mini|Róbert Juharos während seiner Rede auf der Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989 in Ost-Berlin. Róbert Juharos (* 1968) ist ein ungarischer konservativer Politiker (Fidesz), Rechtsanwalt und ehemaliger Bürgerrechtler. In der Legislaturperiode von Mai 1998 bis April 2002 saß er als Abgeordneter im ungarischen Parlament.
Leben Herkunft und Ausbildung Sein Vater arbeitete sowohl an der Franz-Liszt-MusikakademieJózsef Terék: „Molnár Tiborra emlkezünk“. Am 7. Dezember 2020 auf tapiokultura.hu. Abgerufen am 3. Mai 2021. in der ungarischen Hauptstadt Budapest als auch in der Bundesrepublik DeutschlandPatrick Bauer: Der Traum ist aus. Aber wir werden alles geben, dass er Wirklichkeit wird. E-Book, Rowohlt Verlag, Hamburg, 2019, ISBN 978-3-498-00151-3. als Querflötenlehrer. Juharos selbst besuchte dadurch Schulen in Ungarn sowie in der Bundesrepublik. Bis 1990 studierte er in Köln an der dortigen Universität und der Fachhochschule. Er verkehrte allerdings in beiden deutschen Staaten und hielt Kontakt zu Aktivisten der friedlichen Revolution in der DDR und zu DDR-Exilanten in Westdeutschland. So war er während dieser Zeit beispielsweise sehr gut mit dem Schriftsteller und Bürgerrechtler Jürgen Fuchs befreundet und traf auch mehrmals den Liedermacher Wolf Biermann.Patrick Bauer: „Der schönste Tag der DDR“. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, 4. Oktober 2019. Sowohl Fuchs als auch Biermann waren aus der DDR zwangsausgebürgert worden.
Anschließend wechselte Juharos an die private politikwissenschaftliche Hochschule Századvég Politikai Iskola sowie an das Institut für Soziologie der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest. Der Stadt blieb er auch während seiner weiteren akademischen Ausbildung verbunden: 1997 erwarb er an der Eötvös-Loránd-Universität einen Abschluss in Rechtswissenschaft und 1998 war er postgradualer Student für Wirtschafts- und Rechtswissenschaft an der Corvinus-Universität.Profil zu Róbert Juharos während seiner Zeit als Parlamentsabgeordneter. Abgerufen auf static.valasztas.hu (Nationalwahlamt) am 3. Mai 2021.
Berufsleben Zeitweise arbeitete Juharos in der Kanzlei des KDNP-Parlamentsabgeordneten György Rubovszky (1944–2017).András Dezső: „Roland Mengyi, the Fidesz Voldemort: from billionaire’s front man to politician“. Am 18. August 2016 auf hungarianspectrum.org. Abgerufen am 3. Mai 2021. In den 2000er Jahren führte er gemeinsam mit Ramóna Mengyi – der Ehefrau seines Parteifreundes, späteren Parlamentsabgeordneten und 2019 wegen Vorteilsgewährung und Beihilfe zum Betrug verurteilten Roland Mengyi – ein Immobilienunternehmen.
Er betreibt eine Anwaltskanzlei im innerstädtischen Budapester Bezirk Belváros-Lipótváros (V. Bezirk) und kooperiert mit einer Kanzlei in der deutschen Stadt Trier. Am 20. März 2012 wurde ihm seitens der Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Koblenz die Zulassung erteilt, die mit einer Pflichtmitgliedschaft in der Kammer verbunden ist. Seitdem ist er im Landgerichtsbezirk Trier registriert.„Personalnachrichten“. In: Kammerreport der Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Koblenz. Heft 2, Juli 2012, Seite 14.
Im Jahr 2020 entstand als Ausgründung der Budapester Kanzlei die Vámház Audit Felszámoló és Gazdasági Tanácsadó Zrt., die sich auf Liquidationen und Unternehmensberatung spezialisiert hat.„Cégünkről“. Abgerufen auf vamhazaudit.hu (Vámház Audit Felszámoló és Gazdasági Tanácsadó) am 3. Mai 2021. Darüber hinaus ist Juharos (Stand: Januar 2021) Mitglied im Direktorat der Lilla-Holding Zrt. sowie Mitglied im Aufsichtsrat der kommunalen Stadtentwicklungsgesellschaft Józsefvárosi Rehabilitációs és Városfejlesztési Zrt. (Rév8).„Ilyen gazdagok a józsefvárosi képviselők: vagyonnyilatkozatok“. Am 12. Februar 2021 auf 8.kerulet.ittlakunk.hu. Abgerufen am 3. Mai 2021.
Politische Karriere Juharos war im Widerstand gegen die kommunistische Einparteien-Diktatur der USAP aktiv und zählte im März 1988 zu den Gründungsmitgliedern des Bundes junger Demokraten, aus dem sich später die Partei Fidesz entwickelte. Während seines Studiums in Deutschland sprach er als Vertreter des Bundes am 4. November 1989 in Ost-Berlin auf der Alexanderplatz-Demonstration, der größten nicht staatlich gelenkten Demonstration in der Geschichte der DDR. Seine zweieinhalbminütige Rede lautete wie folgt: „Ich heiße Róbert Juharos. Ich komme aus Ungarn von dem Verband der jungen Demokraten. Liebe Freunde! Uns – die Völker Mittel- und Osteuropas – verbindet nicht nur unsere gemeinsame Vergangenheit – die 40 dunklen Jahre der Diktatur und Unterdrückung. Uns verbindet auch der Wunsch nach einer wirklichen Demokratie, in der wir frei über unser Leben entscheiden können. [Applaus] Bis vor Kurzem wurde die Politik unserer Länder von Moskau aus bestimmt. Unsere Regierungen, die von uns nie frei gewählt werden konnten, haben uns so weit entmündigt, dass es in unseren Ländern zu einer tiefen wirtschaftlichen, kulturellen, ökologischen und moralischen Krise gekommen ist. [Applaus] Mit dem Beginn der Perestroika und der damit verbundenen veränderten Außenpolitik der Sowjetunion ist eine neue Situation in Osteuropa entstanden: Wir haben jetzt die einmalige Chance, Demokratisierungen in unseren Ländern durchzuführen. [Applaus] Der Zug zu Demokratie und Freiheit darf nicht auf halber Strecke stehen bleiben. Es gibt kein bisschen Pluralismus, es gibt kein bisschen Rechtssicherheit, es gibt kein bisschen Pressefreiheit. Wir sind der Meinung, dass ein gemeinsames europäisches Haus nur mit demokratisierten Staaten gebaut werden kann, und wir fordern daher radikale Reformen in allen Ländern des Ostblockes. [Applaus] Wir rufen alle demokratischen oppositionellen Bewegungen, Vereinigungen und Parteien der Staaten des Ostblockes auf, an der Gründung eines internationalen Forums der Opposition mitzuwirken. [Applaus] Seid euch unserer Solidarität bei eurem gewaltfreien Kampf für Demokratie sicher!“ [Applaus]Abschrift der Rede von Róbert Juharos auf der Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989 in Berlin. Abgerufen auf dhm.de (Stiftung Deutsches Historisches Museum) am 3. Mai 2021.Video der Rede von Róbert Juharos auf der Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989 in Berlin. Am 19. Januar 2013 auf youtube.com (YouTube). Abgerufen am 3. Mai 2021. Er war Mitbegründer und langjähriger Präsident des Fidesz-Bezirksverbandes in Józsefváros (VIII. Budapester Bezirk). Seit dem Jahr 1990 ist Juharos Deputierter im BezirksbeiratProfil zu Róbert Juharos auf der Website des Bezirksbeirates Józsefváros. Abgerufen auf jozsefvaros.hu am 3. Mai 2021. und saß dort im Laufe der Jahrzehnte in zahlreichen unterschiedlichen Ausschüssen. Von Oktober 1990 bis Dezember 1994 sowie erneut zwischen Oktober 1998 und Oktober 2006 gehörte er darüber hinaus für drei Legislaturperioden als Abgeordneter dem Budapester Stadtrat an. Bei der Parlamentswahl 1998 gelang ihm der Gewinn des Direktmandates im Wahlkreis 11 in Józsefváros. Nachdem er in der ersten Runde am 10. Mai zunächst den zweiten Platz belegt hatte, konnte er sich in der Stichwahl am 24. Mai knapp gegen die Amtsinhaberin Magda Kósáné Kovács (1940–2020) von der MSZP durchsetzen. Dabei erhielt er 12.016 Stimmen, was 50,64 Prozent entsprach.Ergebnisse der Stichwahl zur Parlamentswahl 24. Mai 1998 im Wahlkreis 11. Abgerufen auf static.valasztas.hu (Nationalwahlamt) am 3. Mai 2021. Im Parlament war er Mitglied des Verfassungsausschusses.„Juharos Róbert (1968, Budapest) - Fidesz“. Abgerufen auf origo.hu am 3. Mai 2021. Er vermochte jedoch nicht, sein Direktmandat bei der folgenden Parlamentswahl 2002 zu verteidigen. In der Stichwahl am 21. April erreichte er lediglich 11.975 Stimmen (41,94 Prozent) und verlor vergleichsweise deutlich gegen Gábor Hárs (MSZP).Ergebnisse der Stichwahl zur Parlamentswahl 21. April 2002 im Wahlkreis 11. Abgerufen auf static.valasztas.hu (Nationalwahlamt) am 3. Mai 2021. Zwischenzeitlich galt Juharos als vielversprechender und aufstrebender Akteur innerhalb seiner Partei. Seine nationale Karriere wurde allerdings ausgebremst, als er sich Mitte der 2000er Jahre mit dem Unternehmer Lajos Simicska – dem damals wichtigsten Gelbgeber von Fidesz – überwarf.
Zwischen 1998 und 2002 war Juharos Berater der ersten Regierung Viktor Orbáns. Durch seine Kontakte ermöglichte er im Mai 2010 Roland Mengyi, dem Ehemann seiner ehemaligen Geschäftspartnerin, den Einzug ins Parlament. Darüber hinaus war er auch Berater von Máté Kocsis tätig, der zwischen 2009 und 2018 als Bezirksbürgermeister von Józsefváros amtierte.Erőss Gábor: „Súlyos szennyezés a VIII. kerületben – Kocsis Máté eltussolná? Interjú Erőss Gáborral“. Am 11. August 2017 zsurpubi.hu. Abgerufen am 3. Mai 2021. Zeitweilig, nachweislich zum Beispiel im Dezember 2013, fungierte er zudem als Berater für den Ausschuss für Stadtverwaltung in Józsefváros.„New part of the 8th district is to be renewed“. Am 4. Dezember 2013 towerbudapest.com. Abgerufen am 3. Mai 2021.
Politische Positionen Durch seine jahrzehntelange kommunalpolitische Arbeit im Bezirksbeirat von Józsefváros, seine zwischenzeitliche unternehmerische Tätigkeit in der Immobilienbranche und ein engmaschiges Netz an Kontakten in die höheren politischen Ebenen gilt Juharos als maßgeblich verantwortlich für die städtebauliche Entwicklung des Bezirkes seit 1990 sowie für dortige Grundstückserschließungen und Immobilienprojekte. Es wird gemeinhin als sein Verdienst angesehen, dass der zuvor heruntergekommene Bezirk im Laufe der Jahre ein attraktiverer Standort für Bewohner und Investoren gleichermaßen wurde. Der vormalige Bezirksbürgermeister Máté Kocsis betraute ihn auch persönlich mit der Leitung von Quartiersplanungen. In einem Blog-Artikel aus dem August 2016 findet sich die zugespitzte Formulierung: „Alles, was mit der Bezirksentwicklung zu tun hat oder mit Projektentwicklung und Grundstückserschließung verbunden ist, lief über ihn.“