Benjamin Aubery du Maurier (* August 1566 La Fontaine-Saint-Martin; † 31. Juli 1636 ebenda)Bernard Barbiche, Ségolène de Dainville-Barbiche: Sully – l’homme et ses fidèles. Verlag Fayard, Paris 1997, ISBN 2-213-59829-0, S. 592–593. war ein hugenottisch-französischer Staatsmann, Autor und französischer Botschafter für Ludwig XIII. an den Generalstaaten der Niederländischen Republik zu Zeiten des Streits um den Zwölfjährigen Waffenstillstands. Er zählte zu den Unterstützern des holländischen Politikers Johan van Oldenbarnevelt.

Biographie mini|Das Château du Maurier in der im 19. Jahrhundert umgebauten Form (2012) Frühe Laufbahn Aubery wurde im August 1566Henri Ouvré: Documents inedits sur l’Histoire du Protestantisme en France et en Hollande, 1566–1636. 1853, S. 5 (books.google.de). im Château du Maurier,Dieses Château war 1789 bei der Emigration auch Pate des entsprechenden Namensteils des Graveurs Mathurin Robert Busson Du Maurier, einem Ahnen der Daphne du Maurier heute Gemeinde La-Fontaine-Saint-Martin, bei La Flèche, im Département Sarthe als Sohn von Jehan Aubery du Maurier und seiner zweiten Frau Madeleine Froger geboren. Seine Eltern waren beide Hugenotten, und er wurde daher in dieser Religion erzogen. Er entstammte einer wohlhabenden protestantischen Bauernfamilie, die langfristig den sozialen Aufstieg in den Adel anstrebte. Er studierte in Le Mans, und nach 1582 in Paris an mehreren Kollegien, so dem Collège de Clermont. Nach 1583 studierte er etwa 13 Monate lang Philosophie unter Théodore de Bèze in der Republik Genf. Er war für eine Karriere in der Noblesse de robe vorgesehen, da ein Großonkel (Jacques Aubery) zu Zeiten des Königs Heinrich II. Advokat am Parlement de Paris war (und beteiligt war an der Verfolgung der Mörder der Waldenser beim Massaker von MérindolOuvré, S. 6–7; Martin, Kap. 1), was jedoch durch die Ereignisse der französischen Religionskriege vereitelt wurde. Seine Karriere begann 1586 in der Armee des Prince de Condé in Saint-Jean-d’Angély. 1587 nahm er in den Reihen des Heinrichs IV. an der Schlacht von Coutras teil.

Assistent bedeutender hugenottischer Adliger 1589 wurde der junge Landedelmann Aubery Sekretär von Philippe Duplessis-Mornay, als dieser zum Gouverneur von Saumur ernannt wurde. Er begleitete diesen 1591 bis 1592 auf einer Mission zur Königin Elizabeth I. nach England.Ouvré, S. 9–10

Am 22. Oktober 1590 war er zudem Sekretär Heinrichs IV. für die Hofhaltung des Hauses Navarra. Nachdem du Plessis-Mornay sich mit Heinrich IV. überwarf, wurde Aubery ab 1. Juni 1592 der Intendant des neuen Favoriten, Henri de La Tour d’Auvergne, einige Monate nachdem dieser durch Heirat den Titel des Herzogs von Bouillon erwarb.Ouvré, S. 19 Im Mai 1593 wurde Aubery zum Kammersekretär des Königs, wobei er im Dienst des Herzogs von Bouillon blieb. 1594 half Aubery diesem bei der Wahl einer zweiten Ehefrau, Elisabeth von Oranien-Nassau, der Halbschwester des niederländischen Statthalters Moritz von Oranien.Ouvré, S. 39

Aubery selbst heiratete 1600 seine Frau Marie Magdeleine (1581–1620) in Paris. Er blieb im Dienst des Herzogs von Bouillon, aber als dieser wegen der Verschwörung des Charles de Gontaut, duc de Biron 1601 in Ungnade fiel, geriet Aubery in die Schusslinie zwischen dem König und dem Herzog. Jedoch konnte er zu einer Versöhnung im April 1607 beitragen.Ouvré, S. 80–84, 141–146 Aubery verließ danach den Dienst des Herzogs und zog sich kurzzeitig auf sein Château du Maurier zurück.

Der damalige französische Gesandte für die Niederlande, Paul Trude Choart, duc de Buzenval, wollte Aubery 1607 als Korrespondenten in Frankreich einstellen, was durch dessen Tod und Ränkespiele um den Staatssekretär Villeroy nicht mehr stattfand. Dafür wurde Aubery jedoch ab Oktober 1607 durch Maximilien de Béthune, duc de Sully, den Superintendenten der Finanzen, in den Rang eines «contrôleur général des restes des états du Conseil» im Finanzministerium berufen.Ouvré, S. 147–149, 157–158 Sully wurde auch der Taufpate von Auberys Sohn Maximilien am 5. November 1608, ein weiterer Beleg dafür, wie Aubery sich zunehmender Gunst hoher Minister erfreute.Ouvré, S. 165

Zu dieser Zeit genoss Aubery auch die Gunst des Königs, der ihn am 30. August 1608 zu einem der zwanzig offiziellen Sekretäre der Haushaltung am Hof Navarra machte, und am 5. September 1608 zum «Secrétaire du roi» ernannte. Dieser erste Höhepunkt in Auberys Laufbahn fand sein Ende nach der Ermordung des Königs am 14. Mai 1610. Sully wurde von missgünstigen Kollegen abgesetzt, und auch Aubery fiel in Ungnade, wobei sogar sein Château geplündert wurde.Johannes Franciscus Buddeus: Allgemeines Historisches Lexicon …. Band 3, Verlag Thomas Fritsch, Leipzig 1709, Anhang, S. 730 f. (books.google.de). Das Amt des Präsidenten der «Chambre des comptes» der Provinz Nérac, das er am 11. September 1610 mit königlicher Zustimmung erworben hatte, wurde ihm entzogen, und vom Staatsrat (Conseil d'Etat) anders vergeben; Aubery erhielt lediglich eine Pension und zog sich 1612 erneut auf sein Chateau zurück.Ouvré, S. 165–168 In den vorangegangenen Jahren war es ihm allerdings gelungen, sich auch die Unterstützung anderer Minister zu sichern, die nach der Ermordung des Königs Heinrich VI. und der Entlassung Sullys unter der Regentschaft der Maria de’ Medici ihre Ämter behalten durften. Nicht zuletzt dank dieser Verbindungen wurde Aubery ab 1613 die wichtige diplomatischen Mission in der Republik der Vereinigten Niederlanden anvertraut.Klaus Malettke: Rezension zu Claire Martins Doktorarbeit mit Kurzzusammenfassung von Auberys Vita. In: Francia-Recensio 2012/2 (perspectivia.net PDF) Abgerufen am 4. Mai 2021

Botschafter in den Niederlanden So bot der Minister Villeroy Aubery die Position als Botschafter in der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, als Nachfolger des Eustache de Refuge, an. Dies war ein wichtiger Posten, da die Republik eine große Rolle in der europäischen Politik Heinrichs IV. und später während der Regentschaft der Königin Maria de’ Medici spielte. Die Republik war in den frühen 1590er Jahren ein wichtiger Verbündeter geworden, als Heinrich IV. sowohl gegen die Armeen der Katholischen Liga als auch gegen die spanische Armee von Flandern gekämpft hatte. Nach seinem Triumph in Frankreich brauchte Heinrich die Republik als Gegengewicht gegen Spanien in Europa und wollte die Republik definitiv im französischen Einflussbereich wissen. mini|120px|Pierre Jeannin Als während einer Pattsituation im Achtzigjährigen Krieg 1607 das Habsburger Regime der spanischen Niederlanden seinem nördlichen Nachbarn, der niederländischen Republik, Friedensangebote machte, hatte Heinrich IV. den Sonderbeauftragten Pierre Jeannin nach Den Haag gesandt, um die französischen Interessen zu verteidigen. Jeannin war maßgeblich daran beteiligt gewesen, den holländischen Landesadvokaten Johan van Oldenbarnevelt bei der Erlangung des Zwölfjährigen Waffenstillstands (nachdem sich ein Friedensschluss als nicht machbar erwiesen hatte), entgegen der starken Einsprüche des Moritz von Oranien, zu unterstützen.Ouvré, S. 171–181 Das Bündnis zwischen Frankreich und den Niederlanden wurde auf zwei Verträgen begründet. Der erste, der am 13. Januar 1608 abgeschlossen und am 17. Juni 1609 erneuert wurde und für die Dauer des Waffenstillstands gültig war, versprach, dass Frankreich 10000 Soldaten entsenden würde, um den Generalstaaten im Kriegsfall zu helfen, die Republik 5000, um Frankreich zu helfen. Die beiden Länder versprachen, keine Verträge zu schließen, die den Interessen des anderen schaden würden. Der zweite Vertrag vom 22. Juni 1609 versprach zwei französische Regimenter (insgesamt 4100 Mann) und zwei Kompanien leichter Reiter für den Dienst in der niederländischen Armee mit einem jährlichen Zuschuss von 600.000 französischen Livres. Die französische Königin Maria de’ Medici bestätigte diese Vereinbarung 1611. Diese französischen Truppen spielten später eine wichtige Rolle.Ouvré, S. 190

Villeroy wählte nun Aubery gegenüber mehreren anderen Kandidaten bevorzugt aus, weil er ein gemäßigter Protestant mit unbestrittener Loyalität gegenüber der Krone war. Der neue Botschafter musste protestantisch sein, weil einem Katholiken in der protestantischen Republik misstraut werden würde; jedoch sollte er kein Parteigänger der fanatischen Hugenotten in Frankreich sein.Ouvré, S. 198 Das Gehalt für den Botschafter bei den Generalstaaten der niederländischen Republik betrug 12000 Livres, zuzüglich 24000 Livres für das Amt des Intendanten der französischen Finanzen in Holland.Ouvré, S. 200 Aubery übernahm das Amt am 20. Mai 1613.Ouvré, S. 202 Erst im März 1614 wurde Aubery die Würde eines »ordentlichen Botschafters« (ambassadeur ordinaire) verliehen.

Die erste, recht unangenehme Aufgabe für Aubery bestand darin, den Rückruf des niederländischen Botschafters in Frankreich, François van Aerssen, zu planen, der vom französischen Hof als "zu forsch" angesehen wurde. Dazu musste Aubery offene Ablehnung der Person van Aerssens an den Tag legen, was ihm und Oldenbarnevelt die unsterbliche Feindschaft des Politikers einbrachte, der einen Einfluss auf Statthalter Moritz von Oranien hatte.Ouvré, S. 202–212

Als Nächstes musste Aubery die Interessen Frankreichs verteidigen, als die Republik in den Jülichen Erbfolgestreit intervenierte, wobei es trotz des Waffenstillstands fast zu Kampfhandlungen mit Spanien kam, was Aubery und de Refuge (der französischer Gesandter in Brüssel geworden war) durch Mediation zu vermeiden verstanden. In der Zwischenzeit verschlechterten sich die Umstände in Frankreich durch wiederholte Aufstände der Prinzen von Geblüt (Rebellion des prince de Condé gegen die Regentschaft von Königin bis 1616). Dies führte zu Versuchen beider Seiten, die französischen Regimenter im niederländischen Dienst dazu zu bringen, nach Frankreich zurückzukehren, was Aubery vereiteln konnte. Dies machte ihn bei den Prinzen unbeliebt.Ouvré, S. 214–250 In der Zwischenzeit hatte Königin Maria am 3. September 1615 Aubery zum Conseiller d’État ernannt, was vom neuen König Ludwig XIII. Ende September 1615 und noch später mit Patenten 1624 und 1629 bestätigt wurde, und den Gipfelpunkt von Auberys bisherigem Aufstieg darstellte. mini|hochkant|Polemische Allegorie des Arminianismus als fünfköpfiges Monster 1610 Aubery spielte eine wichtige Rolle in der religiösen und politischen Krise in der niederländischen Republik, die sich zwischen 1614 und 1619 entwickelte und in der niederländischen Geschichtsschreibung als „Bestandstwisten“ bekannt wurde.