Neoplan (eigene Schreibweise NEOPLAN) ist eine Omnibus-Marke der MAN Truck & Bus. Ursprünglich war Neoplan der Markenname, unter dem die 1935 gegründete Gottlob Auwärter GmbH & Co. KG ab 1953 selbsttragende Omnibusse herstellte. Nach der Übernahme der Busproduktion von Auwärter durch MAN existierte ab 2001 die Neoplan Bus GmbH als Teil der Neoman-Unternehmensgruppe, die 2008 in der MAN Nutzfahrzeuge AG aufging. Von 2008 bis 2013 wurden einige unter der Marke Neoplan angebotene Produkte von dem inzwischen insolventen, unabhängigen Hersteller Viseon gebaut und vertrieben.

Standorte mini|Ehemaliges Neoplan-Stammwerk in Stuttgart-Möhringen

Deutschland Das Stammwerk von Gottlob Auwärter befand sich ab 1935 in Stuttgart-Möhringen. Zum Jahreswechsel 2005/2006 wurde dort die Produktion eingestellt und das Werk zum reinen Service- und Vertriebszentrum umgewandelt. Die Unternehmenszentrale zog im Jahr 2006 in das niederbayerische Pilsting um, ebenso wurden inzwischen die restlichen Aktivitäten (z. B. Bau von Lkw-Anhängern) am Standort Stuttgart-Möhringen aufgegeben und das Gelände an die Häussler-Gruppe verkauft. Im Frühjahr 2007 zog das Omnibusmuseum von Möhringen nach Pilsting um. Das Stammwerk wurde endgültig am 30. April 2007 geschlossen. Ab Ende 2007 liefen die Abbrucharbeiten. Das gesamte Gelände, auf dem die Fa. Gottlob Auwärter gegründet wurde, wich einem neuen Wohn- und Arbeitsgebiet am Probstsee.

Ein erstes Zweigwerk wurde 1973 in Pilsting angekauft. Schon ab 1977 wurden dort mehr Busse produziert als im Stammwerk. Dort fand dann die Endmontage aller Neoplan-Baureihen sowie der MAN-Doppeldeckerbusse für Berlin, Dubai u. a. statt. 2008 gab MAN bekannt, dass auch in diesem Werk keine Serienfertigung von Neoplan-Omnibussen mehr stattfinden sollte. Das Werk sollte von der neugegründeten Viseon Bus GmbH übernommen und für die Herstellung von Sonderfahrzeugen genutzt werden.

Das Werk im Berliner Bezirk Spandau fertigte ab 9. März 1981 zunächst Kleinbusse der Telebus-Reihe hauptsächlich für die von der Studiengesellschaft Nahverkehr (SNV) entwickelte Behindertenbeförderung mit Niederflur-Midibussen in Berlin. Später wurde im Montageverbund mit den Werken Plauen und Ehrenhain die Transliner-Baureihe hergestellt. 2001 wurde die Produktion dort eingestellt und das Werk in ein Service- und Vertriebszentrum umgewandelt.

In Ehrenhain in Thüringen konnte schon am 14. Dezember 1990 das erste Werk in den neuen Bundesländern die Produktion aufnehmen. Es wurden sowohl Busse montiert als auch eine Zuliefererfunktion für die großen Werke wahrgenommen. Heute ist in Ehrenhain die Göppel Bus GmbH (zuvor Neoplan Göppel GmbH) ansässig, die anschließend ganz ins Eigentum des Unternehmens Markus Göppel in Augsburg übergegangen war. Für Neoplan war Ehrenhain nur noch Servicezentrum. Hergestellt wurden dort Göppel-Aufbauten auf MAN-Midibus-Fahrgestellen bis zur Insolvenz 2014.

In Plauen (Sachsen) befindet sich derzeit das Hauptwerk. Es entstand am 6. Dezember 1991 durch Umwandlung aus einem Volkseigenen Betrieb, der Arbeiten an ungarischen Ikarus-Bussen ausgeführt hatte. Dort fanden Rohbau und Teilmontage der hochwertigen Neoplan-Reisebusse statt, sowie der übrigen Typen, die noch in der Zeit vor der Übernahme durch MAN entwickelt wurden, also v. a. der Centroliner-Baureihe 4400. Die Produktion sollte wegen mangelnder Auslastung ab März 2015 komplett in die Türkei verlegt werden.http://www.entry.man.eu/de/de/presse-und-medien/MAN-konzentriert-Produktion-von-Reisebussen-im-Werk-Ankara--125696.html Zum 1. Mai 2015 wurde das Werk in ein „Bus Modification Center“ umgewandelt.

Niederlassungen ohne Produktion existieren in München (ab 3. Januar 1976) und in Herrenberg (ab 30. April 1993).

Andere Länder mini|Neoplan-Doppeldeckerbus in Japan

Eines der ersten Joint-Ventures des damals noch jungen Unternehmens Gottlob Auwärter GmbH & Co. KG kam Mitte der 1950er Jahre mit dem in Jinhua ansässigen und ebenfalls neuen Unternehmen China Youth Automotive zustande, die danach Busmodelle unter den Markennamen „Neoplan“ und „Youngman-Neoplan“ für den chinesischen Markt herstellte und vertrieb. Einige Einheiten waren auch für den Export bestimmt.

Das zweite ausländische Werk wurde am 12. Dezember 1974 in Kumasi (Ghana) eröffnet. Auch dabei handelte es sich um ein Joint Venture, das zwischen der Republik Ghana und der Neoplan Bus GmbH beschlossen wurde. Lange Zeit wurden dort Modelle der Tropic-Reihe gefertigt. Das aktuelle Produkt trägt den Namen „Tropicliner“. Ein weiteres Werk in Ghana existierte in Accra seit dem 12. Dezember 1978.

In Bellville bei Kapstadt in Südafrika ist die Neoplan Southern Africa Ltd. ansässig: ein von Auwärter bzw. MAN unabhängiges Unternehmen, das Neoplan-Reisebusse in Lizenz baut. Neben dem „Tropicliner“ werden auch mehrere der aus Europa bekannten Baureihen angeboten.

Den Sprung in die USA wagte Neoplan mit einem Werk in Lamar (Colorado), das ab 23. Mai 1981 in Betrieb war. Später wurden die US-Aktivitäten in ein unabhängiges Unternehmen namens Neoplan USA ausgegliedert, das Linienbusse nach Neoplan-Lizenzen herstellte. Nach einem starken Rückgang des Marktes für Linienbusse und zunehmenden Qualitätsproblemen stellte Neoplan USA 2006 die Produktion ein.

Ein zweites, 1986 eröffnetes US-Werk in Honey Brook (Pennsylvania) stellte Midibusse her und existierte nicht lange. Gründe dafür waren einerseits der Rückgang öffentlicher Aufträge nach Subventionsstreichungen, andererseits aber auch die Organisation der Belegschaft in Gewerkschaften und die Forderungen nach Lohnerhöhungen.Atmosphäre gestört. In: Der Spiegel, Heft 3/1989, S. 86–87. Online

Eine weitere Auslandsniederlassung gab es in Paris (ab 3. Oktober 1978).

In Bolechowo (Polen) wurde unter dem Namen Neoplan Polska Sp. z o.o. 1994 eine Vertriebsorganisation für den polnischen Markt aufgebaut, an der Auwärter zeitweise mit 30 % beteiligt war. 1996 wurde die Produktion von Bussen nach Neoplan-Lizenzen aufgenommen, und bald war das Unternehmen in Polen Marktführer bei Stadtlinienbussen. Ab 1999 wurden die Fahrzeuge von Neoplan Polska mit einer vom IFS Designatelier (Berlin) entworfenen eigenständigen Karosserie und unter dem Namen Solaris Urbino verkauft. Nach der Übernahme durch MAN trennte sich Neoplan von dieser Beteiligung. Folglich wurde auch die Firma des Unternehmens in Solaris Bus & Coach geändert.

Bei denjenigen Typen, die seit der Übernahme durch MAN neu eingeführt wurden und weitgehend baugleich mit MAN-Modellen sind, werden die Rohbauten in der Türkei bzw. in Polen gefertigt. Die Flughafenbusse werden bei TVM in Slowenien produziert.

Wichtige Exportmärkte für Neoplan sind neben den meisten europäischen Ländern der arabische Raum und Hongkong.

Personen Gottlob Auwärter jr. gründete das Unternehmen 1935. 1953 rief er mit seinem ersten selbsttragenden Omnibus die Marke „Neoplan“ ins Leben. Er leitete das Unternehmen bis 1965, arbeitete bis ins hohe Alter weiter mit und starb 1993.

Albrecht Auwärter, sein ältester Sohn, übernahm die Unternehmensleitung 1965. Unter seiner Führung erlebte das Unternehmen eine Phase rasanten Wachstums. In weniger als zwanzig Jahren wurde der Umsatz mehr als vervierzigfacht. Er starb überraschend 1994.

Konrad Auwärter, der zweite Sohn, entwickelte als Diplomarbeit 1964 einen Leichtbau-Doppeldecker für den Linieneinsatz. Er baute das Werk in Pilsting auf und leitete es, bis er nach dem Tod des Bruders den Vorsitz des neu geschaffenen Verwaltungsrats übernahm, den er bis zur Übernahme durch MAN 2001 innehatte. Er forcierte u. a. umweltfreundliche Antriebstechnologien.

Bob Lee entwickelte 1961 zusammen mit Albrecht Auwärter als Diplomarbeit an der Universität Hamburg den legendären Neoplan Typ Hamburg. Schon bald leitete er die Entwicklungsabteilung des Unternehmens. Daneben baute er die amerikanischen Werke von Neoplan auf. Unzählige Neoplan-Omnibusse von den 1960er Jahren bis zur Übernahme durch MAN tragen in Design und Technik bis ins Detail seine Handschrift. Vor seiner Pensionierung im Jahr 2000 war er Sprecher des Vorstands.

Zwei Männer, die die Blütezeit der Marke Neoplan maßgeblich mitgestaltet haben, Bob Lee und Volker Steimle, organisieren heute die Expansion des türkischen Omnibusherstellers Temsa nach Westeuropa. Deren neuestes Produkt, der Reisebus Diamond, erinnert denn auch an frühere Neoplan-Busse.

Geschichte 1930er und 1940er Jahre mini|Auwärter-Karosserie von 1948 auf Daimler-Benz-Fahrgestell von 1940

Seit den 1920er Jahren war Gottlob Auwärter in der väterlichen Wagnerwerkstatt (der späteren Ernst Auwärter KG) für den neu aufgenommenen Karosseriebau verantwortlich. Da der 1854 gegründete Betrieb dem aufstrebenden Unternehmenszweig zu enge Grenzen auferlegte, gründete Gottlob Auwärter in Stuttgart-Möhringen sein eigenes Unternehmen, das zur Unterscheidung von dem seines Vaters zunächst als Gottlob Auwärter jr. firmierte. Es wurden Busse und Lastwagen auf Fahrgestellen aller namhaften Hersteller des deutschsprachigen Raums aufgebaut. Schon bald waren luxuriöse Reisebusse mit großzügiger Panoramaverglasung die Spezialität von Auwärter. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der größte Teil der Belegschaft an den Stuttgarter Flughafen abkommandiert, um dort Flugzeuge zu reparieren, während die wenigen Verbliebenen u. a. hölzerne Pferdewagen für den Russlandfeldzug herstellten. Schon bald nach dem Krieg florierte das Unternehmen wieder. Die robuste Ganzstahlbauweise wurde eingeführt.

1950er Jahre mini|Auwärter Neoplan NH6-7 Baujahr 1958, 132 PS

In der auftragsschwachen Herbst- und Winterzeit wurden Karosserien für Schienenbusse der Württembergischen Eisenbahngesellschaft produziert, um die Auslastung des Werks sicherzustellen. 1953 wurde unter dem neu geschaffenen Markennamen „Neoplan“, ein Akronym für Neuzeitliche Omnibus-PlanungNEOPLAN / Deutz N 416 SL II auf www.omnibusclub.de, ein völlig neuer Typ vorgestellt: der erste selbsttragende Omnibus aus dem Hause Auwärter. Er hatte kein separates Chassis mehr, sondern ein mit Blechen beplanktes Gerippe, das Fahrgestell und Aufbau miteinander vereinigte, übernahm die tragende Funktion. Gottlob Auwärter hatte erkannt, dass nur Hersteller von Komplettbussen auf dem deutschen Markt langfristig eine Überlebenschance haben würden. 1957 führte Auwärter als erster Omnibushersteller eine neue Achskonstruktion mit Luftfederung und vorderer Einzelradaufhängung ein und ermöglichte so einen höheren Fahrkomfort.

1960er Jahre mini|Typ Hamburg mini|Do-Lux als Rundfahrtbus während der Landesgartenschau in Bayreuth, 2016

1960 wurden die sogenannten Flughafen- oder Vorfeldbusse für den Transport von Flugpassagieren vom Terminal zum Flugzeug vorgestellt; in diesem selbst geschaffenen Marktsegment blieb Neoplan Marktführer und erreichte zeitweise einen Marktanteil von etwa 90 %. 1961 überraschte Neoplan die Fachwelt mit dem Typ Hamburg, der als der erste moderne Reisebus gelten kann. Albrecht Auwärter und Bob Lee hatten ihn als Diplomarbeit an der Universität Hamburg konstruiert. Auffällig war das für damalige Verhältnisse kantige Design mit guter Raumausnutzung. Der Fahrerplatz wurde gegenüber dem Fahrgastraum tiefergelegt, und die Sitze wurden auf Podesten angeordnet. Zwei Luftkanäle im Dach versorgten jeden Fahrgastplatz mit Frischluft, die durch individuell regelbare Düsen austrat. Typisch für Neoplan wurden die in die Dachrundung hineingewölbten großen Fenster mit schräggestellten Fensterholmen, die die damals üblichen separaten Seitenscheiben und Dachrandverglasung ersetzten.

Lange Zeit wurden die Neoplan-Omnibusse vorwiegend mit wassergekühlten Motoren von Henschel oder luftgekühlten von Deutz ausgestattet. Später ging man zu Aggregaten von MAN und Daimler-Benz über, in erster Linie, weil die Herstellung von Henschel-Motoren nach der Übernahme von Hanomag-Henschel durch Daimler-Benz Mitte der 1970er Jahre trotz großer Nachfrage von Neoplan und auch Kässbohrer Setra eingestellt wurde.