Die Schlacht um Shanghai vom 13. August bis zum 9. November 1937 war die erste größere Schlacht im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg. Die japanische Armee griff im August 1937 die chinesische Stadt Shanghai an. Nach schweren Kämpfen in der Innenstadt, die mit der Zerstörung eines Großteils Shanghais endeten, eroberten die japanischen Truppen im November die Stadt. Die Verluste waren auf beiden Seiten sehr hoch.

Hintergrund Bereits im Zuge der Mandschurei-Krise von 1931/32, während deren Japan die Mandschurei besetzt und dort den Marionettenstaat Mandschukuo etabliert hatte, war es in Shanghai nach einem Boykottaufruf für japanische Waren zum „Ersten Shanghai-Zwischenfall“ zwischen japanischen und nationalchinesischen Truppen gekommen. Dabei hatten die Japaner die Demilitarisierung Shanghais und seines Umlands durch die Chinesen sowie das Recht zur Stationierung einer kleinen japanischen Garnison zum Schutz der ausländischen Konzessionen in der Stadt erreicht. In der Folgezeit verstärkten sich die Feindseligkeiten zwischen China und Japan. Der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke am 7. Juli 1937 führte zum Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg. Japan besetzte ohne größere Gegenwehr weite Gebiete im Norden Chinas. mini|Chiang Kai-shek mini|Japanische Truppen 20 km nördlich von Shanghai Der chinesische Führer Chiang Kai-shek arbeitete nach dem schnellen Vormarsch der Japaner im Norden aktiv darauf hin, das Kampfgeschehen nach Shanghai zu verlagern. Zum einen hoffte er, durch die dortigen Konzessionen verschiedener europäischer Mächte internationale Aufmerksamkeit für den sich ausweitenden Krieg zu erreichen. Zum anderen kam er gemeinsam mit seinen deutschen Militärberatern um Alexander von Falkenhausen, die auf Basis der chinesisch-deutschen Kooperation in China waren, zu dem Schluss, dass die topographische Beschaffenheit im Norden die für schnelle Vorstöße ausgerüsteten Japaner so weit begünstigte, dass eine wirksame Verteidigung dort nicht möglich sei. Es sollten daher möglichst viele Truppen in die urbane und von Wasserläufen durchzogene Gegend um Shanghai verlegt werden. Der deutsche Beraterstab trat bereits vor und auch während der Schlacht vehement dafür ein, dass Shanghai gehalten werden müsse, da die Japaner so die Initiative im gesamten Konflikt verlieren würden und möglicherweise schnell zu einem Friedensschluss bereit wären. Neben diesem negativen moralischen Effekt auf die Japaner hoffte Chiang vor allem, mit einer erfolgreichen oder zumindest langen Verteidigung Shanghais die Moral der chinesischen Bevölkerung zu stärken und diese geschlossen hinter sich sammeln zu können. Aus diesem Grund wurden die am besten ausgebildeten chinesischen Truppen, die teilweise mit deutschen Waffen ausgerüstet waren, in die Stadt verlegt.Jay Taylor: The Generalissimo – Chiang Kai-Shek and the Struggle for Modern China. 2009, S. 147.

Unmittelbarer Anlass für den Ausbruch der Kämpfe war, aus japanischer Sicht, ein Zwischenfall am Abend des 9. August, bei dem ein japanischer Leutnant namens Ōyama Isao der in Shanghai stationierten Spezial-Landungskräfte der Marine und sein Fahrer vor dem Flughafen Shanghai-Hongqiao von chinesischen Selbstverteidigungskräften getötet wurden. Die Japaner, die in Shanghai nur über 4000 Mann verfügten, fühlten sich von den Chinesen bedroht, die eine mehr als zehnmal so starke Streitmacht in der Umgebung der Stadt konzentrierten. Es würde aber für die Japaner leicht möglich sein, ihre Truppen im Falle des Ausbruchs von Kämpfen aus dem Mutterland zu verstärken.

Die Japaner glaubten an einen schnellen Sieg. Man plante, Shanghai in drei Tagen und ganz China in drei Monaten zu erobern. Da im japanischen Heer viele ältere Reservisten dienten, die zu Hause Familie hatten, versuchte man mit den Aussichten auf einen schnellen Sieg die Truppenmoral hochzuhalten.

Verlauf Kämpfe in Zhabei mini|Der Stadtbezirk Zhabei brennt während der Kämpfe in der Innenstadt, August 1937. mini|Bericht der Ufa-Tonwoche über die Schlacht, September 1937. mini|Häuserkampf in Shanghai, August 1937. Ab dem 13. August kam es zu ersten Kämpfen zwischen in Shanghai eintreffenden chinesischen Truppen der 88. Division (General Sun Yuanliang) und den schon vor Kriegsausbruch in der Stadt stationierten japanischen Marinesoldaten der 12 Kanonenboote auf dem Jangtsekiang und auf dem Huangpu Jiang. Die japanischen Marinetruppen, die durch einige eingetroffene Heeressoldaten der 3. Division (Generalleutnant Fujita Susumu) verstärkt worden waren, versuchten mehrmals, die von chinesischen Truppen verteidigte Bazi-Brücke im Stadtbezirk Zhabei zu überqueren, um in die Innenstadt zu gelangen. Trotz mehrerer Angriffe der Japaner konnten die chinesischen Soldaten unter schweren Verlusten die Brücke halten. Am 14. August wurden jedoch mehrere chinesische Verteidigungspositionen durch japanisches Schiffsartilleriefeuer zerstört. Die chinesischen Einheiten erwiderten das japanische Feuer, wobei der präzise Mörserbeschuss die japanischen Truppen zurückdrängte. Am selben Tag wurden die erschöpften Soldaten der 88. Division von Truppen der 9. Armeegruppe unter dem Kommando von General Zhang Zhizhong verstärkt. Die neuen chinesischen Einheiten (36., 55., 56. und 57. Division) bestanden insgesamt aus 40.000 Mann, die durch einige Artilleriebatterien und etwa 40 Flugzeuge unterstützt wurden.

Die Chinesen griffen am 15. August die japanischen Soldaten an der Brücke an und konnten diese langsam zurückwerfen. Doch die Japaner zogen sich in eine Verteidigungslinie am Rande der Internationalen Sicherheitszone von Shanghai zurück. Die Truppen der chinesischen 88. und 87. Division konnten die japanischen Verteidigungsanlagen, die durch Betonmauern verstärkt waren, mit ihren 15-cm-Haubitzen, die aus dem Deutschen Reich importiert wurden, nicht durchbrechen, wobei besonders die 87. Division (General Wang Chingchin) bei Frontalangriffen schwere Verluste erlitt. Angesichts der enormen Verluste befahl Chiang Kai-shek Zhang Zhizhong, die feindlichen Truppen einzukesseln, indem alle Flucht- und Versorgungswege der Japaner abgeschnitten werden sollten. Danach sollten die japanischen Truppen im Kessel durch einen Großangriff vernichtet werden. Die chinesischen Truppen versuchten daraufhin, die Straßen zu sichern, durch die die Japaner versorgt wurden, doch die japanischen Soldaten konnten die Chinesen durch einige Gegenangriffe, die von mehreren Typ 95 Ha-Gō-Panzern unterstützt wurden, zurückdrängen. Während der Häuserkämpfe in Zhabei hatten die Chinesen so schwere Verluste erlitten, dass der Plan General Zhizhongs als unmöglich erschien. Chiang Kai-shek sagte daher den Großangriff ab, womit die chinesische Offensive am 18. August endete. Die chinesischen Truppen zogen sich danach in ihre Verteidigungslinien in den Innenbezirken Zhabeis zurück.

mini|hochkant|Matsui Iwane Die Japaner nutzten die Atempause, um ihre angeschlagenen Truppen in Shanghai zu verstärken. Bereits am 15. August hatten die Führungsstäbe von Heer und Marine beschlossen, die Shanghai-Expeditionsarmee, die schon beim ersten Shanghai-Zwischenfall von 1932 involviert gewesen war, zu reaktivieren und nach Shanghai zu entsenden. Der Armee, die unter den Befehl von General Matsui Iwane gestellt wurde, wurden zunächst zwei Heeresdivisionen, die 3. und die 11. Division, neben weiteren Unterstützungseinheiten, darunter ein Panzerbataillon und schwere Artillerieeinheiten, zugeteilt. Von der Garnisonsarmee China (Hauptquartier in Tianjin) sollte zudem eine Fliegerstaffel entsandt werden. Die japanische Flotte in den Gewässern vor Shanghai wurde durch 12 weitere Kriegsschiffe verstärkt, darunter die leichten Kreuzer Kinu, Natori und Yura.

Am 18. August kam General Chen Cheng, Oberbefehlshaber der chinesischen 15. Armeegruppe in Shanghai an, um mit Zhang Zhizhong die Lage zu koordinieren. Die neu eingetroffene 36. Division sollte die japanischen Stellungen bei Hueishan an der Nordseite des Flusses Huangpu angreifen und die dortigen Docks erreichen. In der Zwischenzeit sollte die 87. Division die japanischen Linien bei Yangshupu durchbrechen und dann versuchen die Verbindung mit der 36. Division herzustellen. Am 22. August erreichten die Panzer der 36. Division zwar die Docks, konnten diese Position aber nicht lange halten und mussten sich wieder zurückziehen.

Am 23. August landete General Matsui die japanische 3. und 11. Division an der Mündung des Huangpu Jiang sowie im Gebiet nordwestlich davon. Während der Landungsoperationen konnten mehrere chinesische Stellungen durch schweres Schiffsartilleriefeuer von im Hafen liegenden japanischen Kriegsschiffen zerstört werden, wobei die chinesischen Verluste sehr hoch waren. Durch die Landungsoperationen im August konnten insgesamt rund 75.000 zusätzliche Soldaten eintreffen. Auch mehrere Panzerkompanien mit insgesamt 120 Typ 95 Ha-Gō-Panzern standen den Angreifern nun zur Verfügung.

Kämpfe um die umliegenden Städte mini|Ein Soldat der Kuomintang verteidigt eine Brücke während der Kämpfe in Shanghai, September–Oktober 1937 Der chinesische Gefechtsplan sah nach dieser unerwarteten feindlichen Landungsoperation vor, dass das 18. Armeekorps unter General Luo Zhuoying die angelandeten feindlichen Truppen in Liuhe angreifen und vernichten sollte. Das 18. Korps war Teil der 15. Armeegruppe (Chen Cheng) eine kampferprobte Einheit, die im chinesischen Bürgerkrieg gegen die Kommunisten gekämpft hatte, doch den japanischen Soldaten war sie waffenmäßig unterlegen. Zwei der am besten ausgerüsteten chinesischen Divisionen sollten dennoch nochmals einen Versuch unternehmen, die japanischen Truppen in Zhabei zurückzudrängen, doch diese Einheiten erlitten bei den einsetzenden Häuserkämpfen um das Zentrum von Shanghai innerhalb weniger Tage Verluste von bis zu 50 % ihrer Anfangsstärke, obwohl sie den Japanern auch ungewöhnlich starke Verluste beibringen konnten. Etwa zur selben Zeit begann Chiang Kai Shek erste Vorbereitungen zu treffen, die darauf hindeuten, dass er nicht mehr an eine erfolgreiche Verteidigung Shanghais glaubte: so ordnete er beispielsweise den Rückzug aller Universitäten und anderer Bildungseinrichtungen in den chinesischen Küstenprovinzen ins Inland und die dortige Wiederaufnahme des Lehrbetriebs an. Einige chinesische Divisionen des 18. Korps begannen auch den Rückzug, wobei sie durch die japanischen Flugzeuge schwere Verluste erlitten.