mini|hochkant|Arno Bonanni (2000) Arno Johannes Bonanni (* 21. April 1946 in Berkum, Rheinland) ist ein deutscher Architekt und emeritierter Universitätsprofessor. Neben zahlreichen ausgeführten Bauten entwarf Bonanni auch Stadtmöbel, die weltweit in vielen Städten aufgestellt wurden.
Leben Arno Bonanni wurde als Sohn eines Schulrektors in eine deutsch-italienische Familie geboren. Schon früh zeigte sich eine ausgeprägte Neigung zum Malen und Zeichnen mit einem besonderen Interesse für Geometrie. Mit zwölf Jahren fasste er den Wunsch, Architekt zu werden. Das Architekturstudium absolvierte er an der Technischen Universität Berlin, u. a. bei Oswald Mathias Ungers, und schloss es 1970 mit dem Diplom ab.Konopka, Sabine (Hg.): Arno Bonanni, in: Architektur Szene Berlin, Verlag für Architektur- und Kunstpublikationen, Berlin 1988, S. 60–65. 1975 promovierte er über Spezielle Planungsaspekte für multifunktionelle Zentren mit integrierten Schnellbahnhaltestellen.katalog.ub.tu-braunschweig.de Abgerufen am 19. November 2021.
Architekturbüro mini|Hardenbergplatz 1976 gründete Bonanni sein erstes Architekturbüro in Gemeinschaft mit einem Kollegen. Für den Entwurf eines Stadthaustypus gewann er 1978 den Schinkelpreis des AIV.Homepage des Architekturbüros Bonanni Gesellschaft von Architekten, abgerufen am 12. April 2021. 1993 erfolgte die Gründung des Büros Arno Bonanni Architekten, 2015 erfolgte die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft mit zwei weiteren Gesellschaftern. Bis 2019 blieb Bonanni dem Büro als Gesellschafter und Berater verbunden, das seitdem von seinen beiden Partnern geführt wird.
Bonanni widmet sich mit seinem Büro sowohl der stadträumlichen Gestaltung mit Entwürfen vom Stadtmöbel über Platzgestaltungen (Henriettenplatz, Hardenbergplatz, beide Berlin) bis hin zum Siedlungsbau als auch der Planung verschiedener Gebäudetypologien. Büro- und Gewerbegebäude gehören ebenso zu seinem Repertoire wie Medizinbauten und Kindergärten. Zwischen 1986 und 1997 entwarf Bonanni für die Firma Wall eine Serie von Stadtmöbeln und Designobjekten, die in der Folge nicht nur in Berlin, sondern auch in Moskau, Sankt Petersburg, Istanbul, Lausanne, New York und anderen Städten Aufstellung fanden. Einen besonderen Schwerpunkt seines Schaffens bildet der Wohnungsbau.
mini|Wohnbebauung im Quartier BOX Seven Bekannte Bauwerke sind die Bebauung des Bundesratufers in Berlin, die Umwandlung eines Bürohochhauses in einen Wohnturm in der Heilbronner Straße an der Berliner Stadtbahn und das Quartier Box Seven in Berlin-Friedrichshain, mit über 600 Wohnungen seinerzeit das größte Wohnungsbauvorhaben innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, für das er den Masterplan und den größten Teil der Entwurfs- und Ausführungsplanung erstellte.In Friedrichshain wächst Berlins größtes Wohnungsbau-Projekt auf https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/in-friedrichshain-waechst-berlins-groesstes-wohnungsbau-projekt, abgerufen am 14. April 2021.
Lehrtätigkeit mini|hochkant=1|City-Toilette auf elliptischem Grundriss, Handskizzen von Arno Bonanni 1971 erhielt Bonanni einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste Berlin (der heutigen Universität der Künste). An der Technischen Universität Berlin folgten die Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und 1975 die Promotion. 1976 wurde er als damals jüngster Professor auf den Lehrstuhl für Architekturdarstellung und -gestaltung berufen. Von 1987 bis 1989 stand er der Fakultät für Architektur als Dekan, bis 2006 dem Institut für Darstellung und Gestaltung als Geschäftsführender Direktor vor. 2011 schied er aus dem aktiven Dienst an der TU Berlin aus. Für seine Lehre der Darstellenden Geometrie bereitete er deren Prinzipien von den Grundlagen der Projektion bis zur Diskussion komplexer geometrischer Phänomene systematisch auf. Daneben verantwortete er zahlreiche Seminare zu Gestaltungsfragen im Objektdesign. Viele Themen seiner Lehrtätigkeit standen dabei im Bezug zu seiner Praxis als Architekt; stellvertretend hierfür steht die Konstruktion der Durchdringungskurve zwischen stehendem elliptischen Zylinder und liegendem geraden Kreiszylinder am Beispiel der City-Toilette auf elliptischem Grundriss.
Einordnung
Tradition Bonanni nennt als Vorbilder Architekten wie Hermann Muthesius, Heinrich Tessenow und Alfred Grenander, ebenso Paul Mebes und Paul Schmitthenner, die, während ihre Kollegen bereits eines sehr viel revolutionäreren formalen Gestus pflogen, die Tradition handwerklicher Ehrlichkeit, Akkuratesse und Tektonik in die Moderne hinübertrugen.
Typologie mini|hochkant=1|Wohnbebauung in der Heilbronner Straße
Baldus bezieht die Kunstdefinition auf ein zentrales Motiv im Schaffen Bonannis: die stetige Weiterentwicklung des Wohnhauses als Typus, der nicht nur mit Bezug auf seine äußere Geometrie, sondern auch auf die von Baldus angeführten „vier Gesichtspunkte“, die für ihn in „Grundriss, in dem sich der persönliche Lebenskreis gut organisieren lässt, Bauökonomie, Bautechnologie und der Wahrnehmung als Orientierung in städtischer Lebenswelt“ besteht, einer permanenten Anpassung und Optimierung unterzogen wird.
Stil Ästhetisches Ziel von Bonannis Architektur ist die Herstellung von Atmosphäre und die Darstellung von Tektonik. Stilistische Mittel wie die Verwendung klassischer Formen und der gezielte Einsatz des Dekor dienen „einerseits der Erzeugung einer heiteren, lebensoptimistischen Atmosphäre wie andererseits der Verdeutlichung und Orientierung des tektonischen Aufbaus.“ Die Formensprache, derer sich Bonanni dafür bedient, verbindet in assoziativem Experimentieren Referenzen aus verschiedenen Architekturparadigmen in einem „Pluralismus, der von Postmoderne und Traditionalismus über Klassischeres und den Art Déco bis zur abstrakteren Moderne und zu Gestaltungen reicht, die an den italienischen Neorealismus erinnern.“ Diese Referenzen sind jedoch nie Selbstzweck oder Extravaganz, sondern ordnen sich dem Gebrauchswert (der Raumbildung) unter, mit dem die Bewährungsfähigkeit von Architektur im Alltag gemessen wird.
Ausgeführte Bauten (Auswahl) 1975 – Stadtvilla, Benediktiner Straße, Berlin-Frohnau 1976 – Haus Bahn, Berlin-Spandau 1977 – Wohn- und Geschäftshaus, Berlin-Reinickendorf 1978 – Einfamilienhaus, Lyckallee, Berlin-Westend 1980 – Einfamilienhaus, Pücklerstraße, Berlin-DahlemWohnhaus in Berlin, in: Baumeister, 5/1981, S. 457–459.Meyhöfer, Dirk: Gläserne Villa am Grunewald, in: Architektur & Wohnen, 4/1981, S. 50–55. 1981 – Mehrfamilienhaus, Hainbuchenstraße, Berlin-Frohnau 1982–1985 – zwei Einfamilienhäuser, Bondickstraße, Berlin-Waidmannslust 1982 – Stadtvilla, Seydlitzstraße, Berlin-Lichtenrade 1983 – Einfamilienhaus, Bergengruenstraße, Berlin-Zehlendorf 1983 – Einfamilienhaus, Nussbaumer Straße, Traunstein 1983 – Haus Jahn, Köln-Junkersdorf 1984 – Stadtvilla, Kissinger Straße, Berlin-Schmargendorf 1984 – Stadtvilla, Hundekehlestraße, Berlin-Schmargendorf 1985 – Einfamilienhaus, Silberhammerweg, Berlin-Heiligensee 1985 – Stadtvilla, Krusauer Straße, Berlin-Lichtenrade 1986 – Einfamilienhaus, Eisenhammerweg, Berlin-Tegel 1987 – Stadtvilla, Bachstelzenweg, Berlin-Grunewald 1987 – Torbauten und Platzgestaltung vor dem Bahnhof Zoo, Berlin-CharlottenburgBauwettbewerb Neugestaltung Hardenbergplatz in Berlin, in: Wettbewerbe aktuell, 5/1980, S. 305–312.Hardenbergplatz, in: Bauwelt 31–32/1985, S. 1226–1227. 1987 – Platzgestaltung Henriettenplatz, Berlin-Halensee 1988 – Stadtvilla, Dünkelbergsteig, Berlin-Grunewald 1989 – Stadtvilla mit Schwimmbad, Gustav-Freytag-Straße, Berlin-GrunewaldDie Farbe des Geldes, in: Bauwelt, 22/1988, S. 906–909.Riewoldt, Otto: Neo-Villa im Grunewald, in: Ambiente 11/1990, S. 146–152. 1989 – Einfamilienhaus, Dacheroedenstraße, Berlin-Tegel 1989–1998 – Stadtmöbel, Berlin/Moskau/New York und weitere 1991 – Einfamilienhaus, Nordring, Bünde 1991 – Stadtvilla, Katharinenstraße, Berlin-Zehlendorf 1991 – Umbau und Sanierung einer denkmalgeschützten Villa, Gustav-Freytag-Straße, Berlin-Grunewald 1992 – Wohnresidenz am Hundekehlesee, Berlin-Grunewald 1992 – drei Wohnhäuser, Beelitzer Straße, Ferch 1993 – Wohn- und Geschäftshaus, Reichsstraße, Berlin-Westend 1993 – Büro- und Geschäftshaus BEWAG-Umspannwerk, Berlin-Wilmersdorf 1994 – Umnutzung und Sanierung Villa Harteneck, Berlin-Grunewald 1994 – Wohn- und Geschäftshaus, Humboldtstraße, Berlin-Wilmersdorf 1995 – Büro- und Geschäftshaus, Charlottenstraße, Berlin-Mitte 1995 – Wohn- und Geschäftshaus, Hohenzollerndamm, Berlin-Wilmersdorf 1996 – Wohn- und Geschäftshaus, Waltersdorfer Chaussee, Berlin-Rudow 1996 – Mehrfamilienhaus, zwei Reihenhäuser und Büros, Dorfstraße, Ferch 1997 – Mehrfamilienhaus mit Zahnklinik und Markt, Mariendorfer Damm, Berlin-Tempelhof 1998 – Seniorenresidenz, Ferch 1998 – Seniorenresidenz, Hohenzollerndamm, Berlin-Wilmersdorf 1998 – Privatklinik, Sächsische Straße, Berlin-Wilmersdorf 1999 – Wohn- und Geschäftshaus, Sophienstraße, Berlin-Mitte 1999 – 36 Doppel- und Reihenhäuser, An der Fährwiese, Potsdam-Hermannswerder 2001 – zwei Stadtvillen, Pferdnerstraße, Leipzig-Wahren 2001 – Reihen- und Einfamilienhäuser, Leipzig-Engelsdorf 2002 – Bürohaus, Teleportboulevard, Amsterdam 2005 – Büro- und Geschäftshaus, Eschstraße, Bünde 2007 – sechs Wohnhäuser, Bundesratufer, Berlin-Moabit 2007 – Wohn- und Geschäftshaus, Rüdesheimer Straße, Berlin-Wilmersdorf 2008 – Einfamilienhaus, Petunienweg, Berlin-Rudow 2009 – zwei Stadtvillen, Am Kleinen Wannsee, Berlin-Wannsee 2009 – drei Wohnhäuser, Winterfeldtstraße, Berlin-Schöneberg 2011 – Vorder- und Gartenhaus, Fontanepromenade, Berlin-Kreuzberg 2011–2013 – Rosengärten, Württembergische Straße, Berlin-Wilmersdorf 2012–2013 – Vorder- und Gartenhaus, Vorbergstraße, Berlin-Schöneberg 2014 – sieben Wohnhäuser, Barbarossaplatz, Berlin-Schöneberg 2014 – drei Wohnhäuser, Charlottenbrunner Straße, Berlin-Schmargendorf 2015 – sechs Wohnhäuser mit Markt, Zillestraße/Wilmersdorfer Straße, Berlin-Charlottenburg 2015–2019 – Box Seven, Wohnquartier mit Kita, Stadtcafé und Gewerbe, Berlin-Friedrichshain 2015–2019 – fünf Wohnhäuser und Umbau eines Hochhauses, Heilbronner Straße, Berlin-HalenseeDobberke, Cay: Wohnen im Bürohochhaus mit Panoramablick, auf https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/berlin-halensee-wohnen-im-buerohochhaus-mit-panoramablick/11956632.html, abgerufen am 14. April 2021. 2018–2021 – Mehrfamilienhaus, Schillerstraße, Berlin-Charlottenburg seit 2020 – Villa und Umbau eines Wohnhauses, Hellriegelstraße/Lentzeallee, Berlin-Dahlem
Galerie
Literatur (Auswahl) Jonathan Andrews: Handgezeichnete Visionen. Eine Sammlung aus deutschen Architekturbüros, Verlagshaus Braun, o. O., 2004. Michael Behr mit Arno Bonanni und Wolfgang Spiess: Entwurf eines Experimentalhauses zur Erprobung neuer Wohnformen, in: Kommune und Großfamilie, Paul Haupt, Bern, und Katzmann-Verlag, Tübingen, 1972. Arno Bonanni: Darstellende Geometrie I bis III, TUB, Berlin 1999–2004. Sven Heinemann und Timon Henze: Boxhagen beginnt, Bauwert, Berlin 2016. Christian Hunziker und Cornelia Kaluschke: Neubaujahrbuch, Howoge, Berlin 2018. Sabine Konopka (Hg.): Arno Bonanni, in: Architekturszene Berlin, Verlag für Architektur- und Kunstpublikationen, Berlin 1988. Natascha Meuser (Hg.): Architekturzeichnungen. Handbuch und Planungshilfe, DOM publishers, Berlin 2012. Richard Röhrbein et al. (Hg.): Zehn Architekten für Potsdam. Neues zur Stadtvilla, Konopka, Berlin und Potsdam 1998.
Weblinks
Homepage des Architekturbüros Bonanni Gesellschaft von Architekten Darstellung des Quartiers Box Seven einschließlich Film mit Interviews und Beiträgen zur Geschichte
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Berlin) Kategorie:Absolvent der Technischen Universität Berlin Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1946 Kategorie:Mann