Paulette Wilson (* 20. März 1956 in der damaligen Kronkolonie JamaikaVernon 2020.; † 23. Juli 2020 in Wolverhampton, West Midlands) war eine britische Aktivistin für Immigranten-Rechte, die sich im Verfahren um ihre eigene Abschiebung nach Jamaika verteidigte und die Aufmerksamkeit der Medien auf Menschenrechtsverletzungen im Windrush-Skandal auslöste.
Leben Wilson wurde 1956 in der britischen Kronkolonie Jamaika geboren und, als sie 10 Jahre alt war, von ihrer Mutter nach Großbritannien geschickt, wo sie von ihren Großeltern in Wellington, Telford, Shropshire,Gentleman 2017; BBC News 2020. aufgezogen wurde. Wilson besuchte Grund- und weiterführende Schulen in England.Refugee and Migrant Centre 2018. Sie arbeitete als Köchin, zeitweise in der Mitarbeiterkantine des House of Commons, gründete ihre Familie und bezahlte 34 Jahre lang britische Steuern.
2015 erhielt Wilson eine Verfügung der Regierung, die besagte, dass sie eine illegale Immigrantin sei und aufgefordert werde, das Vereinigte Königreich zu verlassen.Gentleman 2017; Gentleman, Campbell 2020. Ihre Wohngelder und Gesundheitsversorgung wurden gestoppt; sie wurde obdachlos und ihr wurde das Recht auf Arbeit verweigert.Gentleman 2017; Gentleman 2018. 2017 stand Wilson vor der Abschiebung. Sie war seit 50 Jahren nicht mehr in Jamaika gewesen, aber wurde zwei Mal eingesperrtGentleman 2020b. und in Yarl’s Wood Immigration Removal Centre festgehalten und dann im Oktober 2017 in das Deportation centre am Flughafen London Heathrow gebracht. Das Refugee and Migrant Centre von Wolverhampton überzeugte die damalige Abgeordnete, Emma Reynolds, die Deportation in letzter Minute zu stoppen und Wilson mehr Zeit zu geben, beim Home Office Berufung einzulegen.Gentleman 2017; Gentleman, Campbell 2020.
Aufgrund der Regelungen des British Nationality Act 1948 waren Wilson und zehntausende weiterer Migranten aus der Karibik und anderen britischen Kolonien als Bürger des Britischen Weltreichs nach England gekommen.Poulton 2019; BBC News 2018. Kinder wurden in Großbritannien legal anhand der Pässe ihrer Eltern aufgenommen und es wurde später kein Nachweis ihres rechtlichen Status ausgestellt. Sie erhielten 1971 indefinite leave to remain (ILR, Permanente Aufenthaltserlaubnis) im Königreich, aber neue Ausländergesetze machten einen Nachweis auf das Recht notwendig, im Königreich zu leben, um eine Wohnung oder Zugang zu Sozialleistungen zu erhalten.Gentleman 2017; BBC News 2018.
Die Medienberichterstattung zu Wilsons Situation und ihr Kampf mit dem Home Office, ihren Rechtsstatus im Vereinigten Königreich anerkannt zu bekommen, brachte zum Vorschein, dass es weitere Opfer der Politik gab, und beleuchtete die Gesetze, die 2012 von Theresa May während ihrer Zeit als Home Secretary umgesetzt wurden. Die Ereignisse wurden bekannt als Windrush Scandal,Gentleman, Campbell 2020; Poulton 2019. wobei vor allem die fälschliche Festsetzung (detention) oder Abschiebung (deportation) von ca. 164 Personen durch die britische Regierung und die drohende Deportation vieler anderer ein zentrales Thema war.Gentleman, Campbell 2020. Der Name bezieht sich auf das Schiff Empire Windrush, das 1948 die ersten Menschen aus der Karibik als Arbeitskräfte nach Großbritannien brachte und nach dem diese erste Generation von Einwanderern auch als Windrush-Generation bezeichnet wird.
Unterstützt durch einen caseworker (Rechtsbeistand) des Refugee and Migrant Centre sammelte Wilson die Dokumente, welche bewiesen, dass sie schon über 50 Jahre in England gelebt hatte und zu Unrecht vom Home Office kategorisiert worden war.Gentleman 2017; Poulton 2019. 2018 erhielt sie offiziell ihre „leave to remain“.Gentleman 2018. Nachdem sie ihren eigenen Fall gelöst hatte, engagierte sich Wilson als Aktivistin und kämpfte für die Rechte anderer Immigranten, die in vergleichbaren Situationen waren.BBC News 2020. 2019 dokumentierte ein Film von Shanida Scotland für The Guardian Wilsons Story zusammen mit Berichten anderer Opfer des Windrush Scandal.Poulton 2019. Im Juni 2020 reichte Wilson zusammen mit anderen Aktivisten eine Petition bei Downing Street ein, in der die Regierung aufgerufen wurde die ausstehenden Probleme zu lösen und die Opfer des Skandals zu entschädigen. Die Aktivisten hatten 130.000 Unterschriften gesammelt.Child 2020; Gentleman 2020a.
Wilson starb am 23. Juli 2020 in Wolverhampton, West MidlandsGentleman 2020b., wo sie sich in Heath Town niedergelassen hatte.Megan Archer: Windrush champion Paulette gets a fitting tribute at moving service. In: Shropshire Star. 5. September 2020: S. 4. Ihre Entscheidung, mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen, war ausschlaggebend dafür, die Fehlentscheidungen des Home Office in seiner Umsetzung der hostile environment policy offenzulegen.Refugee and Migrant Centre 2018; Gentleman 2018; Gentleman 2020b.
Wilsons Trauerfeier wurde verzögert, weil Verwandte erfolglos versuchten, Urlaub zu bekommen, um nach jamaikanischem Brauch beim Füllen des Grabes helfen zu können. Dabei hatte unter anderem ihr Bruder an den Premierminister Boris Johnson geschrieben; die Bitte wurde abgelehnt, da zu dieser Zeit die Covid-19 Bestimmungen derartige Handlungen nicht vorsahen.Nick Humphreys: Windrush hero Paulette’s brother pleads for charity over burial rules. In: Shropshire Star. 27. August 2020: S. 4. Die Trauerfeier wurde letztlich am 4. September 2020 in der New Testament Church, Wednesfield Road, Wolverhampton gehalten. Im Anschluss daran war die Beisetzung im nahegelegenen Danescourt Cemetery.
Einzelnachweise
Literatur David Child: Paulette Wilson: Windrush campaigner who was nearly deported from UK dies aged 64. In: Evening Standard, London 24. Juli 2020. Archivlink Amelia Gentleman: Immigration and asylum: 'I can’t eat or sleep': The woman threatened with deportation after 50 years in Britain. In: The Guardian, London 28. November 2017. Archivlink Amelia Gentleman: Windrush scandal survivors deliver petition to No 10. In: The Guardian. London 19. Juni 2020. Archivlink Amelia Gentleman: Without Paulette Wilson, Windrush may have remained hidden. In: The Guardian. London 24. Juli 2020b Archivlink Amelia Gentleman: Woman nearly deported after 50 years in UK wins leave to remain. In: The Guardian. London 11. Januar 2018 Archivlink Amelia Gentleman, Lucy Campbell: Windrush campaigner Paulette Wilson dies aged 64. In: The Guardian. London 23. Juli 2020. Archivlink Lindsay Poulton: After Windrush – Paulette Wilson visits Jamaica, 50 years on. In: The Guardian. London 10. Oktober 2019 Archivlink Patrick Vernon: Paulette Wilson remembered by Patrick Vernon. In: The Guardian. 14. Dezember 2020. Refugee and Migrant Centre: The Windrush case that started it all. Refugee and Migrant Centre, rmcentre.org.uk, Wolverhampton, UK 2018. Archivlink BBC News: Paulette Wilson: Windrush campaigner who faced deportation dies aged 64. BBC News, London 23. Juli 2020. Archivlink BBC News: Windrush generation: Theresa May apologises to Caribbean leaders. In: BBC News, London 17. April 2018. Archivlink
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