Zaoqiao (), auch Zaociao, ist eine Landgemeinde () im Landkreis Miaoli in der Republik China (Taiwan).
Lage und Klima Das Gemeindegebiet ähnelt der Form einer langgestreckten Trompete, deren Mundstück nach Osten zeigt. Die angrenzenden Gemeinden sind Zhunan im Norden, Toufen und Sanwan im Nordosten, Shitan im Osten, Touwu im Süden und Houlong im Westen. Im Osten ist das Terrain hügelig und hat Anteil an der Bajiaodong-Bergkette (). Im Norden bilden die Flüsse Zhonggang (, Zhonggang Xi) und Nangang (, Nangang Xi) die Grenze. Höchster Punkt ist der 418 m hohe Berg Sanjian (Sanjianshan, , ) an der Grenze zur Nachbargemeinde Shitan. Nach Nordwesten hin wird das Terrain immer flacher und geht in die Schwemmebene des Zhonggang-Flusses über.
In Zaoqiao herrscht ein subtropisches Klima mit einem heißen und feuchten Frühling und Sommer und einer Jahresmitteltemperatur von 22,3 °C (maximal im Juli mit 28,7 °C, minimal im Januar mit 15,4 °C). Die Regenzeit liegt zwischen Mai und September, wobei die Niederschläge von der Küste zu den Bergen hin zunehmen. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt etwa 1800 mm in den Ebenen und 2000 mm in den Bergen. Hauptniederschlagsquellen sind der Südwestmonsun und Taifune im Frühjahr und Sommer, der „Pflaumenregen“ () Mitte Mai bis Mitte Juni und der Winterregen.
Geschichte Taiwan wurde im Jahr 1683 durch das Chinesische Kaiserreich der Qing-Dynastie annektiert. Im Jahr 1711 betraten erstmals chinesische Truppen das Gebiet von Zaoqiao. Anfänglich bestand offiziell ein Einwanderungsverbot vom chinesischen Festland nach Taiwan, da die Behörden die Insel, auf die sich viele Anhänger der früheren Ming-Dynastie geflüchtet hatten, zunächst stabilisieren wollten. 1721 ereignete sich auf Taiwan der Aufstand von Zhu Yigui gegen die Qing-Herrschaft. Dem Aufstand schlossen sich erhebliche Teile der Bevölkerung an. Die Hakka-Gemeinden blieben den Qing-Herrschern jedoch treu und unterstützten die Niederschlagung, die rasch erfolgte. Daraufhin öffnete der Qing-Hof im Jahr 1732, gegen Ende der Herrschaftszeit Yongzhengs, das Gebiet des heutigen Landkreises Miaoli für Hakka-Einwanderer aus der Provinz Guangdong. In den Jahren 1723 bis 1735 strömten viele Hakka in die Region. Während der Regierungszeit der Kaiser Daoguang, Xianfeng und Tongzhi (1820–1875) wurden alle Gebiete westlich der Bajiao- und der Guandaoshan-Berge () im heutigen Landkreis Miaoli durch Han-Chinesen besiedelt.
Während der japanischen Herrschaft über Taiwan (1895–1945) wurde die Verwaltung mehrfach umorganisiert. Ab 1920 war Zaoqiao ein Dorf im Bezirk Zhunan () der Präfektur Shinchiku (). Nach der Eröffnung der Längslinie der heutigen Taiwanischen Eisenbahn im Jahr 1908 erlebte Zaoqiao einen wirtschaftlichen Aufschwung. In Zaoqiao wurde ein Bahnhof eingerichtet.
Nach der Übernahme Taiwans durch die Republik China im Jahr 1945 wurden die japanischen Verwaltungseinheiten unter anderen Namen weitergeführt. Aus dem Dorf Zaqiao wurde die Landgemeinde Zaqiao und aus der Präfektur Shinchiku der Landkreis Hsinchu. 1950 erfolgte eine weitere Verwaltungsreform. Die Bezirksebene wurde abgeschafft und der Landkreis Hsinchu in die Landkreise Hsinchu, Taoyuan und Miaoli aufgeteilt. Seither ist Zaoqiao eine Gemeinde im Landkreis Miaoli.
Bevölkerung Über 80 % der Bewohner gehören der Hakka-Volksgruppe an. Angehörige indigener Völker, überwiegend Saisiyat, machen einen Anteil von etwa 0,9 % aus (Ende 2019 115 Personen). Gliederung Zaoqiaos220px
Verwaltungsgliederung mini|Gemeindebüro Nach 1945 war Zaqiao zunächst in 10 Dörfer () untergliedert. Im Jahr 1978 wurde das Dorf Yuanfeng () aufgelöst und das Gebiet unter den Nachbardörfern Zaoqiao und Pingxing aufgeteilt. Seither bestehen die folgenden 9 Dörfer:
Wirtschaft Das früher in Zaoqiao ansässige Töpfer- und Köhlergewerbe ist mittlerweile weitgehend verschwunden. Haupterwerbszweige sind die Landwirtschaft und der Tourismus. Überregional bekannte landwirtschaftliche Produkte sind Kürbisse und Longfeng-Tee (). Auch Viehzucht spielt eine Rolle.
Verkehr Das Gebiet von Zaoqiao wird von mehreren großen Verkehrsadern durchschnitten. Am westlichen Rand verläuft die Autobahn Nationalstraße 3. Etwa in der Mitte verläuft die Nationalstraße 1 in Nord-Süd-Richtung durch die Dörfer Zaoqiao und Pingxing. Weitere große Straßenverbindungen sind die Provinzstraße 1 im Westen und östlich davon die Provinzstraße 17a (17甲), beide in südwestlicher Richtung, sowie die Provinzstraße 13 in Nord-Süd-Richtung durch die Dörfer Daxi und Jinshui.
Zaoqiao wird von zwei Streckenzweigen der Längslinie der Taiwanischen Eisenbahn durchquert: der Berglinie durch die Dörfer Zaoqiao, Fenghu und Pingxing, mit einem Haltebahnhof im Dorf Zaoqiao, und der Küstenlinie entlang des Zhonggang-Flusses mit dem Haltebahnhof Tanwen. Zudem verläuft die Trasse der Taiwanischen Hochgeschwindigkeitsbahn (THSR) in gerader südsüdwestlicher Richtung zentral durch Zaoqiao, verfügt hier jedoch über keinen Haltebahnhof.
Am 15. November 1991 ereignete sich mit dem Zusammenstoß zweier Züge einer der schwersten Unfälle der taiwanischen Eisenbahngeschichte. Dabei starben 30 Personen und mehr als 100 wurden verletzt.
Höhere Bildungseinrichtungen mini|Verwaltungsgebäude der Yu-Da-Universität Im Dorf Tanwen befindet sich die Yu-Da-Universität für Naturwissenschaften und Technik (YDU, , ). Die Privatuniversität wurde 1999 als Wirtschaftshochschule gegründet und 2009 in den Rang einer Universität erhoben.
Besonderheiten, Tourismus Die Gemeindeverwaltung ist bemüht, den Tourismus zu entwickeln. Hauptanziehungspunkt ist die Natur. Im Dorf Daxi befindet sich ein kleines Holzkohlemuseum (, ), das an das früher in Zaoqiao betriebene Gewerbe der Holzkohlegewinnung erinnert.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort auf Taiwan Kategorie:Ort in der Provinz Taiwan Kategorie:Landkreis Miaoli