1816 wurden auch Kupferpfennige geprägt.
Appenzell Die beiden Halbkantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden, prägten beide getrennt und jeweils nur in kurzer Zeit Münzen. Innerrhoden prägte zwischen 1737 und 1744 eine grosse Bandbreite von Nominalen, nämlich Dukaten, 9-Batzen-Münzen, 20-, 15- und 6-Kreuzer-Stücke; Batzen (also 4-Kreuzer-Münzen), Groschen (3 Kreuzer), Halbbatzen, Kreuzer, Bluzger, Halbkreuzer, 2 Pfennige, Pfennige und Heller. Ausserrhoden prägte nur zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1808 bis 1816) im Franken- und Batzensystem mit Kreuzern und Pfennigen als Kleinmünzen. mini|Einseitig geprägter Pfennig für Appenzell Innerrhoden, 18. Jahrhundert
Basel
Die Karolinger liessen im 9. Jahrhundert, die burgundischen Könige wieder im 10. Jahrhundert in Basel Denare und Oboli aus Silber prägen. Ab der Jahrtausendwende haben auch mindestens siebzehn Bischöfe für das Bistum Basel die gleichen Nominale herstellen lassen. Ab etwa dem 12. Jahrhundert wurden die Pfennige auch einseitig und nicht immer rund, sondern auch «vierzipfelig» geschlagen. Städtische Prägungen von Pfennigen oder Stäblern (auch Steblern) setzten nach dem Jahr 1373 ein und sind an einem Baslerstab zwischen den Buchstaben B – A zu erkennen. Seit dem 15. Jahrhundert wurden auch Gulden durch die Reichsmünzstätte und durch die Stadt Basel, Dicken, Groschen, Plapparte, Doppelvierer (also 8 Pfennige), Vierer, Rappen und Stebler aus Silber geprägt. Basel stellte auch die ersten Goldmünzen auf Schweizer Boden her. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurden auch Taler und Guldentaler und ihre Halbstücke, 10-Kreuzer-Münzen und Batzen hergestellt. Der Gluckhennentaler ist ein Schautaler der Stadt Basel. Noch Ende des 18. Jahrhunderts, also weit mehr als 100 Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Reichsverband, wurde der doppelköpfige Reichsadler auf 24-Kreuzer-Münzen des Bistums Basel geprägt.
Bern
Um das Jahr 1225 herum begann auch die Stadt Bern die sogenannten Bernerpfennige aus Silber zu prägen, die wie ihre Halbstücke vierzipfelig gestaltet waren. Das typische Motiv dieser und der späteren grösseren Silbermünzen ist der Bär. Sie sollten auch den Handel mit Savoyen und den westlichen Nachbarn ermöglichen. Später wurden auch Plapparte geprägt, von denen 24 Stück einem rheinischen Gulden entsprachen. Ab 1482 folgten die ersten Dicken. Im 15. Jahrhundert begann Bern mit der Herstellung von Goldkronen und Gulden (aus Gold) sowie Dicken, Batzen, Plapparten, Angstern und Hallern aus Silber. Mit der Münzreform von 1492 wurde der Berner Taler, ein Guldiner aus Silber, die Hauptmünze. Der Taler entsprach 40 Batzen, der Vierteltaler somit 10 Batzen. Die alten Plapparte wurden durch neue ersetzt, die zwei alte Plapparte wert waren und für die sich der Begriff Batzen durchsetzte. Der Fünfer (5 Pfennige) wurde im 16. Jahrhundert durch den Kreuzer ersetzt. Im 16. Jahrhundert wurden dann auch Taler und Guldiner aus Silber geschlagen. Die Abwertung der Berner Kupferbatzen am 2. Dezember 1652 um die Hälfte, verbunden mit einer sehr kurzen Umtauschfrist, führte zu erheblichen Vermögenseinbußen von großen Teilen der Bevölkerung und war wesentlich mitverantwortlich für den Ausbruch des Schweizer Bauernkriegs. Auf Grund einer Entscheidung der Berner Behörden im Jahr 1816 wurden 660'000 französische Laubtaler (Ecus) aus den Jahren 1726 bis 1793 auf beiden Seiten gegengestempelt (Avers: schraffierter Schild mit Berner Bären, Revers; wappenschildförmig mit Wertangabe 40 BZ) und so für den offiziellen Zahlungsverkehr des Kantons Bern mit dem Wert von 40 Batzen zugelassen.Schön, Cartier: Weltmünzkatalog 19. Jahrhundert. Schweiz/Bern. Nr. 6. Die Berner Münzprägung war sehr umfangreich und deshalb von grossem Einfluss auf die Entwicklung der Schweizer Münzgeschichte. Die Prägungen der Stadt Bern endeten im Jahr 1797. Ab 1808 wurden dann die ersten Münzen des Kantons Bern geprägt.
Freiburg Freiburg verwendete bis in das 15. Jahrhundert Münzen aus dem Bistum Lausanne. 1422 erhielt Freiburg das Münzrecht und nutzte es ab 1435. Es wurden Dicken, Groschen, Schillinge und Pfennige, ab dem 16. Jahrhundert auch Goldmünzen geprägt. Ende des 18. Jahrhunderts prägte Freiburg, noch vor der Helvetik, Münzen nach dem französischen Münzfuss in den Stückelungen 7, 14, 18 und 56 Kreuzer. In der Helvetik wurden in dem Kanton, der in dieser Zeit Sarine et Broye heissen sollte, auch 42-Kreuzer-Stücke mit den Parolen LIBERTÉ und EGALITÉ geprägt, die schon 1801 wieder ausser Kurs gesetzt wurden.Colombi, Bütler, Perret: Die Münzenausstellung im Historischen Museum Luzern. 2004, S. 139. Nach der Helvetik und der Mediationsakte von 1803 prägte der Kanton Freiburg bis 1846 nach dem Batzen-/Rappensystem eigene Münzen und ab dem Beitritt zum Münzkonkordat 1827 auch ausdrücklich als Konkordatsbatzen bezeichnete Münzen. Die Umschrift der Neutaler lautete nun SCHWEIZERISCHE EIDGENOSSENSCHAFT.
Genf Die Karolinger begannen schon um 755, Denare in Genf zu münzen. Seit dem 11. Jahrhundert nutzten die Bischöfe von Genf ihr Münzrecht und stellten Denare und Obole her. Die Stadt Genf produzierte erst seit dem Jahr 1535 Münzen, darunter auch Ecus aus Gold. Ein Florin galt 2 Gulden, der Gulden galt 12 Sol. Die Silber- und Kupfernominale im Wert von 12, 6 und 3 Sols orientierten sich an französischen Vorbildern. Die Legende auf dem Revers der 2-Florin-Münzen lautete deshalb POUR 24 SOLS. Erst ab dem 17. Jahrhundert traten Taler hinzu. Der Gros-Ecu, der Ende des 18. Jahrhunderts zu 12 Gulden und 9 Sol geprägt wurde, entsprach dem deutschen Taler.