Die COVID-19-Pandemie in Europa trat als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Infektionskrankheit COVID-19 – die besonders die Atemwege befällt – auf und beruhte auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitete sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus. am 10. Januar 2020, abgerufen im Internetarchiv am 29. Juli 2020Lungenärzte im Netz: . Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020. Seit dem 16. Januar 2020 gab es nachgewiesene Coronainfektionen in Europa. Eine Woche später, am 24. Januar 2020, wurde der erste Fall auf dem Europäischen Kontinent in Frankreich der WHO gemeldet, und am 25. Januar wurde der erste Todesfall außerhalb Asiens, ebenfalls in Frankreich, gemeldet. Aufgrund der hohen Zahlen, welche die in China überstiegen, stufte die WHO Europa Anfang März 2020 zum Epizentrum der Pandemie ein.

Bis April 2021 erlebte der Kontinent drei Wellen der Pandemie. Die erste dauerte von März bis Mai 2020; sie führte in vielen Ländern zu einer Überlastung der Gesundheitsinfrastruktur und dadurch zu einer hohen Sterblichkeit. Die zweite Welle fand von September 2020 bis Anfang Februar 2021 statt und die dritte schloss sich kurz darauf ab März 2021 an.

Nach mehr als drei Jahren galt die „globale Gesundheitskrise“ laut WHO ab dem 5. Mai 2023 als beendet.

Europäische Union Organe der EU Das Gesundheitswesen fällt gem. AEUV in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Die Tätigkeit der Organe der Europäischen Union „ergänzt jedoch die Politik der Mitgliedstaaten und ist auf die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung, die Verhütung von Humankrankheiten und die Beseitigung von Ursachen für die Gefährdung der körperlichen und geistigen Gesundheit gerichtet“ (Art. 168 Abs. 2 AEUV).

In dieser Funktion haben insbesondere die Europäische Kommission, aber auch das EU-Parlament und der Rat diverse Maßnahmen getroffen, um die Mitgliedstaaten bei der Koordinierung ihrer nationalen Maßnahmen zu unterstützen, über die Ausbreitung des Virus sowie über wirksame Methoden zu dessen Eindämmung zu informieren und den coronabedingten Schaden für Wirtschaft und Gesellschaft zu beheben.vgl. Anti-Corona-Maßnahmen der EU. Europäische Union, abgerufen am 28. Oktober 2021. Gemeinsames Ziel ist es, die Ansteckungskurve abzuflachen und die europäischen Gesundheitssysteme nicht zu überlasten. Bundeskanzleramt, abgerufen am 28. Oktober 2021.

Einzelne Instrumente sind etwa der Corona-Krisenstab der Europäischen Kommission unter Leitung von EU-Kommissar Janez Lenarčič in seiner Eigenschaft als Europäischer Koordinator für Notfallmaßnahmen,Der Corona-Krisenstab der Europäischen Kommission Europäische Kommission, abgerufen am 28. Oktober 2021. die Integrierte Regelung für die politische Reaktion auf Krisen (IPCR) zur politischen Abstimmung der EU-Institutionen mit den betroffenen Mitgliedstaaten und anderen AkteurenInfografik – Wie der Krisenreaktionsmechanismus IPCR funktioniert Europäischer Rat, abgerufen am 28. Oktober 2021. und nicht zuletzt der Europäische Aufbauplan, aus dem insgesamt 723,8 Mrd. EUR zur Förderung von Reformen und Investitionen in den Mitgliedstaaten bereitgestellt werden (385,8 Mrd. EUR an Darlehen und 338 Mrd. EUR an Finanzhilfen).Die Aufbau- und Resilienzfazilität. Europäische Kommission, abgerufen am 28. Oktober 2021.

Um den Inhabern vor allem im Sommer 2021 die Wahrnehmung ihres Rechts auf Freizügigkeit gem. AEUV trotz der COVID-19-Pandemie zu erleichtern, wurde mit der Verordnung (EU) 2021/953 vom 14. Juni 2021Verordnung (EU) 2021/953 des Europäischen Paraments und des Rates vom 14. Juni 2021 über einen Rahmen für die Ausstellung, Überprüfung und Anerkennung interoperabler Zertifikate zur Bescheinigung von COVID-19-Impfungen und -Tests sowie der Genesung von einer SARS-CoV-2-Infektion (digitales COVID-Zertifikat der EU) mit der Zielsetzung der Erleichterung der Freizügigkeit während der COVID-19-Pandemie ABl. L 211/1 vom 15. Juni 2021. das digitale COVID-Zertifikat der EU eingeführt.

Einzelne Mitgliedstaaten Diese Liste soll einen Überblick über Entwicklungen in einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (in alphabetischer Reihenfolge) geben. Sie hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Belgien mini|Bestätigte Infizierte in Belgien nach Daten der WHO; oben kumuliert, unten Tageswerte

Der erste COVID-19-Fall in Belgien wurde Anfang Februar 2020 bei einem Rückkehrer aus Wuhan festgestellt. Ab Mitte März und im April 2020 breitete sich das Virus in Belgien mit hoher Dynamik aus. Im April 2020 gehörte Belgien, in relativen Zahlen gemessen, noch vor Italien und Spanien zu den am härtesten betroffenen Ländern weltweit. Ende April meldete der FÖD Volksgesundheit rund 50.000 bestätigte Infektionen und rund 7700 bestätigte Todesfälle. Die belgischen Behörden reagierten ab Mitte März 2020 mit deutlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Auch wurden die Grenzen zu den Nachbarländern für alle nicht-dringenden Aufenthalte geschlossen.Grenzen in Belgien für nicht-dringende Aufenthalte geschlossen, BRF, 20. März 2020 Die täglichen Neuinfektionszahlen gingen daraufhin deutlich zurück und bis Anfang August 2020 stieg die Gesamtfallzahl auf 70.000 an. Danach begann eine sehr viel stärkere zweite Welle und Mitte September waren es bereits 100.000, Anfang November 500.000 Infizierte. Ähnlich verhielt es sich bei den Todeszahlen. Nachdem von Mitte März bis Mitte Mai 2020 zirka 9.000 Menschen mit positivem COVID-19-Befund gestorben waren, kam es zu einer Verlangsamung und Anfang Oktober waren es über 10.000 Tote. Danach begann ein erneuter starker Anstieg und Ende Dezember waren es bereits über 19.000 Tote. Rein rechnerisch haben sich im Jahr 2020 über fünf Prozent der Bevölkerung (645.000 der 11,4 Millionen Einwohner) mit SARS-CoV-2 infiziert.

Bulgarien

Dänemark mini|Bestätigte Infizierte in Dänemark nach Daten der WHO; oben kumuliert, unten Tageswerte

Dänemark hat besonders früh mit strikten Maßnahmen auf die Corona-Krise reagiert, unter anderem sind seit dem 14. März 2020 die Grenzen für Ausländer ohne triftigen Einreisegrund geschlossen. Schulen, Kindergärten, Restaurants, Cafés und Freizeiteinrichtungen sind ebenfalls geschlossen, es gilt ein Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen. Am 11. März 2020 gab die Gesundheitsbehörde Sundhedsstyrelsen einen Wechsel in der Teststrategie bekannt: Es sollen nur noch Menschen, die mit starken Atembeschwerden oder einer Atemwegserkrankung in ärztlicher Behandlung sind, auf das neuartige Coronavirus getestet werden. Dies führt dazu, dass tatsächlich deutlich mehr Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind, als es die offizielle Statistik ausweist.jyllands-posten.dk (dänisch)siehe auch Website der Behörde Sundhedsstyrelsen Im Oktober hat die dänische Regierung die Keulung von einer Million Nerzen auf Pelztierfarmen angeordnet, weil sie das Virus übertragen können.Niels Anner: Weil sie Corona bekommen und Menschen angesteckt haben: Eine Million Nerze müssen notgeschlachtet werden. In: tagblatt.ch, 9. Oktober 2020, abgerufen am 12. Oktober 2020. Am 4. November 2020 wurde angeordnet, sämtliche 15 bis 17 Mio. Nerze im Land zu keulen.Nerze-Corona-Variante greift um sich. In: schweizerbauer.ch, 6. November 2020, abgerufen am 6. November 2020. Da es jedoch noch keine gesetzliche Befugnis gibt, Nerze außerhalb der 7,8-Kilometer-Zonen zu keulen, handelt es sich erst um eine Aufforderung zur Keulung sämtlicher Nerze. Die Bedeutung der neuen Virusvariante Cluster 5 kann noch nicht sicher abgeschätzt werden.

Die geografisch zu Nordamerika gezählte, politisch aber mit Dänemark und dadurch mit Europa assoziierte Insel Grönland hat bisher (Stand November 2020) keinen Ausbruch erlebt. Infektionen gehen auf Einreisen zurück, und vermutlich hat kein infizierter Eingereister weitere Personen angesteckt.

Deutschland mini|Bestätigte Infizierte in Deutschland nach Daten der WHO; oben kumuliert, unten Tageswerte

Das Bayerische Gesundheitsministerium bestätigte am 28. Januar 2020 die erste Infektion in Deutschland. Ein 33-jähriger Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto, der in der Unternehmenszentrale in Stockdorf bei München arbeitete, hatte sich während einer firmeninternen Schulung bei einer vom Unternehmensstandort Shanghai angereisten chinesischen Kollegin angesteckt. Im Zusammenhang damit infizierten sich noch 13 weitere Mitarbeiter und Angehörige. Bis Ende Februar 2020 wurden alle Infizierten als geheilt aus der Klinik entlassen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte am 22. Januar 2020 erklärt, „dass nur wenige Menschen von anderen Menschen angesteckt werden können“ und dass sich das Virus nicht sehr stark auf der Welt ausbreiten würde. Dies wurde vom Virologen Alexander Kekulé kritisiert, der am selben Tag erklärte, dass er „nicht ganz die Gelassenheit des Robert Koch-Instituts“ teile.

Am 25. Februar 2020 wurde der erste Erkrankte in Baden-Württemberg bestätigt, der sich wahrscheinlich bei einer Italienreise in Mailand angesteckt hatte. Kurz darauf wurde auch bei einer Person aus Nordrhein-Westfalen COVID-19 nachgewiesen. Danach stieg die Zahl der nachgewiesenen Infektionen stark an: Am 16. März 2020 gab es 4838 bestätigte Fälle und 12 bestätigte Todesfälle in Deutschland.Laufend aktualisierte Website des Robert Koch-Instituts:

Sprach zunächst das Robert Koch-Institut davon, dass „die Pandemie von selbst gestoppt [wird], wenn sich immer mehr Menschen infiziert haben und eine Immunität aufbauen“,ZDF.de, Maßnahmen in der Corona-Krise – Wie lange werden die Einschränkungen dauern? vom 18. März 2020 so muss dennoch die Strategie offensichtlich eine „Ausrottung“ der Krankheit sein, um eine Überlastung des Gesundheitssystems sowie eine Wirtschaftskrise zu vermeiden.

Nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder am 13. März 2020 appellierte Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Bürger, „alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen und auf Sozialkontakte zu verzichten“. In vielen Bundesländern wurden Maßnahmen beschlossen, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen; Großveranstaltungen wurden verboten, Kitas und Schulen geschlossen. Nach Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums vom 13. März 2020 sollten sich „alle Reiserückkehrer aus Italien, Österreich und der Schweiz selbst in Quarantäne begeben“, das heißt symptomunabhängig „unnötige Kontakte“ vermeiden „und […] zwei Wochen zu Hause“ bleiben.

Mitte März 2020 warnte das Gesundheitsministerium vor dem Gerücht, dass bald massive weitere Einschränkungen des Lebens angekündigt werden, und auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder wies Gerüchte über eine Zwangsschließung von Gaststätten zurück. Drei Tage später teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit, dass Gaststätten und Freizeiteinrichtungen geschlossen werden. Sie sagte auch: „Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen seien Maßnahmen nötig, die es so in Deutschland noch nicht gegeben habe.“

Am 17. März veränderte das RKI die Gefährdungseinschätzung für die Gesundheit der Bevölkerung und schätzte dies nunmehr als insgesamt „hoch“ ein. Die Belastung des Gesundheitswesens könne örtlich „sehr hoch“ sein. Daraufhin legten zunächst einzelne Bundesländer Maßnahmen zu Ausgangsbeschränkungen fest, beispielsweise wurden in Baden-Württemberg ab dem 18. März 2020 gemäß der Corona-Verordnung der Landesregierung sämtliche Versammlungen und Veranstaltungen untersagt, Kirchen, Synagogen, Moscheen, Kultur- und Bildungseinrichtungen geschlossen und das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege erließ am 20. März 2020 per Allgemeinverfügung eine „Vorläufige Ausgangsbeschränkung“ mit Wirkung vom 21. März 2020 bis zunächst 3. April 2020.Wer in Bayern jetzt noch aus dem Haus darf, sueddeutsche.de, 20. März 2020. Unter anderem war das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch bei Vorliegen „triftiger Gründe“ erlaubt.