Die Seeschlacht von Guadalcanal, die vom 12. bis zum 15. November 1942 stattfand, war die letzte Auseinandersetzung zwischen den US-amerikanischen und den kaiserlich-japanischen Streitkräften auf den Salomonen-Inseln während des Guadalcanal-Feldzuges im Zweiten Weltkrieg. Die Schlacht war ein viertägiges kombiniertes Luft- und Seegefecht, das im Zusammenhang mit den japanischen Bemühungen stand, die Landstreitkräfte auf der Insel zu verstärken.
Nachdem die US-Truppen im August 1942 Guadalcanal eingenommen und das immer noch im Bau befindliche Flugfeld erobert hatten, unternahmen sowohl die kaiserliche japanische Armee als auch die Marine daraufhin mehrere erfolglose Versuche, Verstärkung per Schiff nach Guadalcanal zu bringen. Anfang November 1942 entsandten die Japaner einen Transportkonvoi, der mehrere tausend Soldaten nach Guadalcanal bringen sollte. Die US-Navy reagierte darauf mit einer Reihe von Luftschlägen, um die japanischen Bodentruppen daran zu hindern, Guadalcanal zu erreichen. In der darauffolgenden Schlacht konnten die Amerikaner unter hohen Verlusten die Angriffe der Japaner abwehren.
Die Schlacht vereitelte somit den letzten großen Versuch Japans, die alliierten Streitkräfte von Guadalcanal und dem nahegelegenen Tulagi zu vertreiben, und führte zu einem strategischen Sieg der USA und ihrer Verbündeten, der den Ausgang des Guadalcanal-Feldzuges endgültig zu ihren Gunsten entschied.
Vorgeschichte Im Frühsommer 1942 wurde dem US-amerikanischen Oberkommando bekannt, dass die Japaner dabei waren, eine Flugbasis auf der Salomonen-Insel Guadalcanal zu errichten. Von dort wären japanische Langstreckenbomber in der Lage gewesen, den Seeweg zwischen den USA und Australien anzugreifen. Um dies zu verhindern, landeten am 7. August 1942 Einheiten der 1. US-Marinedivision auf Guadalcanal und besetzten das fast fertige japanische Flugfeld. Als Reaktion übertrug General Tōjō Hideki die Rückeroberung der Insel an die 17. Armee unter Generalleutnant Harukichi Hyakutake. Durch falsche Informationen ging Hyakutake lediglich von 2.000 Amerikanern aus, die sich auf der Insel befänden. Dies ließ die kaiserliche Armee glauben, dass ein einziges erfahrenes Bataillon ausreichen würde, um die Amerikaner zu überwältigen. Da sie jedoch die Größe der Verteidigungsstreitkräfte drastisch unterschätzt hatten – tatsächlich waren es fast 20.000 – wurden die Japaner während der Schlacht am Tenaru am 20. und 21. August vernichtend geschlagen.
Der nächste Versuch begann Mitte September. Mit nahezu allnächtlichem Einsatz von Zerstörern schafften die Japaner das Äquivalent einer verstärkten Brigade nach Guadalcanal. Am 12. September begannen sie einen Angriff und es gelang den Japanern, eine Streitmacht von drei Bataillonen bis auf 1,5 Kilometer an den Flugplatz heranzuführen. Allerdings führte eine Fehleinschätzung der Geländeverhältnisse zu einem unkoordinierten Angriff. So wurden die Japaner am 14. September besiegt. Ein dritter Angriff fand im Oktober statt. Erneut unterschätzten die Japaner die Auswirkungen eines groß angelegten Angriffs durch den dichten Dschungel, so dass der Angriff erneut unkoordiniert verlief. Zwischen dem 24. und dem 26. Oktober erlitten die Japaner unter schweren Verlusten erneut eine Niederlage.Frank: Guadalcanal. Random House, New York 1990, S. 37.Stille: Guadalcanal 1942–43. Osprey, Oxford 2019, S. 34f.
Auftakt Die Niederlage auf Guadalcanal veranlasste das kaiserliche Hauptquartier zum ersten Mal zu einem strategischen Konsens. Bis dahin hatte sich die kaiserliche Armee auf die Schlacht um Neuguinea konzentriert. Doch nun war man sich mit der kaiserlichen Marine einig, dass der Kampf um Guadalcanal die entscheidende Schlacht mit den Vereinigten Staaten war, die beide Teilstreitkräfte angestrebt hatten. Trotz der strategischen Gesamtsituation waren sowohl die Armee als auch die Marine zuversichtlich, dass sie die USA von Guadalcanal vertreiben könnten. Zur Durchführung ihres nächsten Angriffs bildeten die Japaner für die November-Operation vier Marine-Einsatzverbände. Zwei Einheiten wurden mit der Beschießung von Henderson Field beauftragt. Ein dritter Verband hatte die Aufgabe, die 38. Division und schweres Gerät von Rabaul nach Guadalcanal zu transportieren, während ein vierter Verband der Kombinierten Flotte allgemeine Unterstützung leistete.
Die 17. Armee plante zunächst, die 38. Division an Koli Point zu landen und dann einen zweigleisigen Angriff auf das Lunga-Gebiet von Osten und Westen aus zu starten. Allerdings lehnte das Kaiserliche Generalhauptquartier diesen Plan aufgrund der Streuung der Kräfte ab und wies stattdessen die 38. Division an, aus dem Matanikau-Gebiet anzugreifen, wo sie maximale Artillerieunterstützung erhalten konnte. Anfang November landete Hyakutake eine kleine Truppe am Koli Point, um Nachschub an Truppen zu liefern, die sich nach dem Desaster im Oktober dorthin zurückgezogen hatten. Befehle wurden für diese Kräfte erlassen, um ein Flugfeld auf der flachen Ebene südlich des Koli Point zu errichten. Zusätzlich war ein Teil des 230. Infanterieregiments der 38. Division bereits im Oktober und November auf Guadalcanal gelandet. Zwischen dem 28. Oktober und dem 8. November erreichten Elemente des 228. Infanterieregiments über den Tokyo Express die Strände von Kokumbona bis Cape Esperance.Miller: Guadalcanal. The First Offensive. (= United States Army in World War II.) U.S. Government Printing Office, Washington. DC 1995, S. 177ff.
Die USA waren am 9. November über den Funkaufklärungsdienst über die Grundzüge des japanischen Plans informiert. Sie wussten auch, dass der 13. November „Z-Day“ war. Die geplante Beschießung von Henderson Field durch Schlachtkreuzer war ihnen jedoch unbekannt. Halsey war entschlossen, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu kämpfen. Er hatte bereits zusätzliche Einheiten der Armee und der Marines auf die Insel entsandt und stellte der Cactus Air Force weitere Flugzeuge zur Verfügung. Die Cactus Air Force wurde im November deutlich aufgestockt. Am 1. November erreichten vier Douglas SBD des Jagdgeschwaders VMSB-132 des United States Marine Corps die Insel. Am 2. November traf mit VMF-112 ein weiteres Jagdgeschwader ein. Am 12. November trafen zehn weitere Douglas SBD des Jagdgeschwaders VMSB-142 und sechs Grumman-TBF-Torpedobomber von VMSB-131 ein. Während dieser Zeit verließen das Bombergeschwader VB-6 und das Jagdgeschwader VS-71 den Stützpunkt infolge technischer Überlastung. Henderson Field und Fighter One wurden erweitert und ein weiteres Rollfeld, Fighter Two, nordwestlich von Henderson angelegt. Am 31. Oktober verfügte die 11. Luftflotte über 158 Flugzeuge, von denen 125 einsatzbereit waren. Die 25. Luftflottille absolvierte ihre letzten Einsätze am 9. November und wurde anschließend zur Umrüstung nach Japan zurückgezogen. Sie wurde durch die 21. Luftflottille unter Konteradmiral Ichimaru Rinosuke ersetzt. Zwischen dem 5. und 9. November traf die neue 252. Luftgruppe mit 51 Mitsubishi A6M ein. Am 10. November traf die 956. Luftgruppe mit zehn Aichi-D3A-Sturzkampfbombern ein.Stille: 2019, S. 74–77 .
Die Flotten Parallel zum Einsatz der 11. Luftflotte zogen beide Seiten bedeutende Seestreitkräfte zusammen. Unter dem Oberkommando von Kondō Nobutake war das Kernstück der Japaner ein großer Konvoi unter Vizeadmiral Tanaka Raizō von elf Transportern, die von zwölf Zerstörern eskortiert wurden und bei Shortland Island für die Überfahrt nach Guadalcanal bereitstanden. Unterstützt wurde der Konvoi von einem Einsatzverband unter dem Kommando von Vizeadmiral Abe Hiroaki mit den Schlachtschiffen Hiei und Kirishima, dem Leichten Kreuzer Nagara und den Zerstörern Teruzuki, Amatsukaze, Asagumo, Samidare, Murasame, Harusame, Yūdachi, Ikazuchi, Inazuma und Akatsuki, die am 12. November das Flugfeld beschießen sollten. Die 8. Flotte in Rabaul war bereit, dem Beschuss der Schlachtschiffe in der nächsten Nacht einen eigenen Beschuss des Flugplatzes durch Schwere Kreuzer folgen zu lassen. Für die Luftdeckung dieser Einsatzkräfte stand den Japanern nur der Flugzeugträger Jun’yō zur Verfügung.
Um den japanischen Verstärkungsbemühungen zuvorzukommen, brachten die Amerikaner am 12. November zwei eigene Verstärkungskonvois auf die Insel. Die sieben Transporte wurden von den beiden Schweren Kreuzern San Francisco und Portland den drei Leichten Kreuzern Helena, Atlanta und Juneau sowie von den Zerstörern Fletcher, O'Bannon, Aaron Ward, Monssen, Barton, Laffey Sterett und Cushing unter dem Kommando von Konteradmiral Daniel J. Callaghan eskortiert. Südöstlich von Guadalcanal operierte ein Einsatzverband, der aus dem Flugzeugträger Enterprise, den Schlachtschiffen Washington und South Dakota sowie den Zerstörern Walke, Preston, Benham und Gwin bestand.Morison: The Struggle for Guadalcanal. (= History of United States Naval Operations in World War II.) Little Brown, Boston 1975, S. 231–235.
Die erste Schlacht links|mini|314x314px|Schiffsbewegungen während der ersten Schlacht am 13. November Am 8. und 9. November brachen die US-amerikanischen Transportschiffe von Espiritu Santo und Nouméa auf, am 10. November gefolgt von Callaghans Flottille. Die ersten drei Transportschiffe kamen am 11. November um 5:30 Uhr vor Guadalcanal an. Während die Truppen ausgeschifft wurden, gerieten sie im Laufe des Tages zweimal unter den Beschuss von feindlichen Bombern, die alle drei Schiffe beschädigten. Um 18:00 Uhr zog sich die Gruppe in die Indispensable Strait zurück. Die Kriegsschiffe unter dem Kommando von Callaghan durchkämmten daraufhin die Gewässer um die Savo-Insel und blieben für den Rest der Nacht vom 11. auf den 12. November im Sealark-Kanal. Am 12. November um 5:30 Uhr ankerten die Transporter vor Lunga Point. Unter dem Schutz der Kriegsschiffe begannen sie mit dem Abladen von Truppen und Fracht. Eine japanische Landbatterie in der Nähe von Kokumbona eröffnete um 7:18 Uhr das Feuer, stellte es aber ein, als amerikanische Einheiten das Feuer erwiderten. Etwa fünfundzwanzig feindliche Torpedobomber griffen am Nachmittag an und zwangen die Schiffe, das Entladen einzustellen und sich zurückzuziehen.
Der Kreuzer San Francisco und der Zerstörer Buchanan wurden beschädigt, die Transportschiffe jedoch nicht getroffen, und bis auf einen Bomber wurden alle abgeschossen. Inzwischen waren die vier anderen Transportschiffe eingetroffen und entluden ihre Fracht. Um der Zerstörung durch die japanischen Schlachtkreuzer zu entgehen, die am Morgen gesichtet worden waren, zogen sich alle Transportschiffe um 18:15 Uhr in die Indispensable Strait zurück. Am 13. November gegen 1 Uhr erreichte die japanische Flotte den Iron Bottom Sound zwischen Savo Island und Guadalcanal. Dort wurde sie vom Radar der Helena in einer Entfernung von 25 bis 30 Kilometern entdeckt. Nachdem Callaghan informiert worden war, gab er seinen Schiffen Befehl, die Japaner abzufangen. Um 1:30 Uhr befanden sich die japanischen Schiffe in einer Entfernung von 13.000 Metern und fuhren mit einer Geschwindigkeit von 23 Knoten auf einem Kurs von 105 Grad. In Ermangelung eines geeigneten Radars war Callaghan auf der San Francisco auf die Informationen über die Entfernungen, Peilungen und Kurse durch seine Zerstörer angewiesen. Da jedoch derselbe Sprechfunkkanal auch für die taktische Steuerung genutzt wurde, mussten die zwingenden Kurs-, Geschwindigkeits- und Geschützfeueranweisungen zwischen den Informationsanfragen eingefügt werden. Aufgrund der großen Verwirrung, die dies unter seinen Kapitänen auslöste, dauerte es bis 1:48 Uhr, bis Callaghan den Befehl zum Herstellen der Feuerbereitschaft geben konnte.