Gian Luigi Vitelli, bekannt als Chiappino Vitelli (* 1520 in Città di Castello; † 3. November 1575 bei Antwerpen), war ein italienischer Condottiere und Ritter, Marchese von Cetona. Er wurde 1562 vom Großherzog der Toskana Cosimo I. de’ Medici zum Ritter des St.-Stephans-Ordens ernannt. mini|Porträt Chiappino Vitelli

Leben Herkunft und Anfänge Als Mitglied der Familie Vitelli aus Città di Castello wurde Chiappino wahrscheinlich 1520 als Sohn von Niccolò II. Vitelli und Gentilina della Staffa geboren; er war also der Enkel des großen Hauptmanns von Città di Castello, Paolo Vitelli. Seine Großmutter mütterlicherseits war Violante di Sforza di Guido aus der berühmten portugiesischen Familie der Oddi. Nachdem er mit seinem Onkel Alessandro Vitelli in den Diensten von Cosimo I. de’ Medici gekämpft hatte, schloss er sich dem Genuesen Andrea Doria an und kämpfte auf See. Im Jahr 1542 rächte Chiappino zusammen mit seinem Bruder Paolo II Vitelli seinen Vater, der Opfer einer Liebesaffäre geworden war. Den ständigen Betrügereien seiner Frau überdrüssig tötete Niccolò seine Gattin, Gentilina della Stafa, nur um seinerseits von Niccolò Bracciolini, Gentilinas Liebhaber, beseitigt zu werden. Als Bracciolini durch die Hand der beiden Brüder starb, nahm Chiappinos militärische Karriere eine Wendung: 1544 stand er wieder in den Diensten von Cosimo I. de’ Medici, der ihn im Kampf gegen den türkischen Korsaren Barbarossa einsetzte. Nachdem es Vitelli nicht gelungen war, die feindlichen Truppen an der Einnahme von Talamone und Porto Ercole zu hindern (nicht zu seinem Nachteil), drang er in Orbetello ein und verhinderte mit Hilfe von Stefano Colonna und den spanischen Truppen die Einnahme der Stadt durch die Türken und die französischen Truppen von Leone Strozzi. Daraufhin wurde er nach Pisa beordert, um sich einzuschiffen und sich auf den Weg nach Neapel zu machen, wo der Vizekönig Pedro Álvarez de Toledo aufgrund einer Reihe von Volksaufständen in Schwierigkeiten war. Im Jahr 1550 schiffte sich Chiappino erneut mit Andrea Doria ein, um gegen Barbarossa und den Korsaren Dragut zu kämpfen, der auch Gouverneur der tunesischen Stadt Mahdia war, an deren Belagerung Vitelli an der Spitze von dreihundert Florentinern teilnahm. Im Sommer 1553 war Chiappino auf Korsika, um sich den Franzosen entgegenzustellen: Er belagerte Furiani, konnte die Stadt aber nicht einnehmen und zog sich zurück, dann griff er mit Carlotto Orsini (1522–1554) Sampiero Corso an, danach belagerten die beiden gemeinsam Saint-Florent.

Krieg um Siena mini|Gian Giacomo de’ Medici Nachdem im Jahr 1551 die Verteidigungsanlagen von Saint-Florent zerstört waren, kehrte Chiappino in die Toskana zurück, wo in der Zwischenzeit der Krieg um Siena zwischen den Sienesen (unterstützt von den Franzosen) und den Florentinern (unterstützt von den Spaniern und den Kaiserlichen) ausgebrochen war. Er trat sofort in den Dienst der Florentiner, für die er das Castello della Chiocciola belagerte (einnahm) und dann ins Val di Chiana zog, wo er mit Luca di Girolamo degli Albizi nach Civitella ging, bevor er zur Eroberung nach Belcaro zog. Aber inzwischen hatte der Krieg Siena erreicht, so dass Chiappino unter das Kommando von Gian Giacomo Medici kam, der mit der Belagerung der Stadt beschäftigt war. Vitelli positionierte sich zwischen Buonconvento und Grancia di Cuna, wo er Teofilo Calcagnini († 1566) auflauerte. Dann kehrte er an der Spitze von mehr als 1.600 Männern, darunter Spanier und Italiener, zur Belagerung von Siena zurück. Er ordnete an, dass alle die dabei erwischt wurden den Sienesen Proviant zu bringen gehängt werden sollten und setzte einen Prämie für jeden aus, dem es gelang Lieferanten gefangen zu nehmen. Mit Vincenzo dè Nobili (1515–1560) belagerte er das Kloster Santa Bonda, wo ein regelrechtes Massaker angerichtet wurde: Von den Sienesen wurden etwa 800 Menschen verwundet und getötet. Am 2. August 1554 nahm Vitelli an der Schlacht von Scannagallo teil, und nachdem er eine kurze Zeit in Brolio verbracht hatte, um sich von einer Krankheit zu erholen, wurde er zum Generalleutnant des Großherzogs Cosimo I. ernannt. Am 24. Dezember 1554 versuchte er mit Gian Giacomo de' Medici in der Dunkelheit der Nacht die Einnahme von Siena, aber das Unternehmen scheiterte, weil die Leitern, die zum Erklimmen der Mauern benutzt wurden, zu kurz waren. Nach dem Sieg über Siena wurde Chiappino mit der Bewachung des Tores von San Lazzaro beauftragt, um sicherzustellen, dass die französischen Soldaten die Toskana ohne Probleme verlassen konnten. Chiappino einen herzlichen Wortwechsel mit Blaise de Monluc bei dessen Auszug. Im Mai 1555 übernahm er aufgrund der Unpässlichkeit von de’ Medici das Kommando über die Medici-Armee. Er begann sofort mit der Eroberung von San Quirico d’Orcia, Rocca d’Orcia, Castiglione d’Orcia und Campiglia d’Orcia. Nach der Genesung von de’ Medici, folgte ihm Chiappino in den Kämpfen gegen Piero Strozzi, Hauptmann der französischen Armee, der sich zu diesem Zeitpunkt in Porto Ercole befand. Hier wurde Vitelli mit der Belagerung von Forte Sant’Ippolito (das zerstört wurde) beauftragt. Dieses Unternehmen erforderte den Einsatz vieler Männer (etwa 800 Spanier und Deutsche). Mit Hilfe von Giovanni Francesco da Bagno († 1569) gelang es ihm, in das Kastell einzudringen, wobei etwa 400 Mann getötet wurden, und dann ging er zur Belagerung von Fort Ercoletto über, einer kleinen befestigten Insel, welche die kaiserlichen Galeeren daran hinderte, sich ihr zu nähern. Er griff, noch in Grosseto, das Fort Stronco an, das von Hauptmann Alessandro da Terni († 1555) verteidigt wurde, der während der Belagerung starb. Danach belagerte er das Fort Galera und zerstört anschließend Capalbio und den Turm von Talamonaccio. Er besiegt das von Bastiano Guascone verteidigte Montepescali und führte danach die Friedensverhandlungen. Schließlich drang er siegreich in Castiglione della Pescaia und Scarlino ein. Im November 1555 übernahm er die Verteidigung von Piombino, das von vielen Janitscharen angegriffen wurde. Mit Gabriele Serbelloni (1508–1580) schlug er sie zurück und griff dann in Populonia ein, wo er die Türken zum Rückzug an den Strand zwang. Vitellis Fähigkeiten waren überraschend: mit etwa 80 Männern gelang es ihm, 400 Osmanen zu töten. Als er die Stadt Pienza angriff und deren Herr Cornelio Bentivoglio (1519–1585) aus der Stadt verjagt wurde, musste er zur Erholung nach Florenz zurückkehren, da er an Malaria erkrankt war. Nachdem er sich erholt hatte, musste er aufgrund eines Befehls von de’ Medici, der über die pro-französischen Tendenzen des neuen Papstes Paul IV. besorgt war, von einem Angriff auf Radicofani absehen. Der Angriff wurde dennoch durchgeführt, wobei Vitelli sich mit Leonida Malatesta da Sogliano (1500–1557) verbündete, aber die beiden wurden bei ihren Versuchen zurückgeschlagen. Im Jahr 1556 kümmerte er sich hauptsächlich um die Verstärkung der Grenzen des Großherzogtums, wobei er sich vor allem um das Gebiet von Lucca kümmerte und die Stadt Montecarlo verstärkte. In diesem Jahr erhielt er viele Einladungen des spanischen Königs Philipp II., die er jedoch ablehnt, weil ihn die Forderungen des Königs, nämlich gegen Paul IV. zu den Waffen zu greifen, nicht überzeugten. Aus Angst vor einer Offensive der Franzosen hatte er den Auftrag, Arezzo und Sansepolcro zu befestigen. 1557 war Vitelli wieder in Porto Ercole, wo inzwischen die Männer der spanischen Flotte gelandet waren, und mit ihnen unternimmt er den Angriff auf Talamone, das leicht in die Hände von Chiappino fiel, so wie auch Castiglione della Pescaia und die Insel Giglio in seine Hände fielen.

Nach dem Krieg um Siena: der treue Mann des Großherzogs mini|Cosimo I de’ Medici 1559 verlagerte sich der Siena-Krieg vom Schlachtfeld auf die Diplomatie. Aus diesem Grund begab sich Chiappino nach dem Tod Karls V. in einer diplomatischen Mission nach Brüssel, um sowohl das Beileid des Großherzogs zu überbringen als auch die Ansprüchen der Florentiner auf die sienesischen Territorien zu bekräftigen. Mit dem Frieden von Cateau-Cambrésis, in dem die Toskana vollständig an die Herrschaft der Medici überging, musste Vitelli das von französischen Truppen besetzte Montalcino in Besitz nehmen. Er tat dies teils durch die Bezahlung der Soldaten, teils durch deren Bedrohung. Im August 1559 erledigt Chiappino einige unerledigte Angelegenheiten innerhalb der Familie. Mit seinem Bruder Paolo überfiel er seine Tante Angela de’ Rossi, die Witwe von Alessandro Vitelli, die in Montone, von der sie den Titel der Contessa besaß, eingeschlossen wurde. Die beiden zogen mit vielen Männern in die Stadt ein und beanspruchten die Herrschaft über die Stadt. Im Jahr 1560 war er in Sovana, um Nicola Orsini (1510–1594), den Herrn der Stadt, zu vertreiben. Bei der im selben Jahr stattfindenden Rebellion von Pitigliano gegen ihren Herrn Giovan Francesco Orsini († 1567) schlug er de’ Medici vor, Orsini von Niccolò Bombaglino (1482–1562) töten zu lassen, ein Versuch, der im Januar 1562 scheiterte. Noch im Jahr der gescheiterten Verschwörung ernannte ihn Cosimo I. zum Gran Connestabile des St.-Stephans-Orden.

Krieg gegen die Türken Im Jahr 1564, im Alter von 45 Jahren, schiffte er sich mit der spanischen Flotte unter dem Befehl von García de Toledo ein, um die Eroberung von Peñón de Vélez de la Gomera zu versuchen. Dort ist er dann von Bord gegangen und nach der Eroberung der Stadt kümmert sich Vitelli um die Neugestaltung der von Pedro Navarro entworfenen Stadtbefestigung. Nach der Rückkehr in Italien schiffte sich Chiappino in Livorno, diesmal in den Reihen von Giovanni Andrea Doria, ein. Nachdem sich die genuesische Flotte mit der spanischen (immer noch unter dem Kommando von Garcia de Toledo) vereinigt hatte, zog die Armee zur Verteidigung des von den Türken belagerten Malta. Trotz einer Meinungsverschiedenheit mit Garcia setzte sich Chiappinos militärische Geschicklichkeit durch und zwang seine Gegner mit einem Verlust von ca. 1.000 Toten zum Rückzug. Chiappino, der die Schritte seiner Gegner voraussah, begab sich mit etwa 800 Mann zum Turm von Falca: Sein Schachzug erwies sich für die Gegner fatal, die, angeführt von Kılıç Ali Pascha, überrumpelt und vernichtet wurden.

Krieg in Holland mini|Wilhelm I. der Schweigsame, Prinz von Oranien