Emile de Antonio (* 1919 in Scranton, Pennsylvania; † 16. Dezember 1989 in Manhattan, New YorkC. Gerald Fraser: Emile de Antonio Is Dead at 70; Maker of Political Documentaries (Nachruf in der New York Times, 20. Dezember 1989)) war ein US-amerikanischer Regisseur und Produzent von Dokumentarfilmen. De Antonio sah seine Filme als eine Art Geschichte des Kalten Krieges.
Leben Emile de Antonio wurde 1919 in Scranton, Pennsylvania geboren. Er besuchte zusammen mit John F. Kennedy die Harvard University und drehte später einen Film über Kennedys Ermordung, Rush to Judgment. Nach seinem Militärdienst während des Zweiten Weltkriegs hatte de Antonio Kontakte zur Kunstszene, besonders zu Popkünstlern wie Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Andy Warhol, in dessen Film Drink er auftritt. De Antonio machte diese Kunstszene zum Thema seines Dokumentarfilms Painters Painting (1972).
1959 gründete de Antonio die Firma G-String Productions, um Robert Franks Beat Generation – Film Pull My Daisy zu verleihen. Zu dieser Zeit entdeckte er für sich das Filmemachen. In seinem ersten Film Point of Order, einem Kompilationsfilm, den er 1964 herstellte, geht es um Joseph McCarthy und die Anhörungen zur Armee, die McCarthy betrieb. De Antonio ging von 188 Stunden Material aus und schnitt einen Film, der 97 Minuten dauert.
De Antonio, der sich als Marxist verstand, drehte weiter Filme, die Kontroversen auslösten. Die meisten seiner Filme kritisierten verschiedene Aspekte der amerikanischen Kultur. In the Year of the Pig (1968) wurde zu einem der bekanntesten Filme gegen den Vietnamkrieg. Er drehte später den Dokumentarfilm Underground (1976) über ein typisches Produkt der politischen 1960er, den Weather Underground. Er sah in deren Führung politische Idioten, war aber von ihrer Ausstrahlung beeindruckt. Aufgrund seiner politischen Überzeugungen und Aktivitäten legte das FBI eine Akte von über 10.000 Seiten über de Antonio an. Die Lektüre der freigegebenen Akte war der Anlass zu de Antonios letztem Film Mr. Hoover and I.
Bill Nichols’ grundlegende Studie zum Dokumentarfilm Representing Reality ist dem Andenken an de Antonio und Joris Ivens gewidmet.
Auszeichnungen und Ehrungen 1970: Nominierung für den Oscar für Best Documentary, Features, mit In the Year of the Pig 1983: Gewinner OCIC Award – Special Recommendation bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 1983 mit In the King of Prussia 1990: Nominierung für Besten Dokumentarfilm beim Sundance Film Festival mit Mr. Hoover and I 2025: Werkschau beim Internationalem Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm in der Sektion Retrospektive
Filmografie (Auswahl) 1964: Point of Order 1967: Rush to Judgment 1968: America Is Hard to See 1968: In the Year of the Pig 1971: Milhouse: A White Comedy - über Richard Nixon 1972: Painters Painting 1975: McCarthy: Death of a Witch Hunter 1976: Underground 1982: In the King of Prussia 1989: Mr. Hoover and I
Literatur Douglas Kellner, Dan Streible (Hrsg.): Emile de Antonio. A Reader. Foreword by Haskell Wexler. University of Minnesota Press, Minneapolis MN 2000, ISBN 0-8166-3363-0, (Visible evidence 8). Randolph Lewis: Emile de Antonio. Radical Filmmaker in Cold War America. University of Wisconsin Press, Madison WI u. a. 2000, ISBN 0-299-16910-3.
Weblinks An interview with Emile de Antonio conducted by Bruce Jackson (en.)
„Die wesentliche Idee des Widerspruchs“ – Artikel über das Kino von Emile de Antonio in der „taz“ von Sven von Reden (14. Mai 2004)
Einzelnachweise
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