mini|Friedrich Carl Albert Schreuel, Porträt des Raden Saleh als Maler in europäischer Kleidung, um 1840, Rijksmuseum, Amsterdam Raden Saleh Syarif Bustaman (Javanisch: ꦫꦢꦺꦤ꧀ꦱꦭꦺꦃꦯ꦳ꦫꦶꦥ꦳꧀ꦨꦸꦱ꧀ꦠꦩꦤ꧀; * Mai 1811 (?) in Terboyo bei Semarang, Java; † 23. April 1880 in Bogor, Jawa Barat, Indonesien) war ein javanischer Prinz und Maler und gilt als Vater der modernen indonesischen Malerei. Sein Werk umfasst Porträts, Historien, Landschaften und Tierstücke. Stilistisch wird es der Spätromantik zugeordnet.

Raden Saleh verbrachte lange Zeit in Europa und war eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Seine 1849 in Dresden verfasste Autobiographie hat sich in Teilen erhalten. In diesem einzigartigen Dokument, in seinen Briefen und fotografischen Selbstinszenierungen reflektiert der Künstler den wechselseitigen Kulturtransfer zwischen seinem Herkunftsland und Europa. Der hybride und sich immer wieder neu positionierende Lebensentwurf macht Raden Saleh zum Vorläufer eines modernen Kosmopoliten und Weltkünstlers.

Zur Herkunft aus einer indonesischen Regentenfamilie mit arabischen Wurzeln Raden Saleh entstammte der prominenten indonesischen Fürsten- und Regentenfamilie des großen Kyai Ngabehi Kertoboso Bustaman (1681–1759). Er wurde in einem kleinen Ort bei Semarang in Zentraljava, geboren. Sein Vater war Sayid Husen bin Aiwi bin Awal und seine Mutter Raden Ayu Sarif Husen bin Aiwi bin Awal.

Der Name Bustaman verweist auf arabische Ursprünge: „Bustān“ (بستان) bedeutet auf Arabisch „Garten“ oder „Obstgarten“ und ist mit Vorstellungen eines paradiesischen Gartens verbunden. Allerdings lebte Raden Salehs Ururgroßvater Sayid Husen bereits in Zentraljava.

Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs Prinz Raden Saleh am Hofe seines Onkels Raden Adipati Surohadimenggolo (1765–1827) auf. Er war Regent von Semarang. Als einer der bedeutendsten und kultiviertesten Herrscher seiner Zeit, öffnete er auch Raden Saleh das Tor zu Europa.

Das indonesische Fürstenhaus Bustaman umfasste 20 Regenten und sieben Regentenfamilien. Bekannt wurde es durch die Unterstützung, die die Fürsten dem berühmten indonesischen Freiheitshelden Prinz Diponegoro zollten. Salehs Cousin Raden Sukur, Sohn des Bupati von Semarang Adipati Suryamangalla, kämpfte Seite an Seite mit dem Prinzen.

Verfolgungen durch die Kolonialmächte blieben nicht aus. Raden Sukurs Vater sowie sein Bruder wurden im September 1825 von der niederländischen Kolonialmacht verhaftet und deportiert.

In der Schule niederländischer Kolonisatoren in Indonesien mini|Raden Saleh, Porträt des Dompteurs, Menageriebesitzers und späteren Rotterdamer Zoodirektors Pierre Henri Martin 1837, Museum Rotterdam. Im Gegenzug für das Bildnis erhielt Raden Saleh Zugang zu den Tieren mini|Raden Saleh, Ernst II. und Alexandrine von Sachsen-Coburg und Gotha nach der Jagd auf der Terrasse von Schloss Rosenau1844, Schloss Ehrenburg, Coburg mini|Raden Saleh, Jagd, 1846, Sammlung Mesdag, Den Haag mini|Das 1848 erbaute Blaue Häusel von Maxen, in der Nähe von Dresden, das Raden Saleh wesentlich mitgestaltet hat mini|Wachstuchdecke mit weißem Elefanten und Früchtekorb als Glücksbringer (Teil eines vielteiligen kostbaren Reitzeugs), Geschenk von Prinz Raden Saleh an Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, 1857; Friedensteinstiftung: Schlossmuseum Gotha mini| Das nach Entwürfen Raden Saleh 1852 in Cikini, Batavia erbaute Anwesen, umgeben von einem weitläufigen Parkgelände. Vorbild lieferte das zeitgleich gotisierte Schloss Callenberg in Coburg im Besitz Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Aufnahme: Woodbury & Page, Batavia, 1875/85 mini|Raden Saleh, Festnahme des Prinzen Diponegoro, 1857, Rechts vorne, stehend mit gesenktem Kopf ein Selbstporträt Raden Salehs. Seit 1978 als antikolonialistisches Statement anerkannt, befindet es sich in den Sammlungen des Präsidentenpalastes, Gedung Agung, Yogyakarta mini| Raden Saleh, indonesische Waldlandschaft und ihre Bewohner, 1860, Smithsonian American Art Museum, Washington mini|Raden Saleh, Kämpfende Tiger über der Leiche eines Javaners, 1870, Geschenk an Kaiser Franz Joseph, Österreichische Galerie Belvedere, Wien mini|Porträt des Prinzen Raden Saleh, vermutlich in Cikini. Aufnahme: Woodbury & Page, Batavia 1874, Wereldmuseum Amsterdam mini|Raden Ayu, geborene Danoe Dirdjo, seit 1867 Frau Raden Salehs, Woodbury & Page, Batavia 1875/78, Wereldmuseum Amsterdam mini|Inschrift an der Grabstätte Raden Salehs in Bogor, errichtet von der Republik Indonesien am 7. September 1953. Als Geburtsjahr wird hier 1813/14 angegeben. Raden Saleh besuchte eine von niederländischen Kolonisatoren geführte Schule. Der begabte Junge gewann bald die Aufmerksamkeit von Kaspar Georg Karl Reinwardt, dem Gründer des Botanischen Gartens in Bogor. Reinwardt amtierte zugleich als landwirtschaftlicher Direktor und pflegte ein ausgeprägtes naturhistorisches, wie ethnografisches Interesse.

Nach eigenen Aussagen erhielt Raden Saleh durch seine Vermittlung noch in seiner Heimat um 1819 ersten systematischen Zeichenunterricht. Sein anfänglicher Lehrer war Jannes Theodorus Bik (1796–1875). Dieser begleitete als Zeichner die Reinwardt’sche Naturkundliche Kommission für Niederländisch-Indien.

Nachhaltiger war jedoch die Begegnung mit dem belgischen Maler Antoine August Joseph Payen (1792–1853), der mit der dokumentarischen Wiedergabe niederländisch-indischer Landschaften beauftragt worden war. Payen erkannte die zeichnerische Begabung Raden Salehs und förderte dessen Talent frühzeitig.

Beide traten in ein Lehrer-Schüler-Verhältnis ein, das mindestens drei Jahre anhielt (1819–1822) und eine lebenslange Verbundenheit und Zuneigung nach sich zog.

Ausbildung zum Maler in den Niederlanden und erste Erfolge in Europa Nach der hinterhältigen Festnahme des Prinzen Diponegoro durch General de Kock verließ Prinz Raden Saleh 1829 das Land und reiste in die Niederlande. Gefördert von König Wilhelm I. (Niederlande) und auf den Spuren seines ersten Lehrmeisters nahm er bis 1834 Kunstunterricht bei Cornelis Kruseman und Andreas Schelfhout.

Mit diesem Lebensweg war Raden Saleh die erste Persönlichkeit asiatischer Herkunft, die eine europäische Ausbildung erhielt und für sich den Status und das Selbstverständnis eines europäischen Künstlers beanspruchte. Zudem war er der erste Indonesier, der fünf Sprachen fließend beherrschte. Protegiert von elitären Kreisen, nahm seine Karriere einen fulminanten Verlauf: Ab 1834 sind Ausstellungsteilnahmen bezeugt:

Beispielsweise ist dem Sitzungsprotokoll des akademischen Senats der preußischen Akademie der Künste vom 14. September 1839 zu entnehmen, dass Gemälde Raden Salehs auf Empfehlung der preußischen Kronprinzessin Elisabeth Ludovica von Bayern in die bevorstehende Ausstellung der Akademie aufzunehmen sind. Ebenso war der javanische Künstler mit einer Löwenjagd und einem Seesturm am 15. Juli 1840 in einer Ausstellung der königlich sächsischen Akademie der Künste in Dresden vertreten, weitere folgten. Zugleich nahm er Aufträge als unabhängiger Künstler entgegen.

Europäische Bildungsreisen Im Zuge ausgedehnter Bildungsreisen durch Europa mit Aufenthalten in Düsseldorf, Frankfurt, Berlin, Wien und München führte ihn der Weg 1839 nach Dresden und Maxen. Hier verweilte er sechs Jahre, verkehrte in höfischen, wie gehobenen bürgerlichen Kreisen, etwa im Salon von Carl Gustav Carus, und verbrachte nach eigener Aussage die schönste Zeit seines Lebens.

Werner Kraus beschreibt den Persönlichkeitswandel, den der Künstler in der sächsischen Umgebung durchlebte: Er kleidete sich nicht mehr europäisch, sondern in javanischer Tracht. In seiner Selbstinszenierung als exotische Erscheinung entsprach er bestens der europäischen Konstruktion des Orientalischen und auch die Themen seiner Bilder passte er an die Erwartungen seiner Adressaten an. So malte er nicht mehr Seestürme oder Landschaften, sondern widmete sich Tierkämpfen und orientalischen Jagdszenen. Dabei konnte er kaum auf Erfahrungen und Motive seiner Herkunftskultur zurückgreifen. Nach javanischen Vorstellungen ist die gesellschaftliche wie die kosmische Harmonie der anzustrebende Idealzustand. Zu dem Motiven des Tierkampfes fand er vielmehr über die europäischen Bildwelten, etwa von Rubens, aber auch durch seine Bekanntschaft mit dem berühmten Dompteur und späteren Rotterdamer Zoodirektor Henri Martin. Zudem machte sich Raden Saleh als Illustrator der ersten deutschen Tierschutzzeitschrift einen Namen.

Eine engere Freundschaft fasste der vornehme javanische junge Mann zu Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Mit ihm verband ihn bald die Leidenschaft zur Jagd. Der Bruder von Albert, dem Prinzgemahl von Königin Victoria von Großbritannien, vermochte es auch, den Künstler in Kreisen der Hocharistokratie bekannt zu machen und an vielen anderen Höfen Europas einzuführen. Herzog Ernst II., seine Mutter Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg, die Herzogin von Kent und Königin Victoria erwiesen sich als finanzkräftige wie einflussreiche Mäzene und Auftraggeber. Verschiedene seiner Werke sind daher heute im Windsor Castle sowie im Buckingham Palace in London zu finden.

1845 verlegte Raden Saleh für zwei Jahre seinen Lebensmittelpunkt nach Paris, um die französische Sprache zu studieren und die Bildergalerien kennenzulernen. Auch hier faszinierte seine besondere Erscheinung. Auslandskorrespondenten berichteten von seinen Auftritten in gehobenen Gesellschaftskreisen:

1848 ist ein weiterer Aufenthalt Raden Salehs in der näheren Umgebung Dresdens belegt: Die kunstsinnigen Rittergutsbesitzer und Mäzene Friedrich Anton Serre und seine Gemahlin Friederike Serre ließen für Raden Saleh das „Blaue Häusel“ errichten. Der Künstler hatte die Entwürfe dazu geliefert. Es handelt sich dabei um einen, in freier Landschaft stehenden Pavillon, der von einem Halbmond bekrönt wird und den Eintretenden mit einem Leitspruch in deutscher und javanischer Schrift empfängt: Ehre Gott und liebe die Menschen!

Mit Unterstützung der Rittergutsbesitzerin schrieb Raden Salen 1849 auch seine dreihundert Seiten starke und reich illustrierte Autobiographie nieder.

Rückkehr nach Java unter Aufrechterhaltung europäischer Kontakte Nach einem weiteren Aufenthalt in Den Haag, wo ihm König Wilhelm II. den Titel Maler des Königs verlieh, kehrte er schließlich 1851 nach Java zurück, pflegte jedoch seine Kontakte zur europäischen Hocharistokratie weiterhin. So ließ er sich in Batavia nieder und erbaute ab 1852 in Cikini ein größeres, von einem Park umgebenes Anwesen in europäischen Stilformen der Neugotik. Das Vorbild lieferte Schloss Callenberg in Coburg, das sein enger Freund und einstiger Gastgeber Ernst II. Sachsen-Coburg und Gotha in denselben Jahren ebenfalls nach (neu)gotischem Stilkanon umbauen ließ. Ihm dankte er 1857 mit der Übersendung eines großzügigen Geschenkes, das verschiedene preziöse Objekte aus ostasiatischem Kulturkreis enthielt, etwa ein mehrteiliges chinesisches Reitzeug oder ein japanisches Bildnis-Relief mit Mandarinenten wie einen Stellschirm mit aufwändigen Perlmutter-Einlagen, die beiden letzteren Objekte vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Sie stellten damit schon zur Schenkungszeit eine erlesene Antiquität dar.

Die Anerkennung, die Raden Saleh in den europäischen Ländern erfahren hatte und auch nach seiner Abreise erfuhr, wurde ihm zunächst in Indonesien nicht in gleicher Weise entgegengebracht. Der Argwohn über Verbindungen mit der Kultur der Kolonisatoren belastete.