Die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage mit dem Abzweig nach Tanne war eine 1899 eröffnete Schmalspurbahn in Meterspur im Harz. 1963 wurde der letzte Streckenteil stillgelegt. Betriebsführend war stets die Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft (SHE).
Die als Südharz-Eisenbahn oder auch Südharzbahn bekannte Strecke führte von Walkenried am südlichen Harzrand durch das Wiedatal über Brunnenbachsmühle nach Braunlage im Oberharz. Hier schloss sich eine nur dem Güterverkehr dienende Fortsetzung zum Fuße des Wurmbergs an. In Brunnenbachsmühle begann die Zweigstrecke über Sorge nach Tanne, die Verbindungen zur Harzquerbahn bzw. Harzbahn herstellte. Diese Strecke war nach 1945 von der innerdeutschen Grenze durchschnitten und der Verkehr unterbrochen.
Geschichte Vorgeschichte und Bau Interesse an einem Eisenbahnanschluss im Südharz hatten die betroffenen Gemeinden schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Vielfältige Varianten wurden vorgeschlagen, aber immer aus Kostengründen wieder verworfen (unter anderem eine Verlängerung der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn über Zorge nach Walkenried). Ein Eisenbahnbaukomitee gründete sich 1894, das schließlich die Konzession für eine Strecke Walkenried–Braunlage mit einem Abzweig nach Tanne erhielt. 1896 begannen die Vermessungsarbeiten, in deren Folge die Streckenführung noch einmal überarbeitet wurde. Die ursprünglich notwendige Zahnradbahn konnte durch eine Verlängerung der Strecke entfallen. Die AG Südharz-Bahngesellschaft wurde am 28. April 1897 eingetragen und daraufhin begannen die eigentlichen Bauarbeiten, mit denen Louis Degen beauftragt wurde. Nach dessen plötzlichem Tod übernahm die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein die Aktienmehrheit der AG Südharz-Bahngesellschaft und führte den Bahnbau fort.
Ursprünglich war die Inbetriebnahme der Schmalspurbahn schon für den Sommer 1899 geplant, allerdings zogen sich die Arbeiten bis in den Herbst desselben Jahres hin. So konnte erst am 15. August die Strecke Walkenried–Braunlage und am 24. Augusthttps://www.bahntrassenradeln.de/details/st2_01.htm die Stichbahn nach Tanne eröffnet werden. Das ausschließlich für den Güterverkehr genutzte Teilstück Braunlage–Wurmberg wurde schließlich am 1. November 1899 eröffnet.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1913 wurde in Sorge ein Anschlussgleis zur Harzquerbahn gebaut, um Kurs- und Güterwagen austauschen zu können, so verkehrte beispielsweise ab 1928 ein Kurswagen von Braunlage bis zum Gipfel des Brockens. Den Ersten Weltkrieg überstand die Bahngesellschaft unbeschadet, allerdings musste man eine Dampflokomotive und 14 offene Güterwagen an die Heeresfeldbahnen abgeben.
Umfangreiche Erweiterungen der Bahnanlagen und des Fuhrparks wurden 1925 vorgenommen, auch wurde im Oktober 1925 der Streckenabschnitt Tanne–Sorge durch Hochwasser der parallel verlaufenden Warmen Bode schwer beschädigt, die Schäden konnten aber schnell behoben werden.
Von Kriegsauswirkungen des Zweiten Weltkriegs blieb die Bahngesellschaft weitestgehend verschont, lediglich bei Sorge wurden einige Eisenbahnbrücken gesprengt. Durch die Grenzziehung war allerdings das Teilstück Brunnenbachsmühle–Tanne unterbrochen worden und an eine Wiederaufnahme des Betriebs nicht zu denken.
Entwicklung nach 1945 mini|links|Der Raum Braunschweig-Harz mit Vorkriegsgrenzen und der späteren Zonengrenze Bei der Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen 1945 wurde der Landkreis Blankenburg zwar nach dem Londoner Protokoll von 1944 zunächst der Britischen Besatzungszone zugeordnet, da der größere Ostteil des Kreises aber nur durch eine Straße (die heutige B 242) und die Zweigstrecke Brunnenbachsmühle–Tanne mit dem Rest der Britischen Zone verbunden war, wurde im Juli 1945 die Grenzziehung korrigiert und der Kreis an seiner schmalsten Stelle westlich von Sorge geteilt: Der größere Ostteil des Kreises mit der Kreisstadt Blankenburg wurde der Sowjetischen Besatzungszone zugeordnet, später in der DDR in den Kreis Wernigerode integriert und gehört seit 1990 zum wiederhergestellten Land Sachsen-Anhalt.
Auf dem in der britischen Besatzungszone liegenden Strecken Walkenried–Braunlage und Braunlage–Wurmberg konnte die SHE 1945 den Betrieb fortführen. Nach dem Krieg erhielt der Personenverkehr noch einmal einen starken Zuwachs, der Güterverkehr hingegen konnte die Vorkriegswerte nicht mehr erreichen. Bereits 1958 wurde der Güterverkehr auf dem Abschnitt Braunlage–Wurmberg eingestellt. Ende der 1950er Jahre nahm durch die fortschreitende Motorisierung der Individualverkehr stark zu und so wurde am 28. September 1962 der Personenverkehr eingestellt. Der Güterverkehr wurde noch bis zum 3. August 1963 aufrechterhalten, nach der Gesamtstilllegung wurde die Strecke relativ schnell abgebaut.
Das Reststück (Brunnenbachsmühle–)Sorge–Tanne, welches in der sowjetischen Besatzungszone lag, wurde am 15. April 1946 der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE) zur Betriebsführung übergeben. 1949 kam das Eigentum und die Betriebsführung in die Hände der Deutschen Reichsbahn. Der Abschnitt Sorge–Tanne wurde noch bis 1954 im Güterverkehr betrieben, das Anschlussgleis zur Tanner Hütte bis 1958 bedient.
Bedeutung der Strecke für die Region Die Bahnstrecke war nie sonderlich lukrativ. Die Bergstrecke und der oft harte Winter im Harz machten den Betrieb aufwändig. Dennoch hat sie in die strukturschwache Region eine Fülle neuer wirtschaftlicher Impulse gebracht. Sie sicherte das Überleben der Wiedaer Hütte, des Hauptarbeitgebers des Ortes. Ohne Bahnanschluss hätten die Zufuhr der Rohmaterialien sowie die Abfuhr der fertigen Öfen keine Zukunft gehabt. In Braunlage war nach Schließung des Hüttenwerkes vor langer Zeit und des Blaufarbenwerks kaum noch nennenswerte Industrie ansässig.
Die Röhrigsche Glashütte schloss trotz Bahnanschluss 1905 ihre Tore. Doch zwei Sägewerke und einige andere kleinere Betriebe begannen zu florieren. Auch der Steinbruch am Wurmberg-Südhang, der zur Hebung der Rentabilität angelegt wurde und vielen Braunlagern Arbeit gab, profitierte von der Bahn. Nicht zuletzt konnte Braunlage durch die Bahnanbindung im aufblühenden Fremdenverkehr mit den umliegenden Orten Schierke und Sankt Andreasberg konkurrieren. Diese Nachbarorte verfügten durch die Brockenbahn bzw. die St. Andreasberger Kleinbahn/Odertalbahn je über einen Bahnanschluss.
Streckenbeschreibung Walkenried–Brunnenbachsmühle–Braunlage mini|Vereinfachtes Höhenprofil der Strecken mini|Auf einem Teilstück innerhalb der Ortslage Wieda verlief die Strecke entlang des „Bohlweges“ auf der im Bild links des Flusses ersichtlichen Stützmauer Direkt nördlich der Bahnanlagen der Südharzstrecke Northeim–Nordhausen in Walkenried befanden sich die Gleisanlagen des Schmalspurbahnhofs. Über eine kleine Rampe führte das Gleis die nördlich angrenzende Böschung hinauf, und zog in einem Bogen an den Walkenrieder Klosterteichen, dem Affenteich und dem Eckteich vorbei. Am Waldrand entlang wurde die Straße nach Bad Sachsa überquert und bald darauf – direkt nach Überquerung des Flüsschens Wieda– die Station „Zündholzfabrik“ (ab 1935 „Wieda Süd“) erreicht. Hier zweigte ein im Bogen über die Landstraße führendes Anschlussgleis zur nahegelegenen Zündholzfabrik bzw. später Papierfabrik ab. An der Landstraße entlang zog sich die Trasse in Richtung Ortsmitte. Die Wieda wurde abermals überquert. Die Bahnstrecke wechselte an den westlichen Talhang und mündete nördlich des Sportplatzes in den Haltepunkt Wieda. Oberhalb der Station wurde der „Knicking“ passiert, eine Engstelle im Tal, an der es in den ersten Betriebsjahren häufig zu Erdrutschen gekommen war, die den Bahnverkehr behinderten.
Direkt am westlichen Flussufer folgte die Bahn der Wieda – entlang der Dorfstraße „Bohlweg“ – durch die Ortsmitte, wechselte dann wieder direkt an den westlichen Talhang. Direkt südlich des Geländes der Wiedaer Hütte befand sich der gleichnamige Bahnhof. Hier waren Anschlussgleise vorhanden, die dem Ladeverkehr des Ofenbaubetriebes dienten.
Etwas weiter nördlich zweigte ein Anschlussgleis von der Hauptstrecke ab, das zu den auf der anderen Talseite gelegenen Gebäuden der Hütte (Materiallager) führte. Es überquerte auf einer Eisenträgerbrücke die Wieda und danach auch die Landstraße nach Braunlage, die mitten durch den Betrieb hindurchführte. Am Forsthaus und der Zufahrt zum 720 Meter hohen Gipfel des Stöberhai verließ die Bahntrasse den Ort.
Am Hang stieg sie weiter an, um schließlich in das Weinglastal westlich abzuschwenken. An dessen Südhang wurden weitere Höhenmeter gewonnen. In einer Kehre, die durch mehrere tiefe Felseinschnitte führte, wechselte die Strecke auf den nördlichen Talhang und erreichte direkt nach der dem Kurvenausgang die Haltestelle Stöberhai.
Die Bahnstrecke folgte dem Talhang nun in entgegengesetzter Richtung und erreichte wieder das Wiedatal. An dessen Westhang führte sie weiter nach Norden bergan. Abermals wurde dann mittels einer engen Kehre das Tal gequert und die Landstraße Wieda–Braunlage gekreuzt. Die Kehre verlief teilweise auf einem Damm, welcher gleichzeitig einen Teich aufstaute. Vor dem bergseitigen Ende der Kehre wurde ein rund 15 Meter tiefer Einschnitt am „Ebersberg“ durchquert.
Am Osthang des Tales verlief die Trasse nun wieder in Richtung Wieda zurück, um dann wiederum mit einer Kehre nach Norden um einen Bergrücken herumzuführen.
Es folgten die Haltestelle Kaiserweg und eine erneute Querung der Landstraße Wieda–Braunlage. Kurz darauf war beim Kilometer 16,5 mit 607,5 m der Scheitelpunkt der Strecke erreicht. An dieser Stelle wurde die Wasserscheide zwischen Elbe und Weser überquert. Bergab folgte die Bahntrasse dem Tal des Schächerbachs bis zur Kehre im Einschnitt vor der Station Brunnenbachsmühle. Hier trafen die Gleise aus Walkenried auf die der Strecke nach Tanne. Ein kurzes Stück verliefen beide Gleise parallel bis in den Bahnhof Brunnenbachsmühle. Die einsam im Wald gelegene Station diente als Umsteigebahnhof. Nach Verlassen des Bahnhofs wurde das Tal des Brunnenbachs auf einem Damm gequert. Mittels einer in die Dammsohle eingelassenen Steinbogenbrücke wurde der Wasserlauf überbrückt. Abermals querte die Trasse die Landstraße Wieda–Braunlage, kurz darauf auch die Reichsstraße/Bundesstraße 4 und /242 Braunlage–Hohegeiß, um dann am „Brandhai“ den Wald zu verlassen und über Wiesen hinab den Bahnhof Braunlage zu erreichen.
Braunlage–Wurmberg mini|Bahnhof Braunlage 1899 Die nur für den Güterverkehr genutzte Bahntrasse führte in gleicher Richtung aus den Bahnhofsanlagen heraus wie die Strecke in Richtung Brunnenbachsmühle und weiter nach Walkenried bzw. Tanne. Es folgte unmittelbar eine enge 180-Grad-Kehre, auf dem die Strecke in einigem Gefälle hinab in das Bodetal schwenkte. Am Ende dieser Kehre zweigte der Industrieanschluss des Sägewerks Buchholz ab. Die Bahn schwenkte nordwärts und folgte der Warmen Bode bis zur Wiethfelder Straße. Hier, direkt unterhalb der Steinklippe, zweigte einige Jahre lang das kurze Anschlussgleis zum Sägewerk Herzberg ab.
Während das Anschlussgleis in gerader Linie auf das Firmengelände führte und alsbald endete, schwenkte die Bahn ostwärts, folgte weiter dem Fluss und überquerte diesen schließlich auf einer Stahlträgerbrücke. Nachdem die Uferseite gewechselt worden war, führte die Bahn – teils auf hohen Stützmauern – dem Fluss weiter folgend am Schulgelände entlang und überquerte die Elbingeröder Straße (B 27 nach Elend). Dort, wo heute der Großparkplatz liegt, hatte das Sägewerk Fuchs Anschluss an die Wurmbergstrecke mit einem parallel zur Strecke angelegten Lagegleis.