mini|hochkant=1.2|Ostermann Coupe 40: zweisitziges Coupé auf VW-Käfer-Basis mit GFK-Fronthaube im Stil des Ford V8 von 1940 Ostermann ist eine ehemalige deutsche Automobilmarke; unter ihr wurden von 1984 bis zumindest 2013 verschiedene Pkw-Modelle entworfen und zeitweilig als Komplett-, überwiegend jedoch als Bausatzfahrzeuge hergestellt und vermarktet. Bis 1989 basierten alle Modelle auf VW-Käfer-Technik, ehe vorübergehend auch Modelle auf Basis frontgetriebener Volkswagen-Pkws hinzukamen; 1993 ergänzte ein Cabriolet auf Basis des ursprünglich in der DDR gebauten Trabant das Angebot. Die Produktionszahlen lagen insgesamt mindestens im vierstelligen Bereich.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Typischer Umbau zum zweisitzigen VW-Käfer-Speedster im „California-Look“ (weißes Verdeck, indivi­duelle helle Innen­aus­stattung, Sport­felgen und Breit­reifen), wie er ab 1984 auch als Ostermann Speedster entstand

Initiator Gründer und Namensgeber war Holger Ostermann.In der Enzyklopädie von Linz/Schrader findet sich davon abweichend die Angabe Wilfried Ostermann, in dem Bericht von Anne Lehwald an einer Stelle auch die Angabe Volker Ostermann. Er wurde gegen Mitte/Ende der 1950er-Jahre geboren,Die verfügbaren Angaben zum Alter des Initiators sind widersprüchlich: Im Bericht von Anne Lehwald, der auf 2013 datiert ist, wird das Alter Holger Ostermanns mit 58 angegeben, was auf das Geburtsjahr 1954 oder 1955 schließen lässt; im Bericht der Zeitschrift Hier der Stadtwerke Osnabrück, der 2016 erschien, wird Ostermanns Alter mit 57 angegeben, was einen Rückschluss auf das Geburtsjahr 1958 oder 1959 zulässt. hatte ursprünglich das Augenoptiker-Handwerk erlernt und war zuletzt im niedersächsischen Osnabrück ansässig. Im Jahr 1976 lebte er vorübergehend im US-Bundesstaat Kalifornien, wo bereits eine lebendige Custom-Car- und Hot-Rod-Szene bestand. Dort sah er, wie normale VW-Käfer-Limousinen durch Abtrennen des Daches (und Verstärken des Chassis) kostengünstig zum Cabrio umgebaut wurden. Zurück in Deutschland und kurz nachdem er die Fahrerlaubnis erlangt hatte, baute Ostermann um 1978 aus Kostengründen ein erstes Cabriolet für sich auf. Hobbymäßig folgten dem weitere nach, ehe er sich ab den frühen 1980er-Jahren beruflich damit befasste.

Auch außerhalb des Automobilbereichs interessierte sich Ostermann für Technik: Spätestens ab 2005 war er auf dem Flugplatz Osnabrück-Atterheide als Hobbypilot im Aero-Club Osnabrück e. V. aktiv und unternahm unter anderem Rundflüge mit Passagieren über Osnabrück und die Umgebung;Caritasverband für die Diözese Osnabrück e. V. (Hrsg.): Ohne Drogen abgehoben – AERO-Club Osnabrück ermöglicht Süchtigen neue Grenzerfahrungen. Pressemitteilung vom 25. Oktober 2005, abgerufen am 26. Oktober 2021.Neue Osnabrücker Zeitung: Vergnügen aus der Vogelperspektive. Zeitungsbericht vom 22. Juli 2010.Hier – Das Magazin der Stadtwerke Osnabrück: Alles eine Frage der Perspektive – „Osnabrück von oben“ einmal anders. Ausgabe 2/2016 vom 13. Juni 2016, Rubrik: Lieblingsorte, S. 8–12 (insb. S. 12 und Titelblatt), abgerufen am 26. Oktober 2021. der Flugplatz liegt nahe der Betriebsstätte, die Ostermann Anfang der 1990er-Jahre in der Siedlung Atterfeld des Osnabrücker Vorortes Atter unterhielt. Der Flugplatz war auch wiederholt Kulisse für die vom Hersteller veröffentlichten Fotos seiner Fahrzeugmodelle, speziell des GR-California.Abbildungen aus dem Katalog Ostermann – VW-Träume ’91 von 1991 auf dem Webportal gr-california.de, insbesondere mit Fotos des Messestands auf der IAA 1987 (Seite 2) und des Ostermann GR-California auf dem Flugplatz Osnabrück-Atterheide (Seiten 4 und 5), abgerufen am 26. Oktober 2021 (deutsch/englisch).

Hintergründe Ausgehend von einzelnen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten waren in den 1970er-Jahren weltweit zunehmende Bedenken gegen die Sicherheit offener Personenwagen aufgekommen, speziell bei Verkehrsunfällen mit seitlichem Überschlag. Viele Großserienhersteller von Automobilen stellten daher Ende der 1970er- bis Mitte der 1980er-Jahre die Fertigung von Cabriolets und Roadstern aus Sorge vor einer möglichen Produkthaftung mit hohen Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen ein. So endete beispielsweise die Serienproduktion des viersitzigen VW-Käfer-Cabriolets (Typ 15) bei Karmann, ebenfalls in Osnabrück, im Januar 1980. Die wenigen neuen offenen Modelle versahen die Großserienhersteller meist mit Überrollbügeln, die (zunächst) vielen Kunden aus optischen Gründen sowie während der Fahrt wegen der erhöhten Windgeräusche missfielen und die die Fahrzeuge verteuerten. So wurde das neue, ab März 1979 angebotene VW-Golf-Cabriolet wegen des Überrollbügels vielfach abwertend als „Henkelmann“ oder – wegen der oft roten Lackierung – als „Erdbeerkörbchen“ verspottet. Für mehrere Jahre ließ die Kundennachfrage nach offenen Großserienfahrzeugen, auch mangels neuer Modelle, stark nach. Parallel konnten sich jedoch neue Hersteller, insbesondere Umbauspezialisten etablieren, die wie Ostermann Kleinserien, Einzelfertigungen nach Kundenwunsch und Bausätze anboten. Zudem entstand nun auch in der Bundesrepublik Deutschland und allgemein in Westeuropa eine vielfältige Fahrzeugtuning-Szene; sie trug den vermehrten Kundenwünschen Rechnung, Automobile über das Standardangebot der Großserienhersteller hinaus zu individualisieren.

Unternehmensgeschichte mini|hochkant=1.3|Zum Coupé umgebauter VW Käfer mit „Brezel­fenster“, wie er ab 1986 sehr ähnlich als Ostermann Coupe 40 vermarktet wurde Der Initiator machte sich im März 1984 selbstständig. Zunächst firmierte er als Einzelkaufmann unter Speedster Ostermann; bis 1986 war der Betrieb im Koburger Weg 7a in Münster in Westfalen ansässig. Erstes und zunächst einziges Modell war der offene zweisitzige Ostermann Speedster auf Basis des VW Käfer. Zum Folgejahr wechselte der Betrieb zum Jagdgrund 1 in Ibbenbüren im nordrhein-westfälischen Kreis Steinfurt. Inzwischen war das geschlossene zweisitzige Modell Ostermann Coupe 40 auf gleicher Basis neu hinzugekommen.

Im Herbst 1987 war Ostermann zusammen mit dem Unternehmen Speedster Cabrio Design aus Fuldabrück bei Kassel mit einem gemeinsamen Stand auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main vertreten, der damals weltgrößten Automobilmesse. Dort hatte der Ostermann GR-California, ebenfalls ein offener Zweisitzer auf Käfer-Basis, mit Anklängen an das VW Karmann-Ghia Cabriolet (Typ 14) seine Premiere; er ergänzte fortan als drittes Modell das Ostermann-Angebot. Neben dem Hersteller selbst übernahm das Partnerunternehmen aus Fuldabrück ab 1987 den Aufbau von Ostermann-Komplettfahrzeugen, speziell des GR-California. Letzterer wurde auch auf der Essen Motor Show 1988 präsentiert, dort von der Firma Holger Ostermann. Zeitweilig, zumindest bis 1991, bot Ostermann ergänzend neue VW Käfer aus ausländischen Volkswagen-Werken an, nachdem das Wolfsburger Unternehmen selbst deren Import und Vermarktung in Europa 1985 beendet hatte; ferner gehörte eine breite Auswahl an Autorädern zum Angebot.

Zum Modelljahr 1990 begann Ostermann eine noch engere Partnerschaft mit Speedster Cabrio Design. Dadurch erweiterte sich das Angebot um das letztlich kurzlebige, offenbar nur 1989/90 erhältliche Modell Ostermann Arrow Coupé auf Basis des VW Golf. Ab 1990 war der Unternehmenssitz in der Giesbert-Bergerhoff-Straße 58 in Osnabrück – gelegen in der Siedlung Atterfeld im Stadtteil Atter – in Niedersachsen.Vereinzelt finden sich auch die Falschschreibungen Griesbert-Bergerhoff- und Gisbert-Bergerhoff-Straße. Im Jahr 2018 wurde sie in Frida-Schröer-Straße umbenannt. Statt des Arrow-Coupés rückten zum Modelljahr 1991 zwei offene, schlicht Ostermann Cabrio genannte Golf-Varianten in das Lieferprogramm, einerseits auf Basis des VW Golf I, andererseits auf Basis des Golf II.

Für 1992 änderten sich die Rechtsform und die Firmierung: Aus dem Einzelunternehmen wurde eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach deutschem Recht, aus Speedster Ostermann wurde die Ostermann GmbH; zugleich wurden nur noch Bausätze ausdrücklich genannt. Ab 1993 wurden lediglich die drei bisherigen Modelle auf Käfer-Basis erwähnt. Zum Modelljahr 1994 wechselten Firmensitz und Produktion an die Alte Pyer Schule 2 in Osnabrück im Stadtteil Pye. Für 1993/94 finden sich zudem erste externe Erwähnungen für ein aufwendiges Motortuning von Vierzylinder-Boxermotoren, die auf bis zu 2,3 Liter Hubraum und eine Leistung bis zu 150 PS (110 kW) gesteigert werden konnten; schon 1991 führte das Unternehmen getunte Käfer-Motoren in seinen jährlich erscheinenden Katalogen.Weitere Abbildungen aus dem Katalog Ostermann – VW-Träume ’91 von 1991 auf dem Webportal picclick.de mit der Angebotsübersicht sowie Details zu leistungsgesteigerten Vierzylinder-Boxermotoren und dem Ostermann Cabrio auf Golf II-Basis, abgerufen am 26. Oktober 2021. Schließlich kamen 1993 noch Umbauten von Trabant-601-Limousinen zu viersitzigen Cabriolets hinzu, die fortan den Tätigkeitsschwerpunkt bildeten.

Online war Ostermann mit der Website www.ostermann-cabrios.de aktiv, die zuletzt 2014 aktualisiert wurde, inzwischen allerdings offline ist. Gegen Ende wandelte Holger Ostermann die GmbH in eine (haftungsbeschränkte) Unternehmergesellschaft (UG) um, nunmehr unter der Adresse Alfred-Delp-Str. 105 in Osnabrück im Stadtteil Wüste.Holger Ostermann, Osnabrück auf dem Webportal unternehmensauskunft.com, abgerufen am 26. Oktober 2021.Holger Ostermann, Osnabrück auf dem Webportal az-deutschland.com, abgerufen am 26. Oktober 2021. Zuletzt führte Sabine Ostermann das Unternehmen;Sabine Ostermann, Osnabrück auf dem Webportal unternehmensverzeichnis.org, abgerufen am 26. Oktober 2021. es finden sich jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Fertigung eigener Automobile unter ihr noch fortgesetzt wurde. Wann die Produktion endete, ist unklar; letzte Belege existieren für 2013.

Es besteht keine Verbindung der hier behandelten Automarke Ostermann zu dem Unternehmen Cabrio-Design Ostermann-Germer (kurz: nur Ostermann-Germer oder Ostermann) aus Kürten-Dürscheid bzw. Overath im Bergischen Land. Dort entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren unter Ulrich Ostermann-Germer einzelstückweise Cabrio- und Targa-Umbauten auf Basis verschiedener aktueller und älterer Pkw-Modelle der Marken VW, Opel und Ford.Zeitgenössische Werbeanzeige von Cabrio Design Ostermann-Germer aus Kürten, abgerufen am 26. Oktober 2021.Auszug aus einem zeitgenössischen Werbeprospekt von Cabrio-Design Ostermann-Germer aus Overath, abgerufen am 26. Oktober 2021.Zeitgenössische Angebotsübersicht von Cabrio-Design Ostermann-Germer aus Overath vom Juli 1991, abgerufen am 26. Oktober 2021.

Unklar ist, ob und inwieweit eine Verbindung zu dem Betrieb der Brüder Hartmut und Karl Ostermann aus Rheda bei Bielefeld besteht. Nach mehreren Quellen konstruierten sie zwischen 1953 und 1959 Karosserien für Sonderkraftfahrzeuge von Borgward, Goliath, Tempo und auch dem Volkswagenwerk. Sie sollen Aufbauten für die Kleintransporter von Goliath (GD 750 und/oder Goli) sowie den Tempo Matador entworfen haben, ferner für „Borgward Militär-Kübelwagen“ (offenbar den Borgward B 2000 A/O). Darüber hinaus sollen von 1955 bis Ende 1959 im Auftrag des Volkswagenwerks etwa 300 Spezialkarosserien als Cabrios, Coupés, Behördenfahrzeuge und kleine Lieferwagen, speziell Milchwagen entstanden sein, die auf Chassis des VW Käfer 1200 passten, die „nur selten (je nach Fahrzeug) und auch nur geringfügig modifiziert bzw. verlängert oder verkürzt“ wurden.Auszug aus dem Online-Auktionskatalog des Auktionshauses Gut Bernstorf auf dem Webportal liveauctioneers.com vom 19. Mai 2012, abgerufen am 26. Oktober 2021.Beschreibung eines VW Käfer Ostermann Coupe, ausgestellt auf der Essen Motor Show 2013, auf dem Webportal autodino.de, abgerufen am 26. Oktober 2021.Beschreibung eines Volkswagen Käfer Ostermann auf dem Webportal collectioncar.com, abgerufen am 26. Oktober 2021.

Ostermann in Automobilfachbüchern und -zeitschriften