mini|Logo des Johan-Skytte-Preises Der Johan-Skytte-Preis (schwedisch: Skytteanska priset, englisch: Johan Skytte Prize) ist eine Auszeichnung im Gebiet der Politikwissenschaft, die seit 1995 jährlich vergeben wird und von der Johan-Skytte-Stiftung an der schwedischen Universität Uppsala gestiftet wurde. Der Preis ist mit 500.000 Schwedischen Kronen (ungefähr Euro) dotiert und wird „für die beachtenswertesten Errungenschaften auf dem Gebiet der Politikwissenschaft“Englisch: „the most remarkable achievements within the field of political science“, skytteprize.com, abgerufen am 29. April 2021. an eine Person verliehen, deren Werk dort einen führenden Forschungsbeitrag geleistet hat. Seit seiner Stiftung hat der Skytte-Preis innerhalb der Sozialwissenschaften ein prestigereiches Ansehen erlangt, was ihm den Beinamen „Nobelpreis für Politikwissenschaft“ einbrachte. Laut mehreren Reputations-Studien, die 2013 bis 2014 und 2018 durchgeführt wurden, ist er weltweit die renommierteste akademische Auszeichnung für Politikwissenschaft.
Die Johann-Skytte-Stiftung selbst geht auf den Politiker und Kanzler der Universität Uppsala, Johan Skytte (1577–1645), zurück, der im Jahr 1622 an der Universität die Einrichtung der ebenfalls nach ihm benannten Skytteanischen Professur stiftete. Kraft Amtes sitzt der jeweilige Inhaber dieser Professur zugleich dem Preiskomitee für den Skytte-Preis vor.
Üblicherweise werden die jeweiligen Preisträger eines Jahres im April bekannt gegeben, die Preisverleihung findet daraufhin im Rahmen dreitägiger Feierlichkeiten jeweils Ende September oder Anfang Oktober in Uppsala statt. Seit 2022 wird die Verleihungsfeier dabei nur noch alle zwei Jahre abgehalten, während der Preis selbst weiterhin jährlich vergeben wird.
Bisher wurde der Preis hauptsächlich an Einzelpersonen verliehen, nur bei bislang zwei Verleihungen, 2011 und 2023, wurden jeweils zwei Personen für ihr gemeinsames Werk geehrt.
Preisträger Quelle:Preisträgerübersicht auf der Website des Skytte-Preises, abgerufen am 23. April 2025. JahrPreisträgerLandBegründung für die PreisvergabeInstitutionBild1995Robert Alan Dahl (1915–2014)Für „seine durchdringende Analyse der Demokratietheorie, gekennzeichnet durch tiefgreifendes Lernen und Geistesgröße, kombiniert mit epochalen empirischen Untersuchungen der tatsächlichen Funktionsweise repräsentativer Regierungssysteme“.Yale University85px|Robert A. Dahl1996Juan Linz (1926–2013)Für „seine weltweite Untersuchung der Fragilität der Demokratie im Angesicht autoritärer Bedrohung, gekennzeichnet durch methodische Vielseitigkeit sowie historische und soziologische Tiefe“.Yale University1997Arend Lijphart (* 1936)Für „seine theoretisch und empirisch bahnbrechende Forschung zur Funktion von Konsens in demokratischen Prozessen sowohl in gespaltenen als auch in homogenen Gesellschaften“.University of California, San Diego1998Alexander L. George (1920–2006)Für „seine bahnbrechende Analyse von Staatskunst, ihrer Möglichkeiten und Grenzen, durchgeführt mit großer Sensibilität für die Wichtigkeit von Urteilsvermögen, begründeter Argumentation und verantwortungsvoller Führung für die Entscheidungsfindung in der Außenpolitik“.Stanford University1999Elinor Ostrom (1933–2012)Für „ihre sowohl empirisch als auch theoretisch tiefgehende Analyse der Natur kollektiven Handelns und rationaler Entscheidung“.Indiana University Bloomington85px|Elinor Ostrom2000Fritz W. Scharpf (* 1935)„Analysierte Schlüsselkonzepte der Politikwissenschaft mit theoretischer Klarheit und empirischer Gründlichkeit in einer Ära transnationalen Wandels“.Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln2001Brian Barry (1936–2009)Für „seinen tiefgehenden Beitrag zur normativen politischen Theorie, durchgeführt mit Leidenschaft und Klarheit in der großen Tradition der Aufklärung“.Columbia University,London School of Economics85px|Brian Barry2002Sidney Verba (1932–2019)Für „seine durchdringende empirische Analyse politischer Partizipation und ihrer Bedeutung für das Funktionieren der Demokratie“.Harvard University2003Hanna F. Pitkin (1931–2023)Für „ihr bahnbrechendes theoretisches Werk, vornehmlich zum Problem der Repräsentation“.University of California, Berkeley2004Jean Blondel (1929–2022)Für „seinen herausragenden Beitrag zur Professionalisierung der europäischen Politikwissenschaft, sowohl als ein Pionierarbeit leistender Komparatist als auch beim Aufbau von Institutionen“.Europäisches Hochschulinstitut, Florenz2005Robert O. Keohane (* 1941)Für „seinen bedeutenden Beitrag zu unserem Verständnis globaler Politik in einer Ära der Interdependenz, der Globalisierung und des Terrorismus“.Princeton University85px|Robert O. Keohane2006Robert D. Putnam (* 1941)Für „seine Theorie des Sozialkapitals“.Harvard University85px|Robert D. Putnam2007Theda Skocpol (* 1947)Für „ihre visionäre Analyse der Bedeutung des Staates für Revolutionen, Wohlfahrt und politisches Vertrauen, betrieben mit theoretischer Tiefe und empirischer Evidenz“.Harvard University85px|Theda Skocpol2008Rein Taagepera (* 1933)Für „seine tiefgehende Analyse der Funktion von Wahlsystemen in der repräsentativen Demokratie“.Universität Tartu,University of California, Irvine85px|Rein Taagepera2009Philippe C. Schmitter (* 1936)Für „sein bahnbrechendes Werk zur Rolle des Korporatismus in modenen Demokratien, und für seine stimulierende und innovative Analyse der Demokratisierung“.Europäisches Hochschulinstitut, Florenz85px|Philippe C. Schmitter2010Adam Przeworski (* 1940)„Erhöhte die wissenschaftlichen Standards im Bezug auf die Analyse der Beziehungen zwischen Demokratie, Kapitalismus und wirtschaftlicher Entwicklung“.New York University2011Ronald Inglehart (1934–2021)Für das „Beitragen innovativer Ideen über die Relevanz und Ursprünge der politischen Kultur in einem globalen Kontext, über bisherige Mainstream-Ansätze der Forschung hinaus“.University of MichiganPippa Norris (* 1953)Harvard University85px|Pippa Norris2012Carole Pateman (* 1940)Für ihr „zum Nachdenken anregendes Herausfordern etablierter Vorstellungen über Partizipation, Geschlecht und Gleichheit“.University of California, Los Angeles85px|Carole Pateman2013Robert Axelrod (* 1943)„Änderte tiefgreifend unsere Annahmen über die Voraussetzungen menschlicher Kooperation“.University of Michigan85px|Robert Axelrod2014David Collier (* 1942)Für „seinen Beitrag zur konzeptionellen Entwicklung und zum Überdenken qualitativer Methoden in der Politikwissenschaft“.University of California, Berkeley2015Francis Fukuyama (* 1952)Für „atemberaubende Gelehrtheit, Klarheit und Courage, die ein neues Licht auf die Entwicklung der modernen politischen Ordnung warfen“.Stanford University85px|Francis Fukuyama2016Jon Elster (* 1940)Für „prägnantes, durchdringendes und unaufhörliches Bestreben, das zu prüfen und erneut zu überprüfen, was menschliches Verhalten erklärt“.Columbia University85px|Jon Elster2017Amartya Sen (* 1933)Für „seine vielschichtige Leistung, die Einblicke in die menschliche Verletzlichkeit mit Wissen über das Potenzial demokratischer politischer Macht, diese Benachteiligung zu beseitigen und zu lindern, kombiniert“.Harvard University85px|Amartya Sen2018Jane Mansbridge (* 1939)„Hat unser Verständnis von Demokratie in ihren direkten und repräsentativen Typen geprägt, mit Scharfsinnigkeit, großem Engagement und feministischer Theorie“.Harvard University85px|Jane Mansbridge2019Margaret Levi (* 1947)„Hat die Grundlagen für unser Verständnis gelegt, weshalb Bürger staatlichen Zwang akzeptieren, indem sie theoretischen Weitblick und historisches Wissen kombinierte“. Stanford University85px|Margaret Levi2020Peter Katzenstein (* 1945)Für „die Erweiterung des Verständnis darüber, wie Geschichte, Kultur und Normen Volkswirtschaften sowie nationale und globale Sicherheitspolitik prägen“.Cornell University2021David D. Laitin (* 1945)Für „seine außergewöhnliche und objektive Erklärung, wie politische Prozesse kulturelle Strategien in heterogenen Gesellschaften prägen“.Stanford University2022Robert E. Goodin (* 1950)Hat sich „mit Scharfsinn und Erfolg darum bemüht, die politische Philosophie mit der empirischen Politikwissenschaft zu verbinden, um das Verständnis dafür zu verbessern, wie menschenwürdige Gesellschaften gestaltet werden können“.Australian National University85px|Robert E. Goodin2023Martha Finnemore (* 1959)„Dafür, die Ergiebigkeit des Konstruktivismus formuliert und empirisch aufgezeigt zu haben, und damit das Verständnis internationaler Politik zu erneuern und vertiefen.“George Washington UniversityAlexander Wendt (* 1958)Ohio State University2024Jürgen Habermas (1929–2026)Hat „uns theoretisch und empirisch beständig daran erinnert, dass der Lebensnerv der Demokratie von der menschlichen Fähigkeit und Bereitschaft abhängt, andere durch kommunikatives Handeln zu respektieren und auf dieser Grundlage kritisch zu argumentieren und zu diskutieren.“Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main85px|Jürgen Habermas2025Herbert Kitschelt (* 1955) „Hat das Verständnis über die Funktionsweise demokratischer Parteiensysteme mit erlesener theoretischer Scharfsinnigkeit und beeindruckender empirischer Breite und Tiefe erweitert.“Duke University2026Seyla Benhabib (* 1950)„Hat untersucht, wie Gerechtigkeit möglich ist in einer Welt ständiger menschlicher Mobilität, mit tiefem Respekt für die Rechte des Einzelnen und der Staaten.“Yale University85px|Seyla Benhabib
Weblinks Offizielle Website des Johan-Skytte-Preises (englisch)
Einzelnachweise
Skytte-Preis Kategorie:Politikwissenschaft Kategorie:Wissenschaftspreis (Schweden) Kategorie:Universität Uppsala Kategorie:Erstverleihung 1995