Romina Ashrafi (* 6. August 2006 in Talesh; † 21. Mai 2020 ebenda) war ein 13-jähriges iranisches Mädchen, das von ihrem Vater getötet wurde. Über den „Ehrenmord“ und die Begleitumstände wurde in der nationalen und in der internationalen Presse intensiv berichtet.

Hintergrund der Tat und Tathergang Romina Ashrafi hatte eine romantische Liebesbeziehung mit Bahman Khavari (28) und das Paar wollte heiraten. Der Vater des Mädchens war jedoch gegen die Verbindung, woraufhin Romina mit Bahman aus ihrem Elternhaus floh. Während der Flucht veröffentlichten sie ein gemeinsames Foto auf Instagram, welches belegen sollte, dass Romina freiwillig ihr Elternhaus verlassen hatte und nicht von Bahman entführt wurde. Esfandiar Ashrafi, der Bruder von Romina, gab an, dass das veröffentlichte Foto für die Familie ehrverletzend und ein wesentlicher Grund für die folgende Eskalation war. Bahman bestritt dies und gab in einem Interview an, dass seine Zugehörigkeit zur sunnitische Minderheit im Iran einzig ein Problem für den Vater von Romina gewesen sei.

Nach fünf Tagen wurde das Paar von der iranischen Polizei aufgegriffen. Aus Angst vor einer möglicherweise gewalttätigen Reaktion ihres Vaters flehte Romina Ashrafi die Sicherheitskräfte an, sie nicht nach Hause zu bringen. Dieser Wunsch wurde ihr verwehrt und sie wurde von der Polizei in die Obhut ihres Vaters gegeben. Ihr Vater enthauptete sie in den Morgenstunden, während sie schlief, mit einer Sichel. Zuvor hatte er ihr nahegelegt, sich mit Rattengift selbst zu töten. Er stellte sich nach der Tat der Polizei.

Die Mutter von Romina gab an, dass sie zum Tatzeitpunkt in der Waschküche war und diese von ihrem Mann versperrt wurde. Sie hätte geschrien und nach Romina gerufen, jedoch hat niemand geantwortet. In dem Zimmer, in welchem Romina getötet wurde, schlief auch ihr sechs Jahre alter Bruder. Laut Berichten in iranischen Medien hatte der Vater von Romina sich vor der Tat bei einem Anwalt informiert, welche Strafe ihn bei einem Mord erwarten würde.

Zu Rominas Tod lud der Vater, gemeinsam mit den beiden Großvätern, ihren Onkeln und ihren Brüdern, die Dorfbewohner zu einer Trauerfeier ein. Auf der Einladungskarte stand: „Wir sind der göttlichen Vorsehung ergeben.“ Bei der Beisetzung auf dem Friedhof forderte Rana Dashti, die Mutter von Romina, wegen des Mordes die Höchststrafe für den Täter.

Reaktionen Das Tötungsdelikt löste zahlreiche Reaktionen in den sozialen Medien aus und über den Fall wurde in der nationalen und internationalen Presse ausführlich berichtet.

Im Iran kam es in Folge zu landesweiten Protesten. Zahlreiche internationale Organisationen (UNICEF, NCRI, Amnesty International) gaben Erklärungen ab, in welchem sie für den Mord an Romina die unzureichende Gesetzgebung im Iran mitverantwortlich machten. Sie forderten eine Gesetzesverschärfung zum besseren Schutz von Frauen. Reza Pahlavi, der im US-Exil lebende Sohn des durch die Islamische Revolution gestürzten Schahs von Persien, forderte im Zusammenhang mit dem Mord an Romina eine Abkehr von der religiös geprägten iranischen Staatsordnung und die Rückkehr zu einer säkularen Rechtsordnung.

In Reaktion auf die Tat drückte Präsident Hassan Rohani sein Bedauern aus und forderte in einer Kabinettssitzung die Reform der Schutzrechte für Frauen. Rohanis Frauenbeauftragte Massumeh Ebtekar erklärte auf Twitter, dass es eine Reform der entsprechenden Gesetze bedarf, damit die Täter zukünftig härter bestraft werden können. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sah in der Aussage Rohanis nur eine „hohle Phrase zur Beruhigung und Täuschung der Öffentlichkeit“, da die konservative Justiz im Iran eine derartige Gesetzesreform ablehnen werde.

Die als konservativ geltende Justiz im Iran gab an, dass sie den Fall in einem Sondergericht näher untersuchen will. Der Nachrichtenagentur ISNA zufolge erklärte der Wächterrat durch seinen Sprecher Abbasali Kadkhodaie, dass der Mord an Romina „ein unverzeihliches Verbrechen“ sei, welches gegen das islamische Recht verstoße. Man wäre empört, glaube aber nicht, dass es nur einer Gesetzesänderung bedürfe. Man sei bereit, „zeitnah jegliches Gesetz zu unterstützen, das eine schärfere Strafe für die Väter vorsieht“. Der Chef der iranischen Justiz, Ebrahim Raisi, meinte zur Ermordung, diese sei „auf den geistigen und moralischen Verfall der Gesellschaft zurückzuführen“.

Tatsächlich wurde kurz nach der Ermordung von Romina im Iran ein Gesetz zum besseren Schutz von Frauen auf den Weg gebracht, welches aber noch nicht rechtskräftig ist. Ein erster Entwurf zu diesem Gesetz wurde noch unter Präsident Mahmud Ahmadineschad (2005–2013) erstellt, jedoch nie fertig gestellt. Kurz nach der Wahl von Hassan Rohani zum Präsidenten des Irans im Jahr 2013 wurde das Gesetz vervollständigt und zur Prüfung an die Justiz übergeben; dort gab es aber für viele Jahre keine erkennbaren Fortschritte. Man geht davon aus, dass die Ermordung von Romina und die darüber geführte öffentliche Debatte im Iran den Gesetzgebungsprozess einen neuen Schub verliehen haben.

Reza Ashrafi, der Vater von Romina, wurde zu neun Jahren Haft und der Zahlung eines Blutgelds verurteilt. Nach aktueller Gesetzgebung liegt im Iran die Höchststrafe für einen innerfamiliären Mord bei zehn Jahren Freiheitsstrafe. Der Freund von Romina, Bahman Khavari, wurde mit zwei Jahren Haft bestraft.

Trivia In der Berichterstattung über das Tötungsdelikt wird Romina zumeist mit einem Foto abgebildet, bei welchem sie vor einem Haus steht und einen Strauß gelbe Blumen im Arm hält. Sie trägt einen türkisfarbenen Hijab, einen dunklen Mantel, Jeans und Turnschuhe. Der Hijab bedeckt dabei nur einen Teil ihrer Haare, die Jeans ist etwas kürzer geschnitten und zeigt einen kleinen Ausschnitt ihrer Knöchel. Für die nationale Berichterstattung über den Ehrenmord wurde das Bild retuschiert. Die Jeans und der Mantel wurden dabei verlängert und der Hijab verdeckt in der Bildkopie die kompletten Haare. Diese Bildmanipulation wurde verschiedentlich thematisiert und kritisiert.

Einzelbelege

Kategorie:Kriminalfall 2020 Kategorie:Tötungsdelikt Kategorie:Geschichte Irans (21. Jahrhundert) Kategorie:Gilan