Birklar ist einer von neun Stadtteilen der Stadt Lich im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage Birklar liegt am Nordrand der Wetterau, an den Ausläufern des Taunus zum Vogelsberg. Dieser Höhenrücken, der sich kaum vom Gelände erhebt, erlaubt auf seinen höchsten Punkten eine weite Fernsicht: im Westen über die Burg Münzenberg bis hin nach Butzbach, im Osten in den Vogelsberg. Das Dorf liegt in einem Seitental der Wetter.

Geschichte mini|Limesverlauf in der Wetterau

Limes Gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus errichtete das Imperium Romanum eine erste befestigte Grenze, den Limes, gegen die germanischen Chatten. Diese Befestigung war Teil des Obergermanisch-Raetischen Limes. Seine letzte Ausbauphase erreichte der Limes um 200, bevor er ca. 260 n. Chr. aufgegeben wurde. Ein Teilabschnitt des Wetterau-Limes ist noch heute in der Gemarkung Birklar erkennbar.

Mittelalter Die Ersterwähnung Birklars findet sich im Lorscher Codex und datiert auf 791: „in Birchinlare (Birchenlare) marca“ sowie in „... in pago Wetdereiba in Birkenlare marca ...“Karl Glöckner, Codex Laureshamensis 3, Darmstadt 1929–1936, Nachdruck 1963. Bd. III; Nr. 2945=3757b und Nr. 2946=3758b. Der Priester Walthelm übertrug 791 dem Kloster Lorsch aus dem Besitz eines Albert in der Birklarer Mark zwölf Tagwerke Ackerland, außerdem im gleichen Jahr aus dem Besitz des Frunolf in der Birklarer und Muschenheimer Mark insgesamt 30 Tagwerke an das Kloster. Der in dem Kopiar erwähnte Schenker Frunolf war „ein kleiner Grundherr.“ Seine Mutter hieß Adelwiz.Jürgen Steen, Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial- und Agrargeschichte in der Wetterau. Studien zum Verhältnis von Landnahme und Kontinuität am Beispiel einer Randlandschaft des Merowingerreichs, Ffm 1979 = Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main XIV, S. 155, 179 f, 182.

Der Ortsname soll sich auf das mittelhochdeutsche Bestimmungswort „birkin“, nhd. „Birke“ zurückführen. Das Grundwort „lar“ wird etymologisch auf das germanische Wort „hlera“, was „Gatter, Pferch“ bedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 58 f, S. 59. So wäre der Ortsname als ein „Gatter aus Birkenstämmen“ zu deuten. Dagegen bezieht eine andere neuere Namensforschung die Endung „Lar“ in Birchenlare und Birkenlare auf Gewässernamen wie in Larbach, erwähnt 775.Jürgen Stehen, Königtum und Adel, S. 180.

Herrschaft Die Herren des Ortes waren im Hochmittelalter die Grafen von Falkenstein, die 1255 den größten Teil des Besitzes der Reichsministerialen von Hagen-Münzenberg geerbt hatten (→ Münzenberger Erbschaft). Zu den Erben der Familie von Hagen-Münzenberg gehörten auch die Grafen von Hanau. Reinhard von Hanau war verheiratet mit Adelheid von Münzenberg. Reinhard und sein naher Verwandter Engelhard von Weinsberg erlaubten 1265 dem Johann von Gridel, genannt „Birgenschild,“ dass er einem Wetzlarer Bürger ihr Lehen, eine Hufe zu Güll, verkaufte. Dafür gab er eine Hufe zu Birklar.Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Teil 1. Leipzig 1891, Nr. 399.

1335 hatte Johann von Birklar eine Hufe als Falkensteiner Lehen.Anette Löffler: Die Herren und Grafen von Falkenstein (Taunus): Studien zur Territorial- und Besitzgeschichte, zur reichspolitischen Stellung und zur Genealogie eines führenden Ministerialengeschlechts; 1255–1418. (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 99), Darmstadt 1994. ISBN 3-88443-188-9, Bd. Nr. 845. Das Marienstift Lich verlieh 1349 Philipp dem Älteren von Falkenstein-Münzenberg 500 Pfund Heller gegen eine jährliche Gült aus der Bede des Gerichts zu Muschenheim, Bettenhausen, Birklar und Wetter. Die Wüstung Wetter liegt in der Muschenheimer Gemarkung.Georg Wilhelm Justin Wagner: Die Wüstungen im Großherzogthum Hessen, Provinz Oberhessen. Darmstadt 1854, S. 167. Wetter wurde urkundlich noch 1336 mit Muschenheim als villa erwähnt.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. AUB Nr. 672, S. 1357 gestattete Philipp der Ältere von Falkenstein seinem Licher Burgmann Dietrich von Muschenheim, seine Güter zu Muschenheim und Birklar als Landsiedel zu verleihen. Diese Landsiedel waren Falkenstein nicht dienstpflichtig.Friedrich Battenberg, Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Abteilungen B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich. 1131–1913. Bd. 1–5, Darmstadt 1981–1986. Bd. 1, Nr. 283, 346. Seit 1401 fielen Muschenheim, Birklar und Bettenhausen in den Mühlenbann der Mühle von Muschenheim. In diesem Jahr erneuerte Philipp VIII. von Falkenstein die Schenkung Philipps I. von Falkenstein. Dieser hatte die Muschenheimer Mühle 1261 an das Arnsburger Kloster geschenkt.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174-1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 212, vgl. Ludwig Baur: AUB. Nr. 43.

Nachdem der letzte Falkensteiner, Graf Werner von Falkenstein, als Werner III. Erzbischof und Kurfürst von Trier 1418 verstorben war, fiel 1423 Birklar in den Besitz der Grafen zu Solms. Bei den Teilungen der Solmser Grafen kam Birklar an Graf Bernhard zu Solms-Braunfels. Eine Freiung von 1434 durch die Grafen von Solms und von Eppstein betraf die Höfe und Landsiedel des Klosters Arnsburg in Birklar, Bellersheim, Utphe, Muschenheim und anderen Orten von allen Diensten, Steuern und Beden. Die herkömmlichen Dienste waren ausgenommen. Solmische Lehnsleute waren die Stürzelsheim von Bellersheim. Die Brüder Kraft und Henne von Bellersheim 1440 erhielten von Graf Johann von Solms u. a. die Vogteien zu Bettenhausen und eine Hufe Land zu Birklar.Friedrich Uhlhorn: Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter, Marburg 1931, S. 400.

Besitz des Klosters Arnsburg 1198 erwarb das Kloster Arnsburg in Dorf-Güll drei Hufen mit Zustimmung Kunos von Hagen-Münzenberg und anderer Lehnsherren. Dazu gehörten auch die auf den Hufen befindlichen Gebäude. Die Dorf-Güller Bauern wurden auf andere Güter in Obbornhofen, Wetter und Birklar umgesetzt. Zeugen waren alle Mönche und Brüder.Ludwig Baur: AUB Nr. 2. Die Falkensteiner verkauften 1269 dem Kloster Arnsburg ihre Güter zu Birklar.Ludwig Baur: AUB, Nr. 2, 122. 1282 erwarb das Kloster von Ulrich I. (Hanau) und seiner Frau, der Gräfin Elisabeth von Rieneck, deren Erbe, den Wald Hard bei Birklar.Heinrich Reimer, Urkundenbuch Hanau I, Nr. 611. In den folgenden Jahren setzte das Kloster seine Erwerbungen in Birklar und Umgebung fort. Es kaufte u. a. 1287 mit Erlaubnis derer von Falkenstein einen Hof mit sechs Huben von Konrad, gen. Hobeman de Birklar, sowie im gleichen Ort Besitz von Bertold von Wetter. Weitere Verkäufe an das Kloster Arnsburg fanden 1308, 1311, 1334 und 1337/38, 1340, 1357 und 1398 statt. Die Verkäufer waren Ritter aus der Gegend, die in Birklar begütert waren.

Neuzeit Der Dreißigjährige Krieg zog nicht spurlos an Birklar vorbei, vieles fiel der Plünderung anheim, und die Einwohner hatten unter Einquartierung und Kontributionen zu leiden.

Um 1720 etablierte sich im Ort eine Leineweberzunft mit Berufen wie Spinner und Weber.

Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches gehörte Birklar zum Fürstentum Solms-Braunfels.

Zwischen 1780 und 1810 marodierten verschiedene Räuberbanden in Oberhessen, wobei einige von ihnen im Ort ihr Lager hatten. Der ortsansässige Johannes Müller, genannt der Birklarer Schneider oder Grabenschneider, gehörte zur Vogelsberger Bande.Friedrich Ludwig Adolph Grolman, Actenmäßige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandenen Verbrecher. Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber; Mit einer Kupfertafel, welche die getreuen Bildnisse von 16 Haupt-Verbrechern darstellt. Gießen 1813, S. 18, 270, 475. Müller war mit anderen Räubern an einem Einbruch in Södel beteiligt, an der Beraubung eines Fuhrmanns in Laasphe und an einem versuchten Straßenraub bei Münzenberg mit Ludwig Funk und Martin Knaus. Er wurde im Frühjahr 1812 in Marburg hingerichtet. Ebenfalls aus Birklar stammte der Räuber Gilbert Eller, der im Dezember 1812 in Marburg durch das Schwert hingerichtet wurde.Schwencken, S. 554.

Der Anschluss an die Elektrizität erfolgte vor dem Ersten Weltkrieg, 1912 folgte der Bau der Wasserleitung. 1904 bekam der Ort Anschluss an die Butzbach-Licher Eisenbahn; die Strecke wurde in den sechziger Jahren stillgelegt, seitdem verkehren Linienbusse.

Durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten infolge des Zweiten Weltkrieges erhöhte sich ab 1945 die Einwohnerzahl beträchtlich.

Die Kanalisation, 1930 begonnen, wurde 1959 beendet; anschließend wurden sämtliche Straßen asphaltiert. Zur feierlichen Übergabe dieses Straßenausbaus 1960 kam als Ehrengast der damalige Hessische Ministerpräsident Georg-August Zinn. 1965 erfolgte mit Fördermitteln aus dem Hessenplan der Bau eines Dorfgemeinschaftshauses, 1966 erhielt die Gemeinde Birklar anlässlich ihrer 1175-Jahr-Feier für hervorragende Leistungen die Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes Hessen verliehen.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Birklar zum 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Lich eingegliedert. Für Birklar wurde wie für alle Stadtteile von Lich ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Birklar angehört(e):

vor 1742: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Hungen ab 1742: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Hungen ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Hungen (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Hungen (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt HungenPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Hungen des Fürsten Solms-Braunfels. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Hungen; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Hungen“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1841: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Hungen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Lich