mini|Karl Theodor Weiß mini|Karl Theodor Weiss: Etikett Wasserzeichenarchiv Museum DR. Weiß, begr. 1897 mini|Zwei Buchdrucker aus dem Kartenspiel von Jost Amman (1588) auf dem Weg zum Papiermuseum Das Deutsche Papiermuseum ist eine 1897 als Privatinitiative von Karl Theodor Weiß ins Leben gerufene museale Sammlung und kulturgeschichtliche EinrichtungWisso Weiß: Zweck und Aufgaben des Deutschen Papiermuseums. In: Papiergeschichtsforschung in der Deutschen Demokratischen Republik. Fachbuchverlag, Leipzig 1961, S. 16–30, hier S. 18., die nach dem Tod des Gründers von dessen Sohn Wisso Weiß betreut wurde und von 1957 bis 1964 unter dessen Leitung als selbstständige staatliche Einrichtung ihren Sitz in Greiz hatte, um dann als Sachgebiet in das von Fritz Funke geleitete Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Bücherei am Deutschen Platz in Leipzig übernommen zu werden und 1970 in den von Wolfgang Schlieder geleiteten Papierhistorischen Sammlungen des Museums aufzugehen.

Geschichte Die Periode der Privatinitiative des Gründers (1897 bis 1945)

Schon als Gymnasiast hatte sich Karl Theodor Weiß für alte Bücher und Handschriften interessiert. Aus Interesse für Wasserzeichen begann er mit dem Sammeln handgeschöpfter Papiere.Alfred Nadler: Zum 100. Geburtstage von Dr. Karl Theodor Weiß. In: IPH-Information, N.F. 6, 1972, Nr. 1, S. 5–7. Einige Mappenschilder belegen, dass die „Papiergeschichtliche Sammlung“ bereits 1892 begonnen wurde.Ulman Weiß: Der Sammler und seine Sammlung. In: Stephanie Jacobs (Hrsg.): Zeichen – Bücher – Wissensnetze. 125 Jahre Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek. Wallstein, Göttingen 2009, S. 82. 1897 gründete er nominell das „Deutsche Papier=Museum“ und ließ sich bei dessen Aufbau von wissenschaftlichen Interessen leiten. Im Zentrum standen die Wasserzeichenpapiere als Sachzeugnisse jahrhundertelanger Papierfertigung und die Frage nach den damit ursächlich in Verbindung stehenden Papiermühlen und Papiermachern. Neben schriftlichen und bildlichen Quellen interessierten dabei auch Gerätschaften wie Schöpfformen oder Aufhängekreuze. Um 1910 startete er im Deutschen Reich und auch darüber hinaus eine systematische papiergeschichtliche Erhebung, indem er an Papierfabriken, Archive, Bibliotheken, Pfarrämter und Einzelforscher einen gedruckten Fragebogen verschickte, dessen Auflage auf mindestens 5000 Exemplare beziffert wird.Wisso Weiß: Zweck und Aufgaben des Deutschen Papiermuseums. In: Papiergeschichtsforschung in der Deutschen Demokratischen Republik. Fachbuchverlag, Leipzig 1961, S. 16–30, hier S. 18. Den Rücklauf an Informationen, an Wasserzeichenpapieren und anderen Quellen galt es nun systematisch zu dokumentieren und abzulegen. Druckschriften wurden in die „Fachbücherei“ eingeordnet, der im Frühjahr 1914 begonnene Papiermacherkatalog erfasste auch genealogische Informationen und Wirkungsstätten.Florian Betz: Das Projekt Papiermacherkatalog – Rückblick und Ausblick. In: Dialog mit Bibliotheken 27 (2015), Nr. 1, S. 35–39.( Digitalisat) Die Wasserzeichenpapiere wurden den beiden Abteilungen der Papiergeschichtlichen Sammlung zugeordnet. Papiere, deren Wasserzeichen keiner Papiermühle zugeordnet werden konnten, wurden in 50 Sachgruppen nach Motiv bzw. Verwendungszusammenhang abgelegt.Karl Theodor Weiß: Handbuch der Wasserzeichenkunde. Bearb. u. hrsg. von Wisso Weiss. VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1962, S. 258. Die zweite Abteilung war nach Ländern, Orten und Papiermühlen geordnet. Dazu vorliegende Informationen wie Quellenexzerpte, Briefwechsel etc. wurden als „Historische Notizen“ den jeweiligen Bestandseinheiten vorangestellt. Die gesammelten Originalpapiere, aber auch per Bleistiftpause oder per Lichtpause gewonnene Wasserzeichenreproduktionen wurden in Abfolge der Papiermühlenbetreiber und der von ihnen verwendeten Wasserzeichenmotive abgelegt, wobei die Struktur mit wachsendem Erkenntnisstand verfeinert oder umgruppiert wurde. Während der zu Beginn des 20. Jahrhunderts führende Wasserzeichenforscher Charles-Moïse Briquet seinen Dokumentationszeitraum vornehmlich auf die Zeit bis 1600 beschränkte, legte Weiß seiner Sammlung keine solchen zeitlichen Begrenzungen an.

In einer 1915 publizierten Fallstudie über die Geschichte der Papiermühle Stockach legte Weiß seinen Forschungsansatz und seine dabei angewandte Dokumentationsmethode dar.Hans H. Bockwitz: Dr. iur. et phil. Karl Theodor Weiß, Erfurt. Gestorben 12. Mai 1945. In: Wochenblatt für Papierfabrikation 75 (1947), Nr. 5/&, S. 105. Er stellte fest, dass auf Grund seines Wasserzeichens jedes Blatt Papier eine wertvolle geschichtliche Urkunde darstellt.Karl Theodor Weiß: Die Papiermühle zu Stockach, ihre Geschichte und ihre Wasserzeichen. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 44 (1915), S. 15. Das Wappen der Stadt Stockach diente als Wasserzeichenmotiv, und so ließen sich Belegstücke aus der Zeit zwischen 1596 und 1633 ermitteln, die sich in Schreibpapier, teilweise auch in Druckpapier nachweisen ließen. Ein Wechsel der beigefügten Initialen zwischen den Jahren 1600 und 1602 zeigte zudem eine Veränderung der Papiermühlenbetreiber an. Ausgehend von diesem Befund ließen sich weitere historische Recherchen anstellen. Unter Berücksichtigung des Fertigungsprozesses in den Papiermühlen, bei dem die Papiermacher an der Schöpfbütte mit einem Formenpaar arbeiteten, ermittelte Weiß die dabei in den Bogen je zur Hälfte auftretenden Varianten.Karl Theodor Weiß: Die Bedeutung des Gesetzes der Formenpaare für die Wasserzeichenkunde. In: Allgemeine Papier-Rundschau (1950), Nr. 4: 164–166. Auf Basis dieser Tatsache betonte Weiß nachdrücklich, dass es keine einzelnen Wasserzeichen gibt, sondern ausschließlich Wasserzeichenpaare.Karl Theodor Weiß: Papiergeschichte und Wasserzeichenkunde. Erreichte Ziele und zu lösende Aufgaben. In: Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik 63 (1926), Heft 4, S. 304. Da die Wasserzeichen zudem im Arbeitsprozess einem Verschleiß unterliegen, gilt es diese Deformationen in wohlgeordneten Entwicklungsreihen zu dokumentieren.

Das Deutsche Papiermuseum sollte auf Basis der als Privatleistung erbrachten Sammlungs- und Dokumentationsarbeit als öffentliche Einrichtung zu einer Zentralstelle für Wasserzeichenfragen entwickelt werden. Diese Vorleistungen sollten nicht in Privathände, sondern in die Obhut einer staatlichen Einrichtung gelangen. Deshalb wurde die Sammlung nicht für die 1938 vom Verein der Zellstoff- und Papierchemiker und -Ingenieure (Verein Zellcheming) gegründete und in Mainz ansässige Forschungsstelle Papiergeschichte zur Verfügung gestellt. Stattdessen wurde die unter schwierigsten Verhältnissen in Mönchweiler untergebrachte SammlungArmin Renker: Dr. Karl Theodor Weiss in Mönchweiler und seine Papiergeschichtliche Sammlung. In: Wochenblatt für Papierfabrikation 63 (1932), Nr. 32, S. 606. 1939 nach Thüringen verbracht, als Wisso Weiß seine Eltern zu sich nach Erfurt holte, wodurch auch eine Weitergabe der Forschungs- und Dokumentationsmethoden in die nächste Generation erfolgte.Frieder Schmidt: Rückblick auf ein Forscherleben. Zum 100. Geburtstag des Papierhistorikers und Wasserzeichenforschers Dr. Wisso Weiss. In: Wochenblatt für Papierfabrikation 132 (2004), Nr. 1/2, S. 39–42, hier S. 40. Vergeblich suchte Karl Theodor Weiß 1941 die Bezeichnung „Deutsches Papiermuseum“ gegen anderweitige Verwendung zu schützen, als in Düren auf Basis der Wasserzeichensammlungen des Papierfabrikanten Erich SchwankeJosef Geuenich: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Hrsg. von der Düren-Jülicher Papierindustrie. Hamel, Düren 1959, S. 283–284.Wasserzeichensammlung Erich Schwanke. In: IPH-Information 22 (1988), Nr. 4, S. 166. eine so benannte Einrichtung entstehen sollte.Ulman Weiß: Der Sammler und seine Sammlung. In: Stephanie Jacobs (Hrsg.): Zeichen – Bücher – Wissensnetze. 125 Jahre Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek. Wallstein, Göttingen 2009, S. 88.

Interimsperiode (1945 bis 1957)

Damit das Erreichte nicht vergeblich war, übernahm Wisso Weiß nach dem am 12. Mai 1945 erfolgten Tod des Vaters nicht nur die hinterlassene Sammlung, sondern auch die Aufgabe, diese als GanzesUlman Weiß: Der Sammler und seine Sammlung. In: Stephanie Jacobs (Hrsg.): Zeichen – Bücher – Wissensnetze. 125 Jahre Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek. Wallstein, Göttingen 2009, S. 92. in eine öffentliche Kultureinrichtung zu überführen. 1949 gab er seine Tätigkeit in der Wohnungswirtschaft auf und befasste sich ausschließlich mit papiergeschichtlichen Forschungen. Mehrere Jahre stand die vom 1951 gegründeten Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen angeregte und staatlich finanzierte Erhebung der Wasserzeichen in den Notenhandschriften von Johann Sebastian BachWisso Weiß: Katalog der Wasserzeichen in Bachs Originalhandschriften. Unter musikwissenschaftlicher Mitarbeit von Yoshitake Kobayashi. (Neue Ausgabe sämtlicher Werke / Johann Sebastian Bach. Ser. 9 ; 1) Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985. und eine Monografie über die Thüringer Papiermühlen und ihre WasserzeichenWisso Weiß: Thüringer Papiermühlen und ihre Wasserzeichen. Thüringer Volksverlag, Weimar 1953 im Zentrum der Tätigkeit. Vergeblich kam es zu Korrespondenz mit dem Rat der Stadt Leipzig und dem damaligen Direktor des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, Hans H. Bockwitz, sowie mit Aloys Ruppel, dem Direktor des Gutenberg-Museums in Mainz.

Deutsches Papiermuseum Greiz (1957 bis 1964)

Im April 1957 erfolgte der Ankauf der Privatsammlung durch die Regierung der DDR, Ministerium für Kultur.Wisso Weiß: Das Deutsche Papiermuseum. Entstehung, Aufgaben und Entwicklung. In: Neue Museumskunde 7 (1964), Heft 1, S. 59. Das Museum wurde im Unteren Schloss in Greiz untergebracht.Deutsches Papiermuseum in den Räumen des „Unteren Schlosses“ in Greiz aufgebaut. In: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel 124 (1957), Nr. 11, S. 176. Die Standortentscheidung verdankte sich vor allem der Initiative des Dezernenten für Volksbildung beim Rat der Stadt sowie des Werkleiters der VEB Papierfabrik Greiz und der Leiterin des örtlichen Heimatmuseums.Wisso Weiss: Fünf Jahre Deutsches Papiermuseum. In: Greizer Heimatkalender 1963, S. 48–51, hier S. 48. In einer Anlage zum Übernahmevertrag wurden die Aufgaben des Museums umrissen und in 9 Punkten festgehalten. Das Gesamtgebiet der Entwicklungsgeschichte des Papiers sollte nach modernen wissenschaftlichen Methoden erforscht und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Dabei interessierten die Herstellung des Papiers unter Einschluss der Roh- und Hilfsstoffe, ebenso die Verarbeitung und Verwendung. Das Papiermuseum sollte zur „zentralen nationalen Sammel-, Forschungs- und Belehrungsstätte zur Kulturgeschichte des Papiers“Wisso Weiß: Zweck und Aufgaben des Deutschen Papiermuseums. In: Papiergeschichtsforschung in der Deutschen Demokratischen Republik. Fachbuchverlag, Leipzig 1961, S. 26. ausgestaltet werden. Der Sammlungsauftrag lautete, Papierproben vom ersten Auftreten in Europa bis zur aktuellen Gegenwart zu sammeln. Wasserzeichen in Handbüttenpapier sollte sowohl als Originale, als auch als Pausen (der damals vorherrschenden Form der bildlichen Wasserzeichenerfassung) gesammelt werden, wobei systematisch geordnete Entwicklungsreihen angestrebt wurden. Die Verzeichnungsarbeit galt der Erfassung der Papiermacher, der Papiermühlen und Papierfabriken, der technischen Denkmale, Pläne und Zeichnungen sowie der einschlägigen Fachliteratur. Weitere Punkte dieses Arbeitsprogramms galten dem Aufbau einer Dauerausstellung sowie der Durchführung wechselnder und wandernder Ausstellungen, der Förderung der papiergeschichtlichen Forschung und Auskunftserteilung und einer engen Zusammenarbeit mit der volkseigenen Industrie.