mini|hochkant|Tommaso Palamidessi, um 1982 Tommaso Palamidessi (geboren am 16. Februar 1915 in Pisa; gestorben am 29. April 1983 in Rom) war ein italienischer Astrologe und Esoteriker (Gründer von Archeosofica).

Als autodidaktisch ausgebildeter Astrologe und Gelehrter orientalischer Disziplinen führten ihn seine Studien und seine berufliche Tätigkeit in einer zweiten Phase seiner Entwicklung zu einer gleichzeitig ursprünglichen und neuartigen Form der christlichen Esoterik, der Archeosophie, und demzufolge gründete er 1968 in Rom den Verein Associazione Archeosofica.

Biografie: Werdegang und Wegmarken mini|hochkant|Tommaso Palamidessi im Alter von 25 Jahren

Kindheit und Jugend (1916–1931) Tommaso Palamidessi wurde 1915 in Pisa als Sohn des Oberoffiziers Carlo Palamidessi (1878–1946) und der sizilianischen Schriftstellerin und Dichterin Luigia Tagliata (1886–1971) geboren. 1920 zog er nach Sizilien, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachteBiografia di Tommaso Palamidessi, unter: archeosofica.orgLullo, G.: Tommaso Palamidessi (1915-1983). Cenni biografici e opere del fondatore dell’Archeosofia, in: The Journal of CESNUR, vol. 4, n. 1Baroni, F.: Tommaso Palamidessi e l’Archeosofia: vita ed opere di un esoterista cristiano, Bastogi, 2011. Seit seiner Kindheit zeigte er eine besondere Neigung zur Mystik, die in einigen Erfahrungen in PozzalloPalamidessi, T.: Metapsichica e Spiritismo Pratico, in: Collana Archeosofica, Rom: Archeosofica, 1971 zutage traten, im großen weißen Kloster seiner geliebten Tante und Nonne, genannt „Za Zudda“.

Im Alter von 9 Jahren begann er sich für Botanik und insbesondere für Heilpflanzen zu interessieren, aber auch Astronomie und Astrologie zogen ihn anPalamidessi, T.: Astrologia mondiale, Rom: Edizioni Archeosofica, Roma 1940. Seine lebhafte Neugierde führte ihn zu Forschungen und praktischen Experimenten wie dem Bau seiner ersten Fernrohre im Alter von dreizehn Jahren.

Im Jahr 1928, während seiner Jugend, hielt er sich eine Zeit lang in Tunesien und in Libyen in Tripolis auf, wo er in Kontakt mit Sufi-Bruderschaften kam.

Umzug nach Turin (1932–1939) Im Jahr 1932Archeosophy – WRSP, unter: wrldrels.org, im Alter von 17 Jahren, zog Palamidessi mit seiner Familie nach Turin, in die Via San Francesco da Paola. Das blühende kulturelle Umfeld, das er in Turin vorfand, ermöglichte es ihm, seine vielfältigen Interessen auf dem Gebiet der Esoterik und des Okkultismus zu nähren und zu entwickeln. In diesen Jahren pflegte er astrologische Studien, interessierte sich für die spirituelle Alchemie und begann sein Yogastudium. Die Astrologie begann er ab 1938 auch aktiv zu lehren, zu verbreiten und zu praktizierenPalamidessi, T.: La medicina e gli influssi siderali, Milano: Bocca, 1940, was er für den Rest seines Lebens fortführte, wobei er Klienten zu Hause empfing und eine intensive Korrespondenz sowohl privat als auch in den Fachkolumnen einiger Zeitschriften der damaligen Zeit führte.

Erste Veröffentlichungen (1940–1953) 1940 zählt er Federico Capone (1921–2001)Capone, F.: Nel deserto astrologico italiano. Un secolo di storia, unveröffentlichter Artikel (Archive von Chiara Capone, Turin) zu seinen Astrologieschülern, den späteren Gründer des C.I.D.A.C.I.D.A. Centro Italiano Discipline Astrologiche, unter: cida.net (Italienisches Zentrum der astrologischen Disziplinen), als dessen Ehrenmitglied Palamidessi 1975 die Antrittsvorlesung mit dem Titel „Astrologie und Methoden der spirituellen Askese“Palamidessi, T.: Astrologia e metodi di ascesi spirituale, in: Astrologia oggi, Textsammlung Serena Foglia (Hrsg.), Milano: Armenia, 1976, S. 209–222 halten wird. In Turin begann Palamidessi, seine zahlreichen Studien über Astrologie und medizinische Astrologie zu veröffentlichen: Il corso degli astri e le malattie dell’uomo [dt.: Der Lauf der Sterne und die Krankheiten des Menschen]Palamidessi, T.: Il corso degli astri e le malattie dell’uomo, Mailand: Bocca, 1940 und La medicina e gli influssi siderali [dt.: Medizin und siderische Einflüsse]Palamidessi, T.: La medicina e gli influssi siderali, Mailand: Bocca, 1940.

1940, mitten im Zweiten Weltkrieg, lud ihn eine berühmte Persönlichkeit, deren Namen Palamidessi in seinen Schriften nicht angibt, nach Castelfranco Veneto (Treviso) ein, um mit einem Team von Ärzten an einigen Projekten zu arbeiten, die Astrologie und Medizin miteinander verbandenPalamidessi, T.: Guarire con le piante medicinali, in Collana Archeosofica, Pistoia: Associazione Archeosofica, 2013 (1966). Bei dieser Gelegenheit lernte er den deutschen Phytotherapeuten William Lademann kennen, mit dem er in einen fruchtbaren Austausch trat, der es ihm erlaubte, seine Studien in Phytotherapie und angewandter Astrologie fortzusetzen. In den gleichen Jahren lernte Palamidessi in Udine auch Giuseppe Calligaris (1876–1944) kennen, mit dem ihn schließlich eine enge Freundschaft verband.

Zurück in Turin, begann er als Verleger zu arbeiten und gründete 1941 die Edizioni Palamidessi, wo er Werke über Astrologie veröffentlichte.

In dieser Zeit begann er, sich aktiv mit Spiritismus zu beschäftigen, interessierte sich für die Phänomene der Materialisation und Entmaterialisation und nahm an mehreren Séancen mit der Florentiner Schauspielerin Germana Paolieri teil. In einer dieser Sitzungen fand der Apport einer Rose statt. Seine Teilnahme an Séancen, insbesondere mit „Verkörperungstrance“, beendete er in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre endgültig.

1943 war für Palamidessi das Jahr der Ägyptologie, da er die Gelegenheit hatte, in engen Kontakt mit Ernesto Scamuzzi (1899–1974),Ernesto Scamuzzi (1899-1974), Ägyptologe und Direktor des Ägyptischen Museums von Turin, Schüler von Giulio Farina, unter: accademiadellescienze.it dem Direktor des Ägyptischen Museums von Turin, zu treten, von dem er auch Unterricht in Hieroglyphenschrift erhielt. Ende der vierziger Jahre wurde er in der internationalen Astrologieszene bekannt und stand in Kontakt mit der Gruppe Hamburger Astrologen (der Hamburger Schule, gegründet von Alfred Witte), aber auch mit französischen Astrologen wie Alexandre Volguine.

1947 veröffentlichte er zwei Artikel über spirituelle Alchemie in der Zeitschrift Atanòr, die einige Zeit zuvor von Arturo Reghini (1878–1946) gegründet worden war. In dieser Zeit schloss er sich der Freimaurerei, unter der der Großloge von Italien (mit ihrem historischen Sitz in Piazza del Gesù, Rom) und dem Martinismus an und stand einflussreichen Persönlichkeiten dieser Welt und des Martinismus, wie Gino Testi und Umberto Gorel Porciatti, nahe, dem er das vierzehnte Heft der Archeosophischen Schriftenreihe La via dei simboli e la trasmutazione spirituale [dt.: Der Weg der Symbole und die spirituelle Umwandlung]Palamidessi, T.: La via dei simboli e la trasmutazione spirituale, Rom: Archeosofica, 1978 widmete. Zur gleichen Zeit schloss er sich der theosophischen Gruppe Italiens an.

Am 15. September 1947 heiratete er Rosa Francesca Bordino (1916–1999) und im folgenden Jahr wurde seine Tochter Silvestra Palamidessi (1948–1996) geboren.

1948 gründet Palamidessi den zweiten Verlag Edizioni Grande Opera. In dieser Zeit veröffentlichte er mehrere Bände: I poteri occulti dell’uomo e lo yoga tantrico indo-tibetano [dt.: Die okkulten Kräfte des Menschen und das indo-tibetische tantrische Yoga]Palamidessi, T.: I poteri occulti dell’uomo e lo yoga tantrico indo-tibetano, Mailand: Edizioni Spartaco Giovene, 1945, La tecnica sessuale dello yoga tantrico indo-tibetano [dt.: Die Sexualtechnik des indo-tibetischen tantrischen Yoga],Palamidessi, T.: La tecnica sessuale dello yoga tantrico indo-tibetano, Turin:, Edizioni Grande Opera, 1948 Lo Yoga per non morire [dt.: Das Yoga des Nicht-Sterbens]Palamidessi, T.: Lo yoga per non morire, Turin: Edizioni Grande Opera, 1949, La potenza erotica di Kundalini Yoga [dt.: Die erotische Kraft des Kundalini Yoga].Palamidessi, T.: La potenza erotica di Kundalini Yoga, Turin: Edizioni Grande Opera, 1949

Yoga bildete den roten Faden von Studien und Experimenten, die Palamidessi während der späten 1940er Jahre beschäftigten und ihn zu einem Pionier des Yoga im italienischen Raum werden ließen. Zwischen Ende 1948 und Anfang 1949 gründete Palamidessi eine Yogaschule: die erste in Italien, die auch Fernkurse anbot, an denen etwa 3.000 Menschen teilnahmen. Zu seinen Schülern gehört Carlo Patrian (1930–2008), für den er das Vorwort des Buches Ipnotismo e magnetismo indù [dt.: Hinduistische Hypnose und Magnetismus]Patrian, C.: Ipnotismo e magnetismo indù, Turin: Edizioni Grande Opera, 1950 schrieb.

1948 gründete er die Italienische Schule der Hermetischen Initiation und veröffentlichte L’Alchimia come via allo Spirito [dt.: Alchemie als Weg zum Geist],Palamidessi, T.: L’alchimia come via allo spirito, Turin: Edizioni Grande Opera, 1949 wo alchemistische Theorie und Praxis zusammenfinden.

Umzug nach Rom (1953–1968) Palamidessi zog 1953 mit seiner Familie nach Rom in die Via Amendola und begann die Zusammenarbeit mit den Zeitschriften Radiocorriere TVDas Wochenmagazin “Radiocorriere TV” war von 1924 bis 1995 das offizielle Informationsblatt des italienischen Rundfunk- und Fernsehsenders RAI. und La Tribuna IllustrataLa Tribuna illustrata war von Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Durchbruch des Fernsehens die beliebteste Zeitschrift der Italiener., die bis zur Einstellung der Zeitung im Jahr 1969 andauerte. In dieser Zeitschrift war Palamidessi verantwortlich für die Astrologie-Kolumne Il corriere del destino [dt.: Der Bote des Schicksals], eine Kolumne über Traumdeutung und Graphologie Il segreto dei sogni [dt.: Das Geheimnis der Träume] und ein Taschenlexikon der okkulten Wissenschaften, die beim Publikum großen Anklang fanden.

1952 intensivierte Palamidessi seine Studien über das Christentum der frühen Kirchenväter, insbesondere von Pantaenus, Origenes und Clemens von Alexandrien. Im gleichen Zeitraum zog er einige seiner früheren Veröffentlichungen zum Thema Yoga vom Markt zurück, obwohl er den Wert der Techniken anerkannte, wie er in einer späteren Veröffentlichung in den 1960er Jahren erklärte:Es geht mir nicht darum, die aus der Hermetik, der Alchemie und dem Yoga stammenden Methoden der „Erweckung“ und der Seelenregeneration zu verwerfen. Auf keinen Fall! Auch diese Wege haben ihr Gutes, sofern sie nicht ausschließlich verfolgt werden. Von ihnen ist das zu nehmen, was dem Weg des Christus dient und entspricht, obschon diese Methoden von Anbeginn der Mission des Erlösers zu den gemeinsamen Kenntnissen vielen heiligen Väter und Asketen der entstehenden Kirche gehörten.1957 besuchte Palamidessi die Klöster des Berges Athos und von Kalambaka, wo er die Theologie des griechisch-orthodoxen Mönchtums eingehend studierte und direkt die Meditationstechniken der Hesychasten erlernte, darunter das Herzensgebet, auch Kardiognosis genannt, und die Meditation über die psychischen Zentren oder Kraftzentren.

1958 beschloss Palamidessi in die römische Provinz nach Morlupo zu ziehen, wo er bis in die frühen 70er Jahre blieb. 1960 tritt er in La Verna in den Säkularorden der Franziskaner (Ordo Franciscanus Saecularis) ein und wird Franziskaner des Dritten Ordens.

Dies ist die Zeit der Reisen, die besonders wichtig für seine spirituelle Bereicherung wird, sowie für die Erforschung von Quellen und Dokumenten, welche von Palamidessi später aufgearbeitet werden. Darunter sind die Reisen nach Frankreich (1961), Polen, in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Hawaii, Kanada und in die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (1962–1963), an den Polarkreis und nach Tibet (1964), nach Palästina, Jordanien, Israel, in den Libanon, nach Syrien, Äthiopien und Ägypten (1966), sowie nach Alexandrien (1966).

Die fünfziger Jahre: esoterische Veröffentlichungen und die christliche Wende