La fida ninfa (deutsch: ‚Die treue Nymphe‘; RV 714) ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“) in drei Akten von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Scipione Maffei. Die Uraufführung fand am 6. Januar 1732 zur Eröffnung des neuen Theaters der Accademia Filarmonica in Verona statt.

Handlung

Inhaltsangabe des Wiener Librettos von 1737

Erster Akt

Bewaldete Hügel mit Blick auf eine Seite von Oraltos Palast

Szene 1. Oralto, ein Pirat und zugleich Herrscher über die Insel Naxos, ernennt seinen ehemaligen Sklaven Morasto zu seinem Statthalter. Morasto schwört ihm aus Dank ewige Treue. Oralto erzählt ihm von der Beute seines letzten Raubzugs: er hat auf Skyros zwei schöne junge Mädchen (Licori und Elpina) und ihren Vater (Narete) gefangen genommen. Die beiden Mädchen genießen auf Naxos einige Freiheiten, und die ältere (Licori) hat bereits Oraltos Herz erobert. Er bittet Morasto, sich auf einen bevorstehenden Kampf vorzubereiten, und preist die Macht, die man durch eigene Stärke erhalten kann (Arie Oralto: „Chi dal Cielo ò dalla sorte“).

Szene 2. Nach der Erwähnung der Insel Skyros macht sich bei Morasto Heimweh bemerkbar. Er will die neuen Sklaven nach seinen dort lebenden Eltern und seiner einstigen Geliebten fragen (Arie Morasto: „Dolce fiamma del mio petto“)

Szene 3. Der ebenfalls nach Naxos verschleppte Schäfer Osmino flirtet mit Elpina (Duett Elpina, Osmino: „Dimmi pastore / Ninfa mi spiega“).

Szene 4. Licori kann ihr neues Leben in der Fremde kaum ertragen (Aria breve Licori: „Selve annose erme foreste“). Sie gesteht ihrem Vater, dass Oraltos Annäherungsversuche sie ängstigen. Narete rät ihr, ihn vorsichtig abzuwehren, aber nicht zu provozieren.

Szene 5. Morasto erkennt in Licori und Narete seine ehemalige Geliebte und deren Vater. Die beiden ziehen sich bei seinem Nahen zurück, da sie ihn aufgrund seines veränderten Äußeren nicht wiedererkennen.

Szene 6. Elpina hat mehr Vertrauen zu Morasto. Er versichert ihr, dass er den Einwohnern Skyros’ wohlgesonnen sei, und fragt sie nach seinen Eltern Alfeo und Silvia. Elpina teilt ihm mit, dass die beiden noch leben, aber um ihre beiden verschollenen Söhne trauern. Der ältere, der mit ihrer Schwester verlobte Osmino, sei von thrakischen Soldaten entführt worden. Der andere wurde vermutlich als Kleinkind von Wölfen gefressen. Man habe nur seine zerrissene Kleidung in einer Blutpfütze gefunden. Morasto zieht sich schnell zurück, da er seine Erschütterung nicht länger verbergen kann.

Szene 7. Elpina wundert sich über Morastos plötzlichen Abgang. Sie sehnt sich nach ihrem Geliebten (Arie Elpina: „Aure lievi, che spirate“).

Szene 8. Osmino versichert der misstrauischen Licori, dass er sie nicht verführen, sondern sich lediglich freundlich mit ihr unterhalten wolle.

Szene 9. Elpina beobachtet die beiden und wird eifersüchtig auf ihre Schwester. Diese meint, dass es keine gute Idee sei, den Schmerz eines schweren Schicksals durch Liebesschmerz zu ersetzen (Arie Licori: „Alma opressa dà sorte crudele“).

Szene 10. Oralto bittet Morasto, sich bei Licori für ihn einzusetzen und sie an seine Macht zu erinnern. Morasto weist ihn darauf hin, dass eine Schäferin sanft behandelt werden müsse und keine Grausamkeit verdiene. Dennoch setzt Oralto auf Gewalt, um ihre Gunst zu erzwingen (Arie Oralto: „Cor ritroso che non consente“).

Szene 11. Morasto sieht in diesem Auftrag immerhin eine Gelegenheit, mit seiner einstigen Geliebten zu sprechen, ohne Verdacht zu erregen. Er will wissen, ob sie noch immer Gefühle für ihn hat (Aria breve Morasto: „Dimmi amore“).

Szene 12. Narete erzählt seinen Töchtern, dass er in den Bäumen des Waldes die ineinander verschlungenen Namen Licori und Osmino sowie das Wort Skyros eingeritzt gefunden habe. Das ruft ihnen Licoris frühere Verlobung in ihrer Heimat wieder ins Gedächtnis. Narete fordert sie auf, die Göttin Juno um Beistand zu bitten (Terzett Licori, Elpina, Narete: „S’egli è ver che la sua rota“).

Den Abschluss des ersten Akts bildet ein Ballett von Hirten und Schäferinnen, die von den Felsen herabsteigen.

Zweiter Akt

Meereshafen

Szene 1. Als Morasto mit Licori über Oraltos Verlangen spricht, zeigt sich Licori standhaft. Sie werde niemals unter Zwang einem Mann nachgeben, sondern sich eher ins Meer stürzen. Auch einen sanfteren Mann werde sie niemals lieben können, da sie ihrem ersten Geliebten treu bleiben wolle (Arie Licori: „Il mio core à chi lo diede“).

Szene 2. Osmino versichert der zweifelnden Elpina, dass sich seine Gefühle für sie nicht geändert haben (Aria breve Elpina: „Egli è vano il dirmi ognora“). Er erzählt ihr, dass auch er aus Skyros stamme, aber früh von seiner Familie getrennt wurde. Der Name seiner Mutter sei Silvia gewesen. Elpina glaubt nun, er sei Licoris früherer Verlobter. Sie eilt fort, um den anderen davon zu berichten. Allein zurückgeblieben, erkennt Osmino, dass er jetzt Liebe zu Licori empfindet (Arie Osmino: „Ah che non posso nò lasciar d’amare“).

Szene 3. Narete erzählt Oralto von seinen großen Reichtümern auf Skyros und verspricht ihm Lösegeld für ihre Freilassung (Arie Narete: „Deh ti piega deh consenti“).

Szene 4. Licori ist begeistert, ihren einstigen Geliebten Osmino wiederzufinden (Arie Licori: „Amor mio la cruda sorte“).

Szene 5. Obwohl Osmino nicht versteht, warum Licori von „alter Liebe“ spricht, will er mitspielen.

Szene 6. Oralto teilt Morasto mit, dass er die Gefangenen dem Sultan schenken wolle, da seine Bemühungen um Licori erfolglos waren (Arie Oralto: „Ami la donna imbelle“).

Szene 7. Morasto, der Licori schnellstens in Sicherheit bringen will, gesteht ihr seine Liebe. Zu seiner Überraschung weist sie ihn zurück, bevor er Gelegenheit findet, ihr seine Identität zu offenbaren.

Szene 8. Kurz darauf muss Morasto mitanhören, wie Licori für Osmino Liebesworte findet.

Szene 9. Osmino bestätigt Morasto, dass er sich verliebt habe (Arie Osmino: „Qual serpe tortuosa“).

Szene 10. Morasto verzweifelt an seinem Schicksal (Arie Morasto: „Destin avaro“).

Szene 11. Narete beklagt, dass er seine Heimat wohl nie wiedersehen wird (Arie Narete: „Non tempesta che gl’alberi sfronda“).

Szene 12. Osmino bittet Morasto um Hilfe bei der Rettung der Mädchen. Der leidet jedoch noch immer unter Licoris Zurückweisung. Auch Elpina ist eifersüchtig auf ihre Schwester. Licori versteht gar nichts mehr und vermutet plötzlich eine Intrige Elpinas und Morastos (Quartett Licori, Morasto, Elpina, Osmino: „Cosi sù fl’occhi miei“).

Den Abschluss des zweiten Akts bildet ein Ballett von Seeleuten, die von Bord ihrer Schiffe gehen.

Dritter Akt

Blühende Natur

Szene 1. Während Licori in ihrer jetzigen Stimmung sogar die Blumen zuwider sind und Naretes Gedanken nur der verlorenen Heimat gelten, will Elpina die Natur genießen (Arie Elpina: „Cerva che al Monte“).

Szene 2. Plötzlich erscheint Oralto und schickt Narete und Elpina mit groben Worten fort.

Szene 3. Oralto unternimmt einen letzten Versuch, Licori für sich zu gewinnen (Aria breve Oralto: „Ben talor meco m’adiro“), verspricht ihr gar die Ehe und weist schließlich darauf hin, dass sie seine Sklavin sei und er völlige Macht über sie habe. Dennoch bleibt sie standhaft in ihrer Ablehnung.

Szene 4. Morasto greift gerade rechtzeitig ein, um Schlimmeres zu verhindern. Er ruft Oralto mit der Nachricht über eine mögliche reiche Beute fort.

Szene 5. Elpina und Narete kehren zurück, und die beiden Mädchen verstecken sich sicherheitshalber in einer Höhle (Aria breve Licori: „Vado si dove à te piace“).

Szene 6. Nach Oraltos Abreise wird Morasto freie Hand auf der Insel haben. Trotz seiner Enttäuschung beschließt er, die Mädchen und ihren Vater samt Licoris Geliebtem zurück in ihre Heimat zu schicken. Er selbst will alleine in die andere Richtung reisen und an einem zufälligen Ort sein Leben in Schmerz und Wut verbringen (Arie Morasto: „Vanne ingrata e per vendetta“).

Szene 7. Osmino und Narete befürchten, dass Oralto sie alle wie Vieh verkaufen wird. Osmino verspricht, Licori vor der Höhle mit seinem Leben zu verteidigen (Aria breve a due Narete, Osmino: „Pan ch’ognun venera“).

Szene 8. Elpina kehrt von der Höhle zurück. Sie erzählt den anderen lachend, dass Licori dort in eine Pfütze gefallen sei, und zeigt ihnen ihren völlig durchnässten Schleier.

Szene 9. Vor seiner Abreise übergibt Oralto wie erwartet Morasto das Kommando über die Insel. Allerdings will er Licori mitnehmen. Narete behauptet daraufhin, sie habe sich im Meer ertränkt, und zeigt ihm als Beweis das nasse Kleidungsstück. Oralto zieht sich trauernd zurück (Arie Oralto: „Perdo Ninfa ch’era una Dea“).

Szene 10. Morasto will von den anderen wissen, ob Licori wirklich tot ist (Arioso Morasto: „Dite oimè! ditelo al fine“).

Szene 11. Nachdem der Pirat fortgesegelt ist, hofft die Familie auf die Großzügigkeit Morastos, den sie einladen, mit nach Skyros zu kommen (Arie Elpina: „Cento donzelle festose e belle“). Da auch Licori wieder unversehrt auftaucht, ist Morasto einverstanden. Er ist auch bereit, ihren Geliebten mitzunehmen. Dann offenbart er ihr, dass sein wahrer Name nicht Morasto ist, sondern Osmino. Er selbst war ihr einstiger Verlobter. Er will daher, nachdem er sie auf Skyros abgesetzt hat, sofort wieder abreisen (Arie Morasto: „Tra inospite rupi“). Licori erklärt, dass sie ihm immer treu bleiben wollte. Sie habe sich nur auf den anderen Mann eingelassen, weil sie glaubte, er sei Osmino. Dieser versichert, dass er nicht gelogen habe. Sein Name sei wirklich Osmino und er sei als kleines Kind von Piraten aus Skyros entführt worden. Jetzt erkennt Narete die Zusammenhänge: Der erste Osmino, Licoris Verlobter, wurde von Thrakiern aus Lemnos verschleppt. Aus Trauer haben seine Eltern daraufhin seinen kleinen Bruder Tirsi in Osmino umbenannt, bevor er von Piraten geraubt wurde. Licori ist erleichtert (Aria breve Licori: „Dalla gioia, e dall’amore“). Ihre Treue selbst hat sie untreu gemacht. Morasto erklärt noch, dass er seinen neuen Namen von den Thrakiern erhalten habe. Alle sind glücklich. Da bemerkt Elpina einen aufziehenden Sturm. Gemeinsam bitten sie die Göttin Juno um Schutz („Te invochiamo, o Giunone, a te nel tempio“) und reisen ab.

Düsterer und furchteinflößender Berg mit einem verschlossenen Höhleneingang

Nach einer einleitenden Sinfonie (Tempesta di mare) erscheint Juno, auf Wolken sitzend und begleitet von Brisen. Sie verspricht ihren treuen Anhängern eine sichere Heimreise (Aria breve Giunone: „Da gl’egri mortali“). Der Höhleneingang öffnet sich und zeigt den Palast des Windgottes Eolo. Dieser befindet sich am hintersten Ende und ist umgeben von einer großen Anzahl grauenvoller und hässlicher Winde. Er kommt bei den Klängen einer „bizarren Sinfonia“ nach vorne. Juno bittet ihn, seine Stürme so lange zurückzuhalten, bis ihre Schützlinge sicher ihren Zielort erreicht haben (Accompagnato Giunone: „Amico Nume, che seben sotterra“). Eolo ist einverstanden (Accompagnato Eolo: „O’ del Supremo Giove“) und befiehlt seinen Winden, ihr Treiben einzustellen (Aria breve Eolo: „Spirti indomabili“). Er sperrt die furchterregenden Winde in zwei große Höhlen an den Seiten der Bühne und lässt an ihrer Stelle sanftere Winde heraus, die auf die Wolken klettern und ein Menuett tanzen. Juno dankt Eolo und verheißt, dass seine edle Tat viele Jahre später auf einer italienischen Opernbühne erzählt werden werde. Er möge an diesem Tag den lieblichen Zephyr walten lassen. Eolo verspricht ihr dies (Eolo/Chor: „Non temer che splenderà“). Zum Abschluss weist Giunone darauf hin, dass dies nicht für unwürdige Diener der Liebe gelte, denn diese tragen Stürme in ihren Herzen (Giunone/Chor: „Ma giovar questo non può“).

Gestaltung