Martha Moers (geboren 25. Juli 1877 in Düsseldorf; gestorben 1. Juni 1966 in Bonn) war eine deutsche Psychologin.

Leben Martha Moers war eine Tochter eines Gymnasialprofessors. Sie studierte ab 1914 Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität Bonn und der Universität Berlin und wurde 1918 in Bonn promoviert. Sie arbeitete nach bestandenem Staatsexamen im Schuljahr 1919/20 als Lehrerin in Bonn. 1921 übernahm sie die Leitung des Bonner Berufsamtes und veröffentlichte 1922 mit Theodor Erismann eine Einführung in die Psychologie der Berufsberatung.

Erismann erhielt 1926 einen Ruf an die Universität Innsbruck und holte Moers 1928 als wissenschaftliche Hilfskraft nach Innsbruck. Mit Arbeiten zur angewandten Psychologie – über Ermüdungsstadien in der englischen Industrie oder über psychotechnische Eignungsprüfungen für kaufmännische Angestellte sowie über logisch philosophische Probleme der Wahrscheinlichkeitsrechnung – habilitierte sich Moers im März 1929, als erste Frau in der Geschichte der Universität Innsbruck überhaupt, für das Fach „Psychologie“ und erhielt die venia legendi. Sie hielt die nächsten drei Semester Vorlesungen zu praktisch psychologischen Fragen, ehe sie 1930 an die Hochschule für Lehrerbildung in Beuthen wechselte. Am 8. Juni 1937 beantragte sie die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.757.082).Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933-1945. Wiesbaden 2017. S. 321 1940 ging sie nach Berlin an das Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitspädagogik der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Sie befasste sich mit dem Fraueneinsatz in der Kriegswirtschaft des Nationalsozialismus.

Nach Kriegsende ging sie wieder ins Rheinland und erhielt 1948 einen Lehrauftrag für angewandte Psychologie an der Universität Bonn, den sie bis 1956 ausübte.

Moers erhielt 1957 das Verdienstkreuz I. Klasse des Bundesverdienstordens. Sie wurde 1962 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Schriften (Auswahl) Untersuchung über das unmittelbare Behalten bei verschiedenen Darbietungen und über das dabei auftretende totale und diskrete Verhalten der Aufmerksamkeit. Hochschulschrift: Bonn: Phil. Diss., 1918 mit Theodor Erismann: Psychologie der Berufsarbeit und der Berufsberatung (Psychotechnik). Berlin : Sammlung Goeschen, 1922 Zur Psychologie des Reueerlebnisses : auf Grund einer Umfrage. Leipzig : Akad. Verlagsgesellschaft, 1926 Die Volksschullehrerin. Berlin Amt f. Berufserziehg u. Betriebsführg in d. Dt. Arbeitsfront Berlin Akad. Auskunftsamt 1939 Das weibliche Seelenleben. Seine Entwicklung in Kindheit und Jugend. Berlin : Junker & Dünnhaupt, 1941. 3. Auflage 1950 Industrielle Frauenarbeit : ein psychologisch-pädagogischer Beitrag zur Aufgabe der Leistungssteigerung. Berlin : Lehrmittelzentrale der Deutschen Arbeitsfront, 1941 Der Fraueneinsatz in der Industrie. Eine psychologische Untersuchung. Berlin : Duncker & Humblot, 1943 Frauenerwerbsarbeit und ihre Wirkungen auf die Frau. Recklinghausen: Bitter, 1948 Die Entwicklungsphasen des menschlichen Lebens : eine psychologische Studie als Grundlage der Erwachsenenbildung. Ratingen: Henn, 1953 Das Lernen in der Berufserziehung. Wiesbaden: Steiner, 1957

Literatur Gerhard Benetka: Moers, Martha, in: Brigitta Keintzel, Ilse Korotin (Hrsg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich : Leben – Werk – Wirken. Wien : Böhlau, 2002, ISBN 3-205-99467-1, S. 518–519 Moers, Martha, in: Ilse Korotin: biografiA: Lexikon österreichischer Frauen. Wien : Böhlau, 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 2276 Uwe Wolfradt, Elfriede Billmann-Mahecha, Armin Stock (Hrsg.): Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933–1945. 2., aktualisierte Auflage. Wiesbaden : Springer, 2017, ISBN 978-3-658-15039-6

Einzelnachweise

Kategorie:Wirtschaftspsychologe Kategorie:Person (Bytom) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Innsbruck) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1877 Kategorie:Gestorben 1966 Kategorie:Frau