Die See- und Luftangriffe auf Barcelona fanden regelmäßig zwischen dem 13. Februar 1937 und dem 25. Januar 1939 während des Spanischen Bürgerkrieges statt. Sie wurden hauptsächlich von der Marine und Luftwaffe (Aviazione Legionaria) des faschistischen Italiens im Rahmen von dessen Militärintervention in Spanien durchgeführt.

Nach einem ersten vom Meer aus geführten Angriff der italienischen Marine, begannen die italienischen Luftangriffe ab März 1937 überwiegend von der Insel Mallorca aus, seltener auch aus Italien, und wurden teilweise durch die Legion Condor des nationalsozialistischen Deutschlands unterstützt. Bis zur Einnahme der Stadt durch die Truppen General Francos wurden bei über 240 Luftangriffen insgesamt mehr als 6000 Gebäude teilweise oder völlig zerstört. Die Gesamtzahl im Zuge der Bombardierungen getöteten Menschen beläuft sich auf über 4000 Tote.

Die brutalste Luftoperation mit der größten internationalen Resonanz stellten die dreitägigen Luftangriffe auf Barcelona im März 1938 dar, die – von Benito Mussolini persönlich angeordnet – rund 1000 Todesopfer forderten. Die neuere Forschung betrachtet die See- und Luftangriffe als Teil einer gezielten Kampagne von Terrorbombardierungen des faschistischen Italien gegen die Zivilbevölkerung der Spanischen Republik und als Kriegsverbrechen.

Hintergrund Barcelona war seit Herbst 1937 die de facto Hauptstadt der Zweiten Spanischen Republik. Mit 1.065.000 Einwohnern und über 250.000 Flüchtlingen, beherbergte Barcelona nun als politisches Zentrum der Republik nicht nur die katalanische Regierung, sondern auch die baskische und die gesamtrepublikanische Regierung. Darüber hinaus galt die Stadt auch als zentraler wirtschaftlicher und militärischer Standort des republikanischen Spanien.Joan Mariah Thomàs (Hg.): Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 43.

Der Seeangriff mini|hochkant|Wappen der italienischen Marine

Die italienische Marine begann die Angriffe gegen Barcelona am 13. Februar 1937, als sie von ihrem Schiff Eugenio di Savoia aus 70 Granaten auf den Hafen und das Stadtzentrum abfeuerte. Dies führte Berichten zufolge zu „Nervosität und Chaos“ innerhalb der Stadtbevölkerung.Javier Rodrigo: Fascist Civil Warfare: Mussolini’s Wars in Spain and Italy. In: Miguel Alonso, Alan Kramer, Javier Rodrigo (Hg.): Fascist Warfare, 1922–1945: Aggression, Occupation, Annihilation. o. O. 2019, S. 97–118, hier S. 104.

Die Luftangriffe Das Jahr 1937 Nachdem die Stadt im Februar 1937 vom Meer aus durch die italienische Marine beschossen worden war, wurde Barcelona ab März auch regelmäßig von der auf Mallorca stationierten italienischen Luftwaffe angegriffen. Die schlimmsten Angriffe des Jahres 1937 fanden dabei am 29. Mai und am 1. Oktober statt,Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939. 2. Auflage, München 2016 , S. 418. wobei der Oktoberangriff insbesondere das Stadtviertel von La Barceloneta traf. Laut einem Bericht der in Spanien kämpfenden italienischen CTV-Armee wurde das Hauptziel des Angriffs, eine Waffenfabrik, nur von einer einzigen Bombe getroffen, während die übrigen 12 bis 13 Bomben in einem Umkreis von 400 bis 500 Meter Abstand niedergingen. Eine davon traf eine Schule und war für einen wesentlichen Teil der insgesamt 112 Toten und 201 Verletzten verantwortlich.Javier Rodrigo: Fascist Civil Warfare: Mussolini’s Wars in Spain and Italy. In: Miguel Alonso, Alan Kramer, Javier Rodrigo (Hg.): Fascist Warfare, 1922–1945: Aggression, Occupation, Annihilation. o. O. 2019, S. 97–118, hier S. 104.

Januar 1938: Beginn der Terrorkampagne Ab 1938 begann die italienische Luftwaffe mit noch konzentrierteren AngriffenAntony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939. 2. Auflage, München 2016 , S. 418. und einer gezielten Terrorkampagne gegen die Stadt.Javier Rodrigo: Fascist Italy in the Spanish Civil War, 1936–1939. Abington/New York 2021 , S. 178. Die erste Bombardierung in diesem Zusammenhang wurde auf direkten Befehl von Benito Mussolini gleich am Neujahrstag von General Giuseppe Valle (1886–1975), dem Stabschef von Italiens Luftwaffe, durchgeführt. Laut Valle zielte dieser Lufteinsatz einerseits darauf ab zu demonstrieren, dass italienische Flugzeuge Bombenmaterial von einer Tonne Gewicht über tausende von Kilometer transportieren konnten. Andererseits sollte der Terror aus der Luft „den Roten in Barcelona einen Neujahrsgruß schicken“. Der General warf die 850 Kilogramm schwere Bombenladung von seinem SM.79 Flugzeug aus einer Höhe von 3000 bis 5000 Metern über der Stadt ab.Javier Rodrigo: A fascist warfare? Italian fascism and war experience in the Spanish civil war. In: War in history, Band 26, Nr. 1, 2019, S. 86–104, hier S. 100. In einem anschließenden Report bedankte sich Valle bei Mussolini für die „große Ehre“, nach 19 Jahren wieder für eine Bombardierungsmission ausgewählt worden zu sein. Er empfinde „legitimen Stolz“ für die erfolgreiche Ausführung der Mission und verbleibe weiterhin „in der Hand des italienischen faschistischen Schicksals“.Javier Rodrigo: A fascist warfare? Italian fascism and war experience in the Spanish civil war. In: War in history, Band 26, Nr. 1, 2019, S. 86–104, hier S. 100 f.

Insgesamt bombardierte die italienische Luftwaffe im Januar an acht Tagen den Hafen, dessen Umgebung sowie das Stadtzentrum Barcelonas, worunter besonders die Zivilbevölkerung zu leiden hatte.Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939. 2. Auflage, München 2016 , S. 418; Javier Rodrigo: A fascist warfare? Italian fascism and war experience in the Spanish civil war. In: War in history, Band 26, Nr. 1, 2019, S. 86–104, hier S. 100. Besonders brutal waren die Luftangriffe vom 15., 19., 25. und vor allem vom 30. Januar 1938, mit dem die Terrorkampagne der Legionären Luftwaffe Italiens gegen Barcelona ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. An diesem Tag warfen italienische Flugzeuge insgesamt neuen Tonnen an Bombenmaterial ab, wobei sie auch eine Schule und einen Luftschutzbunker beim Plaça de Sant Felip Neri trafen, weshalb zahlreiche Kinder unter den 459 Todesopfern waren.Javier Rodrigo: A fascist warfare? Italian fascism and war experience in the Spanish civil war. In: War in history, Band 26, Nr. 1, 2019, S. 86–104, hier S. 100; Joan Mariah Thomàs (Hg.): Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 47.

Die schweren italienischen Luftangriffe im Januar führten zu Vergeltungsaktionen der republikanisch-spanischen Luftwaffe gegen Städte, die unter der Kontrolle von Francos Nationalisten standen und mehrere Dutzend Todesopfer forderten. Im Februar 1938 unterbrach Mussolini die Bombardierungen Barcelonas, weil er über die nicht ausreichend bedeutende Rolle verärgert war, die Franco den italienischen CTV-Truppen bei der Schlacht von Teruel zugewiesen hat. Nachdem jedoch der Vormarsch der nationalistisch-spanischen Armee zum Mittelmeer fortgesetzt wurde, ließ Mussolini ohne Absprache mit Franco die Bombardierungen in einer wesentlich verschärfteren Form wieder aufnahmen.Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939. 2. Auflage, München 2016 , S. 418 f.

März 1938: Die schwersten Luftangriffe mini|Benito Mussolini (Mitte) in Rom (1938)

Mit den sich über drei Tage ziehenden Luftangriffen vom März 1938 erreichten die Terrorbombardierungen der italienischen Luftwaffe auf Barcelona ihren Höhepunkt. Am Mittwoch, dem 16. März 1938, erteilte Mussolini an die in Spanien operierende italienische Luftwaffe den direkten Befehl, mit Abendbeginn eine „Gewaltaktion auf Barcelona“ einzuleiten.Javier Rodrigo: A fascist warfare? Italian fascism and war experience in the Spanish civil war. In: War in history, Band 26, Nr. 1, 2019, S. 86–104, hier S. 101. Dabei handelte es sich um eine neue Methode der Bombardierung: wiederholte Angriffswellen in Drei-Stunden-Interwallen, die die Luftschutzsirenen überflüssig machen würden, da nicht mehr klar wäre, ob die Sirenen den Beginn oder das Ende eines Angriffs ankündigen.Paul Preston: The Spanish Civil War. Reaction, Revolution and Revenge. Aktualisierte Ausgabe zum 80. Jahrestag, London 2016, ISBN 978-0-00-723207-9, S. 284; John F. Coverdale: Italian Intervention in the Spanish Civil War. Princeton/London 1975, S. 347. Das entsprechende Telegramm übermittelte der italienische Luftwaffenchef General Valle noch am Morgen an General Velardi, den Oberkommandierenden der Aviazione Legionaria auf den Balearen. In den folgenden drei Tagen wurden insgesamt 12 Luftangriffe auf Barcelona durchgeführt. Von den in Summe 51 Kampfflugzeugen, die sich an der Operation beteiligten, waren 32 Flugzeuge des Typs SM.79 und 19 Maschinen vom Typ SM.81. Die Luftangriffe begannen am 16. März um 22:08 Uhr und dauerten bis zum Freitag, dem 18. März um 15:00 Uhr, wobei jede einzelne Angriff etwa zwei Minuten dauerte.Joan Mariah Thomàs (Hg.): Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 51 u. 53.

+ Unmittelbare Befehlshaber der MärzangriffeJoan Mariah Thomàs (Hg.): Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 53. Tag Befehlshaber 16. März Kapitän Gaspare de Cecco 17. März Oberst Ernesto Rossanigo (Codename Righelli)Major Mari Cesar Di CarloKapitän Ernesto Balbo di Vinadio (Codename Boeri) 18. März Kapitän Gaspare de CeccoLeutnant Dulio PiacentiniLeutnant Generoso FaralliLeutnant Fortunato Profundi (Codename Polimanti)Leutnant Paolo Zanini (Codename Zerilli)

Den ersten Angriff führten fünf SM.81-Flugzeuge des 251. Geschwaders der 25. Nachtbomber-Gruppe von Palma de Mallorca durch. Sie warfen fünfzehn 250-Kilo-Bomben und fünfundzwanzig 50-Kilogramm-Bomben ab. Diese trafen verschiedene Ziele in Barcelona, aber auch in L’Hospitalet de Llobregat und El Prat de Llobregat. Die zweite Angriffswelle traf dann Sant Andreu de la Barca, Poblenou, Sant Adrià de Besòs und Badalona.Joan Mariah Thomàs (Hg.): Bombs over Biscay, Barcelona and Dresden (1937–1945). From the Spanish Civil War to the Second World War. Tarragona 2019, S. 51 f.

Der dritte, vierte und fünfte Luftangriff folgten dann um 7:36 Uhr, 10:27 Uhr und 13:57 Uhr des nächsten Tages, und wurden vom 16 SM.79-Flugzeugen des 18. und 52. Geschwaders der 27. Schnellen Bomber-Gruppe aus Palma de Mallorca durchgeführt. Sie konzentrierten sich vor allem auf das Stadtzentrum Barcelonas, wobei auch die Concepció Kirche, das Krankenhaus Sant Pau und die Universität zu den Zielen gehörten. Die italienischen Flugzeuge warfen dabei 250-Kilogramm-Bomben, hundertzwölf 100-Kilogramm-Bomben und achtundsechzig 20-Kilogramm-Brandbomben ab. Diese Bombenkombination verursachte besonders große Schäden, weil die Sprengstoffbomben zuerst große, sich über mehrere Stockwerke ziehende Löcher in die Gebäude rissen, durch welche anschließend die Brandbomben eindringen und das Innere in Flammen setzen konnten. Schließlich griffen noch um 22:17 Uhr sieben SM.81 Flugzeuge des 251. und 252. Geschwaders an und warfen über der Stadt achtundzwanzig 250-Kilogramm-Bomben ab.