mini|Asser Rig und seine Frau als Stifter der Fjenneslev Kirke mini|Wappen in der Klosterkirche Sorø
Das Adelsgeschlecht Hvide (dänisch: Hvideslægten) gehörte zum dänischen Uradel. Ab dem 11. Jahrhundert belegt, besaßen seine Mitglieder bis ins 13. Jahrhundert hinein hohen Einfluss im Königreich Dänemark insbesondere im Gefolge der Nachkommen von Knud Lavard, aber auch als Bischöfe. Das bekannteste Familienmitglied war der Erzbischof Absalon von Lund. Da die Blütezeit der Familie in die Zeit der Christianisierung Dänemarks fiel, gehen zahlreiche Kirchen und Orte in Dänemark und dessen Einflussgebiet auf Gründungen der Hvide zurück. Zudem stammten zwei schwedische Königinnen, ein deutscher Gegenkönig und vermutlich auch die einzige weibliche dänische Heilige aus dem Hvide-Geschlecht.
Die Bezeichnung als Hvide-Geschlecht stammt dabei erst aus der frühen Neuzeit. Damals benannten sich Nachkommen von Stig Andersen Hvide nach dessen Beinamen. Stig Andersen Hvides Abstammung von dem angeblichen Stammvater Skjalm Hvide ist allerdings nicht gesichert.
Quellen
Die wichtigste Quelle über das Hvide-Geschlecht findet sich in den Kapiteln 10–16 der Gesta Danorum von Saxo Grammaticus, die dieser auf Anregung von Absalon von Lund ab 1158 im Kloster Sorø schrieb und deren Manuskript dort aufbewahrt wurde. Absalon und dessen Neffen und Nachfolger als Erzbischof von Lund, Anders Sunesen, dankte Saxo in seinem Vorwort. Da Saxo im Auftrag des Bischofs Absalon schrieb, spielt die Familie seines Auftragsgebers eine besonders positive Rolle. Auch in der Knýtlinga saga werden Angehörige des Hvide-Geschlechts häufig erwähnt.Carsten Jahnke: Geschichte Dänemark, S. Sven Aggesen, der aus der konkurrierenden Thrugot-Familie stammt und seine Chroniken etwa gleichzeitig schrieb wie Saxo, erwähnt die Hvide dagegen nicht.
Im Gabenbuch des Klosters Sorø sind die Wohltäter des Klosters und ihre jeweiligen Schenkungen aufzählt, für deren Seelenheil die Mönche beten und Seelmessen halten sollten. Bei den wiedergegebenen Urkunden sind häufig neben dem Namen der Schenkende auch die der Zeugen enthalten. Zudem wurde der rechtmäßige Landbesitz belegt und Angehörige erklärten Verzicht auf Ansprüche auf das verschenkte Land. Verbunden waren diese Schenkungen oft mit der Absicht, eine Grabstätte in der Klosterkirche zu erhalten. In der Klosterkirche sind Namen und Wappen der dort Bestatteten und ihrer direkten Familienangehörigen an die Wände gemalt.Sorø Kirke, in: Danmarks Kirker Bd. 5, 1936, S. 17–108; S. 54f. Die Wappenschilde wurden 1515 und im 18. und 19. Jahrhundert neu gemalt. Sie dienten wie die nicht mehr vorhandenen Grabsteine als Erinnerung daran, für das Seelenheil dieser Verstorbenen zu beten. Da sowohl im Memorialbuch als auch im Wappenfries nur diejenigen aufgeführt sind, die der Kirche Schenkungen macht und dort begraben sind, ergibt sich dadurch kein vollständiger Stammbaum. Vielmehr ist durch die Schenkungen und die gemeinsame Grablege ein Zusammengehörigkeitsgefühl ausgedrückt, dass über die direkte Verwandtschaft hinausweist.
Eine in Sorø angelegte Stammtafel, die Genealogia Domini Absalonis Archiepiscope et cognatorum eius, wurde vermutlich kurz vor 1289 abgefasst, das erhaltene Manuskript stammt allerdings erst von 1440. Anders als das Gabenbuch ist sie nicht an der Verbundenheit zum Kloster orientiert, sondern führt die Personen und ihre jeweilige Verwandtschaftsbeziehungen auf. Allerdings sind die genealogischen Aufzeichnungen sehr knapp gehalten. Da zudem viele Vornamen mehrfach vorkommen, ist die Abstammung aus der Stammtafel nicht immer eindeutig zu rekonstruieren.Michael Kræmmer: Kongemordernes slægt: om Hvideslægtens rolle i det 13. århundredes konflikter mellem kirke og kongemagt., S. 218–222. Zudem sind die einzelnen Linien des Geschlechts mehrfach untereinander verschwägert. Zuordnung
Die mittelalterlichen Adelsgeschlechter in Dänemark trugen keine Nachnamen, sondern benannten sich neben dem Patronym nach ihren Stammsitzen, der Helmzier oder individuellen Beinamen. Den Beinamen Hvide (= weiß) des Stammvaters Skjalm Hvide trugen nur wenige seiner direkten Nachkommen, weshalb die Zuordnung nicht immer eindeutig ist. Bei der genannten Genealogia handelte es sich auch nicht um eine rein agnatische Abstammungslinie. Vielmehr verstanden sich Skjalms Nachkommen ebenso wie ihre Ehepartner als dem Geschlecht zugehörig, auch wenn einzelne Familienzweige andere Beinamen wie Galen trugen. Michael Kræmmer: Den Hvide klan. Absalon, hans slægt og hans tid. 2. Auflage Spektrum 1999, S. 27.
Die Zuordnung wird auch dadurch erschwert, dass kein einheitliches Wappen bestand. Das älteste bekannte Siegel von 1225 zeigt drei Querbalken. Diese fünf- oder sechsfache Querteilung erscheint in den Wappen in späteren Generationen in zahlreichen Varianten. Dabei war es auch üblich, dass Männer die Wappen ihrer Frauen übernahmen oder mit ihren eigenen kombinierten.
Erst Friedrich II. ordnete Mitte des 16. Jahrhunderts an, dass die Adelsgeschlechter Nachnamen tragen sollten. Der zu dieser Zeit lebende Historiker Arild Huitfeldt prägte den Ausdruck Huider als Übersetzung des Beinamens Albus, weiß, unter dem mehrere Bischöfe in der Roskilder Bischofschronik aufgeführt sind.
Älteres Hvide-Geschlecht
Das Hvide-Geschlecht war eine der mächtigsten dänischen Familien im ausgehenden 11. und 12. Jahrhundert. Sie stand in Konkurrenz zu anderen politisch einflussreichen Familien wie Peder Bodilsen und seinen Brüdern und dem Thrugot- (oder Trund-)Geschlecht, zu dem neben Bodil Thrugotsdatter, der Ehefrau von König Erik I. Ejegod, mit Asker und Eskil von Lund auch die beiden ersten Erzbischöfe von Lund gehörten. Nach der Ermordung von Knud Lavard 1131 standen alle drei Familien anfangs noch auf einer Seite. In den folgenden Kriegen um den dänischen Thron, die sich fast durch das gesamte 12. Jahrhundert zogen, unterstützten sie verschiedene Parteien, wobei die Hvide auf Seiten der letztlich siegreichen Partei standen und damit ihre führende Rolle sicherten. Michael Kræmmer: Den Hvide klan. Absalon, hans slægt og hans tid. 2. Auflage Spektrum 1999, S. 18f. Peder Bodilsens Versuch von 1136, die Hvide von ihrem Land zu vertreiben, scheiterte. Michael Kræmmer: Den Hvide klan. Absalon, hans slægt og hans tid. 2. Auflage Spektrum 1999, S. 26. Im 13. Jahrhundert stellte die Familie zahlreiche einflussreiche Politiker, darunter von 1158 bis 1278/80 über hundert Jahre den Bischof von Roskilde, der oft gleichzeitig Kanzler des Königreichs war, und nach Absalon noch bis ins 14. Jahrhundert hinein fünf weitere Erzbischöfe von Lund. Der letzte einflussreiche Abkömmling war Tuve Andersen Galen, der sich als Statthalter der damals dänischen Provinz Schonen im südlichen Schweden auf schwedische Seite stellte und 1382 von Königin Margarethe I. geschlagen und abgesetzt wurde.
Skjalm Hvide mini|Bleiplatte von Skjalm Hvides Grab in der Klosterkirche Sorø mit der Aufschrift: HIC IACET SCELMO AV(us) DO(mi)NI ABSALONI ARCHIEPI(scopi) = „Hier liegt Skjalm, der Großvater des Erzbischofs Absalon“.
Als Stammvater der Hvide wird Skjalm Hvide angesehen, den Saxo Skialmo Candidus, Skjalm den Weißen, nennt.Saxo: Gesta Danorum, 12.4.1. Seine Herkunft ist nur durch die um 1288 abgefasst Genealogia überliefert. Demnach soll er ein Sohn des im Norden Seelands ansässigen Landbesitzers und Häuptlings Toke Trylle und Bruder von Aute (Aude) Tokesson gewesen sein. Tokes Vater Slau war nach der Genealogia angeblich der Gründer von Slagelse. Toke soll das erste Familienmitglied gewesen sein, das sich taufen ließ, wie die Quellen im Kloster Sorø angeben. Dadurch gelang es seiner Familie, bei den Königen, die sich in dieser Zeit ebenfalls dem Christentum zuwandten, größeren Einfluss zu gewinnen und so die führenden Geschlechter der vorchristlichen Wikingerzeit an Macht und Wohlstand abzulösen.
Erwähnt wurde Skjalm erstmals, als er 1062 auf Seiten des dänischen Königs Svend Estridsen an der Seeschlacht an der Niså teilnahm, wo er von dem norwegischen König Harald Hårdråde gefangen genommen wurde, jedoch fliehen konnte. Sein Ansehen am Königshof lässt sich daran ermessen, dass ihm König Erik Ejegod und dessen Frau, als sie 1102 auf Pilgerreise gingen, die Erziehung ihres Sohnes Knud Lavard anvertrauten.
Skjalm, der bereits als Sohn eines Christen geboren war, erwies sich als eifriger Anhänger der neuen Religion und ließ auf seinem Land mehrere Kirchen errichten. Die 1085 erbaute Kirche von Jørlunde ist die älteste noch bestehende Kirche auf Seeland.Jørlunde Kirke, in: Danmarks Kirker Bd. 2, 1975, S. 2233–2284 (pdf, abgerufen am 6. Mai 2021). Anhand der Kirchengründungen und der Schenkungen an das von seinen Söhnen gegründete Hauskloster der Familie in Sorø lässt sich rekonstruieren, dass der Landbesitz der Familie sich vom Umland des Klosters bis nach Holbæk und Hårlev erstreckte. Skjalms Hauptwohnsitz war wahrscheinlich Fjenneslev.
Skjalm hatte mit seiner Frau Signe Asbjørnsdatter vier Söhne, Toke, Asser (Rig), Ebbe und Sune, und zwei Töchter, Magga (Margarethe) und Caecilia. Der Sohn Sune starb wohl vor 1140, denn er ist im Gabenbuch von Sorø nicht aufgeführt. Die Tochter Magga trat als vermutlich kinderlose Witwe ins St.-Marien-Kloster in Roskilde ein, stiftete aber Land für das Familienkloster Sorø. Nach den übrigen vier Kindern gliederte sich das Hvide-Geschlecht in vier Linien, die sowohl einflussreiche Männer am Königshof als auch Bischöfe stellten.Kai Hørby: Skjalm Hvide, in: Dansk Biografisk Leksikon.
Toke-Linie Toke Skjalmsen (auch Signessøn) trug den Namen seines Großvaters und wird deshalb wohl als der älteste Sohn anzusehen sein. Er war laut Saxo der einzige Grundbesitzer auf Seeland, der sich 1137 nicht dem Erzbischof Eskil von Lund gegen König Erik II. Emune anschloss. Er starb um 1145 und hinterließ seinen überlebenden Brüdern Asser Rig und Ebbe die Hälfte seines Besitzes, um den gemeinsamen Plan einer Klostergründung zu verwirklichen. Zunächst in der Fjenneslev Kirke bestattet, wurden seine Gebeine nach Fertigstellung der Klosterkirche nach Sorø überführt. Stig Tokesen Hvide gründete um 1140 das Kloster Essenbæk bei Randers. Er fiel 1151 an der Seite von Waldemar I. und Sven III. Grate im Kampf gegen den dritten Thronprätendenten Knut V. Vermutlich ist er identisch mit dem in der Knýtlinga saga genannten Stig Hvidlæder (Stig Weißhaut), der mit Margaretha, einer Tochter von Knud Lavard und Schwester von Waldemar I., verheiratet war. Stigs und Margarethas Tochter Kristina heiratete 1163/64 den schwedischen König Karl Sverkersson. Sverker Karlsson († 1210), der Sohn dieser Ehe, wuchs nach dem Tod seines Vaters 1167 bei den Verwandten in Dänemark auf. Er wurde 1196 König von Schweden. 1208 wurde er aus Schweden vertrieben. Er war zweimal verheiratet. Eine seiner Ehefrauen war seine Cousine dritten Grades Benedikte Ebbesdatter aus der Ebbe-Linie. Helena Sverkersdotter heiratete Sune Folkesson aus dem schwedischen Geschlecht der Folkunger. Ingefred Tokesdatter Tyge Blæst ist möglicherweise identisch mit Tyge/Toke Pust, dem Sohn von Ingefred Asserdatter. Skjalm Bang ist vermutlich identisch mit dem in Sorø beigesetzten Skelmo dictus Skegge, einem von Saxo erwähnten Flottenführer, der 1159 bei dem ersten Kreuzzug Waldemars I. gegen die Wenden umgekam.Kornerup: Skjalm Hvides Slægts Grave og Skjold-Mærker i Sorø Kirke, S. 239f. Dass er der Vater des Bischofs Peder (Skjamsen) Bang und dessen sechs Geschwistern ist, wie teilweise behauptet wird, ist aufgrund des großen Altersabstand abzulehnen. Möglicherweise war er der Großvater. Gert Absalon Gertson starb 1259 oder 1268 und wurde in Sorø beigesetzt.Kornerup: Skjalm Hvides Slægts Grave og Skjold-Mærker i Sorø Kirke, S. 238.
Ebbe-Linie