Nicoletta della Valle (* 28. Dezember 1961 in Bern) ist eine Schweizer Juristin. Von 2014 bis 2025 war sie die Direktorin des Bundesamts für Polizei (fedpol).

Leben Nicoletta della Valle kam als Tochter eines italienischen Einwanderers und einer Schweizer Mutter zur Welt. Der Vater brachte ihr Boxen bei, später trainierte sie Judo. Sie brachte es bis zum braunen Gurt. Im Alter zwischen 40 und 45 Jahren trainierte sie Kickboxen.

Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bern. Später arbeitete beim Bundesamt für Umwelt und in der Finanzdirektion der Stadt Bern, bevor sie 1999 zum Eidgenössischen Justiz und Polizeidepartement wechselte. 2000 war sie am Aufbau einer DNA-Datenbank beteiligt. Von 2006 bis 2011 war sie stellvertretende Direktorin beim Fedpol. Von 2012 bis Juli 2014 amtete sie als Direktorin Dienste und Betriebe und gemeinsam mit Urs P. Mosimann als interimistische Co-Vorsitzende der Geschäftsleitung der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern. Nachdem bekannt wurde, dass Jean-Luc Vez, der Direktor des Bundesamts für Polizei (fedpol) zum World Economic Forum (WEF) wechseln würde, wurde Nicoletta della Valle auf den 1. August 2014 zu seiner Nachfolgerin ernannt. Dort brachte sie die auch von Toyota angewendete Philosophie des «Sich Verbesserns» ein. Im April 2024 wurde ihr Rücktritt zum 31. Januar 2025 bekanntgeben. Sie erhielt nach ihrem Abgang eine Entschädigung von 340'000 Schweizer Franken, was von mehreren Parlamentariern kritisiert wurde. Ihr folgte Eva Wildi-Cortés nach.

Nicoletta della Valle ist geschieden, Mutter einer erwachsenen Tochter und wohnt in Bern. 2025 eröffnete sie die Caffè Bar Sempre Berna in Bern mit sozialem Angebot.Nicoletta della Valles neues Leben. In: Blick.ch, 27. September 2025.

Kontroversen Im Oktober 2024 wurde dem Rechtsextremisten Martin Sellner die Einreise in die Schweiz verweigert. Im Dezember 2025 entschied das Bundesverwaltungsgericht rechtskräftig, dass das Einreiseverbot widerrechtlich verhängt wurde und sprach Sellner eine Entschädigung in Höhe von 3.000 Franken zu. Während des Verfahrens stellte sich heraus, dass sowohl die Kantonspolizei Zürich als auch die Fedpol um die Rechtswidrigkeit des Einreiseverbots wussten. Die damalige Fedpol-Chefin Nicoletta della Valle bestand dennoch auf der Umsetzung des Verbots. Medienberichten zufolge war diese Intervention polizeiintern äußerst umstritten.

Im September 2025 wurde bekannt, dass della Valle nach ihrem Ausscheiden aus dem Fedpol eine beratende Tätigkeit beim israelisch-schweizerischen Investmentfonds Champel Capital aufgenommen hat, wo sie dem Advisory Board angehört. Dies führte zu einer öffentlichen Debatte über mögliche Interessenkonflikte. Bundesrat Beat Jans erklärte, er habe auf eine Karenzfrist verzichtet, da ihm entsprechende Absichten nicht bekannt gewesen seien. Er betonte, dass della Valle weiterhin an das Amtsgeheimnis gebunden sei.

Während ihrer Amtszeit als Fedpol-Direktorin wurde in einem Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts zur Festnahme des palästinensisch-amerikanischen Journalisten Ali Abunimah im Januar 2025 auch die Rolle des Fedpol kritisch gewürdigt. Laut Bericht des Gerichts sowie der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats hatte della Valle einen Entscheid zur Einreisesperre nachträglich übersteuert, nachdem Fachstellen zuvor keine Sicherheitsbedrohung gesehen hatten.

Strafverfolgung 2026 wurde gegen Nicoletta della Valle eine Strafverfolgung durch den Bund zugelassen. Hintergrund war eine Strafanzeige vom US-amerikanisch-palästinensischen Journalisten und Aktivisten Ali Abunimah wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs. Abunimah wurde 2025 verhaftet und später aus der Schweiz ausgeschafft aufgrund eines von della Valle kurz vor einem geplanten Auftritt von Abunimah in Zürich nachträglich verfügten Einreiseverbots, welches später vor Gericht keinen Bestand hatte. Sie erliess das Einreiseverbot erst nach einer Intervention der Zürcher Kantonspolizei, diese befürchtete, Abunimah könnte mit seinem Auftritt die lokale Szene radikalisieren und zu Gewalttaten anstiften. Der Nachrichtendienst des Bundes, das Staatssekretariat für Migration und die zuständigen Fedpol-Juristen teilten hingegen diese Einschätzung nicht.Edgar Schuler: Nach unrechtmässiger Verhaftung von Palästina-Aktivist: Bund erlaubt Strafverfolgung von Ex-Fedpol-Chefin. In: Tages-Anzeiger, 7. Juli 2026.

Weblinks Nicoletta della Valle, Ex-Fedpol-Chefin: «Ich will Gerechtigkeit». In: SRF.ch, 14. April 2025 (Audio, 56 Min.).

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