120px|rechts Die Schweizer Postgeschichte lässt sich dank zahlreichen erhaltenen Briefen bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Bekannt geworden ist das Land unter Philatelisten vor allem dadurch, dass es mit der Zürich 4 und Zürich 6 das erste briefmarkenausgebende Land der Welt nach Grossbritannien war. Diese Zeit der Kantonsmarken ist ein äusserst beliebtes Sammelgebiet. Heute findet sich auf Schweizer Briefmarken die Inschrift «Helvetia», um keine Sprache der Schweiz zu bevorzugen. Seit dem Jahr 1964 gibt es ein Postleitzahlen-System.

Schweizer Postgeschichte vor dem Bundesstaat Erste Verzeichnisse auf Schweizer Briefen mini|Bundesbrief von 1291

Wie in den meisten mitteleuropäischen Staaten finden sich die ersten Postdienste in der Schweiz bereits im Mittelalter. Meist stellten diese kein geregeltes Postsystem dar, sondern es handelte sich eher um verschiedene Formen privater Botendienste. Erste Hinweise auf ein «geordnetes» Schweizer Postsystem finden sich Mitte des 17. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit tauchen erste postalische Verzeichnisse auf Briefen der Alten Eidgenossenschaft auf. Schon wenige Jahrzehnte später werden die ersten Poststempel in der Schweiz verwendet. Dies ist ein Hinweis auf die vermehrte Existenz von Postämtern zu der damaligen Zeit. Der erste Schweizer Poststempel stammt aus dem Jahre 1689 und wurde in Genf verwendet. Dieser Handstempel zeigte die Worte DE GENEVE («aus Genf») und wurde auf Briefen aus Genf nach Frankreich aufgebracht.

Diesem Vorbild folgten mehrere französischsprachige Orte der Schweiz nach. Währenddessen gab es in den restlichen Gebieten weiterhin nur handschriftliche Kennzeichnungen. In den folgenden Jahrzehnten wurden vermehrt gewöhnliche Ortsstempel in der Schweiz eingeführt. In den 1780er Jahren finden sich die ersten in Aarau, Basel, St. Gallen, Lausanne, Vevey, Bern, Freiburg im Üechtland und Saint-Blaise. Die postalischen Verbindungen zwischen den einzelnen Schweizer Orten und das Postsystem erfuhren stetige Verbesserungen.

mini|hochkant|Unter Napoléon fiel das Postsystem in französische Hände Übernahme des Postsystems durch Frankreich Der Ausbau des Schweizer Postsystems wurde durch den Einmarsch französischer Truppen am 5. Mai 1798 unterbrochen. In der neu errichteten Helvetischen Republik wurde es von Frankreich übernommen und verwaltet. Die Einschränkungen der Souveränität der einzelnen Kantone in dieser Zeit zeigten sich förderlich für den Ausbau eines einheitlichen Postwesens. Die Postämter der grösseren Städte wurden mit Ovalstempel mit Insignien der neu errichteten Republik versorgt, die Poststempel und Tarife vereinheitlicht.

Zur Zeit der französischen Besatzung fand die gut organisierte französische Feldpost in der Schweiz Verwendung. Zahlreiche Handstempel auf französischen Feldpostbriefen, wie beispielsweise der Rheinarmee mit Sitz in Basel, zeugen hiervon. Nach dem Zerfall der Helvetischen Republik 1803 wurde die Eigenständigkeit der Kantone durch eine neue Verfassung wieder gestärkt.

Es fielen mehrere französischsprachige Kantone an Frankreich, die nun vollends in das gut entwickelte französische Postsystem integriert wurden. In Frankreich erhielten sie Namen und Ordnungsnummer: Mont Blanc (84), Mont-Terrible (87), Léman (99) und Simplon (127); Mont-Terrible wurde 1800 aufgelöst und Haut-Rhin (66) angegliedert. Mit dem Sturz Napoleons und dem Wiener Kongress 1815 wurde während der Restauration die alte Ordnung wiederhergestellt.

Kantonalpost Erste Schweizer Briefmarke mini|Zürich 4 und Zürich 6

Die grosse Eigenständigkeit führte in der Folgezeit zu einer weitgehend unabhängigen Entwicklung des Postwesens der Schweizer Kantone. Die bereits aufgebauten Beziehungen und Verbindungen blieben zwar bestehen, jedoch wurde kein zentral gesteuertes Postwesen eingerichtet. Eine ähnliche Entwicklung war zur selben Zeit auch im Deutschen Bund zu beobachten. Bei der Entwicklung eines eigenen Postsystems sind vor allem die drei Kantone Zürich, Genf und Basel hervorzuheben, da diese als einzige Postwertzeichen zur Vereinfachung des Postsystems herausgaben.

Die ersten Schweizer Briefmarken dieser Art wurden im Kanton Zürich herausgegeben. Der Zürcher Regierungsrat hatte eine «Vereinfachung der Posttaxen für Briefe des Kantons Zürich» genehmigt. Mit zwei verschiedenen Wertstufen zu 4 und 6 Rappen sollten die Tarife für den Postverkehr innerhalb des Kantons abgedeckt werden. Innerhalb der Stadt Zürich galt der Stadtposttarif von 4 Rappen, innerhalb des Kantons mussten 6 Rappen für die Beförderung eines Briefes aufgebracht werden. Einschreiben mussten mit einer zusätzlichen Marke zu 4 und 6 Rappen frankiert werden. Diese beiden Freimarken, die von Sammlern auf Grund ihrer dominierenden Ziffernzeichnungen auch Zürich 4 und Zürich 6 genannt werden, konnten ab dem 1. März 1843 verwendet werden. Diese ungezähnten Briefmarken besassen noch keine Gummierung.

Genfer Übernahme der Idee mini|«Doppelgenf»

Dem Kanton Zürich folgte bald der französischsprachige Kanton Genf nach. Das Genfer Finanz-Departement beschloss am 13. Juni 1843, die zuständigen Behörden mit der Ausarbeitung von Entwürfen betreffend Postwertzeichen nach Vorbild Grossbritanniens und Zürichs zu beauftragen. Am 26. September 1843 wurden die Posttarife festgelegt, die innerhalb einer Gemeinde 5 Centimes und innerhalb des Kantons bis zu einem Gewicht von einer Unze 10 Centimes betrugen. Hierfür wurde die sogenannte «Doppelgenf» von der Genfer Post am 30. September herausgegeben, die als ganzes 10 Centimes wert war und in halbierter Form als 5 Centimes-Marke für den Ortsverkehr gebraucht werden konnte. Die Briefmarke war dementsprechend gestaltet.

Diese Briefmarkenausgabe wurde von den Genfern zunächst nur sehr zögerlich angenommen, zumal eine Verwendung von Briefmarken nicht verbindlich war. Das System mit den halbierten Marken für die Ortspost wirkte zunächst etwas befremdlich. Um nicht auf Restbeständen sitzen zu bleiben, entschloss sich deshalb die Genfer Postverwaltung, ab dem 1. März 1844 eine halbe Doppelgenf mit einem Postwert von 5 Centimes zum Preis von 4 Centimes zu verkaufen. So konnte man durch die Verwendung von Briefmarken bei Lokalbriefen 1, bei Kantonsbriefen 2 Centimes sparen.

Neue Ausgaben Trotzdem entschied sich die Genfer Post, nachdem alle «Doppelgenf»-Briefmarken aufgebraucht waren, eine neue, gewöhnliche Briefmarkenserie herauszugeben. Ausserdem entschied man sich, ab sofort alle Briefe bis zu einem Gewicht von einer Unze innerhalb des Kantones zum Preis von 5 Centimes zu transportieren. Der Unterschied zwischen Lokal- und Kantonsporto fiel also weg. Schwerere Briefe mit einem Gewicht bis drei Unzen wurden für 10 Centimes innerhalb des Kantons transportiert. Diese Neuheiten machten zusätzlich eine neue Briefmarkenausgabe erforderlich, da auf der «Doppelgenf» noch in der Inschrift von Lokalporto und Kantonporto die Rede war.

Die erste neue Briefmarke zum Einheitsporto von 5 Centimes erschien am 1. April 1845. Sie war sehr ähnlich wie eine halbierte Doppelgenf gestaltet. Sie war insgesamt grösser als ihre Vorgängerin und hatte eine an das neue Tarifsystem angepasste Inschrift. Der verbilligte Verkaufspreis von 4 Centimes wurde weiterhin beibehalten. In den Folgejahren wurde die Adlerzeichnung etwas vergrössert und die Papierfarbe verändert. Der Philatelist kennt diese drei Varianten unter den Namen «Kleiner Adler», «Heller Grosser Adler» und «Dunkler Grosser Adler». Des Weiteren gab Genf auch eigene Briefumschläge mit Wertzeicheneindruck heraus, die auch ausgeschnitten auf gewöhnlichen Briefen vorkommen.

«Basler Dybli» mini|Basler Taube

Als dritter und letzter Kanton gab Basel schliesslich am 1. Juli 1845 ebenfalls eine eigene Briefmarke heraus. Diese war für die Stadtpost gedacht und hatte einen Nennwert von 2½ Rappen. Vor allem die Gestaltung dieser Briefmarke erregte damals grosses Aufsehen. Mit einer Brieftaube wurde ein Motiv gewählt, das nicht den üblichen Abbildungen von Ziffern, Wappen oder Herrschern entsprach. Ausserdem war die von dem Architekten Melchior Berri gestaltete «Basler Taube», die weltweit erste mehrfarbige Briefmarke. In der Schweiz ist die «Basler Taube» besser unter dem Namen Basler Dybli («Basler Täubchen») bekannt.

Schweizerische Post Lokalpost im Postkreis I und Postkreis VIII Am 1. Januar 1849 wurde die Schweizerische Post gegründet. Sie übernahm die zentrale Verwaltung von Personentransporten sowie die Überbringung von Postsachen und Geldsendungen. Die Vereinheitlichung ging sehr langsam vonstatten, und die drei Kantone mit Kantonalmarken verwendeten diese bis zum 30. September 1854. Im Postkreis I wurden eigene Übergangsmarken ausgegeben. Hierzu gehörten der Kanton Genf und der waadtländische Kreis Nyon. Nach letzterem sind die erste Briefmarkenausgaben des Postkreises, die Waadt, benannt.

Die erste Briefmarke der Waadt zu 4 Centimes wurde am 22. Oktober 1849 herausgeben; sie zeigt das Schweizerkreuz in einem Posthorn. Die geschnittene Marke im Querformat wurde bald von der «Waadt» zu 5 Centimes abgelöst. Diese wurde durch Veränderung der Druckplatte der 4 Centimes hergestellt und ab 22. Januar 1850 verwendet. Da die Druckplatte aus 100 Marken bestand, konnte es hundert verschiedene Varianten geben, wie die Wertangabe aussehen kann. Aufgrund der kurzen Verwendungszeit der «Waadt» zu 4 Centimes sind nur wenige Stücke hergestellt worden und erhalten geblieben. Wenige wurden als 5 Centimes nach dem 22. Januar aufgebraucht.

Die Folgemarke ist unter dem Namen «Neuenburg» bekannt geworden, obwohl eine Verwendung nicht auf diesen Kanton beschränkt war. Diese Briefmarke zeigt wiederum das Schweizerwappen, jedoch im Hochformat. Diese Marke zu 5 Centimes war die letzte Übergangsmarke des Postkreises I. Es gab eine ähnliche Ausgabe auch im Postkreis VIII. Diesem gehörte der Kanton Genf an und auch die Schweizer Stadt Winterthur, nach der auch die einzige Übergangsmarke dieses Postkreises benannt ist, die «Winterthur». Sie zeigt, wie auch die «Waadt» 4 und 5, ein Schweizerkreuz im Posthorn im Querformat.

Ersten allgemeine Ausgaben für die Schweiz mini|Ortspostmarke zu Rappen

Im Mai 1850 wurden die ersten Freimarken von der neu gegründeten Schweizerischen Bundespost herausgegeben. Gemeinsam mit den 1851 und 1852 erschienen nachfolgenden Briefmarken bilden sie die Serie Ortspost- und Rayonmarken. Neben diesen neuen Ausgaben behielten die älteren Kantonsmarken sowie die Ausgaben der Übergangszeit ihre Gültigkeit. Die Ortspost- und Rayonmarken sollten durch ihre namensgebenden Inschriften dazu beitragen, das neue Portosystem der Schweiz kundenfreundlicher zu gestalten. Neben dem Motiv, einem Schweizerkreuz mit Posthorn, fanden sich die Inschriften Orts-Post beziehungsweise Poste Local, Rayon I, Rayon II oder Rayon III auf den Marken. Die neue Briefmarkenausgabe zeigt in der Gestaltung durchaus eine Ähnlichkeit mit der Neuenburg.

Diese Inschriften über dem Posthorn gaben den Umkreis an, innerhalb dessen ein Brief mit einem Gewicht bis zu einem halben Lot transportiert werden konnte. Ausschlaggebend waren hier nicht nur die Entfernung, sondern auch die Wegstunden des Postboten. Für die Postgebührenzone Rayon IV verzichtete man auf eine eigene Ausgabe von Briefmarken. Diese wurden ausserdem bereits 1862 aufgelöst und ab sofort als Rayon II behandelt. Für jedes weitere halbe Lot mussten zusätzliche 5 Rappen aufgeklebt werden. Die folgende Tabelle zeigt, innerhalb welcher Postgebührenzone die einzelnen Marken Gültigkeit hatten.

PostgebührenzoneGebührWegstundenKilometerOrtspost (Poste Locale)2½ Rappeninnerhalb der Gemeindeinnerhalb der GemeindeRayon I5 Rappenbis 2 Wegstundenbis 9,6 kmRayon II10 Rappenbis 10 Wegstundenbis 50 kmRayon III15 Rappenbis 40 Wegstundenbis 200 kmRayon IV20 Rappenab 40 Wegstundenab 200 km

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