Die Raben (Original Les Corbeaux) ist eine Komödie von Henry Becque von 1876. Sie wurde 1882 in Paris uraufgeführt.

Inhalt Personen

Vigneron, Fabrikant Madame Vigneron Ein Arzt Auguste, ein Diener Der Sohn Gaston Madame de Saint-Genis Merckens, Musiklehrer Rosalie, ein altes Faktotum Teissier, Teilhaber von Vigneron Bourdon, Notar Lefort, Architekt Dupuis, Tapezierer Die Töchter Judith, Marie und Blanche

Handlung Die Familie des Unternehmers Vigneron führt ein angenehmes Leben. Plötzlich stirbt der Patron. Es erscheinen sehr bald verschiedene Geschäftspartner, die die Familie mit tatsächlichen oder vermeintlichen Geldforderungen überziehen. Sie wird dadurch in den finanziellen und emotionalen Ruin getrieben. Da entschließt sich eine der Töchter, den ehemaligen Unternehmenspartner Teissier zu heiraten. Dadurch erhält die Familie wieder Zugang zu dem Vermögen, aber zu einem hohen Preis.

Die Handlung stellt eine Satire auf rücksichtslose Verhaltenspraktiken in der Geschäftswelt dar.

Geschichte Henri Becque verfasste das Drama 1876 nach einer längeren Schaffenskrise. Er bemühte sich in den folgenden Jahren bei verschiedenen Theaterintendanten vergeblich, eine Aufführung zu erreichen. Erst durch den Einsatz von Albert Thibaudet wurde eine Inszenierung in der Comédie-Française in Paris am 22. Mai 1882 möglich.T. Kowzan: H. Becque. Kruki. Paryżanka, Wrocław 1956, S. XLIII-LVII, ausführliche Darstellung der Entstehungsgeschichte Die Reaktionen waren gut, aber nicht überschwänglich. Auf Grund einer geringen Publikumsresonanz wurde das Stück bald wieder abgesetzt. 1897 gab es eine weitere Inszenierung in Paris, noch zu Becques Lebzeiten. Diese erlebte zahlreiche Aufführungen.

In Deutschland wurde das Werk 1891 durch die Freie Bühne Berlin und 1903 im Kleinen Theater in Berlin aufgeführt.Siegfried Jacobsohn: Becques "Die Raben" in Berlin, in Die Welt am Montag vom 19. Oktober 1903 Auch hier waren die Reaktionen zurückhaltend. Der Inhalt gebe zwar sehr treffend Geschäftspraktiken wieder, allerdings seien die Figuren holzschnittartig und schwarz-weiß gezeichnet und hätten keine Entwicklung.F. E. Henry Becque. Die Raben, in Berliner Tageblatt vom 17. Oktober 1903, Morgenausgabe, S. 2, zur Aufführung vom VortagAlfred Kerr: Henry Becque, in ders. Das neue Drama (= Gesammelte Schriften 1, 1), S. Fischer, Berlin 1917, S. 383–387, ausführlich zur Aufführung von 1903 Danach wurde das Drama nur noch selten gespielt.

1983 gab es eine Hörspielfassung Die Raben im Süddeutschen Rundfunk.

Bewertung Die Raben gilt als eines der Gründungswerke des realistischen Theaters in Frankreich, das konventionelle Formen des bisherigen romantischen Theaters überhole.

Die Komödie Due Raben war eines der beiden bedeutenden Schauspiele Becques (neben Die Pariserin).

Textausgaben Les corbeaux, Paris 1882; Neuauflage 1947 PDF Die Raben. Komödie in vier Akten, Übertragen und Nachwort von Karin Rohde, Insel, Leipzig 1967 Die Raben, aus dem Französischen von Heinz von Cramer, um 1983, nur über Theatertexte erhältlich Die Raben, deutsche Übersetzung (von Heinz von Cramer?), in Werner Niederer, Die Raben von Becque und der Concierge, 2013 kurzer Auszug (oben)

Hörspielbearbeitung 1983: Die Raben – Produktion: SDR; Übersetzung, Bearbeitung und Regie: Heinz von Cramer, u. a. mit Carl Lange (Figneron, Fabrikant), Gisela Stein (Madame Vigneron) und Wolfgang Forester (ein Arzt); Erstsendung: 16. Oktober 1983 | Länge: 108'45 MinutenARD-Hörspieldatenbank (Die Raben, SDR 1983)

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Komödie Kategorie:Literatur (Französisch) Kategorie:Literatur (Frankreich) Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert)