mini|hochkant=1.2|Historisches Fahrerlager nach der Renovierung 2011

Das Historische Fahrerlager am Nürburgring wurde am 18./19. Juni 1927 zusammen mit der Rennstrecke eröffnet. Es liegt im Außenbereich des Nürburgrings in Höhe der Anbindung der Nordschleife und der Start-und-Zielgeraden. Das Fahrerlager ist die älteste erhaltene Boxenanlage in Form eines Gevierts weltweit. mini|hochkant=1.2|Prewar Meeting, Nürburgring Classic 2017 Heute wird die 7200 m² große Anlage fast nur noch als Zusatzfläche für das neuere, gut achtmal so große Grand-Prix-Fahrerlager genutzt. Bei Oldtimer-Veranstaltungen hingegen wird das historische Fahrerlager mit seiner zeitgenössischen Kulisse immer wieder zu einer der Hauptattraktionen, wie zum Beispiel bei den „Prewar Meetings“ im Rahmen der Nürburgring Classic, beim Oldtimer-Festival oder beim Oldtimer-Grand-Prix.

Geschichte

Bei der Planung der neuen Rennstrecke in den 1920er-Jahren wurde ein für die damalige Zeit großzügiges Rennfahrerlager vorgesehen und umgesetzt. In der Anfangsphase waren 70 abschließbare Garagen um den 4400 m² großen Platz angeordnet, 58 für Automobile und 12 für Motorräder; heute besteht das Fahrerlager noch aus nominal 59 Boxen. Mit den Jahren wurden 20 Boxen zu Büros, Werkstätten, Lagerflächen, Ladenlokalen oder Gastronomiebetrieben umgebaut, andere fielen dem Platzbedarf größerer Zufahrten zum Opfer, aber die Grundfläche wurde seit 1927 nicht verändert.

In der Mitte befand sich anfangs eine Zeltanlage, später eine große Waschhalle.

Für heutige Verhältnisse waren die Boxen zu eng und zu dunkel; außerdem war der Platz bei Veranstaltungen mit über 200 Teilnehmern sehr beschränkt, viele Reparaturen mussten entsprechend vor der Box durchgeführt werden. Der Kontakt zwischen Teams und Zuschauern und Presse war in der Zeit dadurch viel direkter als nach dem Bau der Grand-Prix-Strecke mit den neuen Boxenanlagen.

In den 1970er-Jahren war die Sicherheit des Nürburgrings immer mehr diskutiert und die Forderung nach einer modernen, sicheren Formel-1-tauglichen Rennstrecke nach dem letzten Lauf 1976 immer lauter geworden. Ende 1982 begann die Umgestaltung der Südschleife und der Start-und-Ziel-Schleife zur Grand-Prix-Strecke. Im Innenbereich der Grand-Prix-Strecke wurde auch ein modernes, viel größeres Fahrerlager mit einer Mehrzweck-Boxenanlage errichtet. Die Grand-Prix-Strecke wurde am 12. Mai 1984 eröffnet.

Mit der Eröffnung des „Grand-Prix-Fahrerlagers“ wurde der Tunnel zwischen dem alten Fahrerlager und der Start-und-Ziel-Geraden erweitert, das Alte Fahrerlager wurde kaum noch genutzt und verfiel zusehends. Später lagerte hier länger die alte Sprecherkabine, bevor sie einen neuen Standort auf einem Ausstellungscontainer direkt vor der Einfahrt in das alte Fahrerlager fand.

Nach mehreren Erweiterungen ist das „neue“ Grand-Prix-Fahrerlager heute über 58.000 m² groß, also mehr als achtmal so groß wie das alte Fahrerlager, das mittlerweile allgemein „historisches Fahrerlager“ genannt wird.

Restaurierung und Wiedereröffnung 2011 mini|Eröffnung 30. April 2011, Nürburgring Revival. Das „Alte Fahrerlager“ wurde von Sommer 2010 bis Frühjahr 2011 aufwendig restauriert und am 30. April 2011 im Rahmen der Oldtimer-Veranstaltung „Nürburgring Revial“ offiziell als „historisches Fahrerlager“ wieder eröffnet.

Die Boxen wurden optisch zurückgebaut und vereinheitlicht. Dafür wurden die Wellblechverkleidungen und Oberlichter instand gesetzt, die Rolltore und die Beleuchtung entsprechend zeitgenössischen Vorbildern erneuert.

Zusätzlich wurden auch alte Werbetafeln im Wechsel mit Gedenkplaketten arrangiert, über den Boxen wurden neue Boxennummern, Nationalflaggen, und Namensschilder wichtiger Persönlichkeiten aus dem Rennsport angebracht. Die Lautsprecheranlage wurde durch Horn-Lautsprecher im Retrostil ersetzt.

Über die gesamte Nordwestseite des Fahrerlagers wurde ein Banner mit einem bereits 1935 verwendeten Werbespruch angebracht:

Boxen, Ehrungen und Nutzung heute mini|Box 43/44 mit Namensschildern Hans Herrmann und Cenec & Elisabeth Junek Einzelne Boxen werden heute als Ladengeschäfte, Büros, Lagerräume oder Gastronomie genutzt. An der Mehrzahl der Boxen erinnern Namensschilder an besondere Persönlichkeiten aus dem Rennsport.

Die Boxen im Historischen Fahrerlager sind im Uhrzeigersinn nummeriert, beginnend bei der „Auffahrt neues-/Grand-Fahrerlager“, mit dem Imbiss in Box 1 (Stand 07/2022).

+BoxEhrengalerieheutige Nutzung Namen ErläuterungBoxen 1 – 13 (nordwestliche Reihe, parallel zur Rennstrecke) - -Büro Zugangskontrolle Grand-Prix-Fahrerlager Zufahrt B / Tunnel (Auffahrt neues-/Grand-Prix-Fahrerlager) 1 -Imbiss: „Box 1“ (vormals BoxNStop) 2 - 3 Heinz Kürten(* 23. Mai 1901 in Düsseldorf; † 22. Juni 1981 ebenda), Gesamtsieger Motorrad-Seitenwagen bei der Nürburgring-Eröffnung 1927.Lagerraum 4Clay Regazzoni(* 5. September 1939 in Porza; † 15. Dezember 2006 nahe Fontevivo bei Parma, Italien) war ein Schweizer Automobilrennfahrer. Er startete von 1970 bis 1980 in der Formel 1 und wurde 1974 Vizeweltmeister. 5Wolfgang Graf Berghe von Trips(* 4. Mai 1928 in Köln; † 10. September 1961 in Monza) war ein deutscher Automobilrennfahrer. Er startete von 1957 bis zu seinem Unfalltod 1961 in der höchsten automobilen Rennklasse Formel 1, in der er posthum Vizeweltmeister wurde. 6Niki Lauda(* 22. Februar 1949 in Wien; † 20. Mai 2019 in Zürich) war ein österreichischer Automobilrennfahrer, Unternehmer und Pilot. Er startete zwischen 1971 und 1985 in der Formel 1 und wurde dreimal Weltmeister. 7Alberto Ascari(* 13. Juli 1918 in Mailand; † 26. Mai 1955 in Monza) war ein italienischer Automobilrennfahrer. Er startete in den frühen 1950er Jahren in der Automobil-Weltmeisterschaft (Formel 1), wo er mit 13 Grand-Prix-Siegen und zwei Weltmeistertiteln einer der erfolgreichsten Piloten war. 8Juan Manuel Fangio(* 24. Juni 1911 in Balcarce; † 17. Juli 1995 in Buenos Aires) war ein argentinischer Automobilrennfahrer. Er prägte die Anfangsjahre der Formel 1 und wurde in dieser Klasse fünfmal Weltmeister, einer der erfolgreichsten Rennfahrer in der Geschichte des Grand-Prix-Sports. 9Bernd Rosemeyer(* 14. Oktober 1909 in Lingen (Ems); † 28. Januar 1938 auf der Reichsautobahn Frankfurt–Darmstadt bei Mörfelden-Walldorf) war ein deutscher Motorrad- und Automobilrennfahrer. Er wurde 1936 Grand-Prix-Europameister. 10Gijs van Lennep(* 16. März 1942 in Aerdenhout) ist ein ehemaliger niederländischer Automobilrennfahrer. Er entstammte dem Geschlecht Van Lennep. Sieger 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1971 und 1976, Formel 1 von 1971–1975. 11Hans Stuck(* 27. Dezember 1900 in Warschau, Russisches Kaiserreich; † 9. Februar 1978 in Grainau) war ein deutsch-österreichischer Automobilrennfahrer. Hans Stuck ging als „der Bergkönig“ in die Motorsportgeschichte ein, weil er besonders bei Bergrennen sehr viele Erfolge erzielte. Er galt zudem als Prototyp des Herrenfahrers. 12Stirling Moss(* 17. September 1929 in London, England; † 12. April 2020 ebenda) war ein britischer Automobilrennfahrer. Er startete zwischen 1951 und 1961 in der höchsten automobilen Motorsportklasse (Formel 1) und gilt mit vier Vizeweltmeisterschaften und 16 Grand-Prix-Siegen als der erfolgreichste Fahrer unter denen, die nie Weltmeister wurden. 13Links: Mike Hawthorn

Rechts:

Heinz ArndtMike Hawthorn: (* 10. April 1929 in Mexborough, Yorkshire; † 22. Januar 1959 bei Guildford) war ein englischer Autorennfahrer, Le-Mans-Sieger und Formel-1-Weltmeister des Jahres 1958. Heinz Arndt: (* 1942; † 2020), „Hein vom Nürburgring“, langjähriger Helfer und Materialwart bei zahlreichen Motorsportveranstaltungen.Materiallager des ADAC -Links: Jackie StewartJackie Stewart: (* 11. Juni 1939 in Milton (West Dunbartonshire), Schottland) ist ein ehemaliger britischer Automobilrennfahrer und Motorsport-Funktionär. Er startete zwischen 1965 und 1973 in der Formel 1 und wurde in dieser Klasse dreimal Weltmeister (1969, 1971 und 1973).BüroBoxen 14 – 29 (nordöstliche Reihe, angrenzend zum ehemaliges Industrielager / Nürburgring Rennfahrerschule) 14Rechts: Jacques LaffiteJacques Laffite: (* 21. November 1943 in Paris) ist ein ehemaliger französischer Automobilrennfahrer, der von 1974 bis 1986 in der Formel 1 fuhr. In 176 Grand-Prix-Rennen errang er sechs Siege, sieben Pole-Positions sowie 228 Weltmeisterschaftspunkte.Werkstatt Nürburgring 15Ayrton Senna(* 21. März 1960 in São Paulo; † 1. Mai 1994 in Bologna) war ein brasilianischer Automobilrennfahrer. Er wurde dreimal Weltmeister in der Formel 1. 16Emerson Fittipaldi(* 12. Dezember 1946 in São Paulo) ist ein ehemaliger brasilianischerRennfahrer und zweifacher Formel-1-Weltmeister. Er wurde 1972 der bis dahin jüngste Weltmeister der Geschichte.Büro 17Stefan Bellof(* 20. November 1957 in Gießen; † 1. September 1985 in Stavelot, Belgien) war ein deutscher Automobilrennfahrer. 1984 und 1985 fuhr Bellof in der Formel 1. Seine größten Erfolge erreichte er bei Sportwagenrennen. In der Saison 1984 wurde er Langstrecken-Weltmeister, Deutscher Rennsportmeister und Fahrer-Europameister.Büro 18Edgar Barth(* 26. Januar 1917 in Herold; † 20. Mai 1965 in Ludwigsburg) war ein deutscher Automobilrennfahrer. Er fuhr zunächst in der DDR Motorradrennen, wechselte dann in den Sportwagensport und startete später in der Formel 2 und ab 1953, sowie 1957–1960 und 1964 in der Formel 1.Ladenlokal Zufahrt C (ehemaliges Industrie-Fahrerlager, heute Nürburgring Rennfahrerschule) 19Bob Wollek(* 4. November 1943 in Straßburg; † 16. März 2001 in Sebring, Florida) war ein französischer Automobilrennfahrer. Wollek startete 24 Jahre (1968–1992) in der Sportwagen-Weltmeisterschaft und wurde unter anderem 1978 mit dem Porsche-Team Kremer Racing Weltmeister. 20David Piper(* 2. Dezember 1930 in Edgware) ist ein ehemaliger britischer Automobilrennfahrer. Piper startete von 1957–1970 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft und 1959 / 1960 in der Formel 1. 21Jürgen Neuhaus(* 29. Juni 1941 in Wuppertal; † 17. Februar 2022) war ein deutscher Automobilrennfahrer und Unternehmer. Neuhaus startete 1967–1977 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. 22Kurt AhrensKurt Ahrens jun.: (* 19. April 1940 in Braunschweig) ist ein ehemaliger deutscher Rennfahrer. Er startete bis ca. 1963 als Kurt Ahrens jun. (auf Cooper).