Die Turbine war das Typschiff einer Klasse von acht italienischen Zerstörern. In den ersten vier Monaten der Beteiligung Italiens am Zweiten Weltkrieg gingen sechs Zerstörer dieser Klasse verloren. Nur die Turbine und die Euro blieben als einzige Zerstörer der Klasse bis zum Ende der Beteiligung Italiens an der Seite des Deutschen Reichs vorhanden.

Anders als das Schwesterschiff Euro, das – wenn auch nur wenige Tage – auf alliierter Seite im Einsatz war, wurde die Turbine von den Deutschen beschlagnahmt und als Torpedoboot TA 14 in der Ägäis eingesetzt.

Das Torpedoboot Ausland 14 ex R.Ct. Turbine wurde am 15. Oktober 1944 von US-Bombern in Salamis versenkt.

Geschichte des Zerstörers Turbine Am 27. August 1927 wurde der Zerstörer Turbine von der Regia Marina in Dienst gestellt.

mini|links|Die erste RN Turbine Er war der zweite Zerstörer der italienischen Marine mit diesem Namen, den von 1902 bis zum 24. Mai 1915 schon ein Boot der Nembo-Klasse von 330 t geführt hatte, das im Ersten Weltkrieg gleich nach dem Kriegsbeitritt Italiens auf Seiten der Entente durch den österreichischen Kreuzer Helgoland und seine Begleitzerstörer versenkt wurde.

Die neue Turbine war der erste von acht Zerstörern der gleichnamigen Klasse, die auf drei italienischen Werften am Ligurischen Meer bis zum Oktober 1928 entstanden. Die neue Klasse war eine Weiterentwicklung der Zerstörer vom Typ Sauro durch die Odero-Werft. Die neuen Zerstörer sollten eine höhere Geschwindigkeit erreichen können. Sie erhielten deshalb einen gut 3 m längeren Rumpf und eine stärkere Antriebsanlage. Der neue Rumpf bot auch Platz für einen größeren Treibstoffvorrat.

Der Rumpf hatte eine Länge von 93,2 m über alles, eine Breite von 9,2 m und einen normalen Tiefgang von 3 m.Whitley: Destroyers of World War 2, S. 161 Die neuen Zerstörer hatten eine Standardverdrängung von 1090 t und eine Maximalverdrängung von 1700 t.nach Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten sollen die von Ansaldo gelieferten 4 Zerstörer 20 t weniger als die vier anderen verdrängt haben Der Antrieb erfolgte durch zwei Getriebe-Turbinensätze vom Typ Parsons mit einer Gesamtleistung von 40.000 PS auf zwei Wellen, deren Dampf in drei Kesseln der Bauart Thornycroft erzeugt wurde. Mit der Maschinenleistung sollten die neuen Zerstörer 33 kn erreichen.Chesneau: Conway’s All The World’s Fighting Ships 1922–1946, S. 299 Die Schiffe erreichten alle bei ihren Probefahrten über 36 kn, allerdings mit verringerter Ausrüstung.McMurtrie: Jane’s Fighting Ships 1937, S. 280 Mit 274 t Öl sollten die neuen Zerstörer bei 14 kn Marschgeschwindigkeit eine Reichweite von 3200 sm haben. Die Hauptartillerie der neuen Zerstörer bestand aus zwei 120-mm-L/45-Zwillingsgeschützen Bauart Ansaldo vor bzw. hinter den Aufbauten. Diese Geschütze waren eine italienische Weiterentwicklung britischer Grundentwürfe.Fraccaroli: Italian Warships of World War II, S. 47 Zur Abwehr gegen Angriffe aus der Luft verfügten die Turbine und ihre Schwesterschiffe anfangs mittschiffs über zwei einzelne 40-mm-L/39-Vickers Terni-Flak – Lizenzbau einer britischen Konstruktion – und ein 13,2-mm-Breda-Zwillings-Maschinengewehr, dem Lizenzbau einer französischen Waffe durch die Firma Breda. Als Angriffsbewaffnung verfügten die Schiffe über zwei Dreifach-Torpedorohrsätze mit 533 mm Durchmesser. Die Zerstörer konnten auch mit bis zu 52 Minen ausgerüstet werden. Die Besatzung der neuen Zerstörer bestand in der Regel aus zwölf Offizieren und 167 weiteren Besatzungsangehörigen.

Vorkriegseinsätze Das Typschiff Turbine war bei den Probefahrten eines der schnellsten Schiffe der neuen Klasse mit einer Geschwindigkeit von 39,5 Knoten. Von 1929 bis 1932 nahm der Zerstörer an einigen Kreuzfahrten im Mittelmeer teil. 1934 befand sich der Zerstörer mit dem Schwesterschiff Nembo vorübergehend im Roten Meer.Cacciatorpediniere Turbine Turbine beteiligte sich am Spanischen Bürgerkrieg, um Nachschub für die republikanische Seite zu unterbinden. Im Rahmen dieser Operationen torpedierte und versenkte sie mit dem Schwesterschiff Ostro am 30. August 1937 vor Tizgirt in der Provinz Tizi Ouzou an der östlichen algerischen Küste den sowjetischen Dampfers Tymiryazev (3226 BRT). Die 30-köpfige Besatzung wurde von einem Fischerboot gerettet. Das russische Schiff war auf Weg von Großbritannien nach Port Said und hatte keinen Bezug zum Spanischen Bürgerkrieg.

Zwischen 1939 und 1940 wurde die Turbine wie die (meisten?) Schwesterschiffe umgebaut. Die beiden alten 40-mm-L/39-Flak wurden entfernt und durch neue 20 mm-L/65-Breda-Maschinenkanonen und zwei Wasserbombenwerfer ersetzt. Beim Kriegseintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg bildete Turbine zusammen mit den Schwesterschiffen Euro, Nembo und Aquilone die 1. Zerstörerflottille in Tobruk. Die vier anderen Zerstörer der Klasse bildeten die 2. Zerstörerflottille in Tarent.

Weltkriegs-Einsätze der Zerstörer-Klasse Ab dem 6. Juni 1940 verlegte die italienische Marine umfangreiche Defensiv-Minensperren an den italienischen Küsten. Vor Libyen und Tobruk legten das Hilfsschiff Barletta und die Zerstörer Nembo, Euro, Aquilone und Turbine 14 derartige Sperren mit 540 Minen.Rohwer: Seekrieg, 6.6.– 10.7.1940 Mittelmeer / Rotes Meer Auslegung von Minensperren an den ital. Mittelmeer-Küsten.

mini|links|Die Zerstörer Aquilone, Ostro und Espero in La Spezia Am 14. Juni beschoss die 1. Zerstörer-Flottille mit Turbine, Nembo und Aquilone den ägyptischen Grenzort Sollum.Rohwer: Seekrieg, 11.– 14.6.1940 Mittelmeer Am 19. Juni gelang der Turbine auf einer Patrouillenfahrt etwa 25 Seemeilen vor Tobruk die Versenkung des britischen U-Boots HMS Orpheus mit Wasserbomben. Das U-Boot sank mit seiner gesamten Besatzung.Versenkung HMS Orpheus 1940

Ende des Monats sollten die Turbine-Zerstörer Espero, Ostro, Zeffiro der 2. Zerstörer-Flottille zwei Flugabwehrbatterien (Panzerabwehr ??) der Schwarzhemden-Miliz mit 162 Mann, 10 Geschützen und 120 Tonnen Munition nach Tobruk transportieren. Durch die britische Luftaufklärung frühzeitig erkannt, wurde das 7. Kreuzer-Geschwader der Mediterranean Fleet mit den Leichten Kreuzern Sydney, Orion, Liverpool, Neptune und Gloucester herangeführt. Die britischen Kreuzer eröffneten am frühen Abend des 30. Juni auf erheblicher Distanz das Feuer, trafen aber erst nach der 15. Salve. Der italienische Flottillenchef, Fregattenkapitän Baroni, opferte sich und sein Schiff, das nach Treffern der australischen Sydney gegen 20.15 Uhr auf 35°18' N und 20°12' E sank, während die beiden anderen Zerstörer nach Bengasi entkamen. Die Sydney rettet wohl 37 Schiffbrüchige; ein italienisches U-Boot fand 13 Tage nach dem Untergang noch ein Rettungsboot mit sechs Überlebenden. Der Munitionsverbrauch der britischen Kreuzer warf akute logistische Probleme auf, da in der Mittelmeerflotte nur noch 800 Schuss 152-mm-Munition vorhanden waren.Rohwer: Seekrieg, 27.– 30.6.1940 Mittelmeer

mini|links|Die Reste der Nembo vor Tobruk Am 5. Juli griffen neun Swordfish-Torpedoflugzeuge der 813. Squadron der FAA des britischen Flugzeugträgers Eagle den Hafen von Tobruk an und versenkten den Zerstörer Zeffiro und den Frachter Manzoni (3955 BRT). Der Zerstörer Euro und zwei weitere Frachter (Serenitas und Liguria) mussten sich auf Strand setzen. Euro wurde später geborgen.Rohwer: Seekrieg, 5.7.1940 Luftkrieg Mittelmeer Am 20. Juli griffen wieder von der Eagle sechs Torpedoflugzeuge der 824. Squadron der FAA Schiffe in der Bomba-Bucht bei Tobruk an und versenkten die italienischen Zerstörer Nembo und Ostro (3./4. Verlust der Klasse) sowie den Frachter Sereno (2333 BRT).Rohwer: Seekrieg, 20.7.1940 Mittelmeer

mini|Die Reste der Borea im Hafen von Bengasi Um den Vorstoß der 10. italienischen Armee unter Marschall Graziani über die libysch-ägyptische Grenze abzubremsen, ging die britische Mittelmeerflotte u. a. mit dem Träger Illustrious am 15. September in See, um erneut den Hafen von Bengasi anzugreifen. In der Nacht zum 17. warfen die Maschinen Minen vor dem Hafen ab und griffen Schiffe mit Torpedos an. Durch die Torpedos der 815. Squadron FAA gingen der Zerstörer Borea und zwei Frachter verloren; eine der Minen der Maschinen des Trägers wurde dem Zerstörer Aquilone zum Verhängnis, als er nach dem Luftangriff am Abend mit der Turbine nach Tripolis verlegen sollte.Rohwer: Seekrieg, 13.–19.9.1940 Nordafrika. Nach diesem Verlust blieben nur noch die unmittelbar vor ihr ausgelaufene Turbine, der ein Beidrehen zur Unterstützung der Borea verboten worden war und die dann nach Tripolis entkam, einsatzfähig.

Die Euro war im Hafen von Tobruk seit Juli auf Strand gesetzt und wurde ab Oktober geborgen und repariert.

Zu ihrem weiteren Schicksal siehe Euro.

Zeffiro, Nembo, Ostro, Borea und Aquilone wurden vor Ort ausgeschlachtet und abgebrochen.

Die Einheiten der Turbine-Klasse + Turbine-Klasse RN Bauwerft Kiellegung Stapellauf in Dienst Schicksal Turbine TB Odero, Sestri Ponente 24.03.1925 21.04.1927 27.08.1927am 9. September 1943 als TA14 von der Kriegsmarine übernommen, am 16. September 1944 von US-Bombern in Salamis versenkt Nembo NB Cantieri del Tirreno, Riva Trigoso b. Genua 21.01.1925 27.01.1927 24.10.1927 am 20. Juli 1940 in Tobruk durch Fairey Swordfish der Eagle versenkt, 25 Tote Borea BR Ansaldo, Genua 29.04.1925 28.01.1927 24.11.1927 am 17. September 1940 in Bengasi durch Flugzeuge der Illustrious versenkt, 1 Toter Aquilone AL Cantieri navali Odero 18.05.1925   3.08.1927   9.12.1927 am 17. September 1940 vor Bengasi nach Minentreffer gesunken (verlegt durch Flugzeuge der Illustrious), 13 Tote Euro ER Cantieri del Tirreno 24.01.1925   7.07.1927 22.12.1927am 3. Oktober 1943 vor Leros durch die deutsche Luftwaffe versenkt Espero ES Ansaldo 29.04.1925 31.08.1927   4.04.1928 am 28. Juni 1940 westlich Kreta durch HMAS Sydney versenkt, ~ 170 Tote Zeffiro ZF Ansaldo 29.04.1925 27.05.1927 24.05.1928 am 5. Juli 1940 durch Swordfish der Eagle versenkt, 21 Tote. Ostro OT Ansaldo 29.04.1925   2.01.1928   9.10.1928 am 20. Juli 1940 in Tobruk von Swordfish der Eagle versenkt, 42 Tote.

Einsätze der RN Turbine 1941 bis 1943 Ab dem 8. Februar 1941 sicherte der Zerstörer mit drei italienischen Torpedobooten und Flugzeugen des deutschen X. Fliegerkorps den ersten Konvoi mit Truppen und Material des Deutschen Afrika-Korps mit den deutschen Dampfern Ankara (4768 BRT), Arcturus (2596 BRT) und Alicante (2140 BRT) von Neapel nach Tripolis. Vom 8. bis 10. Februar verblieb der Konvoi wegen Sichtung der britischen Force H vorübergehend in Palermo, ehe er am den Marsch nach Tripolis fortsetzte.Rohwer: Seekrieg, 7.– 17.2.1941 Mittelmeer/Nordafrika, Operation Sonnenblume Ab dem 21. sicherte sie mit den Zerstörern Freccia und Saetta zwei deutsche Transporter auf dem Weg nach Nordafrika, als das britische U-Boot Regent den Dampfer Menes (5609 BRT)MENES (1926–1942) torpedierte. Während Saetta den Angreifer verfolgte und beschädigte, konnten die beiden anderen Zerstörer beide deutsche Transporter nach Tripolis bringen.Rohwer: Seekrieg, 21.– 25.2.1941 Mittelmeer